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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Editorial

Aus Wandelsblatt Nr. 1, Oktober 1984

Am Rande ...

Unbeachtet, schon fast „am Rande" der Projektmesse produzierte eine Arbeitsgruppe in zwei Sitzungen deren vielleicht bedeutendstes Ergebnis: das WANDELSBLATT, die Zeitung für Selbstverwaltung.

Ungeachtet aller Streitigkeiten in Einzelpunkten, unabhängig davon, ob der eine mehr Kommune will und die andere mehr Betrieb, ob dem einen die ständigen Organisationsdebatten zum Hals heraus hängen und der anderen der Psycho-Klump - eines ist allen klar geworden: wenn wir uns nicht in die Lage versetzen, uns kontinuierlich auszutauschen, zu informieren und zu diskutieren, dann hat das Ganze keine Chance, sich zueinander zu entwickeln.

Kein Treffen. auf dem nicht über weite Strecken erstmal der gegenseitige Informationsstand hergestellt werden mußte, kaum ein Gespräch ohne tiefgreifende Mißverständnisse, mühsame Suche nach dem Faden der gemeinsamen Diskussion, der nach dem letzten Treffen wieder mal abgerissen ist.

Das WANDELSBLATT ist Teil der Strukturen, die wir uns schaffen, um kontinuierlich Kontakt zu halten, um nicht nur vom Anspruch her unsere Bewegung gemeinsam weiterzuentwickeln.

Und - das ist das Neue beim WANDELSBLATT gegenüber seinen Vorgängern („Wir wollen's anders", „Basis", „Betriebszeitung" in der TAZ, „Hick-Hack" und „Viererbande"): diese Zeitung ist in großer Runde gemeinsam geboren worden.

Am (runden) Tisch saßen Vertreter der Regionen Berlin, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Stuttgart, München und Rhein-Main. Es ging nicht über das „Ob" oder „Ob nicht", es ging um die Frage, wie ein solches Kommunikationsorgan der Bewegung angegangen werden und aufgebaut sein muß, um diesem Anspruch auch gerecht werden zu können.

Wir wollen's nach wie vor anders; deshalb versuchen wir so dezentral wie möglich: wer immer will, soll sich praktisch an der Zeitung beteiligen können, und das meint mehr als nur die Möglichkeit, Artikel zuzusenden.

Es gibt von Anfang an autonome Redaktionen. Die Berliner, die Bremer und wir in Rhein-Main fühlten uns der Aufgabe gewachsen, die Erstellung je einer Ausgabe garantieren zu können. Das sichert die ersten drei Ausgaben des WANDELSBLATT. Die anderen Regionen, in denen die Zusammenhänge soweit noch nicht entwickelt sind, können trotzdem aktiv werden: indem sie eine oder mehrere regionale Seiten autonom gestalten. Sobald sich weitere Personen in der Lage fühlen, eine Zeitung zu machen, treten sie dem Herausgeberkreis bei. Und der rege Zuspruch, den das WANDELSBLATT finden wird, wird die Schwierigkeiten der Zeitungsproduktion in Zukunft wohl auch erheblich mindern.

Das WANDELSBLATT wird monatlich erscheinen. Es soll einen Umfang von 16 Seiten haben und für Kollektive nicht mehr als 2 Mark kosten. Dies, damit in den Kollektiven möglichst jedes Mitglied die Zeitung abonnieren kann. Eine der schönsten Erfahrungen mit der „Viererbande", der Zeitung des Hessenverbandes, war die Tatsache, daß Diskussionen über die Inhalte in den Betrieben selbst stattgefunden haben. Und dazu kommt es sonst nur selten, weil Zugesandtes in unseren Betrieben spätestens beim Dritten verschwindet.

Wir werden das WANDELSBLATT drei Ausgaben lang allen uns bekannten Betrieben, sozialen und kulturellen Projekten und den politischen Initiativen zusenden. Ihr sollt nicht nach der ersten Nummer schon urteilen müssen - die nächsten Ausgaben werden den eigentlichen Anspruch wohl deutlicher machen. Wir werden die Netzwerke bitten, diese Startphase mit 10.000 Mark finanzieren zu helfen.

Nichtsdestotrotz wäre es toll, wenn die von euch, die schon lange auf eine solche Möglichkeit gewartet haben, den Ansatz von Anfang an unterstützten, indem sie reagieren (Beiträge) und abonnieren.

Das WANDELSBLATT kostet im Abo 24,- für 12 Ausgaben. Mehrzahlungen werden wir nicht als Spenden verbuchen, sondern damit das Abo entsprechend verlängern.

Überweist bitte auf das Konto der Frankfurter Sparkasse von 1822 Nr. 0346-073057 (Sonderkonto) J. Gelbrich.

Das WANDELSBLATT dient in erster Linie der Kommunikation zwischen den Gruppen und Betrieben. Gleichwohl sind Einzelabos von interessierten Außenstehenden möglich.

Und zum Schluß noch ein ganz wichtiger Hinweis: das WANDELSBLATT erreicht einen sehr weit gefaßten Bereich der „Bewegung". Viele werden mit den in diesen ersten Ausgaben bearbeiteten Themen nicht auf der Stelle etwas anfangen können. Wenn ihr euch dadurch nicht beirren laßt und umgekehrt dafür sorgt, daß auch eure spezifischen Diskussionen im WANDELSBLATT ihren Niederschlag finden, könnten wir uns einem neuen Ziel ein Stück weit annähern. Dem Versuch die ohne Kontakt zueinander parallel arbeitenden Teile der Bewegung in Kontakt miteinander zu bringen.

 In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen

die Redaktion

    

 

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Stand: 07. August 2008