|
Mai 2001 Aufruf für den 23.Juni in Istanbul Wir
brauchen Ihre/Eure politische und finanzielle Unterstützung
|
| In der
Türkei einschließlich der kurdischen Ge- biete sind Frauen, die durch staatliche Kräfte festgenommen werden, mit sexueller Mißhand- lung oder Vergewaltigung konfrontiert. Feudali- stische Werturteile und Scham hindern Frau- en daran, offen über diese Verbrechen zu spre- |
chen und
die Täter anzuzeigen. Hinzu kommt die berechtigte Angst, dass sie selbst oder Familienangehörige bei einer Anzeige miss- handelt werden, um sie so vom Reden abzu- halten. |
|
| Aufgrund
der aussergewöhnlichen Arbeit des Istanbuler Projekts "Rechtlich Hilfe für Frauen, die von staatlichen Sicherheitskräften verge- waltigt oder auf andere Weise sexuell mißhan- delt wurden" konnte das Tabuthema sexuelle Folter in Gefängnissen und während militäri- |
schen
Operationen ein Stück weit aufgebro- chen werden. Das Projekt besteht seit ca. 4 Jahren und hat mittlerweile eine Zweig- stelle in Berlin, das "FrauenRechtsBüro ge- gen sexuelle Folter e.V.". |
|
| Im Juni
2000 organisierte eine breite Plattform von unterschiedlichen Frauenorganisationen in Istanbul einen Kongress zum Thema: Nein zu sexueller Gewalt durch staatliche Sicherheits- kräfte in der Türkei einschließlich der kurdi- |
schen
Gebiete. Dort traten unter anderem Frauen auf, die von ihren erlebten Folterun- gen sprachen. Der Kongress fand breite Aufmerksamkeit, die Presse berichtete aus- führlich darüber. |
|
| Daraufhin
klagte der türkische Staat 15 Frau- en und einen Mann an, weil sie als Organisa- torinnen, RednerInnen und Rechtsanwältinnen auf diesem Kongress in Erscheinung traten, darunter die konkret betroffenen Frauen. Der |
Angeklagte
ist der Vater einer 16-jährigen Betroffenen, die sich in Untersuchungshaft befindet. Er hat zu ihrer Unterstützung am Kongress teilgenommen. |
|
| Die Anklage
lautet Verunglimpfung und Ver- leumdung des Staates und seiner Sicherheits- organe. Die Strafandrohung beträgt zwischen 1 und 6 Jahren, derzeit befinden sich die An- |
geklagten
nicht in Haft. Der Prozess, der am 21.3.2001 begann, wurde von einer Frauen- delegation aus der BRD beobachtete. |
|
| Die Verhandlung
begann mit einer Nachtrags- anklage gegen drei weitere Frauen, so dass jetzt 19 Personen angeklagt sind. Die Ange- klagten nutzten das Verfahren um ihre Positi- onen erneut deutlich zu machen: Vergewalti- gung ist eine Foltermethode, die systematisch zur Anwendung kommt, davon betroffen sind |
überwiegend
KurdInnen und politische Frau- en. Die Angeklagte Frau Nasli Top erklärte, dass sie gegen den Folterer Anzeige erstat- tet hat, dieses Verfahren endete jedoch mit einem Freispruch. Die Eröffnung des jetzigen Prozesses sei nunmehr wie ein zweiter Frei- spruch für den Täter. |
|
| Das Gericht
beschloss weitere Untersuchun- gen und vertagte den Prozess nach ca. zwei Stunden auf den 21.6.2001. Die Angeklagten |
rechnen
damit, dass sich der Prozess über zwei Jahre hinziehen kann. |
|
| Frau Top
hält in einem Interview fest, dass das jetzige Strafverfahren eine organisierte Form der Einschüchterung ist. Alle, die die Bestrafung der Folterer einfordern, sollen da- mit zum Schweigen gebracht werden. Aber, so sagt sie, dieser Prozeß kann auch eine andere Richtung annehmen: "es kommt si- cher auf den weiteren Verlauf des Verfahrens an. Insbesondere ob in der Öffentlichkeit eine |
große
Unterstützung hergestellt wird. Wenn betroffene Frauen, die bis jetzt noch nicht geredet haben sehen, sie sind nicht alleine, andere sind da, die hinter und neben ihnen stehen, hier und im Ausland dann kann es das Gegenteil bewirken." Eine kontinuierli- che, internationale Prozessbeobachtung und anderweitige Unterstützung der ange- klagten Frauen ist notwendig. |
|
| Frauen,
die am nächsten Prozesstermin am 21.6.01 teilnehmen möchten, können sich an die genannten Adressen wenden. |
Aktuelle
und ausführliche Information finden sich auf der homepage: www.mediensyndikat.de/prozess |
|
Kontakte:
Feministisches Archiv e.V., Adlerstr. 12, D-79098 Freiburg; Prozessbeobachtung-Istanbul@gmx.de Spendenkonto:
M. Mayer, Stichwort: Prozessbeobachtung, FrauenRechtsBüro
gegen sexuelle Folter e.V. |
||