liebe Freund_innen, Unterstützer_innen und Kolleg_innen der MAUS!
vorweggestellt einige Gedanken aus unserem Selbstverständnis:
Seit der Gründung der MAUS 1984, also vor zweieinhalb Jahrzehnten, war die Arbeit der MAUS stets mit einer kritischen Auseinandersetzung mit Wissenschafts- und Technologieentwicklung verbunden. Eine Arbeit in einem solchen Rahmen bewegt sich immer in Widersprüchen, will sie nicht nur Umweltdaten erheben, sondern darüber hinaus auch dem Anspruch gerecht werden, eine konkrete, praktische Kritik an den ursächlichen gesellschaftlichen Verhältnissen, die zur Umweltzerstörung führen, darzustellen, und zu deren Veränderung beizutragen.
Denn ökologisches Denken - will es die Probleme an der Wurzel fassen und sie nicht nur auf der Oberfläche moderieren - kann nicht stehen bleiben bei Schadensbegrenzung oder bei der bloßen, wenn auch kritischen Durchleuchtung von Verwertung wissenschaftlicher, technologischer Ergebnisse und Strukturen.
Diesem Anspruch - in die Tiefe gehen, die Dialektik begreifen und nicht nur an Phänomenen herum zu handwerkeln - zu genügen, erfordert nachfragen nach dem Wissenschaftsbegriff, Menschenbild und Weltbild, die dahinter stecken, und dieses Nachfragen in den Rahmen einer Auseinandersetzung, um eine eigene gesellschaftliche Perspektive/Utopie zu stellen.
Politische und soziale Herrschaftsverhältnisse hängen eng mit dem Naturbegriff und dem Verhältnis zur Umwelt zusammen. Wie sie sich z.B. zeigen, wenn gesellschaftliche Hierarchien als natürliche Ordnungen interpretiert werden.
In diesem Sinne ist eine radikal ökologische Sichtweise nicht zu trennen von der Kritik an den bestehenden herrschenden politischen und sozialen Verhältnissen. Und es geht hierbei nicht nur um die Kritik an "Willkür" und "Missbrauch" oder "Auswuchs", sondern um die Kritik an einer Gesellschaft, in der weitgehend nicht der Mensch im Mittelpunkt von Denken und Handeln steht sondern die ökonomische Rationalität, in der oft gerade das, was von manchen allzu gerne als "Willkür", "Missbrauch" oder "Auswuchs" behandelt wird, konsequenter Ausdruck genau dieser Verhältnisse ist.
Den politischen/gesellschaftlichen Charakter der Maschine, der Technologie (auch z.B. der medizinischen Technologie), des wissenschaftlichen Denkens, der Erkenntnis, der Begrifflichkeit zu akzeptieren und in ein dialektisches Verhältnis zur Warengesellschaft, zu der Produktionsweise, den Produkten und wiederum zu deren Verwertung zu stellen, den Begriff "Arbeit" und "Eigentum" zu hinterfragen, kann u.a. ein Beitrag sein, für eine humane Gesellschaft, eine Gesellschaft, in der wir uns - und immer wieder neu - einen eigenen Begriff von Herrschaftsfreiheit, Solidarität, Kommunikation und Würde entwickeln und aneignen.
Wir wollen auch weiterhin versuchen unsere Arbeit in den Kontext dieser Diskussion zu stellen, und somit ihren politischen Charakter ständig neu zu hinterfragen.
Jetzt zu unserem aktuellen Anliegen:
Die MAUS lieferte u.a. zahllose Beiträge gegen die Risiken der Nutzung der Atomenergie und beteiligte sich immer wieder am Protest gegen Atomkraftwerke, gegen Atom- und Castortransporte.
So sind wir jetzt aktuell daran beteiligt, die signifikante Anhäufung von Krebs in Wewelsfleth in der Umgebung des AKW- Brokdorf aufzuklären.
Wir erstellen Expertisen und beraten einzelne Menschen, Gruppen und Institutionen z.B. zu Fragen möglicher Belastungen am Arbeitsplatz, Auswirkungen ionisierender Strahlung auf Mensch und Umwelt, Erkrankungshäufungen in unmittelbarer Nachbarschaft atomarer Anlagen oder zu Transporten radioaktiven Materials, aktuell auch zu den Atomtransporten über die Bremer und Hamburger Häfen.
Einen weiteren Schwerpunkt der MAUS bildet die Auseinandersetzung mit Normierung, Kategorisierung und Selektion in der globalisierten, neoliberalen Gesellschaft und ihrer (natur-)wissenschaftlichen Legitimation (z.B.: "Neue Eugenik", "Neue Euthansie", Gen- und Biotechnologie, Bioethik, Reproduktionstechnologie, pränatale - postnatale Diagnostik, der "nicht normgerechte Mensch", Geschlechterkategorisierung usw., "Modell der rationalen Egoisten" usw.), und mit "Natur", "Wirklichkeit", "Vernunft" im Wissenschaftsbild und Menschenbild und zur Legitimierung gesellschaftlicher Herrschaft.
Schon lange gestaltet die MAUS ein Projekt mit dem Arbeitstitel "Neue Technologien, Menschenbild und Ethik vor dem Hintergrund der Liberalisierungs- und Globalisierungs-Offensive". Das Projekt beinhaltet, wie bereits in den vergangenen Jahren, auch ein Seminar an der Universität - Bremen, das inzwischen in zehn Fachrichtungen anerkannt ist.
Die Arbeit der MAUS findet ihren Niederschlag in unserem Archiv und der Präsenzbibliothek, die ständig weiter ausgebaut werden.
Auch die Webseite der MAUS (www.maus-bremen.de) wird ständig ergänzt. Sie beinhaltet inzwischen sehr viele Beiträge zu den verschiedenen Arbeitsschwerpunkten der MAUS. Dort finden sich auch etliche Texte und Redebeiträge der MAUS, sowie u.a. eine Dokumentation politischer Plakate und z.B. auch ein Beitrag zu Jens Scheer, einem Mitbegründer der MAUS.
Schau/Schauen Sie doch mal virtuell und/oder real rein:
Die Öffnungszeiten für den Publikumsverkehr sind nach wie vor Mi., Do. und Fr. von 11-18 Uhr. In dieser Zeit, oder nach Terminvereinbarungen, können Beratungen stattfinden. Mittwochvormittag (ab 11 Uhr) findet ein wöchentliches Plenum statt an dem alle Interessierten teilnehmen können. Hier werden aktuelle und organisatorische Fragen besprochen. Freitagvormittag ist Platz für Verwaltungstätigkeiten.
Wir haben über weite Zeiträume die notwendigen Finanzen für Personalkosten und für die laufenden Verpflichtungen wie Bürokosten und die Mietkosten für unsere Räumlichkeiten durch verschiedene öffentliche Zuschüsse und durch Spenden einwerben können.
Durch die Umstrukturierungen des Arbeitsmarktes gestaltet es sich für Vereine immer unmöglicher Personalkosten (wie auch. Werkverträge) zu finanzieren. Durch den Wegfall öffentlicher Fördergelder wird die Arbeit in der MAUS inzwischen ausschließlich ehrenamtlich durchgeführt.
Weiter erschwerend kommt nun hinzu, dass wir inzwischen deutlich mehr für Miete- und Nebenkosten hier im Haus aufbringen müssen.
Das Überleben der MAUS ist nun nicht mehr durch unsere ehrenamtlichen Tätigkeiten und durch unser privates Finanzaufkommen aufzufangen. Die Weiterführung unserer Arbeit ist künftig abhängig von neuen finanziellen Unterstützungen von außen.
Die Bitte um eure Spende - einmalig oder auch gerne als (kleinerer) Dauerauftrag - und Unterstützung ist daher notwendiger denn je.
Da der Status der Gemeinnützigkeit besteht, sind alle finanziellen Zuwendungen steuerlich voll absetzbar. Spendenbescheinigungen können selbstverständlich ausgestellt werden.
Alle Untertützer_innen können jederzeit Einsicht in unsere Buchführung nehmen.
Falls Sie/Ihr weitere Möglichkeiten kennt, Unterstützung zu beantragen/einzuwerben, sagt uns bitte Bescheid.
Die MAUS dankt und verbleibt mit den besten Grüßen!