Internationales Zentrum
für Menschenrechte der Kurden

Wocheninformationsdienst
24.10.2003

 

Freitod oder Mord

 

 

Nebahat Akkoc, die in Diyarbakir, Kiziltepe,
Batman und Bingöl Frauenzentren (KAMER)
gegründet hat, gab das Ergebnis der Befra-
gung von 5.100 Frauen in den Jahren 1997
bis 2003 bekannt. Bei der Auswertung von
1.800 Gesprächen kamen ihr Zweifel an dem
Phänomen der vielen Selbstmorde von Frau-
en, vor allem in Batman. 15% der Frauen
sprachen von Morddrohungen, aber nur 7%
der Frauen hegten Selbstmordgedanken.
  Nach Auffassung von Frau Akkoc steht hin-
ter vielen Selbstmorden die Familienehre.
Frauen, die diese Ehre "beschmutzt" hätten,
werde gesagt, dass sie sich besser selber
umbringen, als von der Familie getötet zu
werden. Etliche der Selbstmorde seien durch
Sprünge vom Balkon oder dem Trinken von
Gift erfolgt. Es könne aber auch sein, dass
diese Frauen vom Balkon gestossen oder ih-
nen Gift eingeflösst wurde.
     
Als Schande werde in den Familien schon
der Besuch eines Kinos oder ein Hörer-
wunsch beim Radio bewertet. Frau Akkoc
gab an, dass sie sich an das Institut für Re-
ligionsangelegenheiten wenden werde, da
vor der Vollstreckung eines Todesurteils zu-
nächst noch religiöse Autoritäten in der Re-
gion aufgesucht werden und diese Morde ver-
hindert werden können, wenn in den 3-5 Mo-
naten zwischen Aussprache und Vollstrec-
kung eingegriffen werden kann. An statisti-
 

schen Zahlen in dem Bericht wurden ge-
nannt: 99% der Frauen sind psychischer
Gewalt ausgesetzt, 57% physischer Gewalt.
8% der befragten Frauen wurden vergewaltigt,
74% wurden verbal belästigt und 46,9% wur-
den physisch belästigt. 19% der Frauen be-
richteten von Inzest, der an ihnen begangen
wurde.


Quelle: Milliyet vom 17.10.2003