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Aufrufe zur Parade in Hamburg

Unterklasse positiv - Avanti - Petra Parker & Clark Kent , 19.04.2007 10:57

'Unterklasse positiv' - 'Avanti' und 'Petra Parker & Clark Kent' rufen dieses Jahr zur Teilnahme an der Hamburger Parade auf:
Du findest das Faltblatt hier als Bild eingefügt wie auch als PDF zum download!

Aufruf-Faltblatt (beidseitig, PDF, 1 MB) -

Aufruf-Faltblatt (außen)
Aufruf-Faltblatt (außen)

Aufruf-Faltblatt (innen)
Aufruf-Faltblatt (innen)

------------Aufruf "unterklasse positiv"------------------------------------------------------

MIR REICHT’S - Kommt näher Freundinnen und Freunde

007 soll im Zeichen von uns selbst stehen. Als Helden unseres Lebens treten wir kaum in Erscheinung. Die Arbeitslosigkeit, ein absonderliches Phänomen? Der Erwerbslose, das unbekannte Wesen? Wer sind wir? Unfreiwillige Helden? Gescheiterte Existenzen? Menschen, Schicksale, Aktenzeichen - eingezwängt als die Arbeitslosen?

Was bin ich?
Ich bin beleidigt, gedemütigt und zornig. Ich schlage die Zeitung auf, sie schreiben über mich. Ich gehe zum Amt, sie verfügen über mich. Sie sprechen über mich, als wäre ich nicht da. Sie schreiben über mich, als wäre ich ein Ding.

Ich bin kein abgehängtes Prekariat – schnell als Unterschicht einverleibt und vergessen.
Erwerbslosigkeit ist gewollt und sät Zwietracht. Es gibt ein krasses (Nicht-)Verhältnis zur Arbeitslosigkeit. Es gibt die Erwerbslosen. Es gibt die Beschäftigten, die sich von 1-Euro-Jobs und Arbeitslosen bedroht fühlen. Es gibt die Leute, die von der Arbeitslosigkeit anderer leben.
Konzeptionell basiert es auf der Furcht vor sozialem Abstieg und gesellschaftlicher Ächtung. Eine Psychologie der Angst und Ausgrenzung. Mit ALG II als bedingte Minimalversorgung werden Arbeitslose verfügbar gemacht. Wiedereingliederungsvereinbarungen und 1-Euro-Jobs als entrechtete Arbeitsverhältnisse erzwingen Willfährigkeit und sind oft mit Nötigung verbunden. ARGE und HAB setzen das durch und GRONE, B&B u.a. machen ihren Schnitt. Meist steht kein reales Arbeitsangebot dem Zwang zur Arbeitsaufnahme gegenüber.

MIR REICHT’S – NICHT beim Amt um das zu betteln was uns zusteht.
Wir brauchen vernünftige Arbeitsverhältnisse mit einem Mindestlohn und mehr. Wir brauchen keine 1 Euro-Jobs. Wir brauchen ein bedingungsloses Grundeinkommen als Maßnahme gegen die Altersarmut statt ALG II, welches selbst Altersarmut hervorruft. Es haben zu lange andere über die Arbeitslosigkeit geredet. Jetzt sprechen wir selbst von uns.

Also raus in den 1.Mai mit Transparent und als Superheld kostümiert. Oder einfach Spaß haben auf der EuroMayday-Parade. Ja, Spaß dabei sich zu wehren. Geniert euch nicht. Wir warten schon zu lange mit dem, was wir zu sagen haben.


-----------Aufruf Avanti – Projekt undogmatische Linke--------------------------------------

Vom Euromayday nach Heiligendamm!

Die Debatte um Prekarisierung versucht Verbindungslinien zwischen den unterschiedlichen Facetten der Transformation der Arbeit zu ziehen. Der Euromayday soll einen Ort schaffen, wo illegalisierte Reinigungskräfte, PraktikantInnen, Projektarbeitende und 1-Euro JobberInnen in Kommunikation treten können. Der Austausch von alltäglichen Widerstandsformen und ein symbolisches Aufbegehren gegen die Zumutungen des Kapitalismus steht im Zentrum der Mobilisierung zur Parade. Denn Prekarisierung untergräbt zunehmend die klassischen Formen von Protest und Streik. Die Subjektivierung der Arbeit bringt eine Übertragung der Arbeitskontrolle auf jede/n Einzelne/n mit sich. Wie sollen moderne Tagelöhner gegen die eigene Ich-AG oder den Putz- oder Callcenter-Job streiken? Das Erleben von Kollektivität und Solidarität war eine wichtige Grundlage der Entstehung der ArbeiterInnenbewegung. Häufig wechselnde Arbeitsplätze und eine Selbstunterwerfung unter den Individualismus erschweren dies heute. Deshalb ist die Suche nach Widerstandsformen immer die Suche nach Kollektivität und symbolischer Gemeinsamkeit. Der Mayday kann ein solches Symbol sein, da er eine Tradition ArbeiterInnenbewegung aufgreift und neue Impulse aufnimmt. Die Überflüssigen und Superhelden repräsentieren diese Verweigerung gegen den Unterwerfungsimperativ des Arbeitslebens, der Konkurrenz und der Ellenbogengesellschaft. Die Dominanz dieser ideologischen Begleitmusik des Kapitalismus erscheint übermächtig. Die scheinbare Alternativlosigkeit dieses Systems soll über Inszenierungen wie den G8-Gipfel zementiert werden. Er steht als globales Symbol für den Zustand dieser ramponierten Welt. Der im Juni stattfindende Gipfel kann jedoch auch zum Kristallisationspunkt einer neuen kollektiven Widerständigkeit werden. Superhelden und KernkraftgegnerInnen, Autonome und GewerkschafterInnen können gemeinsam debattieren und blockieren. Die Proteste der „Bewegung der Bewegungen“ bilden eine Collage der Kämpfe dieser Zeit. Jede und jeder von euch kann einen Teil dazu beitragen.

---------Aufruf SpiderMum & SuperFlex alias PetraParker & ClarkKent-------------------------

Superheroes of the world unite and take over

Wenn uns jemand fragen würde, was die erste Euromayday-Parade in Hamburg für uns bedeutet hat, dann würden wir so antworten: Auf der Parade am 1. Mai 2005 haben wir unsere Vereinzelung und scheinbare Ohnmacht hinter uns gelassen und das Schweigen über prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse durchbrochen.
Weniger als zwei Jahre später hat sich diese Situation zumindest vordergründig deutlich geändert. Spätestens seit der Studie „Gesellschaft im Reformprozess“, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegeben wurde, werden prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse auch in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert. „Generation Praktikum“ und „abgehängtes Prekariat“ sind in aller Munde. Selbst das Hamburger Abendblatt berichtet über Dumpinglöhne in Luxushotels. Zugleich bringt die aufgeregte Debatte um die „neue Unterschicht“ andere Formen des Schweigens hervor. Anstatt neue Perspektiven zu entwickeln und das Gemeinsame von Praktikanten und Erwerblosen, von freelancerinnen und Putzfrauen zur Sprache zu bringen, werden bestehende Fragmentierungen wiederholt. Zugleich verschwinden hinter dem Bild der passiven und fürsorgebedürftigen Unterschicht alltägliche Widerstände und Konflikte. Oder um es anders zu formulieren: Die in den Massenmedien geführte Debatte ist wie ein Spidermum-Comic in dem nur Petra Parker vorkommt.
Ohne Zweifel: Das Gefühl der Ohnmacht und Angst vor der Zukunft gehören zur Prekarität wie die Schüchternheit zu Petra Parker. Aber dies ist nur eine Seite unserer Geschichte. Wir haben gelernt, mit der Prekarität umzugehen. Wir haben jeder und jede für sich Superheldenkräfte entwickelt, die uns in der Stadt der Millionäre das alltägliche Überleben ermöglichen. Jetzt ist es an der Zeit, aus dem Verborgenen zu treten. Lasst uns den angeblichen Experten in den Medien und Parteien zeigen, wer wir wirklich sind.
Packt eure Superheldenkostüme ein und kommt zur Euromayday-Parade!

P.S. Falls euer Kostüm gerade in der Reinigung ist: Es werden welche vor Ort zu bekommen sein.