4.3., Berlin: roundtable zur krise der migration
serhat karakayali , 24.02.2006 18:59
Die Überschreitung der europäischen Grenzen in Ceuta und Melilla, die Anschläge in London und die Aufstände in Paris sind die Boten einer Krise. An den Grenzen Europas, die den symbolischen Beginn der Migration nach Europa markieren, genauso wie in den großen Metropolen der Migration, wo sie in der x-ten Generation ihre Mutationen erzeugt.
kanak attak
Migration ist wenn du sagst, I would prefer not to be
Die neuen Migranten hängen sich an den Zipfel des Menschenrechts, nicht um Europäer zu werden, sondern so wie sie Äste zu Leitern bündeln, auf dem Weg ihrer transkontinentalen Reise. Die Jugend der Banlieus wiederum demonstriert auf ihre Weise, dass der Pfad der Bürgerrechte und der Integration ("lernt deutsch, französisch, englisch"), versperrt ist.
Rechte haben, was heißt das schon? Der Aufstand ist eine Lehre für die Integrationspriester Deutschlands, die in der linken wie rechten Variante Integration als Aufstands- und Unruhebekämpfung buchstabieren. Aber der Neoliberalismus hat den sozialen Sinn der Bürgerschaft ausgehöhlt, Papiere ohne Arbeit und Geld, ohne Zugang zu materiellen und immateriellen Ressourcen, wer braucht das?
Die Revolten, Molotowcocktails und Leitern, Schlauchboote und brennenden Autos sind Elemente einer untergründigen Strömung der Migration, die sich dem Universum der Integration entzieht. Nicht, weil die Migranten Nomaden wären, die sich Sesshaftwerdung verweigern, nicht, weil hier unüberbrückbare kulturelle Differenzen walten. Die gewaltsamen Exzesse verweisen darauf, dass die Migration am Schnittpunkt von jenen gesellschaftlichen Verdichtungen sich bewegt, die heute selbst in einer Krise stecken: Der Nationalstaat in seinen sowohl imaginären als auch pragmatischen Dimensionen: die Vorstellung homogener Kulturen als Organismen und Körper, der Nationalstaat als kollektiver Akteur auf dem Weltmarkt, die Krise der Arbeit und die Prekarisierung, die Rolle der immateriellen Arbeit.
Wo steht die Bewegung und wo stehen die Kämpfe der Migration angesichts dieser Konstellation? Sie sind Teil der Kräfteverhältnisse, die zur Krise der Integration führen, aber die Krise der politischen Artikulations- und Repräsentationsformen erfasst auch die politischen Gruppen und Bewegungen der Migration.
kanak attak hat drei "VertreterInnen" der europäischen Antirassismus- und MIgrationsbewegung eingeladen, diese Fragen zu diskutieren.
Am 4.3.2006, im HAU2, in Berlin, Tempelhofer Ufer 10, um 20 Uhr.
Homepage:: http://kanak-attak.de/ka/aktuell.html
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