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Ergaenzungen
Hamburger Abendblatt
14.05.2006 - 09:53
Maskierte plünderten Edel-Markt
"Meine Mitarbeiter waren geschockt", berichtet Alexander Scheumann, Marktleiter des "Frische-Paradies Goedeken" an der Großen Elbstraße, dem Supermarkt mit sehr exquisitem Sortiment. Freitag vormittag stürmten etwa 15 buntmaskierte Männer und Frauen in das Geschäft, griffen sich Champagner, Hirschkeulen, Edel-Konserven und Frischware im Wert von 1500 Euro und verschwanden in Sekundenschnelle.
Am Eingang hinterließen die Kostümierten einen Blumenstrauß und eine Nachricht. Darin präsentierten sie sich als "Superhelden" im Einsatz für die Benachteiligten der Stadt. Die erbeuteten Waren, so schrieben sie, würden sie an Eltern und Erzieher einer Kita, Ein-Euro-Jobber, Putzfrauen an der Uni und Praktikanten einer Werbeagentur verteilen. Wer die "Superhelden" unterstützen wolle, könne am Montag zur "Euromayday"-Kundgebung an den Michel kommen.
Dieselbe Gruppe hatte am 2. Mai 2005 das Frühstücksbüfett des noblen Restaurants Süllberg abgeräumt. Wie vor einem Jahr verlief die Sofortfahndung der Polizei auch diesmal erfolglos - obwohl 14 Streifenwagen und ein Hubschrauber eingesetzt wurden. Polizeisprecher Andreas Schöpflin: "Bei diesen Aktionen handelt es sich nicht um harmlose Späße. Der Staatsschutz ermittelt bereits."
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erschienen am 29. April 2006
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Hamburger Morgenpost
14.05.2006 - 09:55
1500 Euro Beute
Rosa Spiderman auf Diebestour
Linke Aktivisten stürmen verkleidet »Frische Paradies« am Fischmarkt
SASCHA BALASKO
Sie nennen sich "Santa Guevara", "Spider Mum" und "Multiflex". Ihre Verkleidung ist genauso fantasievoll wie die Namen: rosa Spiderman-Outfit, bunte venezianische Karnevalskostüme. Derart vermummt stürmten zehn bis 15 linke Autonome den Gourmet-Großmarkt "Frische Paradies Goedeken" an der Großen Elbstraße (Altona) und ließen Delikatessen im Wert von mehr als 1500 Euro mitgehen.
Der Raubzug war nach wenigen Momenten vorüber. Offenbar hatte ein Mitglied der Gruppe kurz zuvor mehrere Einkaufskörbe mit den edlen Lebensmittel gefüllt: unter anderem mit Magnum Flaschen des Champagners Ruinart (99,53 Euro), Filet vom Kobe-Rind (108,46 Euro pro Kilogramm), Hirschkeulen, edles Olivenöl und teure Valrhona-Schokolade. Dann kamen die Komplizen, schnappten sich die prall gefüllten Körbe und rannten aus dem Laden.
Kurz darauf rasten 14 Peterwagen durch Altona. Der Polizeihubschrauber Libelle machte sich aus der Luft auf die Suche nach den Flüchtigen. Bisher ohne Erfolg. Offenbar hatten sich die bunt maskierten Ladendiebe akribisch vorbereitet.
Einer völlig verdutzten Mitarbeiterin des Frische Paradies" drückten sie einen Blumenstrauß in die Hand. Daran befestigt eine Botschaft: "Ein Überleben in der Stadt der Millionäre" wäre ohne sie nicht möglich. "Obwohl wir den Reichtum von Hamburg City produzieren, haben wir kaum etwas davon. Die Orte des Reichtums sind so zahlreich wie die Möglichkeiten sich diesen Reichtum zu nehmen." In einer späteren Erklärung ließen die Aktivisten verlauten, dass sie die Delikatessen in Robin-Hood-Manier an Erzieherinnen, Praktikanten, Putzfrauen und Ein-Euro-Jobber verteilt hätten.
Vor einem Jahr schlug dieselbe Gruppe schon einmal zu. Am 1. Mai stürmten 40 maskierte Männer und Frauen das Restaurant auf dem "Süllberg" im feinen Blankenese. Damals klauten sie den betuchten Gästen Leckereien von den Tellern und schaufelten sie sich rein. Dazu beschuldigten sie den "Süllberg"-Chef Karlheinz Hauser, er bezahle seine Angestellten zu schlecht.
Doch auch gestern war der Spuk schnell vorbei. Nachdem die Demonstranten Lachs und Krabben in ihre Tüten gestopft hatten, verschwanden sie spurlos.
(MOPO vom 29.04.2006 / SEITE 9)
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WELT Hamburg
14.05.2006 - 09:56
Chaoten plündern "Frischeparadies" an der Großen Elbstraße
Versteckt hinter bunten Karnevalsmasken stürmten am Freitag etwa 15 junge Männer und Frauen wie ein Überfallkommando ins "Frischeparadies Goedeken" an der Großen Elbstraße. Sie griffen sich Champagnerflaschen und abgepackten Edelfisch. Dann rannten sie wieder raus. Die Polizei setzte 14 Peterwagen und den Polizeihubschrauber zur Sofortfahndung ein. Die verlief erfolglos. Im Eingangsbereich des Frischeparadies stellten Beamte eine Blumenstrauß und ein Bekennerschreiben sicher, das die Täter zurückgelassen hatten.
Die Staatsschutzabteilung hat die Ermittlungen übernommen. Die Masche ist nicht neu. Vor fast genau einem Jahr fielen etwa 25 Maskierte über das Büfett im großen Ballsaal des Restaurants Süllberg her. Damals hatten die Täter Leckereien in mitgebrachte Tüten gestopft. Kurz nach dem überfallartigen Delikatessendiebstahl hatten die Büfett-Stürmer weitere Aktionen gleicher Art angekündigt.
Die Polizei geht davon aus, daß hinter beiden Aktionen dieselbe Tätergruppe steht. Sie wird dem linksautonomen Umfeld zugerechnet. Wie bereits im vergangenen Jahr ist ein Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruch und Diebstahl eingeleitet worden. Bislang gelang es der Polizei nicht, die Diebe hinter den Masken namhaft zu machen. zv
Artikel erschienen am Sa, 29. April 2006
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Spiegel / Spiegel-Online
14.05.2006 - 09:57
KRIMINALITÄT
Spaß mit Hintergrund
Von Andreas Ulrich
Eine Hamburger Sponti-Gang plündert Wohlhabende - angeblich um den Armen zu helfen. Die Polizei ist ratlos.
Das "FrischeParadies Goedeken" an der Großen Elbstraße in Hamburg gilt als Pilgerstätte für jene Gourmets, denen nichts zu teuer ist. In dem angesagten Feinkostladen treffen sich Profi-Gastronomen im Schlabberlook von TV-Koch Tim Mälzer sowie gegelte Hobbyköche, die mit hochgeschlagenem Hemdkragen und ins Haar gesteckter Sonnenbrille ihr Yuppie-Image pflegen.
Plünderer vor Gourmetladen (am 28. April beim Hamburger "FrischeParadies"): "Fähigkeit von Superhelden"
Am vorvergangenen Freitag aber kamen Besucher, die schon optisch nicht ins Bild passten: Eine Horde junger Leute, verkleidet als Comic-Helden, stürmte das Geschäft und schleppte haufenweise Delikatessen hinaus - ohne zu bezahlen. Der verdutzten Kassiererin überreichten die Plünderer statt Geld einen Blumenstrauß, dann posierten sie noch schnell für ein Foto und verschwanden mit ihrer Beute. Die Polizei schickte zwar 14 Streifenwagen sowie einen Hubschrauber, doch das Großaufgebot kam zu spät.
Seit Jahren schon geht das so. Immer wieder kommt es in der Hansestadt zu ähnlichen Aktionen, mit denen die Täter gegen die ungleiche Verteilung des Wohlstands demonstrieren, woraus sie das Recht zur Selbstbedienung ableiten. "Die fühlen sich wie Robin Hood", mutmaßt Bodo Franz, Leiter der Staatsschutzabteilung im Hamburger Landeskriminalamt. Ebenso wie der Verfassungsschutz mühen sich seine Spezialisten vergebens um Erkenntnisse über die Gruppe.
Bis zu 30 Leute sind an den Aktionen beteiligt, doch verhalten sie sich sehr konspirativ, bislang mit Erfolg. Diesmal hatten sie sich den Edelsupermarkt am Elbufer ausgesucht, in einer Gegend, die sich seit einigen Jahren vom tristen Gewerbegebiet zum angesagten Erlebnisraum wandelt. Wo einst nur Fischhändler, Seemannsheime und ein paar Spelunken angesiedelt waren, entstanden in den vergangenen Jahren teure Einrichtungshäuser, schicke Lokale und luxuriöse Lofts.
Und die Täter wussten genau, was in diesem Ambiente gut und teuer ist. "Die hatten sich schon gefüllte Einkaufswagen und -körbe bereitgestellt", vermutet Betriebsleiter Carsten Sievers. Darin lagen Hirschkeulen, Valrhona-Schokolade, Champagner für 99,53 Euro die Flasche und Filetstücke vom Kobe-Rind.
Die japanischen Rindviecher sind etwas ganz Besonderes für Kenner. Die Tiere führen ein Leben, das mancher der Spontis vermutlich ebenfalls verlockend fände. Zur speziellen Kraftnahrung gibt es reichlich Bier, außerdem werden die Rinder täglich bis zu zwei Stunden per Hand massiert - angeblich wird das Fleisch so besonders zart und erhält seine feine Maserung. Je nach Herkunft und Qualität werden pro Kilogramm Preise erzielt, die dem Regelsatz eines Hartz-IV-Empfängers entsprechen können.
Den Beziehern von Stütze und anderen Verlierern der Gesellschaft fühlen sich die "Superhelden", die sich in ihrem Bekennerschreiben "Spider Mum" oder "Santa Guevara" nennen, angeblich verpflichtet: Ihre Aktion gelte besonders Menschen in "prekären" Arbeitsverhältnissen, es gehe ihnen um bessere Lebensumstände für die "vollvernetzte Dauerpraktikantin", die "aufenthaltslose Putzfrau" und den "ausbildungsplatzlosen Ein-Euro-Jobber", deren Arbeitsbedingungen immer schlechter würden. "Ohne die Fähigkeiten von Superhelden ist ein Überleben in der Stadt der Millionäre nicht möglich", heißt es auf dem Zettel, den die Bande im geplünderten Paradies hinterließ.
Der Verfassungsschutz zählt die Täter zu einer losen Gruppe, die sich "Hamburg-Umsonst" nennt. Die Spontis verteilten beispielsweise offiziell aufgemachte Flyer in der U-Bahn mit Tipps für Schwarzfahrer oder schummelten sich mit gefälschten Tickets ins Kino. Sie seien "im studentischen Milieu und im Randbereich von Autonomen" angesiedelt, vermutet Staatsschützer Franz - auf jeden Fall "spaßorientiert mit politischem Hintergrund".
"Die fetten Jahre sind vorbei", stand denn auch süffisant auf einem Plakat, das die Täter vor einem Jahr in einem Nobel-Restaurant auf dem Süllberg im Elb-Stadtteil Blankenese entrollten - in Anlehnung an den gleichnamigen Film. Vor den Augen pikierter Gäste leerten die Spontis dann das Büfett. Dazu schwenkten sie überdimensionale Messer und Gabeln aus Pappe, die mit Alufolie umwickelt waren.
Angesichts solcher Aktionen kann sich ein erfahrener Ermittler eines Schmunzelns nicht erwehren. "Immerhin gehen die Täter ein hohes persönliches Risiko ein", meint er anerkennend. Kritik gibt es dagegen in der Szene. In einem Internet-Forum heißt es, die Aktionen seien nicht im Geringsten antikapitalistisch. Das Ganze sei doch nichts anderes als "Betteln nach regulierter Ausbeutung in Normalarbeitsverhältnissen".
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scotsman
14.05.2006 - 09:59
Tue 9 May 2006
German 'Robin Hoods' give poor a taste of the high life
ALLAN HALL IN BERLIN
A GANG of anarchist Robin Hood-style thieves, who dress as superheroes and steal expensive food from exclusive restaurants and delicatessens to give to the poor, are being hunted by police in the German city of Hamburg.
The gang members seemingly take delight in injecting humour into their raids, which rely on sheer numbers and the confusion caused by their presence. After they plundered Kobe beef fillets, champagne and smoked salmon from a gourmet store on the exclusive Elbastrasse, they presented the cashier with a bouquet of flowers before making their getaway.
The latest robbery is part of a pattern over the past several months, suggesting that the thieves deliberately set out to highlight what they perceive as the inequality inherent in German society.
However, the authorities do not agree. Bodo Franz, a police spokesman, said: "They get off feeling they are just like Robin Hood. There are about 30 in the group. But whatever their motives, they are thieves, plain and simple."
Carsten Sievers, the manager of a luxury supermarket in the wealthy Blankenese area of Hamburg, recently watched the robbers run off with trolleys full of expensive foodstuffs, including Kobe beef which, at more than £100 a pound, is always on their illicit shopping list.
In another recent swoop, the gang emptied a groaning buffet table in a top restaurant into sacks, while one of their number held up a sign saying. "The fat years are over" - the title of a hit film currently doing the rounds in Germany.
In internet statements, the gang have made a point of saying their booty is distributed to Hartz IV recipients - the poorest of Germany's long-term unemployed. The benefit is named after the disgraced Volkswagen personnel director Peter Hartz who, before he lost his job with the car-maker in a prostitutes-and-bribes scandal, devised the new means-testing which is loathed and derided by society's most economically challenged.
When the gang robbed the gourmet store in April - triggering a massive police investigation that cost £20,000 in taxpayers' money without an arrest being made - they left a note behind saying: "Without the abilities of the superheroes to help them, it would be impossible for ordinary people to survive in the city of the millionaires."
Police say they are concentrating their investigation on a loose collective of anarchists and malcontents called "Hamburg in Vain", to which they believe the superheroes belong. But they admit there is a certain panache and skill about their robberies.
The gang are also behind black market cinema tickets which they distribute free to the poor, and they have printed leaflets telling passengers how to dodge ticket inspectors on the city's underground and buses.
Mr Franz said: "They try to make crime fun but are politically motivated."
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Corriere della Sera
14.05.2006 - 10:01
Rubano ai ricchi e distribuiscono il bottino nelle periferie disagiate
La banda dei "Robin Hood" in Germania
L'ultimo colpo in un supermarket: champagne e carni pregiate. La polizia: «Sono studenti e anarchici ma sembrano professionisti»
AMBURGO - Rubano ai ricchi per dare ai poveri. La stampa tedesca, senza troppa fantasia, li ha soprannominati «I Robin Hood del XXI secolo». Si presentano nei ristoranti e nei supermercati più esclusivi della Germania, vestiti come i supereroi dei fumetti e armanti di coltelli e di pistole intimano ai gestori di svuotare le casse mentre altri componenti della banda rubano i prodotti e le delizie del locale che saranno poi consegnate alle persone povere che vivono nelle periferie delle grandi città tedesche.
IL COLPO - L'ultimo colpo è stato portato a termine la scorsa settimana quando trenta di questi «Robin Hood» sono entrati nel lussuoso supermarket di Amburgo «Fresh Paradise Goedeken» e in poco più di 5 minuti hanno portato via beni dal valore di 15.000 euro. Nella refurtiva era incluso champagne da 99 euro a bottiglia, carne di un particolare manzo giapponese che costa 108 euro al chilo, carne di cervo, un salmone e molte confezione di cioccolata di Valrhona.
LA FIRMA - Prima di lasciare il locale, un membro della banda ha dato ad una commessa un mazzo di fiori sul quale era attaccato un messaggio che recitava: «Sopravvivere in questa città di milionari potrebbe essere impossibile se non ci fossimo noi». Firmato: «Spider Mum, Santa Guevara e Multiflex». Sull'uscio del supermarket i ladri, travesti da eroi dei fumetti, si sono scattati una foto istantanea, che hanno lasciato davanti all'uscio del locale.
IL MESSAGGIO - Un altro messaggio sottolineava che tutti i beni rubati sarebbero stati distribuiti tra i cittadini che ne avevano bisogni ovvero i poveri e i nullatenenti. La banda è conosciuta con il nome di «Spontis» e non è la prima volta che porta a termine azioni simili. E' diventata uno degli incubo della polizia, ma è temuta soprattutto dai benestanti. Tuttavia la gang colpisce raramente: prima della scorsa settimana, aveva attaccato un ristorante di Sullberg, nel ricco di distretto di Blankenese, sulle rive dell'Elba, giusto un anno fa. In quell'occasione 40 uomini mascherati entrarono nel locale e portarono via tantissimi beni commestibili.
LE INDAGINI - Secondo gli investigatori si tratta di una banda composta da studenti e da anarchici che ha però anche una certa «professionalità»: dopo la rapina della settimana scorsa gli agenti di Amburgo supportati da elicotteri hanno setacciato accuratamente il distretto dove è avvenuto il colpo ma non ha trovato nulla: «La banda è riuscita a coprire ogni sua traccia. Sembrano professionisti» ha specificato Bodo Franz, il capo della polizia di Amburgo che investiga sulla gang. Ma le motivazioni che spingono queste persone non sono solo politiche. «Non sappiamo molto di loro, ma certamente ciò che li spinge a fare tutto ciò è anche il divertimento. Il problema è che essi colpiscono con tale professionalità e così raramente che è molto dura riuscirli a prenderli».
Francesco Tortora
09 maggio 2006
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Hamburger Abendblatt
14.05.2006 - 10:04
Euromayday-Parade: 2500 demonstrierten
Ein buntes Fest zum 1. Mai feierten die Besucher der "Euromayday-Parade".
Foto: Arning
Rund 2500 Menschen demonstrierten für die Rechte von Armen, Migranten, Hausfrauen, Angestellten, Arbeitslosen und Studenten. Bereits zum 2. Mal fand die Parade auch in Hamburg statt, zeitgleich wurde in anderen europäischen Städten die Euromayday gefeiert. Der Umzug startete, begleitet von Bereitschaftspolizei, am Michel und endete in der Großen Bergstraße in Altona. "Ein besseres Leben kann es geben, hier und heute und in der Zukunft", war eine der Parolen, die von den sieben Umzugswagen ertönte.
Von den Transparenten der Teilnehmer waren Sätze wie "Du bist die soziale Revolution" und "100 000 Bauwagenplätze in Hamburg", aber auch "Geiz ist out, umsonst ist in" zu lesen. Gegner von Abschiebung sprachen sich für ein "Bleiberecht für alle" und "offene Grenzen" aus. Studenten mit orangefarbenen Plakaten protestierten gegen Studiengebühren.
So gegensätzlich die Ziele der vielen kleinen Protestgruppen waren, um so einheitlicher war die Begeisterung der Demonstrierenden für eine Gruppe, die sich die "Superhelden" nennt. Die Gruppe hatte am vergangenen Donnerstag einen Supermarkt für edle Lebensmittel an der Großen Elbstraße überfallen (wir berichteten). Sie waren dabei maskiert und trugen bunte Anzüge. In einer Mitteilung der Gruppe hieß es, daß sie die Waren an "Benachteiligte in dieser Stadt" verteilen wollten. Aus Sympathie zu den Maskierten trugen viele Protestierende einen Button mit einer Comicfigur darauf. "Die Buttons sollen zeigen, daß jeder ein Held ist, der sich für sozial schwache und ärmere Menschen einsetzt", sagte Student Henning Meyer (26); er ist einer der Organisatoren der Euromayday-Parade.
Meyer zufolge handele es sich bei der maskierten Gruppe, die sich auch dazu bekannt hat, am 2. Mai 2005 das Frühstücks-Büfett des Restaurants Süllberg geplündert zu haben, nicht um eine kleine Gruppe: "Wir sind Tausende, und jeder kann aktiv werden."
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erschienen am 2. Mai 2006
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The Guardian
19.05.2006 - 11:56
A merry band
Last month Germany's real-life Robin Hood gang struck again, stealing a trolley of luxury food. But who are they - and why do they do it? And how did Luke Harding manage to track them down when the police couldn't?
Wednesday May 17, 2006
The Guardian
Standing inside his delicatessen, Carsten Sievers gestures forlornly to where the giant Spanish cheese used to sit. "They took it," he says, pointing to an empty shelf. "They also took my Ruinart champagne. It costs €99 [£68] a bottle. Fortunately, my vintage wines were all locked up." Late last month Sievers's shop, Frische Paradies in Hamburg, was the victim of one of the most inventive - and possibly the funniest, though not to him - raids in German criminal history. At 10.15am on April 28, a group of activists dressed as superheroes burst into his gourmet supermarket. Wearing carnival masks and calling themselves names such as Spider Mum, Multiflex, Sante Guevara and Operaistorix, they made off with a trolley loaded with luxury goods.
"They took a whole slab of Australian Wagyu Kobe beef. It cost €108," says Siefers. "The cows had been specially massaged. We also have some very fine cheese here from Philippe Olivier. He's a very tough and famous cheesemaker. They took that too."
Their €1,500 haul also included olive oil, bio-cheese, a haunch of Serrano ham and Valrhona chocolate. The group - known as the Robin Hood gang - handed over a flower to the woman at the till. Attached to it was a note, which read: "Although we produce Hamburg's wealth we scarcely enjoy any of it. The sources of wealth are many. So are the opportunities to take it."
Pausing long enough to pose for photographs, the Robin Hood gang then vanished into the warren of houses and stepped gardens overlooking Hamburg's picturesque Elbe River.
The police arrived 10 minutes later. A helicopter and 14 police cars failed to find them. "I went after them. But all I found was a plastic bag," recalls sales assistant Silke Neuhoff. The raid provoked front-page stories in Hamburg and elsewhere - not least because it appeared to be inspired by the hit German film The Edukators. (In it, a group of young radicals stage a series of political burglaries against the rich, leaving behind a note: "Die fetten Jahre sind vorbei - Your days of plenty are over." The group don't take anything but end up accidentally kidnapping a wealthy businessman.) So far, as in the film, the Robin Hood gang hasn't been arrested.
In a note posted on the internet the gang said it had distributed the food among Germany's new underclass - interns who worked for months in glamorous publishing houses without being paid, low-wage nursery assistants, mums forced to take part-time jobs as cleaning ladies and "one-euro jobbers", performing menial tasks under a German government welfare scheme. The gang said it didn't merely object to capitalism. Instead it was making a stand against Prekarisierung or "precariousness" - the uncertainty facing 20- and lower 30somethings as they try to navigate their way through Europe's gloomy neo-liberal jobs market.
"To survive under the present conditions of precariousness you need to be a superhero," says Multiflex, after agreeing to meet the Guardian at a secret location. In her first interview with a newspaper since the gang staged the raid, she tells me that surviving on a low budget in Hamburg is tough. Of all the German cities, it has the highest number of millionaires and at the same time there is a growing number of people who don't share in this wealth. "We wanted to make a connection with the film," she says. Wasn't she afraid she might get caught, though? "It was a risk. But it was a well-planned operation. We were very organised. We tried to do it all with a bit of humour." How did the gang escape? "We flew away," she says, twinkling her eyes.
The group that carried out last month's raid, it turns out, goes under the name Hamburg Umsonst (Hamburg for free). Its slogan reads: "Everything for everybody. And everything for free." They meet in the city's Hafenstrasse, a row of brightly coloured riverside houses, that was once the scene of violent clashes between police and squatters. These days the squatters own the houses, with the grizzled veterans of the original street battles now in their 40s and 50s. But the area - with its rambling front gardens and communal barbecues overlooked by Hamburg's giant port cranes - is still the centre of the city's thriving alternative scene.
But unlike these older leftists, Hamburg Umsonst is a newer movement, loosely affiliated to a growing network of young anti-capitalist protesters from across Europe. The movement started off in Milan in 2001. It has now spread to more than a dozen European cities, including Paris, Palermo, Stockholm, Helsinki and London, and its main event is May Day.
May 1 is a traditional day of workers' protest in many European countries. But the techniques of Euromayday, as has been dubbed, differ from traditional demos. Since it was founded in 2003, Hamburg Umsonst has staged other eye-catching actions. It gives regular tips on fare-dodging, sneaking into the cinema for free and file-sharing. (Fare dodgers are urged to identify themselves with a pink dot.) A year ago, members burst into a Michelin-starred restaurant in Blakenese, a posh Hamburg suburb overlooking the Elbe, favoured by the rich and famous. Around 20 protesters wearing carnival masks marched into the restaurant ballroom and emptied the entire buffet into plastic bags. They then ran off. The protesters wore T-shirts which read: "Die fetten Jahre sind vorbei" - a clear homage to The Edukators and another example of life imitating art.
Protesters staged a similar raid on Borchardt, a Berlin celebrity and politician-filled restaurant. They were chucked out. Santa Guevara, another caped activist, says the gang would like a basic income for everybody, regardless of what people actually do for a living. What exactly is precariousness about? "There are all sorts of people who are affected by precariousness. It's a feeling of uncertainty. More and more people feel excluded from basic things like health care, paid holidays, maternity leave and job security. We are not just talking about the unemployed. We are also talking about graduates."
It used to be the working classes who were mainly affected by precariousness. Now, though, the sons and daughters of Europe's professional middle-classes are affected too.
Like the students in France who recently forced their government to rescind its new employment law, which made it easier to hire and fire young people, the Robin Hood gang say they are fed up with being unable to find proper work. The students were demonstrating against precarité or precariousness - the same sociological cause that prompted the Robin Hood gang's raid on the Frische Paradies. Interestingly, it was students, rather than trade unionists, who led the protest movement. But it is not just the French who are unhappy with the direction that European capitalism is taking. The traditional post-war economic model in France and Germany has been the "European social model" in which high wages, secure jobs, and decent pensions have been guaranteed. But, in the face of global competition, that has come under strain. The prosperity that Europe's last generation of rebels took for granted - the '68-ers - seems to have disappeared.
In Hamburg, meanwhile, the group's special wrath is reserved for German companies that exploit interns. Typically, German interns work for long periods - often to be let go after months of underpaid slogging. They are then forced to take another internship somewhere else, a process that can drag on into a graduate's early 30s. "We gave some of the food to four Praktikanten [interns] who work in a Hamburg publishing house," Santa Guevara says.
"What we are seeing now is an interesting switch," says Prof Paul Nolte, a cultural historian at Berlin's Free University. "Traditional protests in the 1980s were concerned with post-materialist issues such as the environment, ecology and nuclear energy. Now young people are interested in social issues."
He adds: "We are talking about young, relatively well-educated people whose parents easily attained secure jobs and middle-class status. The situation now is far more insecure. For the first time in many generations, young people in Europe have bleaker prospects than their parents did. They are not as optimistic or utopian as people were in the 60s, or as pessimistic and depressed as they were in the 80s. Instead they find themselves having to walk a tightrope."
The Euromayday protesters, meanwhile, are a media-savvy bunch. Within hours of looting the delicatessen, the Robin Hood gang posted photographs of themselves on the internet. (One showed them sitting in a children's sandpit waving their goodies in the air. Another showed Spider Mum doing a victory leap in front of a Kindergarten). The gang also sent the pictures to Hamburg's main tabloid, the Hamburger Morgenpost. The Mopo, as it's known, put a photo on the front page under the headline: "Class struggle ahead of May Day".
Hamburg's police, meanwhile, are not amused. "Hamburg has always been a very tolerant city which allows many different opinions. We are not Bavarians. This is north Germany. Traditionally this is the freedom-loving part of the country," says a spokeswoman for Hamburg police. But, she adds: "We are talking here about theft. It is forbidden. This was criminal activity. We can't tolerate it, even if they say they were behaving like Robin Hood." Hamburg's Staatschutz, or state protection unit, is investigating. It admits, however, that it stands little chance of identifying the 30 people who raided the supermarket, all of whom were masked.
Sievers feels his shop was the wrong target. It is in the centre of Hamburg's old fish trading area; the road is lined with wholesale shops selling crustaceans. The ferry to Britain used to leave from the nearby harbour. "We were just a symbol," he says. "It's true that a lot of well-off people buy groceries here. But we fight for every cent. We are not a rich company."
The till assistant who was given the flower by the group, Katya Griebenow, says she found the raid a bit scary. "I stood rooted to the spot," she says. "The whole thing took about 30 seconds. They didn't say anything at all. But when they left they started screaming for joy." Did she feel exploited? "I'm not sure," she says.
The shop regularly donates surplus poultry and vegetables to Hamburg charities. "If I had a message for the gang," says Sievers, "I would say, 'Try and come with an idea next time that doesn't involve crime.'"
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Deutsche Welle News
20.05.2006 - 14:55
NEWS | 08.05.2006
Modern-Day Robin Hoods Have Hamburg Cops Baffled
Hamburg cops are looking for a gang into high-profile theft and superhero costumes
They steal from the rich and give to the poor. And just like Robin Hood and his men, a gang of Hamburg activists are proving difficult to catch despite the fact they dress as superheroes when they raid swanky stores.
A bunch of egalitarian criminals who go by such names as "Spider Mum" and "Santa Guevara" are being referred to as modern-day Germany's version of Robin Hood and his Merry Men. And just like the Sheriff of Nottingham in the legend of Sherwood Forest's most famous outlaw, the Hamburg police are at a loss when it comes to stopping them.
The group, which calls itself "Hamburg Umsonst" -- loosely translated as Hamburg Without Charge, has apparently graduated from handing out flyers with tips on how to forge cinema tickets and travel illegally on public transport to raiding the swankiest stores and delicatessens before distributing their swag to the city's poor.
Their most high profile job to date came last week. Dressed in an array of comic book hero costumes, the gang raided a well-to-do eatery in the north German port city last Friday during work hours and absconded with a large amount of fine food -- after posing for a publicity photograph with bemused staff. Hamburg cops called to the crime scene drew a blank despite deploying 14 patrol cars and a police helicopter.
According to eye witnesses, the "Hamburg Umsonst" raiding party consisted of around 30 people who apparently knew what they were doing when it came to fancy eats and drinks. The everyday shoplifter will probably not take the time to savor the array of produce on hand before sticking a box of Valrhona chocolates down their pants. It soon became obvious -- these guys were pros.
Cops can't catch connoisseur crooks in costumes
The Hamburg cops have little to go on except that the gang has a social conscience, know the difference between corned beef and Kobe veal and have a seemingly unlimited supply of fancy dress costumes.
But even the best laid plans of criminal masterminds have the odd weak spot. While carrying out their raids in order to support the one-euro jobbers, exploited employees and those on benefits, the gang have been unable to resist the sating of the ego.
In what could eventually be their undoing, the caped food raiders have shown a penchant for leaving notes at the scene of their crimes which carry statements such as: "Without the abilities of a superhero, survival is impossible in the town of the millionaires."
Until the police get a break, upmarket shopkeepers in Hamburg are advised to keep their doors closed to anyone wearing spandex tights and a Mexican wrestling mask.
DW staff (nda)
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20 Minutos
20.05.2006 - 14:58
AL MÁS PURO ESTILO ROBIN HOOD
Se disfrazan de gatos rosas y roban comida para los pobres
20minutos.es. 09.05.2006 - 13:28h
Robin Hood, la inspiración de los 'Hamburgo gratis'
Una banda de atracadores que se hace llamar 'Hamburgo gratis' perpetró un robo en una tienda de delicatessen de la ciudad alemana para regalársela posteriormente a los pobres.
Un traje de gato rosa, su uniforme de faena.
Continúan artículo y comentarios
Al más puro estilo Robin Hood.
La riqueza en Hamburgo es tanta como las oportunidades de hacerse con ella
Según publicaba el martes en el diario 'The Independent', el grupo, compuesto por unas 30 personas, sustrajo en apenas cinco minutos una cantidad total de 15.000 euros en productos que van desde botellas de champán de 99 euros hasta filetes de buey de Kobe japonés que alcanzan la friolera de 108 euros el kilo, pero no para consumo propio.
La banda, que se hace llamar 'Hamburgo gratis', declara en un comunicado que "los lugares de riqueza en la ciudad son tantos como las oportunidades de hacerse con ella".
"El botín ya ha sido distribuido entre los necesitados de la ciudad", aseguran.
Pero esto no es lo único que les hace diferentes. Su estilo es elegante, de guante blanco.
Tras el robo, una foto de grupo para el recuerdo
Así, al término del robo tuvieron tiempo de ragalar un ramo de flores a una vendedora, mostrar el botín a las cámaras de seguridad y hacerse una foto de grupo para el recuerdo.
¿Y la Policía? Ni rastro de los ladrones.
->
Wall Street Journal Europe
20.05.2006 - 15:00
May 10, 2006 EDITORIAL
Spider Mum vs. Capitalism
Disguised in pink cat suits, Venetian carnival costumes and rubber masks, the
self-styled superheroes came to fight the world's biggest criminal --
capitalism. Or at least the inequitable distribution of capitalism's culinary
spoils.
"Santa Guevara," "Spider Mum" and "Multiflex," as the crime fighters call
themselves, robbed a gourmet store in Hamburg two weeks ago in broad daylight.
The vigilante connoisseurs snatched delicacies worth 1,500 euros, including
Ruinart Champagne, Kobe beef and Valrhona chocolate. Before leaving the scene
of the crime -- er, social revolution -- they had time to pose for a photo and
hand the cashier a bouquet of
flowers.
Just as in a Marvel comic, the police proved no match for the superheroes.
Despite a chase involving 14 cop cars and a chopper, Spider Mum & Co. are
still at large. In a note left behind, they boasted that "without the skills
of superheroes, survival in the city of millionaires is impossible." Hamburg's
Robin Hoods said they gave the perishable loot to the
needy.
The gang's motto is Hamburg Umsonst or Hamburg for free. Last year, also just
around the traditional left-wing May Day demonstrations, they robbed a
Michelin one-star restaurant. Like copy-cat groups in Berlin, Dresden and
Freiburg, the gang also offers tips on hard to trace Web sites on how to dodge
public transport fares or sneak into movie theaters without paying. The
Germans draw inspiration from the Barcelona group Yomango, Spanish slang for
"I steal." Yomango's guerrilla tactics involve appropriating products from
stores, exhibiting them as pieces of art, before "returning" them to different
stores.
These shenanigans sound like the pranks of middle-class students with too much
time on their hands, more interested in enjoying the fruits of capitalism for
free than in abolishing it. Given the high unemployment in Germany and Spain,
we offer the following free advice: Finish your studies and get a job before
you are
caught.
.>
The Independent [London, UK]
20.05.2006 - 15:05
May 9, 2006
'Robin Hood' gang rob gourmet stores in bid to feed Hamburg's poor
They dress up in pink catsuits, have names like "Spider Mum" and feel a social obligation to plunder the most expensive restaurants and gourmet delicatessens in town as part of a campaign to help the poor.
Last week the well-heeled citizens of Hamburg's Altona district got a taste of their antics when 30 of them marched into the city's luxury "Fresh Paradise Goedeken" supermarket and walked out five minutes later with EUR 15,000 (pounds 10,000) worth of stolen goods.
The gang's booty included magnums of Champagne at EUR99 abottle, filets of
Japanese Kobe beef at EUR108 a kilogram, legs of venison, a salmon and several boxes of Valrhona chocolate.
Before leaving, gang members thrust a bouquet of flowers into the hands of a shop assistant. Attached was a handwritten note which proclaimed: "Survival in the city of millionaires would be impossible without us!" It was signed by "Spider Mum", "Santa Guevara" and "Multiflex".
Another note later released by the gang insisted that the haul had been
distributed to Hamburg's needy, to the "social workers, cleaning ladies and minimum-wage earners". It added: "The places of wealth in this town are as numerous as the opportunities to take it."
"It was a well-planned robbery," Carsten Sievers, the store's manager, said on Friday last week. "Somebody had obviously been in the shop before the main contingent arrived and had already filled up several shopping
trolleys."
Fourteen squad cars and a police helicopter scoured the Altona district for more than an hour after the robbery, but failed to find the
perpetrators.
"The gang covered its tracks completely. They act like professionals," Bodo Franz, the head of a Hamburg police unit investigating the robbery, said.
As they left the scene of the robbery, the gang, clad in masks, catsuits, dark glasses and rubber masks, posed for a group photo outside the supermarket and brandished their booty in front of the
camera.
The incident was the latest attack perpetrated by this Robin Hood-style gang of so-called "Spontis", whose activities have alarmed and baffled the Hamburg police and the city's well-to-do. Yet the gang, which refers to itself as "Hamburg for Free", does not strike often. Its last attack took place almost exactly a year ago, when 40 masked men and women stormed the Sllberg restaurant in the city's wealthy Blankenese district overlooking the river Elbe.
Diners were appalled as the gang snatched titbits from the plates in front of them and started stuffing the stolen food into their mouths. Other gang members brandished a huge knife and fork made out of silver foil and cardboard above the diners' heads. A placard declaring "The fat years are over" was strung between pillars in the restaurant.
Mr Franz, who has been trying to track down the "Hamburg for Free" gang since the incident a year ago, said that investigators had merely established that the group was probably made up of a mixture of students and anarchists.
"We don't know much about them. They are very political yet one of their main motives is fun," he said. "The problem is that they strike so rarely and so professionally that they are a major job to catch."
By Tony Paterson in Berlin>
Hamburger Abendblatt vom 15.06.2006
22.06.2006 - 20:48
Gesuchte Diebe geben Interviews
Aktivisten: Sie plünderten Hotel-Büfett und Delikatessen-Laden. Fahndung der Polizei bislang erfolglos. Hamburger Gruppe nennt sich jetzt "Superhelden". Verbindung zu Globalisierungsgegnern?
Zweimal hat die Gruppe in Hamburg zugeschlagen. 30 Vermummte, nach eigenem Bekunden "Superhelden", plünderten den edlen Frischemarkt Goedeken und räumten im Restaurant Süllberg das Frühstücksbüfett ab (wir berichteten). Für Justiz, Polizei und Verfassungsschutz sind die selbsternannten Helden schlichte Diebe - auf der Suche nach ihnen, die angeblich mit Hochdruck betrieben wird, tappen sie aber immer noch im dunkeln.
Derweil geben die Diebe vom Süllberg aus dem Untergrund heraus frech Interviews. Etwa mit dem "Stern", und der "Frankfurter Rundschau". Konspirativ trafen sie sich mit den Reportern, erläuterten die angeblichen Hintergründe ihrer Taten. Dabei geht es ihnen, so erklären sie beispielsweise in dem Hamburger Nachrichtenmagazin, um die Bekämpfung von Armut.
Bis nach Japan hatten Zeitungen die Geschichte der "prekären Superhelden" und ihres Kampfes für mehr soziale Gerechtigkeit verbreitet. "Yomiuri Shimbun" druckte Fotos und einen langen Artikel, der britische "Guardian" sprach nach dem Coup im Frischemarkt an der Großen Elbstraße vom "originellsten und lustigsten Einbruch in der deutschen Kriminalgeschichte".
Im heute erscheinenden "Stern" kündigen zwei der "Superhelden", sie nennen sich Peter und Nina, weitere Aktionen an: "In Hamburg gibt es Luxushotels. Und in einigen arbeiten Menschen ohne Papiere - also ohne Rechte. Billig und immer gedemütigt, ausgebeutet bis auf die Knochen und stets in der Angst vor der Abschiebung. Das muß man ändern", sagt Nina. Als Diebe wollen sich die "Superhelden" nicht verstanden wissen - obwohl sie allein bei Goedeken Waren im Wert von 1500 Euro mitgehen ließen. Die Lebensmittel hätten sie bei Benachteiligten verteilt. Es gehe, so behauptet "Peter", um Rebellion: "Wir sind Studenten ohne Aussicht auf Jobs, Leute mit befristeten Arbeitsverträgen, Putzfrauen, Ein-Euro-Jobber. Wir sind Leute, die von ihrer Arbeit kaum leben können." Viele könnten sich keine Zahnarztbesuche mehr leisten. Er fragt, ob es sein könne, daß der Wohlstand in Hamburg erarbeitet werde, weil Menschen hier zum Teil unter miesesten Bedingungen schufteten. Was die Gruppe zusammenhalte, sei die Ohnmacht, die jeder einzelne am Arbeitsplatz erlebe. "Nina" weist in dem "Stern"-Interview auf die Zusammenarbeit ihrer Gruppe mit den Globalisierungsgegnern hin: "Zehntausende von uns waren bei Demos in Mailand, Paris, Barcelona auf den Straßen." Die Hamburger Gruppe sieht sich als Teil einer Bewegung, des internationalen "Prekariats", in der sich eine neue Unterschicht zusammenfinde: Menschen mit guter Bildung, die in befristeten Arbeitsverhältnissen, Jobs oder Praktika arbeiteten, die so wenig abgesichert seien, daß eine Zukunftsplanung kaum möglich sei.
Die Hamburger Polizei hatte während der Ermittlungen gegen die "Superhelden"-Gruppe, die sich zunächst "Hamburg umsonst" nannte, bereits mehrere Wohnungen und Kneipen im alternativen Umfeld durchsucht - bislang ohne Erfolg. Der Vorwurf gegen die etwa 30 Mitglieder starke Hamburger Gruppe ist im Vergleich zu den Ausführungen der Täter schlicht: Diebstahl. Das stand auch auf den Durchsuchungsbefehlen für die Razzien der Polizei.
jel>
Hamburger Morgenpost vom 15.6.2006
22.06.2006 - 20:50
Luxus-Hotel im Visier Autonomer
Sie nennen sich die "Superhelden". Vor 13 Monaten plünderten sie das Buffet des Gourmet-Restaurants "Süllberg" im feinen Blankenese. Ende April dieses Jahres folgte eine Diebestour beim "Frische Paradies Goedeken" an der Großen Elbstraße (MOPO berichtete). Doch wer sind diese Aktivisten, die behaupten, dass sie die Beute an arme Menschen verteilen? Und was wollen sie mit ihren Aktionen erreichen? Im aktuellen "stern" geben die "Superhelden" ihr erstes Interview.
"Wir sind keine Diebe. Wir sind Studenten ohne große Aussicht auf gute Jobs, wir sind Leute, die sich von einem schlecht bezahlten Praktikum zu einem unbezahlten Praktikum hangeln", sagt Peter, der in einem selbst gemachten Superman-Kostüm steckt. Er ist nur einer von rund 30 "Superhelden". Doch die Probleme scheinen bei allen ähnlich zu sein. "Es geht um Rebellion. Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, sich zu wehren. Wir wollen aus der Passivität heraus", sagt die 34-jährige Nina. Und das soll durch Diebestouren erreicht werden? "Das sind symbolische Aktionen. Was wir erbeutet haben, haben wir in den armen Vierteln der Stadt verteilt. Die Leute haben sich irre gefreut!", so Peter. Und weiter: "Es geht nicht ums Klauen. Wir wollen das Denken anregen, Fragen aufwerfen: Warum haben die einen so viel, die anderen so wenig?"
Seit Monaten sind Polizei und Verfassungsschutz den "Superhelden" auf der Spur. Mit einem Großaufgebot suchte die Polizei nach der Diebestour beim "Frische Paradies Goedeken" nach den Aktivisten. Sogar der Polizeihubschrauber wurde eingesetzt. "Die Superhelden Spider-Mum und Multiflex waren am Boden schneller als die brummende Libelle am Himmel", sagt Nina. Die Frau verrät, dass sich die nächste Aktion gegen eines der Hamburger Luxus-Hotels richten wird. "In einigen arbeiten Menschen ohne Papiere - also ohne Rechte. Billig und immer gedemütigt, ausgebeutet bis auf die Knochen und stets in Angst vor der drohenden Abschiebung. Das muss sich ändern", sagt die 34-Jährige.
Ressort: HH Hamburg
WIEBKE STREHLOW>
Washington Post
08.07.2006 - 13:30
Zonk! Pow! Nosh! The Crusader Caper Pits Goodies vs. Evil
By Craig Whitlock
Washington Post Staff Writer
Sunday, July 2, 2006; D01
HAMBURG, Germany -- It began as a quiet Friday morning at the Fresh Paradise gourmet grocery in this prosperous northern German city. A few well-heeled customers meandered through the aisles, looking for the perfect chevre to pair with their favorite Gewurztraminer.
Suddenly, half a dozen costumed superheroes appeared, their shopping baskets filled with prime Kobe beef, Manchego cheese curdled from the milk of Spanish sheep, handmade French chocolates from the Rhone Valley. Some $2,000 worth of fancy groceries darted out of the store before employees realized they'd been robbed by a gang of cartoon characters.
The leader was a skinny person of indeterminate gender, clad head-to-toe in a lavender nylon bodysuit. One accomplice was wrapped in a red costume with a lightning bolt, a la Flash, the comic-book speedster. At least four others wore an assortment of capes, wigs, sunglasses and white gloves, the latter to avoid leaving fingerprints. Waving their stolen booty outside the store, they pranced around and flexed their muscles as yet another partner took pictures.
Before fleeing, the gang left flowers and a note for the stunned Fresh Paradise cashiers:
"In case you do not know us yet: We are Santa Guevara, Spider Mum, Operaistorix and Multiflex. We are precarious superheroes," it read, in part. "Without the power of superheroes, there is no chance for survival in this city of millionaires. Although we produce the wealth of Hamburg, we hardly have anything to show for it. It does not have to stay like this."
Police dispatched a dozen squad cars and a helicopter to the area, to no avail. Two months later, no arrests have been made and no suspects identified.
The April 28 caper generated front-page headlines in Germany, and a group claiming responsibility posted statements on the Internet saying the pilfered goodies had been given to the needy, including children at a kindergarten.
It was not the first time the gang had struck: A year earlier, about 20 masked marauders barged into the Seven Seas Restaurant, a swanky bistro overlooking the Elba River. As astonished diners watched, the intruders dumped the entire buffet spread, right down to the wild salmon ravioli, into trash bags before fleeing.
The self-styled caped crusaders belong to a movement called Hamburg for Free, a loosely organized network with a simple and alluring ideology: People shouldn't have to pay for anything they might want. Short on cash? Scuffling for change? No worries! Just walk into a store and help yourself.
While it sounds like a juvenile mixture of anarchism and anti-capitalism, the people behind Hamburg for Free say they belong to neither camp. The root of their ideology is basic: economic frustration. The port city, with 1.7 million residents, is home to more millionaires than any other German town. But the Mercedes and BMWs clogging the downtown streets belie an unemployment rate of 11.3 percent, and the posh lofts and waterfront estates are a stark contrast to the squatters and homeless who wander the streets.
Police investigators and sympathizers of the movement say the ranks of Hamburg for Free are filled mostly by young adults of middle-class origin -- people in their twenties or early thirties who resent that their parents and elders are swimming in good fortune while they struggle to find jobs. Despite its title of the biggest exporting nation in the world, Germany has been slowly unraveling its long-treasured social safety net, trimming unemployment benefits, raising health-insurance premiums.
In the note they left at Fresh Paradise, the shoplifters provided cryptic explanations:
"Superflex is familiar with every type of job contract: part time, full time, internship. All the stress led him to a pleasant mutation of his molecules."
"Operaistorix survived the last few years with the help of his unemployment module."
"Spider Mum's mutant body developed somewhere between the kindergarten and unpaid and paid cleaning jobs. In her hands, Ajax and a mop turn into merciless weapons."
"Santa Guevara dodges all control checks and disappears without a trace. With this power, he is able to escape from the boredom of call centers and university seminars."
Although police have failed to catch the group, super sleuthing skills appear unnecessary to track down members of Hamburg for Free. A call to the student government offices at the University of Hamburg produces a swift invitation: We'll be happy to talk.
Appearing in a park on a recent afternoon are a young woman and man who claim to have participated in the heist at Fresh Paradise.
"It's not that we hate rich people, but we want this kind of wealth for everybody. That's the point," says the man, a thin, dark-haired guy in his twenties who describes himself as a university student nearing graduation. "We wanted to show that there is rebellion, that you can stand up and fight."
The woman, blond and soft-spoken, says she used to work in a small clothing store but hated the "bad working conditions," like having to stay until 8 some nights.
In addition to organized purloining of pat?, Hamburg for Free also encourages individual acts of rebellion, they say. Favorite tactics include taking longer-than-allowed coffee breaks at work, daring to ride the subway without a ticket and downloading pirated software and music from the Internet.
Law enforcement is not amused.
"The police must treat this as any other crime," says Ulrike Sweden, a spokeswoman for the Hamburg police. "These robbery cases are given the same priority as every other crime. It might be up to a judge to evaluate the crime's severity, but it is the police's job to stay neutral and find the criminals."
Authorities suspect many of the Fresh Paradise bandits are university students, but "what the police know and what they can actually prove are often two very different things," Sweden says. "The members came and left very quickly; they left no trace."
Hamburg is home to an estimated 1,500 left-wing extremists, of which about 470 have a track record of promoting violence, according to Manfred Murck, a German intelligence official and deputy director of the state agency responsible for monitoring domestic extremist groups.
Investigators believe only 15 to 20 people are actively involved in Hamburg for Free, Murck says, and the group is considered more of a nuisance than a danger. Their flair for publicity is undeniable.
"I think they do have more sympathy because they have more of a Robin Hood type of image, or at least they try to have this kind of image," Murck says. "It's something between political action and violence, and a game."
Carsten Sievers, general manager of the Fresh Paradise grocery, is dubious about all the Robin Hood talk and even more doubtful that any of his store's delicacies gave pleasure to the palates of Hamburg's underclass.
"How many poor people will really enjoy a bottle of champagne or a high-value cheese?" he asks. "I think the object was just to get in the newspapers and get publicity for their ideas. To help the poor people, there is a right way and a wrong way. You cannot use the voice of Robin Hood to promote yourself."
In reality, he says, the caper was much more low-key than the gang's braggadocio suggested. A conspirator in street clothes performed a reconnaissance mission to the store ahead of time, Sievers says, and stuffed several hand-held shopping baskets with groceries. The baskets were placed unnoticed on the floor near the store's front entrance. When the costumed performers arrived on the scene, they ducked in for only an instant to snatch the baskets and flee without a word. More like cowardly crooks than superheroes, Sievers sniffs.
"That was it. That was all we saw," he says. "One of our girls tried to follow them, but she lost them and they got away."
Also lost in the myth surrounding the crime, Sievers adds, is a longtime store policy:
Twice a week, employees box up dated organic produce and other perishables that have been passed over and donate them to a local social-services agency to feed the hungry and the poor.
© 2006 The Washington Post Company
Graig Whitlock>
Hamburger Morgenpost
23.06.2007 - 10:51
Gehts der "Superheldin" an den Kragen?
Die Aktion war der vermutlich lustigste Coup in der Hamburger Kriminalgeschichte: Am 28. April 2006 überfielen 30 Männer und Frauen in Superheld-Kostümen das "Frischeparadies Goedeken" an der Großen Elbstraße, erbeuteten Delikatessen von Hirschkeule bis Champagner - und entwischten der Polizei. Später verkündeten sie schriftlich, sie hätten die Luxus-Leckereien an "Erzieherinnen, Praktikanten, Putzfrauen und Ein-Euro-Jobber" verteilt. Heute steht eine 30-Jährige Aktivistin der linken Szene vor dem Amtsgericht Altona. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Diebstahl, die junge Frau soll durch Zeugen als eine der "Superhelden" identifiziert worden sein.
Die Gruppe mit dem Robin-Hood-Appeal nennt sich "Prekäre Superhelden", die Mitglieder tauchen in rosa Spiderman-Kostümen oder Gewändern anderer Comic-Helden auf. Ihre Botschaft: den Reichtum umverteilen. Bereits im Mai 2005 waren die "Superhelden" auf den Süllberg eingefallen, hatten den verdutzten Gästen des Nobelrestaurants die besten Bissen vom Teller geklaubt.
(MOPO vom 19.06.2007 / SEITE 9)
STEPHANIE LAMPRECHT>
taz Nord
23.06.2007 - 10:54
Superheldin vor Gericht
Im Prozess um die Aktion der "prekären Superhelden", muss sich in Hamburg eine 30-Jährige für den Überfall auf einen Feinkostladen verantworten. Die Polizei ermittelte mit fragwürdigen Methoden
Der Hamburger Landrichter Nils Werner lässt sich im Verfahren durch sein häufiges Grinsen unverhohlen anmerken, dass er der "karnevalistischen Einlage" einen gewissen Witz abgewinnt, die selbst die britische Zeitung The Guardian als den "wahrscheinlich lustigsten Coup in der deutschen Kriminalgeschichte" würdigt. Doch der Staatsschutz kennt keinen Spaß. Mit Verbissenheit fahndete er nach den Räubern aus einem Delikatessenladen und brachte nun Irene H. (30) als mutmaßliche "Superheldin" wegen Diebstahls vor das Amtsgericht Hamburg-Altona.
Am Vormittag des 28. April 2006 stattete eine Gruppe von rund 30 "prekären Superhelden" dem Gourmet-Supermarkt Frisches Paradies an der Großen Elbstraße in Hamburg einen Besuch ab. Mit weißen Masken getarnt stopften die Akteure Champagner, Hirschkeulen, und andere Leckereien in Plastiktüten und verließen den Laden kommentarlos. Den beiden verdutzten Verkäuferinnen überreichten sie noch zum Abschied einen Blumenstrauß, an dem sie dann auch ihre Bekenner-Visitenkarte hinterließen. Sodann begannen "Spider Mom", "Superflex" und ihre Mitstreiterinnen - wie sie sich nannten - mit der diskreten Umverteilung der Delikatessen an Erzieherinnen, Praktikantinnen, Putzfrauen und Ein-Euro-Jobber. Ihre Devise: Warum sollten prekär Beschäftigte, von denen es immer mehr gebe, nicht auch mal etwas von dem Reichtum haben, der in Hamburg im Überfluss vorhanden sei?
Trotz der öffentlichen Sympathie für die Aktion zogen Staatsschutzfahnder alle kriminalistischen Register: Fotos von der Aktion wurden vom Web-Portal Indymedia runtergeladen und analysiert. Darunter war auch eine Seitenprofil-Abbildung einer maskierten "Superheldin" mit brauem Pferdeschwanz. Und da Irene H. einen Pferdeschwanz trägt und im Oktober 2005 wegen Aktivitäten zum Hamburger Euromayday in Observationsberichten auftauchte, geriet sie nun direkt ins Visier der Fahnder. Doch zwei Mal lehnte ein Ermittlungsrichter einen Durchsuchungbeschluss für ihre Wohnräume im Wohnprojekt Große Freiheit ab.
Deshalb wählte die Polizei einen Umweg: Sie stürmte am 31. Mai 2006 den "Buttclub" in den Hafenstraßen-Häusern, als dort gerade die Initiative "Hamburg umsonst" tagte. Die Fahnder trafen dort auch auf Irene H. und nutzten die Gelegenheit, um mit ihr zu ihrer Wohnung zu fahren und diese zu durchsuchen. Begründung: "Gefahr in Verzug". Ihr Laptop, auf dem sich Artikel zu prekärer Beschäftigung und Texte über den Euromayday befanden, stellten sie sicher. Mit den nunmehr angefertigten Seitenprofil-Fotos aus der "erkennungsdienstlichen Behandlung" gaben die Staatsschutz-Fahnder beim Bundeskriminalamt (BKA) ein forensisches Gutachten in Auftrag, um "individuelle anatomische Merkmale" mit dem Internet-Foto zu vergleichen. Doch das BKA kommt zu den Schluss, dass keine Übereinstimmungen nachzuweisen sind.
Zu diesem Ergebnis kommt Verteidigerin Gabriele Heinecke beim bloßen Hinsehen. "Diese Frau hat viel fülligere Wangen als meine Mandantin", sagte sie und forderte, das Verfahren einzustellen. Auch Richter Werner erkannte eigentlich, dass die Frau auf der Abbildung "viel mehr Speck an den Wangenknochen" habe, dennoch wollte er alle Beweismittel ausschöpfen. Aber die beiden Augenzeuginnen aus dem überfallenen Geschäft waren überfordert, als sie aus der Masse von Maskenträgerinnen mit Pferdeschwanz im Zuhörerraum des Gerichts die Angeklagte identifizieren sollten.
Der Prozess wird nur noch fortgesetzt, weil Richter Werner darauf besteht, die auf Irene H.s Laptop gespeicherten Artikel in das Verfahren einzuführen. Unter dem Protest von Anwältin Heinecke. Denn die Hausdurchsuchung durch die Hintertür ohne Richtervorbehalt sei rechtswidrig gewesen, so dass ein Verwertungsverbot bestehe. "Das hat gerade das Bundesverfassungsgericht in zwei Beschlüssen untermauert", sagte Heinecke.
taz nord vom 20.6.2006
VON KAI VON APPEN>
Hamburger Abendblatt
23.06.2007 - 12:39
Studentin wegen Diebstahls im Delikatessen-Laden angeklagt: Der bizarre Auftritt der "Superhelden"
30-Jährige soll mit weiteren Aktivisten das "Frische-Paradies" an der Großen Elbstraße geplündert haben. Zuschauer kommen mit weißen Masken ins Amts gericht. Richter ließ die Störer gewähren.
Maskiert, in Komikkostüme gehüllt, so hatte eine Gruppe von Aktivisten am 28. April des Vorjahres das Delikatessengeschäft Frische-Paradies an der Großen Elbstraße gestürmt. Ein Edelshop, wo Promis wie Fernsehkoch Tim Mälzer einkaufen - der dreiste Diebstahl von Champagner, teurem Wein, Schokolade und mehr (Schaden: rund 1500 Euro) beschäftigt seit gestern das Amtsgericht Altona.
Bis nach Großbritannien und Japan hatten Zeitungen in aller Welt die Geschichte der selbst ernannten "prekären Superhelden" und ihres Kampfes für mehr "soziale Gerechtigkeit" verbreitet. Die Gruppe verteilte ihre Beute anonym im Stil eines Robin Hood an Einrichtungen, die sie für bedürftig hielt. In einem Schreiben bekannte sich eine Schar von "Superhelden" zu dem Anschlag.
Nun herrscht Partystimmung im Gerichtssaal 101. "Von uns aus eröffnen wir die Hauptverhandlung gegen die Ungerechtigkeiten auf dieser Welt", ruft respektlos ein Mann auf der Zuschauerbank und schwenkt eine Langnese-Fahne. Er ist einer von mehr als 20 jungen Leuten, die zum Prozess gekommen sind - zur Unterstützung der Studentin Irene H. (30), die wegen Diebstahls angeklagt ist. Wie einst die diebischen "Superhelden", die das Luxusgeschäft stürmten, haben einige Zuschauer weiße Masken aufgesetzt. Sie lachen, stören bisweilen mit frechen Bemerkungen die Verhandlung - und der junge Amtsrichter lässt es geschehen, sodass die Würde der Strafrechtsverhandlung mehr und mehr verloren geht.
"Ich komme aus dem Rheinland", versucht der Richter fröhlich die Stimmung zu beschwichtigen. Manchmal lächelt er. Wie die Zuschauer. Amüsiert schaut er sich die Tatortfotos an, die die Plünderer einst von sich verbreiteten: bunt kostümierte Gestalten im Supermarkt mit Delikatessen in der Hand und auf einem Balkon: "Posieren für das Volk", kommentiert der Richter.
Vor allem geht es um ein Tatortfoto, das die Angeklagte darstellen könnte. Man sieht ein Maskengesicht, eine Frau mit einer Pferdeschwanz-Frisur. "Das ist alles, was wir haben", meint die Verteidigerin, dies reiche aber zur Identifizierung nicht aus. Ihre Mandantin schweigt. Der Richter kontert: "Wir haben mehr." Erstaunlicherweise lässt er es zu, dass sich die Angeklagte entspannt zu ihren Freunden und Bekannten auf die Zuschauerbank setzen darf. Eine Angestellte des Supermarkts sagt aus: Die maskierten Leute seien hereingestürmt, "ich war ganz perplex." Die Einkaufswagen mit den Luxusgütern müssten sie vorher bereitgestellt haben. Schnell sei die Gruppe weg gewesen. Nicht ohne ihr Bekennerschreiben im Frische-Paradies zu hinterlassen - "und einen Blumenstrauß", so die Zeugin. Wieder schmunzelt der Richter, das sei ein "freundliches Feature". Die Zeugin dreht sich um, schaut einige der Zuschauer an, die ihre weißen Masken aufgesetzt haben, darunter auch Frauen mit Pferdeschwanz-Frisuren. Nein, sie erkenne niemanden von den Tätern wieder.
Vor einer Kindertagesstätte deponierten die Plünderer nach der Tat eine Flasche Champagner, zwei Pakete Pralinen, acht Tafeln Schokolade. "Vor einer Kindertagesstätte? Da ist Champagner abgegeben worden?", staunt der Richter. Der Verteidigerin fällt dazu ein, dass die dort gefundene Ware nicht den behaupteten Schaden von 1500 Euro ausmache. Der Richter: "Das stimmt, dann müsste es sehr alter Champagner sein, aus der napoleanischen Zeit . . ." Da lachen wieder die Freunde und Bekannten in den Reihen der Zuschauer, und man könnte beinahe vergessen, dass es hier um den Vorwurf des Diebstahls geht. Die Verhandlung wird am Dienstag, 26. Juni, fortgesetzt. Der Richter wendet sich an die Zuschauer: Die mitgebrachte Langnese-Fahne, hakt er lächelnd nach: Sei diese für den Prozess gewesen "oder für die Vorbereitung auf einen Besuch im Beach-Club?"
erschienen am 20. Juni 2007
neh>
Die Welt (Hamburg)
23.06.2007 - 12:41
20. Juni 2007
"Robin-Hood-Überfall" auf Feinkostladen: 30-jährige Studentin angeklagt - Verteidigerin kritisiert Beweislage
Maskierte "Superhelden": Vom Gourmetmarkt ins Gericht
Der Speck am Hals ist eindeutig zu viel. Ihre Mandantin habe nicht so ein Doppelkinn wie die Maskierte auf dem Beweisfoto, protestiert Anwältin Gabriele Heinecke und deutet auf die zierliche Frau an ihrer Seite: Die Studentin Irene H. (30), wohnhaft in der Großen Freiheit, soll am 28. April 2006 mit einer Gruppe bunt verkleideter Linksautonomer den Gourmet-Supermarkt FrischeParadies an der Großen Elbstraße überfallen haben. Der Kassiererin überreichten die "prekären Superhelden" gelbe Blümchen und die Botschaft: "Ein Überleben in der Stadt der Millionäre" wäre ohne sie nicht möglich. Die Beute - Champagner, Pralinen, Hirschkeulen und andere Delikatessen im Wert von angeblich 1500 Euro - verteilten sie dann an Erzieherinnen einer Kita, Praktikanten einer Werbeagentur, Putzfrauen der Uni und Ein-Euro-Jobber.
Nach dieser Robin-Hood-Aktion muss sich Irene H. seit gestern als erste Angeklagte vor dem Amtsgericht Altona verantworten. Zum Prozessauftakt kommt sie in einer geschützten Menge: Etwa 30 meist Gleichaltrige ziehen mit ihr in den Saal ein. D |