| "FREMDE TÜREN"
- Lieder, Gedichte
und Eine Sendung
der Deutsch-Kurdischen Gesellschaft Kassel und Umgebung
Lohnarbeit ist in der kurdischen Geschichte |
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Auf diese Weise wurde durch Armut erzwungene Saisonarbeit - weitab von den heimatlichen
Bergen - zur Normalität kurdischer Lohnarbeit, sei es auf den Reisfeldern
der Großgrundbesitzer in Karacadag (westlich von Diyarbakir), sei es in
den malariaverseuchten Baumwollplantagen Çukurova’s bei Adana, oder gar
in den staatlichen Tabakfabriken Cibali’s in Istanbul.
- Davon spricht Ahmed Arif in seinem Gedicht
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Mein Çukurova, Unser Windeltuch, unser Leichentuch. Dunkel sein Blut, sein Ruf unbefleckt. In dieser Hitze bricht selbst Stein, Das Herz des Arbeiters bricht nicht. So gibt es denn Baumwolle Weißer als Wolken, weicher als Schaum. Hitzig und streitlustig ist der Tollkopf, In Anatoliens berühmten Gefängnissen Sitzen so viele aus Çukurova. So dem Freund seine Wunde zu zeigen, Selbst einer Weide noch Wasser zu geben, So aus dem Herzen So tief empfunden Zu singen und zu fluchen Ist typisch für einen aus Çukurova ... |
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Von ihren Gassen,
Ihren
Ufern,
Dem Himmelsblau,
Von ihrem
Brot,
Von ihrem
Teuersten getrennt,
Der Last,
dem Gift
All ihrer
Sehnsucht wehrlos ausgesetzt,
Kommt
wie ein Engel zu Hilfe der erste Zug
Der Zigarette,
gedreht in Cibali ...
Tabakarbeiterinnen
sind arm,
Tabakarbeiterinnen
sind müde,
Doch
tapfer,
Blitzblank
ist ihr Ruf.
Ihr Name
reicht weit übers Meer
Eine
Hoffnung meiner Heimat ...
Vor allem Frauen und Kinder aus den kurdischen Gebieten waren und sind es, die in den Tabakbetrieben Cibali in Istanbul arbeiten. - An dieser Situation waren auch die westeuropäischen Staaten nicht unschuldig:
Tabak war eines der wichtigsten Produkte in Kurdistan. Durch den Krimkrieg in der Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte sich die osmanische Regierung jedoch bei den westeuropäischen Banken so stark verschuldet, daß dies 1875 schließlich zum Staatsbankrott führte und Staatseinkünfte, wie etwa das sehr ertragreiche Monopol auf Tabak, an die britischen und französischen Gläubiger abgetreten werden mußten. Bald überzog eine Art privater Steuerbehörde das ganze Reich; die Einkünfte flossen direkt an die Schuldscheinbesitzer an der Pariser und Londoner Börse. In Kurdistan mußten Hunderte kleiner Tabakfabriken von Staats wegen zugunsten großer Fabriken unter europäischer Regie schließen. Selbstverständlich nutzten die europäischen Aufkäufer ihre Monopolstellung, um die Erzeugerpreise drastisch zu drücken und den Bauern die Eigenversorgung mit Tabak zu verbieten. (2)
Die Region war streckenweise völlig entvölkert; die muslimischen Überlebenden standen vor den Trümmern ihrer Existenz: Die Häuser waren zerstört, die kostbaren Dachbalken von den verschiedenen Armeen verheizt, die Tiere geschlachtet, das Saatgut geraubt, die Bewässerungskanäle und Äcker verwüstet. In der Hoffnung auf Lebensmittelzuteilungen durch die Regierung oder die Siegermächte floh die Landbevölkerung in Massen in die größeren Städte. (3)
Vor allem aber fehlten aufgrund der konsequenten Vernichtung des gesamten christlichen
Teils der kurdischen Gesellschaft - der Armenier - plötzlich Leute, die
die Kunst beherrschten, Bewässerungskanäle zu bauern, Leute, die die
reichen Obst- und Weingärten und die Bergwege mit ihren Brücken und
Abstützungen angelegt und unterhalten hatten. Es fehlten die Handwerker,
die die Wolle der Nomaden zu feinen Stoffen verarbeitet hatten, die Händler,
die für den Absatz der Produkte aus der Viehhaltung gesorgt hatten und
schließlich jene Bauern, auf deren Winterfuttervorräte die Hochland-Nomaden
angewiesen waren. Die Wirtschaft in den kurdischen Regionen fiel zurück
auf den Stand weitgehender Selbstversorgung der einzelnen Dörfer. (4)
Einen weiteren Schlag erhielt die
traditionelle Wanderweidewirtschaft der Nomaden in den kurdischen Regionen durch
die Gründung von territorialen Nationalstaaten nach dem Ersten Weltkrieg.
Mit einem Mal durchzogen die Landesgrenzen von Iran, Irak, Syrien, Armenien
und der neuen Republik Türkei die Wanderungsgebiete der Nomaden und schnitten
die Menschen von einem wesentlichen Teil ihrer natürlichen Lebensgrundlagen
ab.
Die Mechanisierung der Landwirtschaft auf den Latifundien der Großgrundbesitzer in den vierziger Jahren schließlich raubte vielen Menschen in der kurdischen Region die letzte Verdienstmöglichkeit als Saisonarbeiter und -arbeiterinnen. In großer Zahl mußten die Männer Arbeit in den Kohleminen - etwa von Zonguldak- suchen.
In seinem Gedicht „Welch ein Opfer“ bezieht sich Ahmed Arif auf einen Ausspruch des Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk, als dieser sagte „Wer wollte sich nicht aufopfern für das Paradies dieser Heimat?“. Einige Zeilen aus diesem Gedicht:
......
Hinter den Bergen, den Bergen, ist es entsetzlich.
.......
Wer macht seinen Schnitt am Ende des Tages?
Wer zieht den Profit aus dem Segen der Wolken?
Ein artiges Kind ist die Maschine
Was für eine Bestie wird aus ihr!
Wurm und Ameise ernährt die Erde,
Wie leicht ist sie zu verführen,
Sie schenkt keinen Blick dem lahmen Ochsen,
Nimmt an die Brust nicht den plumpen Pflug.
.....
Mein Sepetçioglu ist Kohlearbeiter,
Nicht mehr das Gewehr, die Schippe hält Nazif aus Urfa.
Versteigert wird sein Hab und Gut,
Das Leben, ein Markt, ein Markt.
....
Heißhungrige Mäuler, um sie zu stillen,
Ist er bis zur Unkenntlichkeit heruntergekommen ...
Hinter den Bergen, den Bergen,
Wie soll ich's beschreiben ...
Ohne Bäume, ohne Vögel, ohne Schatten.
Splitternackt,
Welch ein Opfer ...
"Wer wollte sich nicht aufopfern für das Paradies dieser Heimat."
......
Als dann in den sechziger und siebziger
Jahren die bundesrepublikanische Wirtschaft billige Arbeitskräfte aus dem
Ausland holten, ließen sich auch viele Frauen und Männer aus dem
anhaltend wirtschaftlich unterentwickelten kurdisch besiedelten Teil der Türkei
für die Arbeit in Kohlegruben, in der Bauindustrie, in den großen
Automobilwerken und anderswo anwerben.
- Und sie blieben, teilweise nun schon seit dreißig Jahren.
| Lied
der Heizer
Was
ist das |
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| Deutschland,
bittere Heimat
(1) Deutschland, bittere Heimat, Nichts zu lachen gibt es für die Menschen, Ich weiß nicht warum, aber Manche kehren nicht zurück. Drei Töchter und zwei Söhne Hast du mir überlassen Und bist gegangen Über ein so schönes Zuhause Hast du Unglück gebracht Und bist gegangen Nach Deutschland bist du gegangen Man sagt, du hast dort geheiratet Sieben Jahre schon Bist du nicht nachhause gekommen Du schickst etwas Geld Aber wozu soll es nützen All deine fünf Kinder Vermissen Dich [von Haydar Gedikoglu AkÇaabat] |
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| Ballade
der Gebliebenen
Komm,
steh auf, gehen wir los von hier |
Der ‘Zug in die Zukunft’ fährt nicht zurück, im Gegenteil: Nach dem Militärputsch von 1980 und insbesondere mit der tausendfachen Dorfzerstörung durch die türkische Armee in ihrem Kampf gegen die PKK, gibt es noch weniger eine Perspektive auf Rückkehr als je zuvor. - Wenn einige der Vertriebenen auf Suche nach einer menschenwürdigen Existenz in Europa, in Deutschland ankommen, sind das dann ‘Wirtschaftsflüchtlinge’?
Ein an uns Deutsche gerichtete Worte
von Aras Ören:
| Heute
Nacht vor eurer Tür:
„Wer hat da solchen Lärm gemacht?“ Das bin ich wohl gewesen, In meiner Kehle alle Lieder Hadschi Arefs Und zwischen meinen Beinen dieser Vogel, Der laut zwitscherte und garnicht fliegen wollte. Ich hatte wohl zu tief ins Glas geschaut. Verzeiht! Was haben jene alten Tage So spät noch in eurer Ruhe zu suchen? Nomadenzelte,
rotwangige Knaben, Es
war eine Hoffnung, Zu
dieser Stunde dieser Lärm! Ihr
Nachbarn, alle zusammen, |
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