Kurze Flyer Text über Klima & Ernährung

Klima & Ernährung

Die Frage, ob wir ein Kochprojekt machen wollen oder nicht, ist für uns unter anderem abhängig vom ökologischen Aspekt. Das heisst z.B., dass wir keine 500 km hin- und zurückfahren wollen, um 30 Leute zwei Tage lang zu bekochen. Der Sprit, den wir dafür verbrauchen, steht ganz klar nicht im Verhältnis zu dem, was wir durch das Kochen erreichen können: zum Gelingen eines politischen Projektes beitragen, indem wir einen Teil der Infrastruktur stellen. Mal ganz davon abgesehen, dass es vielleicht eine Kochgruppe gibt, die näher dran ist und genau so gut in der Lage ist das Projekt zu bekochen.

Es gibt natürlich viele andere Gründe, eine Aktion zu unterstützen. Aber wo liegt die Grenze?

Hohe Transportkosten machen das Essen teuer. Doch die Ueberlegung, diese durch die Leute, die bei uns essen, zahlen zu lassen, finden wir nicht so gelungen. Für uns ist der ökologische Aspekt wichtiger. Durch die Essensversorgung verbrauchen wir Resourcen und fragen uns daher, welche Umweltbelastung ist vertretbar? Ein Antwort auf diese Frage wäre z.B., dass die Umweltbelastung nicht grösser sein darf, als wenn jede~r für sich selbst kocht.

Also: konkret werden
Eine Möglichkeit, die Umweltbelastung transparent zu machen, ist, sie in CO2-Äquivalenten auszudrücken. Mittlerweile gibt es für ganz viele Sachen CO2-Emmisions-Werte. Problematisch ist, dass in den verschiedenen Quellen oft nicht deutlich wird, wie diese Werte berechnet worden sind und was alles betrachtet worden ist.
Die CO2-Äquivalenten, die wir hier benutzen, sind nur ein Hilfsmittel, um bestimmte Abwägungen machen zu können. Es geht uns nicht darum, die Klima-Bilanz zu benutzen, um unsere CO2-Emissionen auszugleichen und Klima-neutral zu arbeiten. Die Gefahr ist gross, damit in einen CO2-Ausgleich und in den Handel mit Verschmutzungsrechten zu geraten. Das ist ein Diskurs, der durch Politik und Wirtschaft geführt wird und vortäuscht, dass die Klima-Problematik auf eine ökonomische und technische Art und Weise zu lösen sei: "Die, die es sich finanziell leisten können, dürfen die Umwelt verschmutzen und Ressourcen-verschwenderisch leben".

Wir haben uns auf die Suche gemacht nach Informationen und haben Folgendes gefunden. Es ist ein "work in progress" und wir wollen es in Zukunft vervollständigen und spezifizieren.

Durchschnitts-Emissionen
Eine Einwohner~in Deutschland verursacht durchschnittlich einen CO2-Ausstoss von 10-12 Tonnen pro Jahr, 15% davon durch Ernährung [1]. Umgerechnet macht das einen CO2-Ausstoss von 4,5 kg pro Person pro Tag durch Ernährung.

Grafik 1: CO2-Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland [1]

Was steht auf dem Menu-Plan?
Es gibt grosse Unterschiede darin, wieviel CO
2-Ausstoss Lebensmittel verursachen. Z.B. ist er von der Art und Weise ihrer Erzeugung abhängig oder von den Transportwegen. Einige Beispiele:

Tabelle 1: CO2 in g/kg Lebensmittel [2]

Lebensmittel
konventionelle Herstellung
Biologische Landwirtschaft
Gemüse (frisch)
150
<150
Kartoffeln (frisch)
200
150
Tomaten (während der Saison)
350
250
Mischbrot
750
650
Zucker
1500
1350
Margarine
1350
1050
Butter
23800
22100
Käse
8500
7950
Rindfleisch
13300
11350

Die weitaus schlechteste Klimabilanz haben Lebensmittel tierischer Herkunft. Um Milch, ein Steak oder ein Ei zu produzieren, ist ein Vielfaches an Energie, Ackerfläche und Dünger nötig als etwa für Gemüse. Ausserdem fallen durch die Verdauung der Rinder noch immense Mengen des Treibhausgases Methan an. Auch aus der Gülle der Tiere entweicht das Gas in die Atmosphäre. Methan trägt pro kg genauso viel zum Treibhausgas bei wie 21 kg CO2. Die in diesem Text benutzten Zahlen addieren die verschiedenen Treibhaus-Gase und drücken sie als CO2-Äquivalente (kurz CO2) aus.
Beim Rindfleisch spielt zudem der Aufwand für die Futtermittel eine grosse Rolle. Häufig werden diese in Südamerika angebaut und nach Europa transportiert. Nicht berücksichtigt in Tabelle 1 ist die mögliche und äusserst klimaschädliche Abholzung von Regenwäldern für den Futtermittelanbau.
Obenstehendes ist ein weiterer Grund für Le Sabot, um vegan zu kochen. Allein schon der Vergleich von Butter und Margarine ist vielsagend. Eine vegane Ernährung ist 30% weniger umweltbelastend [3, 4].

Mehr Verarbeitungsschritte machen ein Produkt in der Regel klimaschädlicher. Frische Produkte sind deswegen besser als verarbeitete. Frische, tiefgekühlte und Gemüse aus Konserven haben eine CO2-Bilanz von jeweils 150, 400 und 500 g pro kg.
Aus Tabelle 1 wird darüber hinaus klar, dass Bio-Produkte eine bessere CO2-Bilanz haben. Grund dafür ist der Verzicht auf chemische Düngemittel, deren Produktion sehr energieaufwendig ist. Mal abgesehen davon, dass es auch aus anderen Gründen als dem Treibhauseffekt umweltfreundlicher und gesünder ist, Produkte aus biologischer Landwirtschaft zu benutzen.
Neben frischen und biologischen Produkten gilt, dass regionale Produkte zu bevorzugen sind, da sie nicht über einen grossen Abstand transportiert werden müssen.

Tabelle 2: CO2-Anteil für Treibstoffverbrauch in g pro kg Ware [3]

Aus der Region 230
Aus Europa 460
Von Übersee (Schiff) 570
Von Übersee (Flugzeug) 11000

Aber nicht nur die Region, aus der Lebensmittel kommen, ist wichtig. Im Frühjahr gibt es z.B. Äpfel aus Deutschland, die über den Winter in Kühlhäusern gelagert werden. Der Unterschied in der Klimabilanz zu frischen Äpfeln, die mit dem Schiff aus Neuseeland kommen, ist nicht gross [5]. Zur ökologischen Frage gehört jedoch nicht nur die CO2-Emission. Z.B. muss für den Transport mit einem Schiff ein Hafen ausgebaut werden und Flüsse begradigt und tiefer gemacht werden. Die Dampfer fahren auf schwerem Öl, was, abgesehen von der CO2-Emission, eine starke Umweltverschmutzung bedeutet.
Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob es unbedingt nötig ist, ausserhalb der Saison Gemüse zu essen, welches in Kühlhäusern gelagert werden muss. Tabelle 3 zeigt an Hand von Tomaten, dass es, was CO2-Belastung angeht, wichtig ist, auf Saisonalität zu achten.

Tabelle 3: CO2 in g pro kg Tomaten [6]

Konventioneller Anbau im heimischen beheizten Gewächshaus ausserhalb der Saison 9300
Ökologischer Anbau im heimischen beheizten Gewächshaus ausserhalb der Saison 9200
Flugware von den Kanaren 7200
Konventioneller Anbau in der Region während der Saison im nicht beheizten Gewächshaus 2300
Freiland-Tomaten aus Spanien 600
Konventioneller Anbau in der Region während der Saison 85
Ökologischer Anbau in der Region während der Saison 35

Kochen
Le Sabot kocht mit Propangas-Brennern. Die (vollständige) Verbrennung von Propan erzeugt 3 kg CO
2 pro kg, dazu kommt 0,774 kg CO2 pro kg durch Gewinnung und Transport [7]. Beim Kochen auf Gas fällt die Hälfte weniger CO2 an als beim Kochen auf einem E-Herd [8].

Wasserverbrauch
Trinkwasser-Bereitstellung und die Aufarbeitung des Abwassers verursachen eine CO
2-Emmision von 0,622 g/Liter [5].

Transport der Küche
Diesel verursacht 3090 g CO
2/Liter, der Transport der Küche also etwa 0,43 kg/km [5].

Rechenbeispiele

Beispiel 1:
Ein Kochprojekt von 8 Tagen für 1000 Leute, 350 km entfernt vom Le Sabot Lager.
Mahlzeiten: Frühstück, Mittag-, Abendessen + Kaffee & Tee + Abwasch.

Die Zutaten:
- 360 kg CO
2 für Gemüse +
- 1040 kg CO
2 für Brot +
- ....

Um die durch uns zubereiteten Mahlzeiten durchrechnen zu können, fehlen uns leider viele Daten, wie z.B. die von Nudeln, Reis, Öl, verschiedenen Bohnen, Marmelade, Kaffee, Tee, Tofu, usw.
Bis es diese Daten gibt, haben wir uns für eine alternative Berechnung entschieden.
Weil wir vegan kochen und nur biologisch erzeugte Zutaten benutzen, dazu möglichst aus der Region und in der Saison angebaut, verursachen wir eine 40% niederigere CO
2-Emmission als durchschnittlich, das ist 2,7 statt 4,5 kg pro Person pro Tag [5, p 41]. In diesem Beispiel fällt also eine gesamte CO2-Emission von 21,7 statt 36,2 Tonnen an. Eine Rechnung, die natürlich nur aufgeht, wenn wir für Leute kochen, die sich nicht auch schon auf diese Art ernähren.

Durch das Kochen mit Propangas verursachen wir in diesem Beispiel eine CO2-Emission von 3,02 Tonnen. Ein 2 Personen-Haushalt benutzt pro Jahr 410 kWh an Strom zum Kochen [9]. 1 kWh Stromverbrauch verursacht 647 Gramm CO2, das entspricht dem deutschem Strom-Mix [5, p51]. Umgerechnet also etwa 133 kg CO2 pro Person pro Jahr. Wenn jede~r fuer sich selbst gekocht hätte, wäre das zusammen gezählt etwa 2,9 Tonnen CO2. Das ist eine vergleichbare Menge wie die, die bei uns anfällt.

Durch das Wasser, das wir benutzen, verursachen wir eine CO2-Emmission von 17,8 kg. Wenn jede~r privat gekocht hätte, wäre eine Gesamt-Emission von 25,6 kg CO2 angefallen.

Insgesamt: Zutaten (36,2 - 21,7) Tonnen + Wasser (25,6 - 17,8) kg = 14,5 Tonnen CO2 weniger als wenn jede~r für sich gekocht hätte.

Was wir mehr an CO2-Emission verursachen, sind die, die durch Transport und Anreise entstehen. In diesem Beispiel 0,30 Tonnen CO2 für den Transport der Küche und 0,52 Tonnen für die Anreise der Kochcrew, zusammen 0,82 Tonnen CO2.

Fazit
Ein deutlicher Unterschied: fast 1 Tonne CO
2 für Transport und Anreise der Küche und über 14 Tonnen weniger CO2 im Vergleich mit der Situation, das jede~r für sich kocht. In der CO2-Bilanz fällt die Menge Wasser, die weniger gebraucht wird, kaum auf. Doch die tatsächliche Menge Wasser, die verbraucht wird, ist 12 m3 bzw. 30% weniger im Vergleich mit der Menge, die anfällt, wenn jede~r für sich kocht. Das zeigt, dass es wichtig ist, nicht nur nach CO2-Äquivalenten zu gucken, wenn eine ökologische Frage beantwortet werden muss.

Beispiel 2:
Ein Kochprojekt von 2 Tagen für 100 Leute, 300 km entfernt vom Le Sabot Lager.

Weil wir vegan kochen und nur biologisch erzeugte Zutaten benutzen, dazu möglichst aus der Region und in der Saison angebaut, verursachen wir in diesem Beispiel eine Gesamt-CO
2-Emission von 542 statt 904 kg.

Durch das Kochen mit Propangas verursachen wir hier eine CO2-Emission von 75 kg. Wenn jede~r fuer sich selbst gekocht hätte, wäre das zusammen gezählt etwa 73 kg CO2. Das ist eine vergleichbare Menge als die, die bei uns anfällt.

Durch das Wasser, das wir benutzen, verursachen wir eine CO2-Emmission von 0,70 kg. Wenn jede~r privat gekocht hätte, wäre eine Gesamt-Emission von 0,64 kg CO2 angefallen.

Insgesamt: Zutaten (904 - 542) kg + Wasser (0,64 - 0,70) kg = 362 kg CO2 weniger als wenn jede~r für sich gekocht hätte.

Was wir mehr an CO2-Emission verursachen, sind die, die durch Transport und Anreise entstehen. In diesem Beispiel also 258 + 144 = 402 kg CO2.

Fazit
Aus Beispiel 2 wird, wie zu erwarten, deutlich, dass es wegen der ökologischen Gründe eigentlich nicht vertretbar ist, das Kochprojekt zu machen, die Umweltbelastung durch CO2-Emissionen ist zu gross. Trotzdem gibt es natürlich auch andere Gründe, um ein Projekt mit unserer Kueche zu unterstuetzen. Genauso wie es mehr ökologische Parameter gibt als nur die Menge Treibhausgase, die das Kochen verursacht.

Umweltbelastung verringern

Für uns ist es wichtig zu überlegen, wie wir unsern Energieverbrauch und die Umweltbelastung verringern können. Einige Beispiele:

- Beim Aufbau unserer Küche haben wir uns entschieden, für jeden Topf auch einen Deckel zu machen. Kochen ohne Deckel verursacht zwei mal soviel CO2 [5].

- Darüber hinaus haben wir für jeden Brenner einen Windschutz gemacht. Abhängig von der Windstärke macht das beim Kochen eine Menge aus.

- Beim Spülen des Geschirrs arbeiten wir mit einer dreiteiligen Spülstrasse, dadurch wird das Spülwasser nicht so schnell dreckig. Wenn die letzte Wanne schmutzig wird, ersetzen wir die und schieben die anderen Wannen durch, auf diese Art und Weise verringern wir den Wasserverbrauch der Küche.

- Bei Le Sabot benutzen wir kaum Geräte, die Strom verbrauchen. Mit ein paar helfenden Händen kann ein 25 kg-Sack Zwiebeln auch mit der Hand geschnippelt werden. Für den Strom (u.a. für Licht), den wir benutzen, reicht die Solaranlage, die wir dabei haben, aus. So vermeiden wir eine Umweltbelastung von 647 g CO2 pro KWh [5]. Darüber hinaus benutzen wir dadurch auch keine Atomenergie, die in den momentanen Strommixen in der meisten europäischen Länder Bestandteil ist!

- Um die Menge Gas, die wir fürs Kochen benutzen, zu veringern, haben wir eine Liste mit Wassermengen angelegt, die wir z.B. für das Kochen von Nudeln brauchen. Nach verschiedenen Tests haben wir die Wassermengen reduziert.

- Momentan experimentieren wir mit einer Solaranlage, um das Wasser, das wir zum Kochen brauchen, vorzuheizen.

Anmerkungen

Wir wollen eine ökologische Entscheidung treffen koennen, ob wir für ein Projekt kochen, und diese mit Zahlen konkret machen. Ausserdem ist es uns wichtig, die CO2-Emmissionen, die wir verursachen, zu reduzieren. Deshalb haben wir die obenstehenden praktischen Versuche angefangen.

Wir sind uns bewusst, dass die Daten, die in obenstehendem Text aufgeführt sind, aus Quellen kommen, die eine genauere Berechnung schwierig machen. Die Daten beruhen auf verschiedenen Annahmen und unterschiedliche Fakten sind in die Berechnung aufgenommen worden, z.B. ob sich die CO2-Emission auf die Energie bezieht, die für das Betreiben eines Gerätes in Rechnung gestellt worden ist, oder auch auf die, die bei der Herstellung des Gerätes anfällt. Ansonsten ist es wichtig sich bewusst zu sein, dass die Daten darüber oft auf ökonomischen Interessen beruhen: ein PKW-Hersteller wird eine andere Klimabilanz aufstellen, wenn es um den Vergleich zwischen PKW und öffentlichen Transportmitteln geht, als der Betreiber der Bahn.

Die Menge CO2, die wir durch Kochen mit Propangas verursachen, ist fast genau so gross wie die Menge CO2, die anfällt, wenn privat gekocht wird. Das ist etwas verwunderlich, denn wir denken, dass eher weniger CO2 anfällt, wenn grössere Mengen gekocht werden statt viele kleine Portionen. In der Regel ist pro Person weniger Energie nötig, mal abgesehen davon, dass das Kochen auf Gas 50% weniger CO2 verursacht als das Kochen auf einem E-Herd [8]. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass wir die Menge CO2 pro Jahr umgerechnet haben auf eine Menge pro Tag. Es ist aber nicht so, dass alle Tage im Jahr auch zuhause gekocht wird. Ein weiterer Grund kann sein, dass Leute oft fertige Mahlzeiten "zubereiten", dafür ist zuhause weniger Energie nötig als wenn mit frischen Produkten gekocht wird. Und: wir machen das Spülwasser auch mit Gas warm; es ist unklar, ob in der von uns gefundenen Quelle in die Energiemenge, die für Kochen verwendet wird, auch das Spülwasser miteinberechnet ist oder ob es unter einen anderen Posten fällt, wie z.B. allgemeiner Stromverbrauch.

Beim Suchen nach CO2-Emissionsdaten sind wir oft auf Quellen gestossen, wo Formulierungen wie "Einsparen von CO2-Äquivalenten" benutzt werden. Das ist eine ökonomische Sprache und erweckt den Eindruck, dass es möglich ist, auf der einen Seite Einsparungen zu machen und es deshalb auf einer anderen Seite sein lassen zu können. Wir denken, dass das falsch ist; Umweltbelastungen muss Mensch überall wo möglich versuchen zu veringern.

Wir freuen uns über weitere Anregungen und natürlich Unterstützung!