dieEinladung zum 1. Euromayday in Hamburg: Wie in Hamburg alles anfing
euromayday , 01.01.2005 00:00
Hamburg Umsonst und Gesellschaft für Legalisierung laden ein zum Euro-Mayday 2005: Treffen im Buttclub, St. Pauli-Hafenstr. 126 am Montag, dem 6.12.2004 um 19:45 Uhr für Interessierte aus Hamburg und Norddeutschland:
precari+cognitarie d'europa uniamoci! c'è un mondo di diritti per cui lottare - continuità di reddito, maternità e vacanze pagate, accesso a casa, amore e conoscenza: la cultura è libera condivisione, cooperiamo alla nuova scienza!
précaires d'europe unissons-nous! il y a un monde de droits à conquérir securité de revenu, congés payés accès à la connaissance et à l'amour (en ligne, aussi!)
Flexworkers of europe let's unite!
There's a World of Rights to Fight for:
Steady Income & Paid Vacation,
Access to Housing, Loving, Hacking
Auf dem europäischen Sozialforum (ESF) und dem beyond ESF in London wurde von diversen antirassistischen und antikapitalistischen Gruppen und Netzwerken verabredet, den Euro-Mayday 2005 weiter zu europäisieren. Bisher fanden EuroMaydays in Mailand und Barcelona statt (www.euromayday.org). Sie kreieren aus den zeitgenössischen prekären und migrantischen Arbeits- und Lebensverhältnissen einen neuen politischen und kulturellen Ausdruck, zu dem die Aneignung des traditionellen 1. Mai der alten und neuen Linken gehörte.
Beeindruckend war in Barcelona die Demonstrationsspitze mit 500 sans papier unter den 15.000 DemonstrantInnen, während in Mailand durch die Kooperationen von autonomen und migrantischen Netzwerken mit Basiskomitees und Gewerkschaften ca. 80.000 Personen demonstrierten.
Uns interessiert eine entsprechende Adaption in der Bundesrepublik für den 1. Mai 2005, auch wenn wir von anderen Bedingungen ausgehen als in Spanien und Italien.
Wir sehen in dieser Mobilisierung eine Möglichkeit, Erfahrungen und Kritiken aus Europa aufzunehmen. Erfahrungen, die einen anderen Horizont eröffnen können. Kritiken, die einen anderen Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse werfen.
Ebenso fasziniert die Chance eine europäische Diskussion und Zusammenarbeit auszudehnen.
Schließlich interessiert uns eine lokale oder regionale Plattform rund um prekäre Lebensverhältnisse.
Unter Prekarisierung wird im Rahmen des EuroMayday die Krise der Institutionen und der gesellschaftlichen Vereinbarungen mit ihren sozialen und politischen Rechten diskutiert, die weit über unsichere Arbeitsverhältnisse hinausreicht. Eine Krise der Sozialversicherungen, der Familie, des Nationalstaates und der traditionellen Arbeitswelten und – teilungen. In dieser Krise etabliert sich im Verfassungsprozess der europäischen Union (EU) ein neues Management von Entrechtung und Überausbeutung.
MigrantInnen und Frauen sind die gesellschaftlichen Gruppen, die mit diesen Situationen fortgeschrittene Erfahrungen haben, die jetzt in die ganze Gesellschaft expandieren.
Für sie und andere sind unsichere Arbeits- und Lebensverhältnisse schon lange Normalzustand, für weitaus mehr werden sie eine bedrohliche Aussicht. In den 80er und 90er Jahren boten die ersten großen Wellen von prekären, flexiblen Jobs für viele noch Alternativen zu den vorherrschenden normalen Arbeitsverhältnisse. Heute erscheint Arbeit wieder als alternativloser gesellschaftlicher Zwang, prekäre Arbeit ist expandiert und sie bedeutet oft Arbeiten ohne sicher zu sein, damit über die Runden zu kommen.
Dennoch verweisen gerade die Debatten um Arbeitszeitverlängerung, um Arbeitspflicht und Lohnverzicht auf eine gern verschwiegene Einsicht: Ein Leben ist vorstellbar ohne die Arbeit als Maß aller Dinge.
Heute entdecken und erleben wir eine Vielzahl von Lebensentwürfen, von Unterwanderungen der Normen und Gesetze, die einen anderen Blick auf den Lauf der Dinge ermöglichen.Oft waren Veränderungen nur möglich um den Preis neuer Hierarchien. Zum Beispiel in den ungelösten geschlechtlichen Arbeitsteilungen haben Frauen sich Freiräume erschaffen, weil statt der Männer oftmals migrantische Frauen die Hausarbeit als irreguläre Lohnarbeit machen.
So reden wir nicht davon, dass durch Prekarisierung alle gleich werden. Aber was etwa eine freie Journalistin und eine Putzfrau im Job gemeinsam haben: Beiden muss nicht gekündigt werden.
Sprechen wir davon, dass heute in Europa Stimmen und Bewegungen auftauchen, die ein Recht auf Rechte unabhängig von der der Staatsbürgerschaft und der Arbeit fordern. Reden wir davon, dass es Ideen und Alternativen gibt für Arbeit und Leben. Erzählen und lernen wir von den Kämpfen und Geschichten, die sich aus dieser neuen Melange von Lebens- und Arbeitsverhältnissen in Europa bereits ergeben und vielleicht auf neue Formen von gewerkschaftlichen, sozialen und politischen Organisierungen verweisen. Und diese Stimmen und Bewegungen wollen sich am EuroMayday versammeln.
Angenommen die Welt steht für einen Moment still. Die Erklärungen enden hier und eröffnen, was an einem EuroMayday möglich ist:
Zum Beispiel die 1. Mai – Demonstration anders gestalten. Eine umfangreiche Vorbereitung machen mit Veranstaltungen und Aktionen. Die Stadt entdecken. Den „2. europäischen Aktionstag für Freedom of Movement and the Right to stay„ am 2. April 2005 als ersten Auftakt der Euro-Mayday Kampagne nutzen. Neue Kooperationen ausprobieren...
Aus Kreisen der Konferenz „die kosten rebellieren„ von labournet und kein mensch ist illegal gibt es den Vorschlag für eine bundesweite Mobilisierung nach Hamburg aus der EuroMayday Perspektive.
Auch der offizielle 1. Mai 2005 des DGB soll einen anderen Charakter als die voran gegangenen Jahre haben namens 1. Mai reloaded mit der bisher provisorischen Überschrift „Überleben in der Stadt der Millionäre„. Dort wird ebenfalls an einem Mobilisierungskonzept gearbeitet, das Möglichkeiten für Kooperationen eröffnen kann.
Ein europäisches EuroMayday-Treffen wird es am 14-16. Januar 2005 in Berlin geben.
Was also eigene Vorstellungen sind, wie Partnerschaften und Mobilisierungen auf lokaler und bundesweiter Ebene aussehen können, soll am 6. Dezember erstmals besprochen werden.
Verteiler (alphabetisch) noch zu erweitern:
Amnesty for women, Analyse+Kritik, Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten, Argentiniensoli, ATTAC, Avanti, Blauer Montag, Buko Internationalismus, Buttclub, Druck machen, Fantomas, FAU, FLASH, Flüchtlingsrat Hamburg, FSK, Hamburger Sozialforum, Indymedia, Karawane Hamburg, kein mensch ist illegal, MPZ, Mujeres sin Fronteras, radio St. Paula, Rote Flora, Sopo, Urbane Panik, Widerstandsforum,..........
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