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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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November01

Aus dem Inhalt
Krieg dem Terror?

 

VIELSAGENDE HÄNDE

Gehörlos - aber nicht sprachlos!

Wie interviewt man Gehörlose? Geht nicht. Oder mit Papier und Stift: zu aufwendig. Oder man lernt eine Gehörlosendolmetscherin kennen, die einem ihre Unterstützung anbietet. An dieser Stelle also zuerst einmal vielen Dank an Ilka Seeberger aus Stuckenborstel, ohne die wir diesen Schwerpunkt nicht hätten produzieren können. Sie hat nicht nur übersetzt, sondern auch Kontakte hergestellt und viele Artikel des Schwerpunktes gegengelesen.

Götz Paschen, Redaktion Bremen-Umland - So war es möglich, dass in CONTRASTE Menschen zu Wort kommen, die grundsätzlich öffentlich selten Gehör finden. Damit ist schon ein wesentliches redaktionelles Anliegen von uns verwirklicht: Das Ungleichgewicht der Präsenz in den Medien etwas zurechtzurücken. Mich persönlich langweilen die Phrasen, die ich in vielen Zeitungen von versierten Medienprofis geboten bekomme: Fassade, glattes Lächeln, Anzug, Bügelfalte, selten unter 50, selten emotional, meistens Sieger, meistens Menschen aus Einkommensgruppen, die weit über dem Durchschnitt liegen. Das repräsentiert nicht die Welt, die mich umgibt. Ich habe keine Lust, einer selbstbewussten Minderheit beim Leben und Agieren zuzusehen. Mich interessiert, was in meiner Nähe passiert. Was in den Menschen vorgeht. Und mich interessieren auch diejenigen, die nicht die Kraft haben sich in die erste Reihe zu den Kameras vorzuboxen. Als Journalist hat man dann zwar seltener die Chance, Lachsschnittchen in sich hineinzustopfen und sich elegante Getränke bei festlichen Anlässen in den Hals zu kippen. Andererseits gibt es hier zum Tee oder Sprudelwasser oft menschliche Begegnungen, die einen berühren.

Erst, wenn Berichte auf einer Ebene stattfinden, die für viele greifbar ist, erlebt ein Leser das Geschehen so, dass er Anteil nehmen kann. Und nur dann hat er das Gefühl, dass er verändernd eingreifen kann. Der größte Teil der Ohnmacht, die ich heute erlebe, ist durch Medien produziert. Wie läppisch wirkt der Infotisch in der Fußgängerzone verglichen mit schornsteinkletternden Greenpeace-Aktivisten? Aber ohne Basisaktivitäten vor Ort, wären bundesweite Initiativen gar nicht denkbar. Und wie banal erscheint uns persönlich verantwortliches Handeln vor dem Hintergrund globaler Katastrophen? Bleiben Sie dabei: es gibt nur dieses Leben hier und jetzt.

Neben der Gehörlosigkeit, die in unserem Schwerpunkt Thema ist, gibt es für mich eine zweite: Taube Ohren für alles, was ohne großen Rummel auf einen zukommt. Gehörlosigkeit für Aussagen, die einen berühren sollen aber nicht erreichen. Auch keine einfache Aufgabe, in diesem Getöse mit vernünftigen Aussagen ohne Pauken und Trompeten seine Adressaten zu erreichen. Weder im Privatleben noch in dem Trubel der freien Marktwirtschaft. Oft widersprechen die Ziele inhaltlich den lautstarken Methoden. Kein einfaches Unterfangen, hier eine treffsichere Mischung herzustellen.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

 

 

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Stand: 20. Mai 2007