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nolager goes euromayday...

nolager bremen , 28.04.2005 13:37

Prekarisierung und globales Lagersystem sind vielfach verschränkt. Der Aufruf des bundesweiten NoLager-Netzwerks zum euromayday in Hamburg erzählt weshalb...

Für globale Bewegungsfreiheit/Gleiche Rechte für alle

NoLager goes Euromayday: 1. Mai 2005 Hamburg

Das globale Universum der Lager wird immer unübersichtlicher: Ob in den Wüsten Australiens oder Libyens, ob an den EU-Außengrenzen auf Malta oder in Ungarn, ob in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns oder den Schweizer Alpen, überall auf der Welt werden Flüchtlinge und papierlose MigrantInnen zunehmend in Lagern interniert. Bei vielen dieser Lagern handelt es sich um geschlossene, d.h. hundsgemeine Knäste oder Internierungslager. Andere Lager sind zwar offen, ohne dass deshalb jedoch die InsassInnen am gesellschaftlichen Leben teilhaben könnten. In aller Regel wird das bereits durch die völlige Abgeschiedenheit der Lager mitten im Nirgendwo verunmöglicht. Hinzu kommen rassistische Sondergesetze, die die Bewegungsfreiheit der InsassInnen unterbinden sollen. Beispielhaft erwähnt sei die bislang ausschließlich in Deutschland praktizierte Residenzpflicht: Danach dürfen Flüchtlinge während der gesamten Dauer ihres oft jahrelangen Asylverfahrens den Landkreis, in dem sie gemeldet sind, nur mit Genehmigung der Behörden verlassen.

Bei aller Unterschiedlichkeit, eines ist Lagern weltweit gemeinsam: Die Lebensverhältnisse in ihnen sind krass prekär, d.h. sie sind geprägt von Unsicherheit, Ungewissheit und Gefährlichkeit. So wissen die InsassInnen gemeinhin nicht, wie lange sie im Lager bleiben müssen – ob 2 Monate, 2 Jahre, 5 Jahre oder mehr, was leider, insbesondere in Deutschland, keine Seltenheit ist. Vor allem aber wissen sie nicht, was am Ende ihres Lageraufenthalts stehen wird: die Abschiebung (oder als zynische Variante zur Abschiebung die sogenannte „freiwillige Ausreise“), das mehr oder weniger erzwungene Abtauchen in die Illegalität oder – als Ausnahme – der Umzug in die eigene Wohnung. Im Lager selbst sehen sich die InsassInnen permanent mit Kontrollen, Schikanen und Diskriminierungen konfrontiert. Wenn überhaupt, so erhalten sie nur unregelmäßig (Kürzest)-Arbeitserlaubnisse – oder sie verdingen sich auf eigene Faust als irreguläre Arbeitskräfte im Niedriglohnsektor, mit allem, was das an zusätzlicher Ausbeutung, Gewalt etc. mit sich bringt. Ansonsten ist das Leben im Lager durch räumliche Enge, fehlende Privatheit und leere Eintönigkeit bestimmt. Frauen sind darüberhinaus häufig von sexistischer Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung betroffen, nicht zuletzt durch Angestellte der zumeist privaten Betreiberfirmen.

Lagerunterbringung verfolgt (mindestens) zwei Ziele: Einerseits sollen die InsassInnen von der übrigen Bevölkerung separiert und isoliert werden. Denn je nicht-integrierter und somit stigmatisierter diese sind (‚Die Leute aus dem Lager’), desto leichter können Abschiebungen durchgesetzt werden - ohne nennenswerten Widerstand von außen. Andererseits sollen die InsassInnen offener Lager in die Illegalität getrieben bzw. sollen neu ankommende Flüchtlinge und MigrantInnen dazu gebracht werden, gar nicht erst Asyl zu beantragen, sondern gleich in die Illegalität abzutauchen. Denn es ist ja nicht so, dass die reichen Industrienationen gar keine Flüchtlinge und MigrantInnen wollten, sie sollen nur nichts kosten. Eine bestimmte Zahl irregulärer und somit besonders billiger, flexibler und gewerkschaftlich nicht organisierter Arbeitskräfte ist mit anderen Worten durchaus erwünscht: Sei es auf den Feldern in der Landwirtschaft, in der Gastronomie, auf dem Bau oder im Reinigungsgewerbe, in den Bordellen oder den privaten Haushalten der Mittelklassen.

Allem Druck durch das herrschende Lagersystem zum Trotz – es gibt Widerstand, innerhalb und außerhalb der Lager. Das bundesweite NoLager-Netzwerk ist Teil dieses Widerstands. An ihm sind Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge gleichermaßen beteiligt. Unter dem Motto „Isolation aufbrechen“ suchen wir insbesondere so genannte „Dschungelheime“ auf, unsere Forderung lautet: Schließung aller Lager – hier und überall! Denn alle Menschen haben das Recht, dort zu leben, wo immer und solange sie möchten. Konkret heißt das auch, sämtlichen rassistischen Sondergesetzen wie z.B. der Residenzpflicht oder dem Gutscheinsystem für Flüchtlinge eine entschiedene Abfuhr zu erteilen – genauso wie allen anderen Form von Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung.

Frisch aufgemöbelt: www.nolager.de mit Infos zum globalen Lagersystem, Dokumentation des NoLager-Kampfes und aktuellen Aufrufen & Apellen


- e-Mail:: no_lager@yahoo.de
Homepage:: http://www.nolager.de