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Februar01

Aus dem Inhalt
Palästina

 

OSTDEUTSCHE LANDWIRTSCHAFT

Zwischen allen Stühlen

- Agrarproduktivgenossenschaften im Dreiklang von Verdrängung, Anpassung und Experiment

Diskriminierungen jeglicher Art gehören bei den Agrargenossenschaften bis heute zum Alltag. In der Presse oftmals als "Rote Barone" verleumdet sitzt diese Kooperationsform zwischen allen Stühlen. Von den Genossenschaftsverbänden wurde ihr Scheitern durch eine Studie schon in den Anfangsjahren vorausschauend "wertfrei prognostiziert", von der Landwirtschaftslobby werden sie als starke Konkurrenz der westdeutschen Bauernbetriebe immer wieder bekämpft und im alternativen Sektor ist auch heute noch Größe, fehlende ökologische Ausrichtung und die eigenständige Unternehmenskultur Grund genug, sich nicht mit dieser besonderen Form einer Produktivgenossenschaft auseinanderzusetzen.

Burghard Flieger, Red. Genossenschaften - "In Westdeutschland interessiert man sich nicht für uns." "Die wollen uns von seiten der Politik doch nur kaputtmachen." "Es ist glaube ich nicht gut, wenn etwas über unseren Betrieb in Westdeutschland erscheint." Solche ablehnenden Antworten sind charakteristisch, sobald in ostdeutschen Agrargenossenschaften Informationen nachgefragt werden. Die BSE-Krise hat das Misstrauen gegenüber der Presse noch verstärkt. Folgen sind ausgeprägte Schwierigkeiten, Unternehmensporträts zu einzelnen Betrieben zu erstellen. Dabei gibt es eine Vielzahl an Unternehmen, die mit Innovationen aufwarten können: demokratische Unternehmensstrukturen, intensive Frauenförderung, Umstellung auf ökologische Landwirtschaft, regenerative Energieerzeugung sowie Eröffnung neuer Produktionszweige wie Hanf-, Flachs-und Kräuteranbau.

Kampf ums Überleben

Als weiteres zentrales Problem kommt hinzu: Schuldenfrei ins neue Jahrhundert zu gehen, war vielen Agrargenossenschaften in den neuen Bundesländern nicht vergönnt. Sie schleppen einen Berg Altkredite aus DDR-Zeiten mit sich herum, weil ihnen damals die Lasten gemeinnütziger bzw. kommunaler Aufgaben aufgebürdet wurden. Über 430 Millionen DM kommen bei den LPG-Nachfolgebetrieben allein in Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Zwar wird gegenwärtig überprüft, ob die Betriebe aus eigener Kraft in weiteren zehn Jahren - also bis 2010 - in der Lage sind, ihre Schulden zu begleichen. Schaffen sie dies nicht, so besteht die vage Hoffnung, dass andere Regelungen getroffen werden - aber nur für die, die die vielfältigen Benachteiligungen bis dahin überleben.

Der erste Beitrag des Schwerpunkts gibt einen Überblick zu den bestehenden Agrargenossenschaften und ihrer Entwicklung seit der Wende: Wie viele Betriebe konnten den erzwungenen Rechtsformenwandel zum Erhalt genossenschaftlicher Strukturen nutzen? Auch auf den zwiespältigen Umgang der Verbände mit dieser Unternehmensform wird eingegangen. In dem zweiten Artikel verdeutlicht Lutz Laschewski, dass es die Agargenossenschaft gar nicht gibt. Vielmehr lassen sich zahlreiche Sozialtypen unterscheiden. Modelle paternalistischer Fürsorge sind wahrscheinlicher als Basisdemokratien. Dennoch konnten einige Kooperativen - meist nur mit einer kleinen Anzahl von 10 bis 15 beschäftigten Mitgliedern - ihren produktivgenossenschaftlichen Charakter verstärken.

Beispiele aus der Praxis

Ergänzend werden zwei Unternehmensbeispiele ausführlicher skizziert. Klaus Böhme veranschaulicht, wie es der Agrargenossenschaft "Börde" gelingt, sich durch umfangreiche Investitionen in moderne Produktionsanlagen und Technik sowie qualifizierte und motivierte Mitglieder eine Basis für die Zukunft zu schaffen. Altschulden, steigende Bodenpreise und die Schwierigkeiten bei der Tierzucht führen aber dazu, dass das Überleben immer wieder auf harte Proben gestellt bleibt. Entsprechend hat die Bartelshagener Agrargenossenschaft mittlerweile einen eigenen Weg eingeschlagen. Elke Ehlers schildert eindrucksvoll die Möglichkeiten, die sich durch die Umstellung auf Freilandgeflügel als ein Standbein ergeben. Die kritischer gewordenen Verbraucher bevorzugen zunehmend den Kauf artgerecht aufgewachsener Tiere.

Schwerpunktthema Seite 7 bis 9

 

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Stand: 20. Mai 2007