PKK und Graue Wölfe verschärfen Konflikt Während Premierminister Tayyip Erdogan das von ihm erstmals so genannte Kurdenproblem der Türkei mit demokratischen Mitteln lösen will, eskaliert die Situation seit Monaten ständig mehr. Jan Keetman / Istanbul |
Zwar hat die PKK auf Erdogans Äusserungen hin für einen Monat den Kampf eingestellt, trotzdem gibt es ständige Zusammenstösse zwischen kurdischen Demonstranten und Sicherheitskräften auf der einen Seite und anscheinend organisierte Lynchversuche durch türkische Rechtsradikale auf der anderen Seite. Am Wochenende versuchten kurdische Demonstranten gegenüber der Gefängnisinsel Imrali, auf welcher der PKK-Chef Abdullah Öcalan eine lebenslange Haftstrafe wegen Hochverrats absitzt, für ihr Idol zu demonstrieren. Unter den von weit her aus dem Südosten der Türkei angereisten Demonstranten befand sich auch Öcalans Schwester Fatma Öcalan. Gegenseitige Provokationen Die Polizei verhinderte die Demonstration. Ein Konvoi von 50 Bussen und etwa 2000 Demonstranten musste umkehren. Dabei kamen die von innen mit Öcalan-Postern geschmückten Busse durch das Städtchen Bozüyük. Dort feierte man den Jahrestag der Befreiung von der griechischen Besatzung nach dem 1. Weltkrieg. Als sie die Busse mit den Postern sahen, griffen etwa 3000 Einwohner die Kurden in ihren Fahrzeugen mit Steinen und Stöcken an. Die Polizei brachte die teilweise stark beschädigten Busse schliesslich aus der Stadt. Die Unruhen griffen jedoch rasch auf die Umgebung über. In der etwa 10 000 Einwohner zählenden Stadt Iznik, dem antiken Nicaea, versuchten 600 Demonstranten eine Polizeiwache zu stürmen, um 14 mutmassliche PKK-Anhänger zu lynchen, die dort festgehalten wurden. Gleichzeitig lieferten sich in Istanbul und in Adana Öcalan-Anhänger Strassenschlachten mit der Polizei. Anscheinend wird das Feuer von zwei Seiten geschürt. Da ist zunächst die PKK, die ihren langen Waffenstillstand vor 15 Monaten aufgehoben hat und danach nur zu einer kurzen Feuerpause bereit war. Die PKK kämpft nicht nur im Osten des Landes, sondern schickt seit dem Frühsommer ihre Bombenleger auch nach Westen und in die Schwarzmeerregion. Gemeinsames Ziel Werden PKK-Kämpfer von den Sicherheitskräften getötet, so werden die Beerdigung im Stil der Aufmärsche für gefallene Soldaten inszeniert und dabei kommt es dann wieder zu zum Teil recht heftigen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Andererseits ist es in mehreren türkischen Städten in den vergangenen Monaten zu Lynchversuchen an PKK-Sympathisanten gekommen. Die Behörden stellen die Vorfälle als spontane Reaktionen staatstreuer Bürger dar. Tatsächlich stehen die so genannten Idealistenklubs, besser bekannt als Graue Wölfe, unter Verdacht. Aber wer auch immer die Fäden zieht, es gibt ein gemeinsames Ziel der sich bekämpfenden Lager. Die PKK will keine demokratischere Türkei, weil sie diese nicht anklagen könnte, und die türkische Rechte will einen starken Staat, der ihren Mythen folgt und alle anderen unterdrückt.
|