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Berliner
Zeitung ARMENIEN
Ein Gottesdienst,
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| BERLIN,
2. Mai. Die Tagung in Mülheim an der Ruhr stellte ein Novum dar. Erstmals tra- fen sich Ende März türkische und armenische Wissenschaftler, um über ein dunkles Kapitel ihrer gemeinsamen Geschichte zu reden, über die Deportation von Armeniern durch das Os- |
manische
Reich, bei der 2,5 Millionen Arme- nier umgebracht wurden. Die Tagung sollte zur Versöhnung beider Völker beitragen. Doch diese Erwartung erfüllte sich nicht. Türkische Nationalisten belagerten den Kongress, es kam zu Tumulten. |
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| Doch die
Gegner einer Aussöhnung belassen es nicht bei solchen Störaktionen. Weitge- hend unbemerkt von der deutschen Öffentlich- keit findet in den Europa-Ausgaben türkischer Zeitungen eine Kampagne gegen in Deutsch- land lebende, türkischstämmige Politiker und Forscher statt, die sich in die Diskussion um den Völkermord an den Armeniern eingeschal- tet haben, den die Türkei bis heute nicht aner- kennt. "Ich bin erschrocken, dass sich diese Diskussion so zuspitzt", sagt der grüne Bun- |
destags-Abgeordnete
Cem Özdemir. Er geriet ebenfalls in die Kritik der Zeitungen "Hürriyet", "Millyet" und "Türkiye", nachdem er an einem armenischen Gottesdienst in Köln teilgenom- men hatte. Ihm wird vorgeworfen, er habe dem Priester die Hand geküsst, was nach türki- schem Verständnis eine Unterwerfung bedeu- tet. "Eine Lüge" nennt Özdemir diese Darstel- lungen, in denen er eine "Kampfblattmanier" aufleben sieht. Er will sich juristisch dagegen wehren. |
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| Özdemir
berichtet aber auch von dem in Ham- burg lebenden türkischstämmigen Forscher Taner Akcam, dem in der Türkei sogar mit Repressalien gedroht wurde. Darüber hinaus sei in der Zeitung "Dünya" ein Eskalations- szenario entworfen worden. Die Deutschen müssten sich in der Armenien-Debatte ent- scheiden, wer ihnen wichtiger sei - die 35 |
Tausend
in Deutschland lebenden Armenier oder die 2,5 Millionen Türken. Eine "unglaub- liche Drohung gegen den sozialen Frieden in Deutschland" nennt Özdemir diesen Artikel. Er appelliert an die Politik, sich solidarisch mit den Wissenschaftlern zu zeigen, die auf Grund der Armenien-Debatte angegriffen wer- den. |
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| Doch die
Kampagne in den türkischen Me- dien offenbart nach Özdemirs Ansicht ein grundlegendes Problem. "Sollen sich die türkischen Emigranten in Deutschland über die Europa-Ausgaben, die im Ton aggressi- ver sind als die Ausgaben in der Türkei, vor- |
schreiben
lassen, was sie zu sagen haben?" fragt Özdemir. Für ihn sind interkulturelle Me- dien, etwa ein deutsch-türkisches Fernsehen, eine Alternative zu den einseitigen, türkischen Medien. |
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| Özdemir
verweist auf ein weiteres Problem. So gebe es deutsche Politiker und Wissen- schaftler, die unterschiedliche Meinungen vertreten - je nachdem, ob sie sich gegen- über einer deutschen, türkischen oder kur- dischen Zeitung äußern. Ein Verhalten, das in der deutschen Öffentlichkeit kaum wahr- |
genommen
wird. "Dieses Spiel sollten wir nicht durchgehen lassen", fordert Özdemir. Der Grü- nen-Politiker regt deshalb an, dass die türki- sche Presse stärker beobachtet und ausge- wertet wird. "Viele wären erschrocken darüber, was dort zu lesen ist", zeigt er sich überzeugt. |