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Pressemitteilung, 17.7.2005

Neonazis drohen schon im Vorfeld des Rudolf-Hess-Gedenkmarsch mit Gewalt

In einschlägig bekannten rechtsextremen Internetforen mobilisieren Neonazis dazu, antifaschistische Informationsveranstaltungen zu "besuchen". Ein Dorn im Auge ist ihnen der diesjährig sehr breit angelegte antifaschistische Widerstand und die zahlreich stattfindenden Informationsveranstaltungen gegen die Verherrlichung des ehemaligen Hitler Stellvertreters Rudolf Hess, der im fränkischen Wunsiedel begraben liegt. Am 21. August 2004 marschierten hier etwa 4500 Alt- und Neonazis. Der Hess-Gedenkmarsch hat sich zu einem der wenigen jährlichen Veranstaltungen der deutschen und internationalen Naziszene entwickelt, die als Schnittstelle für verschiedene Generationen und Spektren der extremen Rechten dient.

"Wir verfolgen die Vorgänge in den Internetforen der Nazis aus eigenen Sicherheitsgründen", so Korinna Pflug von der Kampagne NS-VERHERRLICHUNG-STOPPEN!. "Zwei unserer Veranstaltungen, in Kassel und Bensheim, wurden bereits von Neonazis »besucht«, wenn auch nicht mit Erfolg". Mitglieder der Kampagne vermerkten eine aggressivere Haltung von Neonazis auf ihren Internetplattformen als im letzten Jahr, sowohl den diesjährigen Naziaufmarsch am 20. August betreffend, als auch im Vorfeld, "dazu gehören die Versuche, unsere Veranstaltungen zu stören und Kampagnenmitglieder zu bedrohen." erklärt Pflug weiter. Darüber hinaus wird in den Internetforen der extremen Rechten befürchtet, dass der "Hess-Gedenkmarsch" in "die Hose gehen" könnte, angesichts des breiten Widerstands dagegen. Einige extreme Rechte kündigten an, so Pflug, "dass sie dieses Jahr »nicht nur trauern« wollten." Als nächstes will das rechtsextreme, sogenannte Aktionsbüro West in Köln und Leverkusen, zeitgleich zu antifaschistischen Informationsveranstaltungen, "Demonstrationen" durchführen. Korinna Pflug wertet solche Aktionen und Aussagen "als Indiz für eine steigende Gewaltbereitschaft der Nazis beim diesjährigen Rudolf-Hess-Gedenkmarsch".

Am 4. Juli 2005 hat das Landratsamt Wunsiedel den diesjährigen "Hess-Gedenkmarsch" verboten. Ob es bei dieser Rechtslage bis zum 20. August diesen Jahres bleiben wird, ist bisher noch ungeklärt. Bisher mobilisiert weiterhin eine Vielzahl neonazistischer Gruppen in die fränkische Kleinstadt.

Die Kampagne NS-VERHERRLICHUNG-STOPPEN! ruft dieses Jahr vor allem vor dem Hintergrund des 60sten Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus, dazu auf, sich an den Protestaktionen gegen den Nazi-Aufmarsch am 20. August in Wunsiedel zu beteiligen. "Wir müssen zeigen, dass hier und überall kein Platz ist für die Verherrlichung des Nationalsozialismus. Wir werden öffentlich deutlich machen, dass Rudolf Hess kein Märtyrer oder Held war, sondern ein verurteilter Nazi-Kriegsverbrecher und dass wir alle zusammen gegen eine solche Verdrehung der Geschichte erfolgreich Widerstand leisten können.", erklärt die Pressesprecherin Korinna Pflug.

Weitere Informationen sind unter www.ns-verherrlichung-stoppen.tk erhältlich. Dort sind auch die Informationsveranstaltungen aufgeführt, die in den nächsten Wochen im gesamten Bundesgebiet stattfinden.

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