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Februar00

Aus dem Inhalt
Repression

Neues aus der Tauschringszene

Tauschen statt kaufen

februar00.jpg (264642 Byte)Letzten Herbst wurde in Berlin, Prenzlauer Berg vom "Fuggbüro", den "Glücklichen Arbeitslosen", dem "Institut für Vollbeschäftigung und der Erforschung des Unbemerkten", der "Hochstaplerakademie" und einigen Künstlern eine Messe zur Geldbeschaffung - die GBM Geldbeschaffungsmaßnahme organisiert. Eingeladen war auch der Kaufhaus Erpresser, Arno Funke alias "Dagobert", um ein Seminar zur Herstellung von "Geldübergabegeräten" zu halten. "Dagobert" konnte leider nicht kommen...

gbm.jpg (33146 Byte)Ricarda Buch, Redaktion Berlin - Dennoch erfuhren die Besucher der Messe allerlei Neues darüber, wie sie sich das knappe Gut "Geld" verschaffen können. So wurden Prenzlauer Bergwerks Aktien emittiert, ein Lehrfilm über Taschendiebstahl wurde gezeigt, in einer Werkstatt kontemplativ das Knacken von Schlössern geübt und ein Wettlauf von (un)glücklichen Arbeitslosen veranstaltet. Mit Tafeln auf denen geschrieben stand, "Spende und du wirst ewig leben", "Spende und du wirst deiner großen Liebe begegnen", "Spende und du wirst so gut wie Kapielski" (einem Berliner Underground-Künstler) wurde das Publikum aufgefordert, seine Taschen zugunsten der Kultur zu leeren. Leider mehr oder weniger erfolglos, denn die Subkultur war abgesehen von professionell neugierigen Medienvertretern unter sich. In der Abschlussdiskussion zeigte sich der Existenzdruck, in den Künstler und Künstlerinnen in der Krise geraten. Denn bei einem Staatsdefizit von 1,5 Billionen DM bleibt zur Subventionierung von Kunst und Kultur jenseits des Gewohnten nichts übrig. Aber nicht nur die Armut nimmt in der Kulturszene zu, sondern auch die Kritik am herrschenden Geld- und Verteilungssystem: So wurden auf der Messe u.a. auch Geldscheine verbrannt.

In dieser Ausgabe von CONTRASTE geht es aber nicht vorrangig um die Kritik am bestehenden Geldsystem, sondern wieder einmal um die Auswege - um tauschen statt kaufen. Der Unternehmensberater und Autor Helmut Saiger meint in einem Interview mit Radio Ruhr, das uns Volker Windisch vom Tauschring Essen besorgt hat, dass laut einer EU-Studie durch E-Commerce und Internet weitere 3 bis 7 Millionen Arbeitsplätze vernichtet werden. Er macht sich Gedanken zur Zukunft der Arbeit, die er im Ausbau der Eigenarbeit mit neuen Formen des Do-It-Yourself der Familienarbeit sieht, er fordert aber auch eine Weiterentwicklung der "Tauscharbeit" und eine andere Entlohnung von Gemeinsinnarbeit (vom Ehrenamt) oder der Bildungsarbeit, die über Gutscheine entlohnt werden könnten. Voraussetzung dafür ist, dass Kommunen und Betriebe Bürgergeld oder Tauschgeld akzeptieren. Wie so etwas umgesetzt werden könnte, dazu hat der Verein Neues Lernen e.V. ein Projekt entwickelt und beantragt, das bei Bewilligung zunächst in den Berliner Bezirken Marzahn und Schöneberg neue Zielgruppen und freie Träger in Tauschringe integrieren will. Vor dem Hintergrund eines fortschreitenden Verdrängungsprozesses von Frauen aus dem Erwerbsleben geht es in dieser Ausgabe auch um Tauschringe als Modell zum Entgelt sonst unbezahlter Familienarbeit. Schließlich sei noch zum Thema Tauschringe auf eine Rezension des neuen Buches von Bernard Lietär - Das Geld der Zukunft - Über die destruktive Wirkung des existierenden Geldsystems und die Entwicklung von Komplementärwährungen hingewiesen.

Schwerpunktthema Seite 6 bis 9

 

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Stand: 07. August 2008