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ILISU
NEWS Acht
Staudämme Die
abschließende
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| Der türkische
Staat arbeitet schon seit Jah- ren daran, in der kurdischen Provinz Dersim acht Staudämme am Fluss Munzur zu er- richten. Bei näherer Betrachtung ist jedoch eindeutig erkennbar, dass dafür nicht die an- geblichen ökonomischen, sondern haupt- sächlich politische Gründe ausschlaggebend |
sind.
Denn die Staudämme haben langfristig weder für die Region noch für die türkische Wirtschaft einen nennenswerten Nutzen. Da- raus lässt sich der Hintergrund ableiten: Diese Provinz mit ihrer atemberaubend wilden Natur und ihren seit Jahrhunderten opponierenden Menschen soll endgültig 'gebändigt' werden. |
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| Bevor
wir auf die Staudämme eingehen, wol- len wir einen Einblick in die Geschichte, Ge- |
sellschaft
und Landschaft von Dersim geben, um den Kontext besser verstehen zu können. |
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Rückblick in die Geschichte
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| Unter
osmanisch-türkischer Herrschaft wur- de die Provinz Dersim in Nordwest-Kurdistan vom Staat niemals in irgendeiner Weise wirt- schaftlich oder politisch gefördert. Im Gegen- teil: Weil Dersim sich immer Steuern und der |
Rekrutierung
von Soldaten widersetzte und auf der eigenen Souveränität beharrte, war es seit einem Jahrhundert immer intensiveren An- griffen der Zentralregierung in Istanbul bzw. Ankara ausgesetzt. |
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| Als die
kurdischen Aufstände im 19.Jahrhun- dert vom Osmanischen Reich unterdrückt und die kurdischen Fürstentümer zerschla- gen wurden, blieb Dersim davon relativ un- |
berührt.
Auch beteiligte es sich anschließend nicht an der Bildung der Hamidiye-Regimenter (mit dem Staat kollaborierende aus KurdInnen zusammengesetzte militärische Einheiten). |
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| Nach einer
gewissen Zeit der Ruhe began- nen um 1908 die ersten Angriffe gegen Der- sim. Schon damals befehligte der kurdische Anführer Seyit Riza die Kämpfer in Dersim. Vor dem ersten Weltkrieg gab es mehrere solche Angriffe, die abgewehrt wurden. Auch im ersten Weltkrieg, als die russische Armee in die Nähe von Dersim gelangte, stellten sich die Dersim-KurdInnen nicht auf |
die Seite
des osmanischen Staates. Auch beim ,türkischen Befreiungskrieg' von 1919-1922 hielt sich Dersim zurück, während andere kurdische Provinzen tatkräftig Unterstützung leisteten. 1921 unterstützte Dersim materiell den ersten kurdischen Aufstand gegen M.Kemal Atatürk in Kocgiri (Sivas), der aber schnell zerschlagen wurde. |
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| In den
Gründungsjahren der Türkischen Re- publik gehörte Dersim zu den kurdischen Provinzen, die relativ früh nationale Rechte für die KurdInnen einforderten. Bis 1930, als Aufstände in anderen Provinzen begannen und unterdrückt wurden, spielte Dersim kei- ne aktive Rolle. Durch Taktieren und indem er die Widersprüche der kurdischen Gesell- |
schaft
ausnutzte, gelang es dem Staat, nie alle kurdischen Provinzen gleichzeitig gegen sich aufzubringen. Dersim wurde für zuletzt ,aufgehoben'. Auch hierin unterschied sich Dersim von den anderen kurdischen Provin- zen, die ebenfalls Angriffen, Massakern und Assimilation ausgesetzt waren. |
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| 1935 jedoch
wurde für Dersim ein Sonderge- setz erlassen (Tunceli Kanunu, Dez. 1935); damit wurden die Weichen für das Massaker von 1937/38 gestellt, bei dem etwa 50.000 bis 80.000 Menschen massakriert wurden. Während dieses Gesetz unter Kurdinnen und Kurden relativ bekannt ist, wird ein 1931 von den türkischen Militärs erstellter Bericht an die Regierung nur selten erwähnt. Ent- |
sprechend
diesem Bericht sollten u.a. zur Li- quidierung und Auslöschung Dersims die Täler mit Wasser überflutet werden. Hieraus wird er- sichtlich, dass die Region Dersim mit Sonder- gesetzen regiert wurde und wird. Denn nach wie vor steht Dersim heute zusammen mit drei weiteren kurdische Provinzen unter Ausnahme- zustand. |
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| Die heutige
Vorgehensweise des türkischen Staates beruht praktisch auf diesem Bericht von 1931, auch wenn dies nicht offiziell zu- gegeben wird. Denn nach dem Massaker von 1937/38, bei dem der Widerstand endgültig gebrochen wurde, wuchs ab den 70er Jahren der Widerstand gegen die türkische Herr- schaft wieder an. Schließlich hat die ganze Assimilationspolitik nach 1940 im Endeffekt |
nicht
das erbracht, was sich die Türkei davon erhofft hatte. Aus Dersim kommen heute viele führende und ideologische Köpfe der kurdischen Freiheitsbewegung. Eine weitere Besonderheit Dersims ist die Tatsache, dass auch in den anderen türkischen und kurdischen oppositio- nellen Bewegungen viele Menschen aus Der- sim eine nicht zu unterschätzende Stellung einnehmen. |
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Die Provinz Dersim
Das |
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| Dersim
liegt an einer Stelle, wo sich das anatolische Hochland, das Hochland von Ararat, Ober-Mesopotamien und die Berge des Schwarzen Meeres treffen. Nord-nord- westlich von Dersim fließt aus dem Osten kommend der Fluss Euphrat in Richtung |
Südwesten
an Dersim vorbei. Der Süden von Dersim wird vom Fluss Murat begrenzt. Süd- westlich von Dersim liegt der Keban-Stau- damm; auf diese Weise ist der gesamte Murat südlich von Dersim in einen Stausee umgewan- delt. |
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| Dersim
ist ein sehr bergiges Gebiet. Hier verlaufen die nördlichsten Ausläufer des Osttaurus-Gebirges von West nach Ost und treffen hier auf die südlichen Ausläufer der Schwarzmeer-Berge. Im Norden von Dersim erhebt sich die unbewaldete Berg- kette Munzur bis zu einer Höhe von mehr als 3300 Metern. Das Gestein ist durch Metamorphose enstanden und vulkanischen |
Ursprungs.
An vielen Stellen treten Felsen zutage. In den höchsten Lagen liegt sogar im Sommer noch Schnee. Nach Süden hin sind die Berge zerklüfteter, niedriger und bewaldet. Besonders in den Flusstälern gibt es viel Waldbewuchs. Früher gab es in Dersim viel mehr Wälder als heute. In Kurdistan gehört Dersim zu den Regionen mit den meisten Wäldern. |
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| Die Provinzhauptstadt
Dersim liegt genau dort, wo der Harcik-Fluss von Nordosten kommend in den von Nordwesten kommenden Munzur- Fluss mündet. Der Munzur hat bis zur Mün- dung in den Keban-Stausee eine Gesamtlän- ge von etwa 144 km, der Harcik dagegen ei- ne Länge von etwa 69 km. Der Munzur ist ein |
sehr sauberer
Fluss. Selbst die Einwohner der Stadt Dersim holen sich Trinkwasser aus dem Fluss. Im Munzur-Fluss gibt es mehrere Arten von Fischen. Vor allem die (rotgefleckten) Fo- rellen, die zu den schönsten ihrer Art auf der Welt gehören, sind hier zahlreich anzutreffen. |
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| Auf den
Gipfeln, an den Hängen und in den Tälern dieser Berge befindet sich eine der reichhaltigsten wildwachsenden Pflanzen- und Tierwelten des Nahen Ostens. Bergzie- gen, Bergschafe, Bären, Wildschweine, Wöl- fe, Schakale, Füchse; Hasen, Steinmarder, Stinktiere, Dachse, graue Eichhörnchen, Igel, verschiedenste Kriechtiere (Eidechsen, |
Schlangen
usw.), Luchse, Fischotter, Schild- kröte, Frösche. Unter den Flügeltieren sind Falken, Wanderfalken, Wachteln, Sperber, Geier, Adler, Eulen, Rebhühner, Kranich, Storch, Tauben, Gänse, Papageien, Nachti- gall, Schwalben, Spechte, Wiedehopfe, Am- sel, Raben und Fledermäuse anzutreffen. |
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| Darüber
hinaus sind die Berge mit Hunderten Arten von verschiedenen Pflanzen und Blumen bedeckt: Tulpe, Hyazinthe, Narzisse, gemei- nes Schneeglöckchen, echte Kamille, Veil- chen, wohlriechender Gänsefuß, Anafatma, Tragant, wilder Thymian usw. Auch gibt es |
überall
Hagebutten, wildwachsende Äpfel und Birnen, Pflaumen, sowie Walnüsse. An Baum- arten gibt es in Dersim: Eiche, Buche, Weide, Pappel, Walloneneiche, Spitzahorn, Birke, Nadelbaum, Schwarzerle, Zeder usw. |
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In Dersim leben hauptsächlich
alewitische Semah, |
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| Die Provinz
Dersim eignet sich besonders für Viehwirtschaft und Landwirtschaft, Obst- und |
Gemüseanbau
ist hingegen nur in den südliche- ren Teilen ertragreich. |
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| Das GAP-Projekt und Dersim | ||
| Die Provinz
Dersim (mit heutigen offiziellen Namen "Tunceli") ist nicht in das Südost- anatolienprojekt GAP (türk.: Güneydogu- anadolu Projesi) einbezogen. Dennoch tref- fen die Überlegungen, die wir beispielsweise in Bezug auf den Ilisu-Staudamm am Fluss |
Tigris
angestellt haben, teilweise auch auf Dersim zu. Es ist in etwa die gleiche Strate- gie, jedoch ist zu betonen, dass die politi- sche Absicht des Vorhabens beim Bau der Staudämme in Dersim noch offenkundiger ist. |
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| Der Fluss
Munzur und sein Nebenarm Harcik münden in den Fluss Murat, der seinerseits zwischen Malatya und Elazig in den Euphrat mündet. Hier wurde im Jahre 1974 der zweit- größte türkische Staudamm Keban errichtet. |
Danach
kommt am Euphrat der Karakaya- Staudamm und der größte Staudamm, der Atatürk-Staudamm. Daher besteht ein direk- ter Zusammenhang mit dem GAP-Projekt. |
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| Das GAP-Projekt
wurde 1984 von der Türkei in Angriff genommen. Es ist zur Zeit das gi- gantischste Wasserkraftwerks- und Bewäs- serungsprojekt seiner Art. Es sieht vor, die Flüsse Euphrat und Tigris mit Hilfe von Dut- zenden von Dämmen zu stauen und 17.600 Qadratkilometer Land zu bewässern. Allein |
am Tigris
sind 23 Dämme geplant; sieben da- von sind bereits im Bau. Insgesamt sollen 19 Kraftwerke an den beiden Flüssen 27.300 GWh Strom - gut ein Viertel des heutigen Energiebedarfs der Türkei - erzeugen. Die Ge- samtkosten des GAP werden auf 32 Mrd. Dol- lar geschätzt. |
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| Hauptentwicklungsziele
von GAP sind die Er- höhung des regionalen Einkommensniveaus, Devisenbewirtschaftung durch exportorientier- te Landwirtschaft und Sicherung der nationa- len Elektroenergieversorgung aus Wasser- |
kraftwerken.
Schon allein diese Ziele dürften kaum zu realisieren sein, während weitere Ansprüche an eine nachhaltige Regionalent- wicklung von vorneherein außen vor bleiben. |
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| Einkommenssteigerungen
sind vor allem für die am Projekt beteiligten Firmen, die türki- schen Eliten und regionale Großgrundbesit- zer zu erwarten. Die breite Masse der Be- völkerung der Region wird durch das Projekt ihre ökonomische Situation nicht verbessern können. Die durch GAP geförderte Industria- lisierung bietet nur für einen Bruchteil der in die großen Städte geflüchteten Landbevölke- |
rung
Arbeitsplätze.Viele der neu entstehen- den Stellen werden mit besser qualifizierten Arbeitskräften aus der Westtürkei besetzt. Die Elektroerzeugung durch Wasserkraft ist relativ teuer und daher von unsicherer Renta- bilität. Es ist zu bezweifeln, ob der prognosti- zierte Anstieg der Energiebedarfs eintreffen wird, da die ökonomische Lage schwer ein- zuschätzen ist. |
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| Besonders
die Nichtbeachtung ökologischer und sozialer Folgekosten durch Umweltschä- den und erzwungene Migration macht das Projekt ökonomisch höchst riskant. Eine nachhaltige Entwicklung im Sinne einer dau- |
erhaft
verträglichen Nutzung der regionalen Ressourcen und der Verbesserung der ökono- mischen Situation breiter Bevölkerungsgruppen, besonders der unterprivilegierten, und eine Mit- bestimmung der Betroffenen findet nicht statt. |
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| Mit dem
GAP-Projekt erhält die Türkei die Kon- trolle über die beiden größten Flüsse des Na- hen Ostens, Tigris und Euphrat; damit kann sie schon jetzt jederzeit den südlichen Nach- barn, Syrien und Irak, das Wasser abstellen und sie damit politisch erpressen. Wasser, das zukünftige Öl, wird als strategische Waffe eingesetzt. Gleichzeitig werden Verträge mit dem strategischen Partner im Nahen Osten, |
Israel,
abgeschlossen, das sich dadurch ge- nügend Trinkwasser sichern will. Es liegen also handfeste strategische Interessen vor. Kurz gesagt: Der türkische Staat bereitet sich mit der Ökowaffe Wasser auf eine neue, aktivere und aggressivere Rolle in der Region im Sinne der von den USA vorangetriebenen ,Neuen Weltordnung' vor. |
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| Das GAP-Projekt
verstößt in wesentlichen Teilen gegen die UN-Konvention über die nicht schiffbare Nutzung internationaler Wasserwege |
vom 21.5.1997
und die UN-Konvention über den Schutz und die Nutzung grenzübergreifen- der Wasserwege und internationaler Seen. |
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| Die Staudämme
in Dersim am Fluss Munzur |
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| In Dersim
sollen insgesamt acht Staudämme gebaut werden, wovon zwei schon praktisch fertiggestellt sind und in Kürze in Betrieb ge- nommen werden können. Mit dem Bau der |
anderen
sechs Staudämme kann jederzeit begonnen werden, die Planungen dafür sind im großen Ganzen abgeschlossen. |
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| Der Fluss
Munzur führt durchschnittlich 87 Kubikmeter Wasser pro Sekunde (87 qm/s). Im April hat er mit 398 qm/s den größten, im Oktober dagegen mit 44 qm/s den geringsten Durchfluss. Dies ist gegenüber dem Tigris oder |
Euphrat
relativ gesehen ein sehr geringer Durchfluss; trotz großer Fallhöhen lässt sich daraus wenig Energie gewinnen (Energieaus- beute hängt in erster Linie von der Fallhöhe und vom Durchfluss ab). |
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| Die Staudämme im Einzelnen | ||
| Zwei der
Dämme werden am Munzur-Neben- arm Mercan errichtet, der kurz hinter der nord- westlichen Kreisstadt Pulur (Ovacik) in den Munzur mündet. Der erstere hat eine Höhe |
von 198
m; allerdings führt der Fluss Mercan sehr wenig Wasser, so dass hier nur 19 MW produziert werden können. |
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| Danach
kommt einer der größeren Dämme, der Konaktepe 1, der eine Höhe von 111,4 m hat und 90 MW Strom erzeugen soll. Dieser ist am Fluss Munzur bei km 36 geplant und wird sich bis zur Kreisstadt Pulur auswirken. Anschließend folgt der Konaktepe 2-Stau- |
damm mit
einer Höhe von 112 m und einer Energieerzeugung von 50 MW. Von Konak- tepe 1 bis Konaktepe 2 wird ein Kanal das Wasser führen und das Wasser aus dem ursprünglichen Flussbett abziehen. |
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| Nach den
beiden Konaktepe-Staudämmen folgt 7 km vor Dersim der Kaletepe-Staudamm, der eine Höhe von 60 m und einen mutmaßli- chen Stromgewinn von 60 MW aufweisen soll. |
Einen
Kilometer vor Dersim soll den Planun- gen zufolge zusätzlich der Bozkaya-Stau- damm mit einer Höhe von 30 m und einer Stromausbeute von 30 MW gebaut werden. |
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| Ein weiterer
Damm soll kurz vor der Stadt Der- sim am Nebenarm Harcik, der aus der nordöst- lichen Kreisstadt Pülümür kommt und im Zen- trum der Provinzhauptstadt Dersim in den |
Fluss
Munzur mündet, errichtet werden. Er heißt Kocakoc (Harcik)-Staudamm und hat eine Fallhöhe von 50 Metern mit einer ge- planten Energieerzeugung von 6 MW. |
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| Der Staudamm
Uzuncayir 18 km flussabwärts von der Stadt Dersim ist fast schon fertig. Die- ser Damm wird mit seinen 55 m Höhe von al- len acht Staudämmen mit 100 MW den mei- sten Strom liefern. Trotz trotz geringerer Fall- höhe liefert dieser Stadamm etwas mehr Strom als die anderen, weil die Wassermas- |
sen infolge
des Einmündung des Nebenarms Harcik hier größer sind. Die insgesamte Energie soll nach diesen An- gaben bei knapp 362 MW liegen. Zum Ver- gleich: Der Ilisu-Staudamm (135 m Fallhöhe) am Fluss Tigris soll etwa 1200 MW Strom produzieren. |
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| Finanzierung | ||
| Am Bau
der Staudämme werden sich neben den zwei türkischen Firmen Ata Insaat Sana- yi A.Sü. und Soyak Uluslararasi Insaat ve Ya- tirim A.Sü. folgende ausländische Firmen be- teiligen: Stone Webster (USA), Va Texh Elin |
(USA)
und Strabag AG (Österreich). Feder- führende Firma ist Stone Webster. Die aus- ländischen Firmen lassen sich, wie so oft, das Risiko bei dem Bauvorhaben mit Export- kreditversicherungen durch die eigenen Re- gierungen abdecken. |
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| Das gesamte
Vorhaben kostet den türkischen Staat schätzungsweise knapp 2 Mrd. Dollar. |
Das GAP-Projekt
kostet hingegen den tür- kischen Staat etwa 32 Mrd. Dollar. |
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Offizielle wirtschaftliche
Gründe Der Ein
Staudamm wird in der Regel aus |
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| Im Fall
von Munzur und Dersim treffen die Gründe zwei und drei nicht zu: In der Region wird Regenfeldanbau betrieben; die Nieder- schläge reichen normalerweise aus, außer- dem ist der Boden im Vergleich mit den süd- licheren ebeneren Gebieten nicht besonders |
ertragreich.
Daher erscheint eine Bewässerung weder sinnvoll noch notwendig. In Dersim
steigt im April und Mai das Wasser, aber es gefährdet die Siedlungen nicht, Hochwasserzerstörungen gibt es keine. |
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| Allenfalls
kommt hier die Energieerzeugung in Betracht: Die acht Staudämme sollen pro Jahr 362 MW Energie erzeugen. Dies ist an- gesichts der Gesamtenergieerzeugung in der Türkei 1999 von 37.079 MW im Landesver- gleich eine sehr geringe Menge, sie würde |
demnach
bei 0,97 % liegen. An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob diese Energieproduk- tion allein aus wirtschaftlichen Gründen not- wendig ist. Noch weniger sinnvoller erscheint sie in Bezug auf andere Aspekte (Natur, Tier- und Pflanzenwelt etc.). |
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| Ein weiterer
wirtschaftlicher Grund für den Bau dieser Dämme dürfte darin liegen, dass die Se- dimentierung [Bildung von Ablagerungen] des Keban-Stausees zwar nicht vermieden, aber hinausgeschoben werden soll. Der 1974 fertig- gestellte Keban-Staudamm und sein Stausee füllt sich in hoher Geschwindigkeit, er wird |
nicht
mehr lange betriebswirtschaftlich ge- winnbringend sein. Der Munzur ist ein Fluss mit großer Gesteinserosion, denn er kommt aus sehr bergigem Gebiet. Vor dem Mün- dungsbereich in den Murat bzw. Keban-Stau- see sind die Folgen des Sedimenttransportes deutlich zu erkennen. |
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| Verhindert
werden kann die Verfüllung des Ke- ban-Stausees mit Sedimenten im Endeffekt nicht, aber durch die acht Staudämme soll der Keban einige Jahre länger Strom produzieren. Stattdessen werden jedoch die Staudämme am Munzur im Laufe der Zeit mit Sedimenten |
angefüllt
werden. Es ist zu erwarten, dass in wenigen Jahrzehnten (20-40 Jahre) die vorgelagerten Stauseen verfüllt sein werden. Ein Lösungsansatz, wie dies begrenzt wer- den soll, liegt seitens des türkischen Staa- tes nicht vor. |
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| Eine konsequente
Bilanzierung des volkswirt- schaftlichen Nutzen und der Kosten liegt hier, |
wie auch
bei den Staudämmen des GAP- Projekts, nicht vor. |
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| Fehlende Einbeziehung der Bevölkerung | ||
| Wie auch
bei den vielen schon durchgeführ- ten Bauvorhaben im Rahmen des GAP-Pro- jekts wird die Zivilbevölkerung von Dersim in den Bau der Staudämme nicht einbezogen. In keiner Weise fragte der Staat nach der Meinung der Menschen. Im Gegenteil - er |
versuchte
die Planung so lange wie möglich zu verheimlichen, um einen eventuellen Pro- test zu vermeiden. Im vorigen Jahr wurde sie schließlich im letzten Jahr ganz allmählich bekannt gegeben, um die Menschen vor voll- endete Tatsachen zu stellen. |
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| Dersim
ist eine Provinz, in der seit 1984 der Krieg zwischen der kurdischen Guerilla und dem türkischen Staat von beiden Seiten in- tensiv geführt wurde. Der türkische Staat zer- störte und entvölkerte in Dersim etwa die |
Hälfte
der Dörfer. Statt 140.000 leben heute nur noch knapp 70.000 Zivilpersonen in Der- sim. Unter solchen Umständen war eine Meinungsbefragung auch kaum zu erwarten. |
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FOLGEN
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| Dersim
hat eine außergewöhnlich wunderbare Naturlandschaft; die Zerstörung dieser ein- maligen, atemberaubenden Natur fällt jedem auf, der diese Region zuvor gesehen hat. Die Folgen dieser geplanten Staudämme sind in Dersim enorm und schwerwiegend, besonders |
in ökologischer
Hinsicht. Die ökologische Viel- falt wird verloren gehen. Im Vergleich zu den zu erwartenden Schäden und Nachteilen für die Bevölkerung, die Gesellschaft und Gesamtwirt- schaft wird der Nutzen dieser Vorhaben lang- fristig betrachtet kaum nennenswert sein. |
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Konsequenzen für Umwelt und Natur
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Die Zerstörung des
Im
Nationalpark |
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| Am 21.
Dezember 1971 wurde auf Grund des Gesetzes Nr. 6831 eine Landschaft zum "Na- tionalpark Munzur " erklärt, die kurz vor der Stadt Dersim beginnt und sich entlang des |
Munzur
in Richtung Pulur (Ovacik) über meh- rere Dutzende Kilometer erstreckt. Mit 42.000 Hektar ist er der größte Nationalpark der Türki- schen Republik. |
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| Entsprechend
dem Gesetz über Nationalparks darf das ökologische und natürliche Gleichge- wicht (Ökosystem) in keinem Fall gestört oder zerstört werden. Das natürliche Leben im |
Nationalpark
darf demnach ebenfalls nicht be- einträchtigt werden. Jedes Vorhaben, das sich mit diesen Zielen nicht vereinbaren lässt, ist zu untersagen. |
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| Als das
Nationalpark Munzur entstand, wur- den alle Tiere bis auf den Wolf, Schakal, Ra- ben und das Wildschwein unter besonderen |
Schutz
gestellt. Einige Vögel dürfen zu be- stimmten Jahreszeiten gejagt werden, die restlichen überhaupt nicht. |
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| Im Munzur
sind pflanzliche- und biotopische Lebensformen vorzufinden, die sonst nirgends auf der Welt existieren. Die meisten der 1518 Pflanzenarten in der Türkei und Kurdistan be- finden sich sind im Munzurtal. Fast alle der 277 seltenen Arten sind hier anzutreffen. 43 Arten existieren nur am Munzur und sonst nir- gendwo auf der Welt. Auch würden den rotge- |
fleckten
Forellen, die anderswo kaum vorkom- men, die Lebensbasis entzogen werden. Durch die Staudämme würden viele dieser Lebensfor- men für immer verschwinden. Allein aus ökolo- gischen Aspekten dürfte solch ein Staudamm nicht errichtet werden - unabhängig davon, ob er wirtschaftlich ist oder nicht. Der Verlust des Munzur Nationalparks wäre unersetzlich. |
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| Es lässt
sich klar feststellen, dass die türki- sche Regierung mit diesen Staudämmen ein- deutig gegen ihre eigenen Gesetze verstößt. Dies wäre nicht der erste Fall: die geplante Zerstörung der historischen Stätte Hasankeyf |
verstößt
ebenfalls gegen ähnliche Paragraphen. Vom "Komitee der Solidarität mit Dersim" wur- de gegen diese acht Staudämme inzwischen eine Klage beim Verfassungsgericht erhoben, über die noch entschieden werden muss. |
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Der "heilige" Fluss Munzur
Der Fluss Munzur
und sein Tal hat für die Im Leben der Menschen
in Dersim nimmt
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Die Munzur-Quelle |
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| Isolation der einzelnen Städte und Regionen voneinander | ||
| Durch
die Errichtung der Dämme und der Entstehung der Stauseen werden mehrere Städte und Regionen abgeschnitten werden. Da die Straßen in Dersim sich zumeist an den Flussläufen orientieren und diese Ge- biete überflutet werden sollen, wird die Stadt Dersim von einigen anderen Regionen abge- |
schnitten
werden, sie wäre danach eine Halb- insel und würde ihre Bedeutung für die Provinz verlieren. Auch wären die verschiedenen Ge- biete in Dersim voneinander abgeschnitten. So zum Beispiel müsste jeder, der von Dersim nach Pulur und umgekehrt gelangen möchte, die doppelte Strecke zurücklegen. |
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| Durch
die natürlichen Gegebenheiten sind die Verkehrswege ohnehin sehr eingeschränkt. Jetzt würde es noch mühevoller sein, andere |
Orte zu
erreichen. Damit würden wir noch er- schwertere Lebensbedingungen in Dersim ha- ben. Die Lebensqualität würde abnehmen. |
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Umsiedlung von Menschen
und
Yayla: |
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| Die geplanten
acht Staudämme werden in Dersim zwar keine größere Ortschaften, je- doch zahlreiche Dörfer unter Wasser setzen. Die Zahl der zu umsiedelnden Menschen liegt schätzungsweise bei einigen Tausenden. Sie ist gegenüber anderen Staudammprojekten in Kurdistan zwar relativ gering; dies ändert je- |
doch nichts
an der Tatsache, dass diese Men- schen sich mit der geringen Summe an Geld, das sie vom Staat erhalten werden, kaum eine menschliche neue Zukunft aufbauen können und in Städten wie Elazig oder Istanbul in Ar- mut leben werden. |
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| Bekanntlich
haben in den letzten Jahren auf Grund der staatlichen Unterdrückungspolitik mehrere 10.000 Menschen Dersim verlassen. Die jetzt geplanten Staudämme werden ver- hindern, dass diese Menschen zurückkehren können. Gerade seit dem Frühling 2000 - |
nach
der Einstellung des bewaffneten Kamp- fes seitens der Guerilla - begannen die ersten Menschen, wieder in ihre Dörfer zurückzukeh- ren und verlassene Landschaften wieder land- wirtschaftlich und viehwirtschaftlich zu nutzen. |
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| Seit 1940
- nach der Niederschlagung des gro- ßen Aufstandes - betreibt der türkische Staat eine systematische Vertreibungspolitik, wo- durch die Region niemals mehr als 150.000 Menschen beherbergte. Da Dersim militärisch und strategisch eine bedeutende Stellung hat, |
musste
die Entwicklung unter Kontrolle ge- halten werden. Dazu gehörte die bewusste wirtschaftliche Stagnation der Provinz. Es wurde keine eigene, an die Besonderheiten der Provinz angepasste, unabhängige und leistungsfähige Wirtschaftsstruktur aufgebaut. |
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| Durch
die jetzige Staudamm-Politik steht zu erwarten, dass die örtliche Bevölkerung auf lange Sicht ganz abwandert und statt dessen staatstreue Menschen aus dem Westen ange- siedelt werden sollen. Damit würde dem jahr- |
hundertelang
währenden Charakter der Region die Basis entzogen. Dersim wird oft mit Wider- stand, Opposition und Rebellion in Verbindung gebracht. Das soll jetzt nie wieder mehr der Fall sein. |
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| Alternativen der Energieversorgung | ||
| Wenn die
2 Mrd. Dollar, die für alle acht Stau- dämme veranschlagt sind, auf eine andere ef- fektivere Weise ausgegeben werden, kann der |
volkswirtschaftliche
Nutzen für das ganze Land und Dersim erhöht werden. |
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| Dieses
Geld könnte zum einen in Sonnen- energie gesteckt werden. Mit nur 60 Million Dollar Investition in Sonnenenergie könnte der gesamte Energiebedarf von Dersim ge- deckt werden. Auch an Windenergie wäre zu denken, da es sich um höher liegende Gebiete mit viel Wind handelt. Mit nur einem kleinen Teil dieses Geld könnten alle Flächen |
am Munzur,
am Keban-Stausee und auch am Murat bewaldet werden; dadurch würde die Erosion erheblich abnehmen und der Ke- ban- Stausee könte länger erhalten werden. Wenn dieses Geld allein in Gaskraftwerke investiert werden würde, würde die produzier- te Energie das Mehrfache der geplanten 362 MW betragen. |
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| Eine Verbesserung
der bestehenden Ener- gieleitungen würde zu erheblich weniger Ver- lusten beim Transport führen (das Doppelte der derzeitigen Energieausbeute wäre zu er- |
warten),
wenn wir berücksichtigen, dass die Leitungen seit ihrem Jahrzehnte zurückliegen- den Bau teilweise nicht mehr modernisiert wurden. |
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| Allein
aufgrund der oben aufgeführten Argu- menten lässt sich klar aufzeigen, dass die Stau- dämme allein schon aus wirtschaftli- |
cher Sicht
nicht verträglich und vernünftig sind: Also müssen politische Ziele dahinter stecken, eine andere Erklärung gibt es dafür nicht. |
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Staudammpolitik der Türkei
Der
Munzur |
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| Unbestreitbar
haben diese Staudämme in Kurdistan wirtschaftliche Funktionen (wie Bewässerung und Energieproduktion), doch die Dimension des Bauvorhabens ist nicht sinnvoll. Die Türkei will hier nicht aus den Fehlern anderer Länder lernen. Große Däm- me bringen auf Dauer mehr wirtschaftlichen Schaden als Nutzen. So hat man in den |
USA schon
umgedacht und die hohen Dämme werden inzwischen langsam wieder abgebaut. Die negativen Folgen sind auf Dauer nicht in den Griff zu bekommen. Während z.B. einer- seits neue Flächen bewässert werden, gehen andererseits andere Flächen verloren und die neuen Ackerflächen versalzen mit der Zeit. |
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| In Anbetracht
der Energiebedarfs und Bewäs- serung wären kleine Staudämme und Wehre an geeigneten Stellen sinnvoller. Dadurch |
werden
kaum Natur und Kulturlandschaften unter Wasser gesetzt. |
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Kampagnen und Bemühungen
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| Im letzten
Jahr hat sich ein "Solidaritätsko- mitee mit Dersim" gebildet, das sich zumeist aus Mitglieder der verschiedenen "Vereine der Solidarität mit Tunceli" zusammensetzt. Der Sprecher dieses Komitees ist Celal Turna, der |
sichAnfang
des Jahres in Europa aufhielt und an mehreren Veranstaltungen und Aktivitäten teilnahm, die sich gegen die Staudämme am Munzur richteten. |
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| Die Sensibilität
der Menschen in Kurdistan/ Türkei und in Europa hat seit letztem Sommer und besonders seit Anfang des Jahres zuge- nommen. In Europa bemüht sich der Verband |
der StudentInnen
aus Kurdistan (YXK), wie im Falle von Hasankeyf/Ilisu-Staudamm, eine Kampagne gegen die Staudammpolitik der Tür- kei zu führen. |
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| Fazit | ||
| Die Staudämme
in Nord-Kurdistan führen ein- deutig zu einem vermehrten Potential für even- tuelle politische Spannungen in der Region. Die Türkei denkt nicht daran, das Wasser |
gleichmäßig
in der Region zu verteilen, sondern hat die Absicht, das Wasser als Waffe einzuset- zen. Diese Staudammpolitik steht einer friedli- chen Entwicklung in der Region entgegen. |
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| Im Fall
von Dersim sind die Tatsachen klarer als in jedem anderen Fall der Staudammpro- jekte der Türkei: Die Türkei versucht mit aller Macht, mit Hilfe von Staudämmen ihre strate- gischen und wirtschaftlichen Interessen in Kurdistan und im Nahen Osten durchzuset- zen. Dazu nimmt sie jedes noch so unwirt- schaftliche und sinnlose Projekt in Angriff. Stück für Stück werden die Regionen Kurdi- stans um die Flüsse Euphrat und Tigris über- |
flutet.
Diese Staudämme können wir zweifels- ohne als einen Bestandteil des Spezialkrie- ges der Türkei gegen die kurdische Bevölke- rung und ihren Freiheitskampf sehen. Gerade als der Freiheitskampf der KurdInnen 1984 be- gann, wurden die schon länger geplanten Stau- dämme in Angriff genommen. Viele Menschen vermuten nicht ohne Grund, dass diese Däm- me auch gegen die Guerilla gerichtet sind. |
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| In wirtschaftlicher
Hinsicht wird Dersim zwei- fellos mit den unsinnigsten Staudämmen in seinem Wesen vernichtet werden. Alles, was diese Region einmal ausmachte, soll der Ge- schichte angehören: Ihre Geschichte, die vom ständigen Widerstand geprägt war und ist, ihre wunderbare Landschaft, ihre religiö- sen und historischen Stätten, ihre Tier- und Pflanzenwelt, die einheimische Bevölkerung. Diese Staudämme müssen als ein Angriff gegen die gesamte Bevölkerung von Dersim und Kurdistan verstanden werden. Auch geht der Menschheit etwas sehr Wertvolles, Ein- maliges verloren, wenn sie diesem Vorhaben nicht bald etwas entgegensetzt. 1937/38 wurde fast die Hälfte der Bevölkerung aus- gemerzt, im Anschluss assimiliert, in den 90er Jahren die Siedlungen und Landschaft systematisch zerstört und danach die Men- schen vertrieben. Jetzt soll diese umfas- sende Liquidation abgeschlossen werden. |
Tilek |
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| Jetzt
ist die Bevölkerung in Dersim und auch außerhalb dazu aufgerufen, sich gegen diese neue Vernichtung zu vereinigen. Erstmals ist die Basis dafür entstanden, dass praktisch alle Dersim-KurdInnen, auch diejenigen, die sich in den letzten Jahren zurückgehalten ha- ben, gemeinsam für eine Sache kämpfen. Es |
ist auch
die Gelegenheit dazu, zur eigentlichen Kultur und Identität, die über Jahrzehnte hinweg aus dem Gedächtnis ausgemerzt wurde, zu- rückzufinden und sie auf der Basis der revolu- tionären Bewegung der letzten Jahre fortzu- entwickeln. - Wenn Dersim auch dieses Mal verliert, verliert es endgültig. |
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Quellen:
Dieser Artikel wurde von uns mit eigenen Fotos und mit Fotos aus dem leider nicht mehr zugänglichen Dersim-net illustriert. Deutsch-kurdische Gesellschaft Kassel und Umgebung |
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