Euromayday 2008 schwärmt aus
25.03.2008 19:44
Das Nachbereitungstreffen zum diesjährigen Euromayday findet am Mi., 21.05.2008 um 20h im Buttclub statt.
Bericht vom diesjährigen Konvoi nach Barmbek
Da haben wir einmal auf die Pünktlichkeit der Gewerkschaften gesetzt und dann kamen und kamen sie nicht… Dieses Jahr sind wir nach Barmbek ausgeschwärmt, um den EuroMayday mit der antifaschistischen Mobilisierung gegen den 1. Mai-Umzug der Nazis zu verbinden. Der Endkundgebungsort des DGB war unser Startpunkt, um möglichst viele GewerkschafterInnen nach Barmbek mitzunehmen. Damit wollten wir die Teile der Gewerkschaften, die den Rückzug des DGB aus Barmbek kritisiert hatten, unterstützen. Der Drang auszuschwärmen war allerdings zu stark, um darauf zu warten, dass die DGB-Demo in St. Pauli ankam.
Die vielfältigen Gefährte setzten sich also gegen zwölf Richtung Karoviertel in Bewegung, nachdem wir beim Auftakt noch ein Abwertungs-Kit gegen Gentrification mit auf den Weg bekommen haben. Vorneweg ein Schwarm von Fahrrädern und die fahrende Hafen-Vokü mit eigenem Soundsystem. Dahinter der EuroMayday-Lautsprecherwagen mit der fliegenden Multitrude und dem Slogan des diesjährigen Konvois „EuroMayday schwärmt aus“. Der Rhythmus der Pedale wurde von Silly Walks Movement und Stoecker Stereo vorgegeben. Darauf folgte der ARGE-Basta-Wagen, auf dem das ARGE-Monster in Schach gehalten und ein schönes Leben für alle gefordert wurde. Premiere hatte dieses Jahr der Kinderbus, der mit dem Slogan „Rathäuser zu Spielplätzen“ mitfuhr. In diesem Bus fuhr auch Miss Precarity mit, die diesen Titel unter anderem wegen ihrer Alleinerziehendenmutterschaft trägt. Gefolgt von einem gelben Oldschool-Bus, der sich auf dem Weg nach Barmbek mehr und mehr füllte und Unterwegszusteiger auflas. Am Ende fuhren die Hochzeitsgesellschaften, die eine Schutzehe für illegalisierte MigrantInnen propagierten. Die Kühlerfigur, die fliegende Kanaktasche, fand sich auf allen Wagen wieder und wies uns den Weg.
Bei der ersten Zwischenkundgebung im Univiertel, wurde der Konvoi interessiert bis begeistert von den in der Sonne sitzenden CafébesucherInnen begrüßt. Ein Redebeitrag thematisierte Studium und Prekarität.
Auf der Fernsicht-Brücke wurden viele AlsterspaziergängerInnen ZeugInnen des EuroMayday-Umzuges und die SkaterInnen drehten ihre Runden mit den Sprechblasen „Für ein feministisches Comeback“ und „Masturbieren statt Volksgemeinschaft“. Es gab kurze Redebeiträge zu der "mir reicht's...nicht!"-Kampagne, zur Schwarmintelligenz, zum europäischen Euromayday-Netzwerk und zu Mikrofaschismen im Alltag, sowie einen Beitrag zu Lidl. Auf der Barmbeker Straße angekommen, feierten wir erst einmal eine Weile. Mit Kampnagel als Endpunkt wollten wir uns nicht begnügen und entschieden weiter bis zur Fuhlsbüttler Straße zu rollen. Dort trafen wir auf eine Blockade von mehreren Hundert Antifas, die sich über unseren Precarity-Soundtrack freuten. Von da aus ging es kreuz und quer durch Barmbek auch Polizei-Absperrungen konnten uns nicht stoppen. Zwei Spontandemoanmeldungen und viele Kurven später, endete der Konvoi nahe S-Bahn Ohlsdorf mit der Nachricht des Abbruchs der Nazidemo.
Verwundert waren wir, dass tatsächlich an diesem Tag unser Konzept von Mobilität und Flexibilität aufging. Dennoch kann der 1.Mai für uns nicht einseitig als Erfolg verbucht werden. Wir hatten so spät mit der Mobilisierung begonnen, dass viele gar nicht wussten, dass der EuroMayday stattfand.
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