Pressemitteilung Euromayday in Hamburg 2006
Kristina Wieland , 26.04.2006 00:00
Parade der Prekarisierten
Neue Arbeits- und Lebensverhältnisse, neue Protestformen, neue Fragen: Der Euromayday mobilisiert für den 1. Mai 2006 bundesweit nach Hamburg zu einer Parade für globale Rechte
Pressemitteilung Euromayday in Hamburg 2006 -
In Mailand und Barcelona hat die Euromayday-Bewegung bereits Zehntausende auf die Straße gebracht, die auf ihre unsichere Arbeits- und Lebenssituation aufmerksam machen. Letztes Jahr schlossen sich zahlreiche europäische Städte dieser Bewegung an. Neben Helsinki, Kopenhagen, Sevilla, Stockholm, Paris, Amsterdam, Wien, Lüttich, London, Juväskula fand 2005 erstmalig auch in Hamburg eine Euromayday-Parade statt. Annähernd 4000 Menschen beteiligten sich an einem Protestzug von der Michelwiese entlang dem Hamburger Hafen bis zum Platz der Republik in Altona.
Woher kommt morgen mein Geld? Wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Reicht das Geld für den Kita-Platz? Welche Jobs gehen ohne Pass? Was ist, wenn ich krank werde? Wie will ich wohnen? Wie finanziere ich mein Studium? Warum denke ich ständig an Arbeit? Wie würde ich gerne leben?
Der Euromayday wirft Fragen auf, die beim Tag der Arbeit bislang eher außen vor geblieben sind. Traditionelle Gewerkschaftspolitik findet auf die schöne neue Welt der irregulären Beschäftigungsverhältnisse keine Antworten. Deshalb macht sich der Euromayday auf die Suche nach anderen Organisations- und Vernetzungsformen. Ob Erwerbslose, Illegalisierte, Freelancer und McJobber eine Gewerkschaft brauchen und wie sie aussehen müsste. Ob das bedingungslose Grundeinkommen eine Antwort auf Prekarisierung ist. Oder wie lange es sich die Generation Praktikum leisten kann, ohne Lohn auszukommen.
„Es geht um die Frage nach globalen sozialen Rechten. Darunter verstehen wir zum Beispiel das Recht, sich dort niederzulassen, wo es einem gefällt, das Recht auf Gesundheitsversorgung, auf Bildung, ein Dach über dem Kopf, eben alles, was du für ein gutes Leben brauchst und zwar jenseits von Staatsangehörigkeit und Arbeit“, sagt Raoul Peters vom Hamburger Euromayday-Komitee. Die Dringlichkeit dieser Fragen bestätigt sich unter anderem darin, dass der Euromayday-Funken nach Berlin übergesprungen ist, wo es in diesem Jahr auch eine Parade geben wird.
Euromayday ist ein europäischer Prozess rund um prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse. Am 1. Mai 2006 dringt dieser Prozess auf die Straße: heimarbeitende Hausfrauen, hausarbeitende Außendienstler, ausbildungsplatzlose Jugendliche, vollvernetzte Medien-Billiglöhner, Dauerpraktikantinnen und aufenthaltslose Putzfrauen kommen auf den Euromayday-Paraden zusammen. „Euromayday, so raunt es in der Welt der Feldforscher sozialer Bewegungen, sei die spannendste Entwicklung auf dem Marktplatz des politischen Aktivismus. Dort sei Musik im Spiel, Ideen würden sprießen“, schreibt Isabel Hoffman in der „Zeit“.
Nur ein paar Schritte entfernt vom Großneumarkt, wo die DGB-Demo endet, beginnt auf der Michelwiese um 13 Uhr die Hamburger Euromayday-Parade. Keine Demonstration im herkömmlichen Sinne, sondern ein mobiles Polit-Festival jenseits von gewerkschaftlicher Würstchen- und Bierzelt-Gemütlichkeit. „Ein Hochzeitswagen propagiert die Schutzehe als Konzept zur Sicherung des Aufenthaltes, eine Samba Band spielt auf, der Flüchtlingsrat Hamburg inszeniert eine Theateraufführung, eine Talkshow wird das Thema Hartz IV aufs Korn nehmen, eine antirassistische Initiative macht sich auf die Suche nach dem ‚Superdeutschen’ und das Schwabinggrad Ballett interpretiert den ‚Baggerführer Willibald’ als Free-Jazz“, verrät Maria Álvarez, die an der Koordination der Parade beteiligt ist. Zum Abschluss gibt es einen Sound-Clash in der Resterampen-Sonderwirtschaftszone der Großen Bergstraße – u.a. mit dem Silly Walks Movement und Taca Taca Tá.
Im Vorfeld der Hamburger Euromayday-Parade wird die internationale Konferenz „Die Kosten rebellieren II“ an der Universität abgehalten, um Fragen zu Prekarisierung, Migration und Grundeinkommen zu diskutieren.
Parade am 1. Mai: „Euromayday – Unschlagbar für globale Rechte“
Start: 13.00 Uhr auf den Michelwiesen – Abschluss: ca. 17.00 Uhr in der Großen Bergstrasse (Altona).
Kongress „Die Kosten rebellieren II“ – 29.04-30.04.2006 Universität Hamburg, Von-Melle-Park 9
Beginn: Samstag 14.00 Uhr.
e-Mail:: red-euromayday-hh(at)nadir.org
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