EUROMAYDAY


was ist der Euro Mayday Veranstaltungen Parade Historie Prekarisierung Migration Propaganda

Links euromayday.org berlin.euromayday.org

Suchen:


5.11., Berlin: Seminar - Prekarisierung und Migration

serhat , 29.10.2005 18:15

Der Begriff „Prekarisierung“ ist in aller Munde. Die Entgarantierung von Arbeitsverhältnissen – regulären wie sogenannten atypischen – bildet heute einen neuen Ansatzpunkt in der Formierung sozialer Bewegungen in ganz Europa...

[Organisatorisches: Es soll zunächst drei kurze Referate geben, von Serhat Karakayali (Universität Frankfurt, Projekt Transit Migration) Juliane Schmidt (Universität Münster, Baustein für nicht rassistische Bildungsarbeit), Vassilis Tsianos (Universität Hamburg, kanak attak)
Anhand eines Videos wollen wir verschiedene Ansätze in der Debatte um Prekarisierung in Europa diskutieren.

Termin des Tagesseminars: 5. November, von 11 - 17 Uhr im Fusion, Skalitzer Str. 67, Berlin- Kreuzberg (U-Bhf. Schlesisches Tor)]

... Das zeigen nicht nur Konferenzen wie „Die Kosten rebellieren“, bei denen zum ersten Mal antirassistische Gruppen mit linken Gewerkschaftern über den Zusammenhang von Arbeit und Migration diskutierten, sondern auch die zunehmende Bedeutung des Euromayday (www.euromayday.tk), der seit zwei Jahren zu einem wichtigen Projekt der europäischen Linken geworden ist, die den 1. Mai als „Tag der Arbeit“ in den Kontext prekarisierter Arbeits- und Lebensverhältnisse rückte.

Umstritten ist dabei, ob Prekarisierung ausschließlich als Angriff auf „Errungenschaften“ und Sicherheiten der Arbeitenden zu verstehen sei. Soziale Bewegungen haben jene „Sicherheiten“ schon seit 1968 als patriarchales Normalarbeitsverhältnis kritisiert, das einen geschlossenen Arbeitsmarkt verlangt. Wollen wir zu diesen Zuständen zurück? Schon die Existenzgeldforderung, die seit den frühen 1980er Jahren immer wieder gestellt wird, war ein Versuch, aus dem Fokus auf Arbeit in der linken Sozialpolitik auszubrechen.

Die Prekarisierungsdebatte stellt eine Suchbewegung dar. Es geht weniger darum, Lebens- und Arbeitsbedingungen verschiedenster Leute mit dem Prekarisierungsbegriff unter einen alten Hut (etwa die „Klasse“ des „Prekariats“?) zu bekommen. Eher wollen wir in dem Workshop fragen, ob Prekarisierung einen anderen Blick auf die Verhältnisse ermöglicht; einer, der Ausgangspunkt neuer Subjektivitäten und der Verbindung von Kämpfen sein kann.

Die Migration spielt in der Diskussion um Prekarisierung eine wichtige Rolle. Eine weit verbreitete Position lautet, dass Prekarisierung für weiße Deutsche eine Option darstellt, „weil es besser ist als vorher“, MigrantInnen dagegen aber Opfer einer Zuwanderungspolitik sind, die „sie in die miesesten Jobs zwingt“. Diese Position unterschlägt, dass auch der Arbeitsmarkt der sechziger und siebziger Jahre rassistisch segmentiert war und das Leben der MigrantInnen prekär machte. Aber betrachtet man Prekarisierung auf diese Weise, kann man nur feststellen, dass für MigrantInnen immer alles schlimmer wird. Übersehen wird dabei, dass MigrantInnen immer gegen ihre Arbeits- und Lebensverhältnisse gekämpft haben und dies auch heute tun. Produktiver könnte es daher sein, die Kämpfe in den Blick zu nehmen, – und die damit verbundenen Politik- und Subjektivitätsformen –, die mit Prekarisierung umgehen, anstatt sie nur zu erdulden.

In dem Workshop wollen wir diesen Fragen weiter nachgehen und die Debatte um den Zusammenhang von Migration und Prekarisierung vertiefen.