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In
der Übergangsverfassung des Irak steht, dass mindestens jeder
vierte Abgeordnete eine Frau sein muss. Die Wirklichkeit, insbesondere
außerhalb der Städte, sieht ganz anders aus. Allein stehende
Frauen, Witwen etwa, oder Verstoßene, sind nahezu recht- und
schutzlos. Wenn der Ehemann stirbt, wird die Frau entweder von dessen
Bruder als Zweit- oder Drittfrau genommen, oder sie lebt geduldet
am äußeren Rand der Familie. Schlimmer sieht es aus, wenn
eine alleinstehende Frau Besuch von einem Mann bekommt. Jedermann
kann sie wegen Prostitution anzeigen. Solche Frauen werden unweigerlich
von der Polizei in Untersuchungshaft genommen und dort kümmert
sich so gut wie niemand mehr um sie.
In
der nordirakischen Stadt Sulemaniya hilft die kleine Frankfurter
Hilfsorganisation Haukari diesen vergessenen Frauen. Die Gründe
für ihre Inhaftierung sind für westliche Verhältnisse
oft nicht nach vollziehbar. Meist sind es Delikte, die nur in der
islamischen und traditionellen orientalischen Gesellschaft geahndet
werden: Prostitution, Ehebruch, Kuppelei. Selten ist es Diebstahl
oder gar ein Schwerverbrechen. Das Band der Familie, das im ganzen
Land die Clans zusammenhält hält, existiert in diesem Fall
nicht mehr. Die Frauen sind verstoßen und auf sich allein gestellt.
Und damit ohne jede Chance. Haukari (www.haukari.de) hat dieses Projekt
schon seit 1996 in Kurdistan. Sie organisieren einen Rechtsbeistand,
helfen bei medizinischen Problemen."
Außerdem
bekommen die inhaftierten Frauen von uns auch so selbstverständliche
Dinge wie Shampoo, Kleidung oder eine Zeitung. Was aber noch viel
wichtiger ist, wir versuchen den abgerissenen Kontakt zur Familie
wieder herzustellen. Und versuchen eine Rückkehr zur Familie
ohne dass gegen die Frauen Gewalt angewendet wird auszuhandeln",
sagt die Haukari-Projektleiterin in Kurdistan, Karin Mlodoch. Das
Frauenzentrum Khanzat ist die erste von den großen kurdischen
Parteien unabhängige Anlaufstelle für Frauen in Sulemaniya.
Hier
wird nicht nur Frauen im Gefängnis geholfen, hier wird in der
Hauptsache Bildungsprogramme geleistet. Im vergangenen Jahr holten
mehr als 150 Kurdinnen ihren Grundschulabschluss bei Khanzat nach.
Khanzat bietet auch Computerkurse und sogar eine Fahrschule für
Frauen an. Der einzige Mann in dem Gebäude ist der Wächter
mit der Kalaschnikow im Pförtnerhaus. Pro Jahr kommen etwa 9000
Frauen die zu Khanzat.
Finanziert
wird Khanzat aus Spenden. "Wir wollen von der kurdischen Regierung
kein Geld um wirklich unabhängig arbeiten zu können. Bei
uns spielt Politik und Religion keine Rolle", sagt Karin Mlodoch.
Aber weil nach dem Krieg das Leben in Kurdistan immer teurer wird,
hat Khanzat inzwischen große finanzielle Probleme. |