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Aus dem Inhalt
Ökobank am Ende ?

 

NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN

"Ökologie ist nicht alles"

- Genossenschaftliche Vermarktung im Naturkostsektor

Sommer.jpg (55882 Byte)Getragen durch die "gegenkulturelle Vision einer `sanften', ökologisch verträglichen, basisdemokratisch organisierten, egalitären Gesellschaft", übernahm die Ökologiebewegung nach Einschätzung des Sozialwissenschaftlers Karl-Werner Brand für die neuen sozialen Bewegungen Ende der siebziger Jahre eine integrierende Rolle. Was aber ist aus der Umsetzung dieser Visionen geworden? Anhand von sechs Genossenschaften im Naturkostsektor wird veranschaulicht, dass einige Unternehmen dieser Branche nicht auf die Verwirklichung demokratischer Ansprüche verzichten, die zusätzlich zur Ökologie zur Vision nachhaltigen Wirtschaftens gehören.

Burghard Flieger, Red. Genossenschaften - Mittlerweile hat die Produktökologie als besondere Form der Qualität bei den meisten Lebensmitteln aus kontrolliert biologischen Anbau ein Niveau erreicht, das den Kenntnisstand des Möglichen in der Aufbruchsphase der Ökologiebewegung weit übersteigt. Der Anspruch, ökologisch zu handeln, beschränkt sich nicht nur auf den Produktbereich. Vielmehr wird auf vielfältige Weise versucht, den Umweltanspuch als konsequentes Gesamtkonzept für Naturkostläden und -betriebe zu vertiefen. Projekte wie PIKAN, ein Qualifizierungsprojekt des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren Einzelhandel, sind kennzeichnend hierfür. Der Name steht für den Anspruch des Nachdenkens über "Praxis, Information, Kundenorientierung, Arbeitszufriedenheit, Naturkost, Total Quality Management." - Viel Stoff für die Beteiligten.

Partizipation als Bereicherung

Aber war da früher nicht einmal noch etwas mehr? Sprach Karl-Werner Brand nicht von dem Anspruch einer "basisdemokratisch organisierten, egalitären Gesellschaft"? Würden hierzu nicht zumindest Ansätze demokratischer Teilhabe in und zwischen Betrieben gehören, die formalrechtlich auch abgesichert sind? Bei diesem sozialen Aspekt nachhaltigen Wirtschaftens fallen die neuen Naturkostbetriebe weit hinter den Errungenschaften früherer sozialer Bewegungen zurück, beispielsweise den traditionellen Konsumgenossenschaften. Einzelunternehmerschaft oder Aktiengesellschaft scheinen die einzigen Unternehmensformen zu sein, die den Erben der Ökologiebewegung bekannt geworden sind.

Allerdings gibt es Ausnahmen. Auch im Naturkostsektor finden sich einige kleine und feine Betriebe, die den Anspruch demokratischer Organisation bis heute auf ihre Fahnen schreiben. Sie sind damit wirtschaftlich oftmals ganz erfolgreich, obwohl oder weil sie den Aufwand partizipativer Strukturen als sinnvolle Bereicherung ökologischer Visionen verstehen. Unter dem Stichwort "Genossenschaftliche Vermarktung" werden im Schwerpunkt dieser CONTRASTE-Ausgabe eine Reihe spannender Beispiele aus dem Naturkostsektor dargestellt. Jedes dieser Unternehmen geht einen eigenen Weg der Vermarktung, praktiziert unterschiedliche Formen der Mitgliederförderung. Gemeinsam ist ihnen allen eine rechtlich abgesicherte Struktur der Kooperation und Partizipation durch die genossenschaftliche Rechtsform.

Vielfältige Beispiele

Das erste Beispiel, die Dreierlei e.G. in Altenschlirf, ist ein Naturkostladen mit sozialgenossenschaftlichen Charakter, in dem die Schaffung von Arbeitsplätzen für Behinderte und deren Versorgung einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Dagegen agiert die Marktgenossenschaft der Naturland Bauern e.G. mit Sitz in Lippborg als Erzeugergemeinschaft. Gegründet als Anbieter von Ökogetreide vertreibt sie heute ein breites Sortiment an Bioprodukten.

Aus dem Spektrum der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften kommen die LANDWEGE e.G. in Lübeck und die Wendland Kooperative e.G. in Hannover. Während die LANDWEGE, erst seit neuem von einem nicht eingetragenem Verein in eine Genossenschaft umgewandelt, mit dem Prinzip der Rückvergütung experimentiert, hat sich die Wendland-Kooperative das Konzept des Mitgliederladens zu Eigen gemacht. Mit einem monatlichen Fixbeitrag können die Mitglieder, und zwar nur die Mitglieder, das breite Sortiment annähernd zum Einkaufpreis der Genossenschaft beziehen.

Dem Großhandel zuzurechnen sind die letzten beiden Beispiele, die Stadt-Land-Genossenschaft e.G. aus Hamburg und die NATURATA e.G., die Anfang dieses Jahres ihren Sitz nach Grünsfeld verlegt hat. Schwerpunkt der Stadt-Land-Genossenschaft ist die Verteilung regional erzeugter Lebensmittel aus kontrolliert ökologischem Landbau mit einer zentral gesteuerten Preisgestaltung für die angeschlossenen Mitglieds-Erzeugerbetriebe. Mit ihrem regional ausgerichteten Konzept bleibt sie beim Wachstum erheblich hinter dem mittlerweile bundesweit vertreibenden Naturkostmarkenartikler NATURATA zurück. Um ihre Entwicklung mit starker Betonung von Qualitätsaspekten finanzieren zu können, strebt die NATURATA eine Umwandlung in die Rechtsform der Aktiengesellschaft an.

Schwerpunktthema Seite 6 bis 10

 

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Stand: 20. Mai 2007