In
der Türkei wird systematisch und mit staatlicher Duldung Folter
vorwiegend gegen politische Gefangene angewandt. Frauen sind
Opfer sexueller Misshandlungen bis hin zu Vergewaltigungen. Die-
se finden systematisch sowohl in der Haft als auch außerhalb da-
von statt. Eine weitere Folge dieser Staatspolitik und der teilweise
intakten feudalen Strukturen in der kurdischen Gesellschaft ist der
Anstieg von Suiziden junger Frauen.
In den letzten fünf Jahren ist die Selbstmordrate junger Kurdinnen
vor allem in den Regionen Diyarbakir - Batman stark angestiegen.
Die Selbstmordreihen wurden von der türkisch-kurdischen Presse
stark thematisiert und auch deutsche Medien wie taz und Spiegel
berichteten darüber.
Untersuchungen zeigen, dass allein 1999 und 2000 in der Stadt
Diyarbakir 108 Suizidversuche und 26 Suizide erfolgten. 17 der 26
Selbstmorde begangen Frauen im Alter von 15 bis 20 Jahren. In
Batman ist die Situation fast identisch. Aber nur die gravierendsten
Fälle werden überhaupt gemeldet.
Die Frau im traditionellen moslemischen Teil der kurdischen Ge-
sellschaft hat einen sehr niedrigen Stellenwert. Sie müssen sich
der männlichen Dominanz unterordnen. Viele junge Frauen aus
konservativen kurdischen Familien stellen ihre Rolle in der tradi-
tionellen Gesellschaft in Frage und wünschen sich freie und eman-
zipierte Individuen der Gesellschaft zu sein. Die feudale Familie
reagiert restriktiv darauf. Dies führt in vielen Fällen zum Selbst-
mord junger Frauen. Junge Frauen werden auch von Familienan-
gehörigen ermordet, um die "Familienehre" zu schützen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Vertreibung von Millionen Men-
schen durch den Staat aus ihren Dörfern. Diese ziehen in die
Elendsviertel der Großstädte wie Diyarbakir, wo sie in großer Ar-
mut leben müssen. Hier bestehen für Frauen nur stark begrenzte
Möglichkeiten auf Ausbildung oder Arbeit.
Das politische System in der Türkei versucht den Fortschritt in der
kurdischen Gesellschaft zu verhindern, indem es die feudalen und
traditionellen Strukturen unterstützt. Die Suizide junger Frauen sind
mitunter eine Folge dieser Politik. Emanzipierte und politische Frau-
en lässt der Staat in seinen Polizeistationen und Gefängnissen se-
xuell misshandeln, um ihren Willen zu brechen. Gewalt gegenüber
Frauen ist ein Mittel um die gesellschaftliche Emanzipation der Kur-
den zu verhindern. Die wirkliche Zahl der sexuell missbrauchten
Opfer durch türkische Sicherheitskräfte ist nicht zu ermitteln, da
sich Frauen aus Scham nicht an die Öffentlichkeit trauen. Außer-
dem werden die Anklagen, der in Untersuchungshaft sexuell miss-
handelten und vergewaltigten Frauen, zumeist von den Gerichten
abgewiesen.
Die Einführung der Isolationshaft verschärft die sexuelle Gewalt
gegenüber Frauen in Gefängnissen zunehmend. Bisher waren Ge-
fangene in Gemeinschaftszellen, die einen gewissen Schutz vor
Übergriffen des Wachpersonals boten, mit bis zu 100 Gefangenen
untergebracht. Zur Zeit gibt es einen Hungerstreik in türkischen
Gefängnissen, der sich gegen die Einführung der Isolationshaft
wendet. Bisher starben 14 Gefangene und landesweit nehmen
über 1000 Gefangene daran teil.
Die gehäuften
Suizide junger Kurdinnen sind ein Alarmzeichen für
die Situation der Frauen in den kurdischen Gebieten allgemein.
Die Unterdrückung zwingt viele Kurdinnen zur Emigration nach
Europa. Sexuelle Gewalt wird als Asylgrund in der Regel abge-
lehnt. Wenn Kurdinnen politisch aktiv werden, droht ihnen auf-
grund des PKK- Verbotes auch in Deutschland strafrechtliche
Verfolgung und Ausweisung.
Mit dieser Veranstaltung
sollen die Hintergründe für die scheinbar
auswegslose Situation kurdischer Frauen bewusst gemacht werden.
Es soll eine Vernetzung von Therapeuten, Psychologen, Soziolo-
gen, Juristen und anderen Interessierten geschaffen werden um in
verschiedenen deutschen Städten Anlaufstellen für kurdisch-türki-
sche Emigrantinnen zu schaffen.