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HANDELN - nicht behandelt
werden !
Soziales Engagement? Ach
so! Die AG SPAK plaudert aus 14-jähriger Alternativgeschichte.
Als die AG SPAK 1970
gegründet wurde, war natürlich ,,alles ganz anders". Die ,,Aktivisten" wollten
mit ihrer Arbeit z.T. ,,nur" helfen, andere ,,Massenhilfsorganisation" sein. Das
Delegiertenprinzip und das ,,imperative Mandat" war wichtig. Es gab intensive
Theoriediskussionen, das Wort ,,kein Bock" war noch nicht im Sprachgebrauch - auch
der Begriff ,,frustriert" war noch nicht erfunden.
Es handelt sich hier
um kein Märchen, sondern die AG SPAK gibt es immer noch - und es wird Zeit, sie doch kurz
vorzustellen.
Also: DIE
ARBEITSGEMEINSCHAFT SOZIALPOLITISCHER ARBEITSKREISE ist ein Zusammenschluß (dauernder
Versuch) verschiedener Gruppen und Einzelpersonen. Ziel unserer Arbeit ist einmal,
Möglichkeiten für einen Erfahrungsaustausch, für Diskussion und Reflexion von Theorie
und Praxis zu ,,bieten".

Wir müssen nun noch
ganz schnell unsere ,,Projekt- und Arbeitsbereiche" vorstellen, weil dadurch
deutlicher wird, wie verschieden Ansätze, Interessen und die konkrete Arbeit in dieser
,,AG SPAK" sind.
 | Obdachlosenarbeit:
(Kinder-Jugend-siedlungsbezogene Arbeit). Die dauernden Diskussionen sind: ,,Helfen",
,,integrieren", ,,Ursachen der Obdachlosigkeit angehen"... |
 | Stadtteilarbeit (in Kooperation mit dem ,,AK
Wohnen und Umwelt im BBU") - zu: Stadtsanierung, ökologische Stadtgestaltung,
Mieterarbeit) - Vernetzung geschieht durch den INFODIENST WOHNEN UND UMWELT. |
 | Knastarbeit: Von der
Resozialisierungsarbeit zur Beschäftigung mit kriminalpolitischen Fragen. |
 | Koordinierungsstelle
für Wohngemeinschaften (KOST), 1976 gegründet. Zweck ist die Förderung der Wohngemeinschaftsarbeit im
Bereich der Jugend- und Sozialarbeit... Mit Seminaren, Beratertreffen, Publikationen zur
WG-Arbeit, einem Rundbrief hat die KOST eine wichtige Vernetzungsfunktion in diesem
Bereich. |
 | Psycho-Projektbereich
- aus Kreisen
studentischer Laienhelfer vor ,,ewigen Zeiten" entstanden. Viele Tabus wurden durch
die Arbeit der in diesem Bereich engagierten Gruppen überwunden. Forderungen zur
Abschaffung der psychiatrischen Großkrankenhäuser zugunsten von Tageskliniken,
Kriseninterventionszentren sind heute selbst in Therapeutenmunde. Die Gruppen arbeiten
auch weiterhin unterschiedlich: Patientenclubs, Beschwerdezentren, therapeutische
Wohngemeinschaften, Selbsthilfegruppen. |
 | Die selbstverwalteten Jugendzentren begannen um 1975 mit ihrer
Zusammenarbeit. Diese selbstverwalteten Jugendzentren (,,Laßt uns Träumen, Hoffen,
Kämpfen für Selbstorganisation") wollen keinen Verband, sondern eine Form der
Zusammenarbeit, die sich ,,wie ein lockeres Netz über die Landschaft ausbreitet". Es
gibt ,,in diesem unserem Lande" über 1.000 kleine und größere Jugendzentren - und
Initiativen. Schriftliches Kommunikationsorgan ist die ,,Wandzeitung für
Jugendzentren" im A3-Format, so daß sie am ,,schwarz-grün-roten-Brett"
aufgehangen werden kann. |
 | Provinzarbeit. Der ,,Provinzbereich"
versteht sich als ,,Serviceleistung" zur Verbesserung der Kommunikation von
Provinzprojekten und Leuten, die in der Provinz leben und sozial und politisch überleben
wollen. Der PROVINZRUNDBRIEF ist neben den Treffen und den Buchpublikationen das
,,Vernetzungsinstrument". |
 | Alternative
Ökonomie: die
,,Klassiker" von Rolf Schwendter arbeiteten das Thema erstmals auf. Heute ist z.B.
der ,,Theoriearbeitskreis alternative Ökonomie" ein ,,bunt" zusammengesetzter
Kreis, dem dieser ganze Bereich weiterhin zu wichtig ist, um ihn allein theoriefeindlichen
Praktikern, bzw. praxislosen ,,AÖ-Gurus" zu überlassen. Was sich z.B. beim schon
legendären ,,AÖ-Sommerseminar" 1983/1984 an Kreativität, Diskussionen etc. getan
hat, ist in den Seminarzeitungen" nachzulesen. Seminarzeitung '83: 250 Seiten,
5.1984 260 Seiten, 15.-- DM. |
 | Behindertenarbeit -
Krüppelinitiativen. Dieser Arbeitsbereich hat sich erst heuer der AG SPAK angeschlossen. Aktive
Behinderte aus dem Bundesgebiet haben z.B. im ,,Jahr der Behinderten" auf dem
Krüppeltribunal auf ihre Diskriminierung und Aussonderung in allen Lebensbereichen
hingewiesen. Schwerpunkt (und oft eine frustrierende Arbeit weil die soziale
Ungerechtigkeit, der ,,Sozialabbau" zu schnell galoppiert) ist, sich gegen die
fortschreitenden Kürzungen im Behindertenbereich zur Wehr zu setzen. |
Wichtig ist auch
hier, daß das Verständnis in der AG SPAK nicht nach dem Sankt Florians-Prinzip läuft:
heiliger Sankt Florian, verschone unser Haus, zünd's andere an.. sondern gerade durch das
Zusammenkommen von so vielen Bereichen wird immer deutlicher, daß eigentlich alle
zusammenarbeiten müssen. Aber das durchzusetzen, da läuft man schon noch gegen Mauern -
und so werden weiter die verschiedenen Gruppen Benachteiligter gegeneinander ausgespielt.
Puh, ist es jetzt
verständlicher, warum wir uns schwertun, auf die Frage ,,was ist eigentlich die AG
SPAK" eine knappe, kurze Antwort zu geben?
Worum wir froh sind,
daß wir jetzt eine kleine, brauchbare Selbstdarstellung haben, mit Adressen usw. -
(Erhältlich gegen Rückporto bei der Geschäftsstelle, Kistlerstr., 8 München 90).

Der Rost der
Zeit...
Es ist einmal schon
beachtlich, daß ein Zusammenschluß wie die AG SPAK überhaupt solange lebt (überlebt).
Das Wort ,,Krise" ist ein Dauerthema, das Wort ,,Basis" ein Reizthema.
Einige meinen, wir
sollten (wieder) eine Verbandsstruktur haben mit ,,aktiven Mitgliedsgruppen" etc. -
andere sehen mehr, daß die ,,Aktivisten.. die Kontakte halten. die die Arbeit machen, die
,,vernetzen", die Interesse haben, über den eigenen Projekttellerrand zu schauen,
letztendlich die AG SPAK ausmachen.
Wir leiden an linken
,,Modeerscheinungen". Als Übriggebliebene aus dem sozialpolitischen Engagement haben
wir gesehen, wie wichtige, aktive Leute aus der Obdachlosenarbeit, der Knastarbeit etc.
ausgestiegen sind (entweder ganz auf den Innerlichkeitstrip) oder, weil das Thema der
Stunde Ökologie hieß, oder ,,Anti-AKW" oder jetzt ,,Frieden". Das scheint ein
deutsches Phänomen zu sein, dann voll auf die jeweils neue Sache einzusteigen, und all
das, was vorher gemacht wurde, als ,,überholt" zu kritisieren. (Vielleicht sehe ich
das auch falsch...?)
Wir sehen weiterhin
unsere Aufgabe darin, ein ,,Durchlauferhitzer'' zu sein, d.h. Leute machen in der
Mitarbeit in Projekten Erfahrungen, z.T. über eine ganz andere Lebenswelt. Wenn das gut
aufgearbeitet wird... so sind das Erfahrungen, die später in der Mitarbeit in anderen
Gruppen ganz wichtig sind. Durchlauferhitzer heißt aber selbstkritisch auch: die Leute
bewegen sich, aber die AG SPAK tritt auf der Stelle. Für viele der ,,alten Hasen"
(sprich Koordinationsleute) war das der Grund, den Krempel hinzuschmeißen. Es ist aber
auch nervig, daß ,,neue Leute" immer die gleichen Fragen stellen, bis sie an die
Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen, dann mit der Arbeit im Projekt, in dem Arbeitskreis
aufhören und andere wieder da anfangen, wo's vor 2 oder 3 Jahren mal losgegangen ist. Mit
den Leuten gehen viele wichtige Erfahrungen das Problem, daß dadurch schwer eine
,,geschichtliche Betrachtungsweise" erreicht wird, haben wir wohl mit vielen
Gruppierungen.
Man/Frau soll unsere
Bücher nicht nur loben, sondern auch kaufen und lesen:
Das Mittel
,,Seminare" ist problematischer geworden. Viele Leute haben keine Lust, am Wochenende
quer durch die Republik zu ,,düsen". Nicht nur von daher sind unsere Bücher ein
wichtiges Instrument in der sozialpolitischen Arbeitslandschaft. Mit nicht wenigen
Publikationen waren wir sowas wie ein ,,Vorreiter" - wie ,,Plutonium und
Polizeistaat"(l977) oder im Knastbereich ,,Für die Einführung von Tariflohn und
Sozialversicherung im Knast" (1975) oder ,,Jugendwohnkollektivarbeit" (1976) -
diese Titel nicht bestellen, sind total vergriffen! Gegen den Begriff ,,Randgruppe"
sind wir schon 1975 vorgegangen und die Einschätzung, daß es sich dabei um ein
begriffliches und konzeptuelles Windei handelt, kann man/frau heute noch gültig in
,,Empirie der Subkultur" nachlesen. Die im Buch ,,Obdachlose in der BRD" 1977
geführte Diskussion um die Trendlinien kommunaler Obdachlosenpolitik ist - wie die
Geschichte so geht - leider heute wieder aktuell. Auf die Bände zur ,,alternativen
Ökonomie" haben wir schon hingewiesen - und wer weiß schon, daß sich unser
,,Provinz-Jahrbuch Nr. 1" auch mit Themen wie ,,Friedensarbeit in der Provinz"
beschäftigt.
Für viele, viele
Projekte wichtig ist z.B. die Broschüre, die im Rahmen der SELBSTHILFEMATERIALIEN (nicht
nur) für Jugendzentren erschienen ist: RECHTLICHES, NICHT NUR FÜR JUGENZENTREN. Im Buch
SOZIALARBEIT IN LATEINAMERIKA... wird eine starke Kritik an der Funktion von
Selbsthilfegruppen innerhalb der ,,Marginalitätstheorie" geübt und Beispiele
vorgestellt, wie die Unterdrückten von einer Fremdbestimmung zu einer Selbstbestimmung
kommen...

Schluß, rapider:
Also, Frust ist bei
uns genug da, zuviel Arbeit für zuwenig Leut ist da - und wenn ihr jetzt noch mehr wissen
wollt (pragmatische Bitte: Rückporto nicht vergessen), könnt ihr Euch ja melden.
AG SPAK
Bundesgeschäftstelle, Kistlerstr. 1, 8000 München 90
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