Blutige Bilanz einer Waffenruhe Ankara
nutzte PKK-Initiative auf seine Weise. Nick Brauns |
Am Dienstag endete ein einmonatiger Waffenstillstand der kurdischen PKK-Guerilla in der Türkei. Die Bilanz der vom türkischen Militär ignorierten Waffenruhe ist blutig. Während dieser Zeit wurden nach Meldungen der kurdischen Nachrichtenagentur DIHA 33 Militäroperationen in den kurdischen Gebieten durchgeführt. 20 Guerillakämpfer sowie 51 Soldaten und Polizisten kamen dabei ums Leben. Bei Demonstrationen in mehreren kurdischen Städten und der Westtürkei erschossen Sicherheitskräfte drei Zivilisten und nahmen Hunderte fest. Ein Aktivist wurde durch unbekannte Täter ermordet. Bei Pogromen und Lynchversuchen in der Westtürkei verletzten türkische Faschisten eine Vielzahl von Kurden. Der Waffenstillstand wurde durch den Kongra-Gel verkündet, nachdem der türkische Premierminister Tayyip Erdogan anläßlich eines Besuchs in der kurdischen Stadt Diyarbakir erstmals eine demokratische Lösung der kurdischen Frage anmahnte. Doch Erdogans vorsichtige Äußerungen wurden von der kemalistischen Opposition und der Militärführung umgehend verurteilt. Ein türkischer Faschist versuchte vergangene Woche sogar, den Premierminister wegen dessen Äußerungen zu ermorden. Mittlerweile ist auch Erdogan wieder von seinem Kurs einer demokratischen Lösung abgerückt. Am Rande des UN-Gipfels in New York Ende vergangener Woche forderte er grünes Licht für ein militärisches Vorgehen gegen die PKK-Lager im Nordirak. Während US-Vertreter verlauten ließen, die Türkei müsse sich zuvor mit dem Irak einigen, kann Erdogan inzwischen auch auf die Unterstützung der irakischen »Regierung« zählen. »Wir verurteilen die PKK als terroristische Gruppe. Jeder Krieg gegen die Türkei bedeutet zunächst Verrat an den nationalen Interessen der Kurden«, erklärte der irakische Staatspräsident und Vorsitzende der Patriotischen Union Kurdistans, Dschalal Talabani, laut einer Meldung der Agentur CIHAN gegenüber Erdogan. Der Irak sei bereit, mit »den Brüdern in der Türkei« die PKK-Frage zu lösen. Der Vorsitzende des Kongra-Gel, Zübeyir Aydar, wies die Äußerungen Talabanis als »Beleidigung« zurück. Kein arabischer Staatschef habe bislang eine so negative Bewertung der PKK vorgenommen wie der kurdische Präsident des Irak. »Wir hatten erwartet, daß Talabani auf der UN-Sitzung die Probleme aller Kurden zur Sprache bringt und Diplomatie und Lobbyarbeit für die Kurden macht.«
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