| Internationaler Verein für Menschenrechte der Kurden - IMK |
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23.2.2001 Genozid
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Französisches Parlament
verabschiedet Gesetz
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| Das französische
Parlament verabschiedete am 18.Januar ein Gesetz, in dem die Massen- tötung von Armeniern im Osmanischen Reich vom 1915 bis 1918 offiziell als Völkermord be- |
zeichnet
wird. "Frankreich erkennt öffentlich den Völkermord an den Armeniern an", heißt es in dem von der Nationalversammlung in Paris einstimmig verabschiedeten Gesetz. |
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| Im ersten
Weltkrieg hatte das mit Deutschland verbündete Osmanische Reich mehrere Millio- nen Armenier deportiert und Hunderttausende töten lassen. Verschiedene armenische und andere ausländische Quellen sprechen von |
1 bis 1,5 Millionen
Toten und ebenso vielen aus |
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| Die französische
Nationalversammlung stimm- te in letzter Lesung für den Text, der von der französischen Regierung mit großer Zurück- haltung aufgenommen wurde. Die Pariser Re- gierung befürchtete durch den Vorstoß der Par- lamentarier eine Verschlechterung der diploma- tischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit der Türkei, dem heutigen Nachfolger des Os- manischen Reiches. Der verabschiedete Text |
wird
von manchen Kritikern als wahltaktisches Manöver im Vorfeld der Kommunalwahlen im März 2001 kritisiert. In Frankreich lebt seit dem größten Genozid Anfang des zwanzig- sten Jahrhunderts eine bedeutende und ein- flussreiche armenische Diaspora, die sich für die internationale Anerkennung dieses Völker- mordes einsetzt. |
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Die
türkische Regierung wies die Entschei- |
haft und
dauerhaft beschädigen", erklärte ein türkischer Regierungssprecher. Der türkische Botschafter in Paris wurde aus Protest gegen das Parlamentsvotum zu Konsultationen in die Türkei zurückbeordert. |
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| Die türkische
Regierung hat schon Wochen vor der Entscheidung offen mit politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen gedroht. Gleichzeitig hat sie mit einer lancierten Kam- pagne, hauptsächlich in den beiden größten türkischen Zeitungen Hürriyet und Sabah, ih- re Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, auf die Initiative des französischen Parlamentes zu reagieren. Unter Angabe von Telefon- und Faxnummern sowie E-Mail-Adressen von fran- zösischen Abgeordneten und wichtigen Politi- kern riefen die türkischen Medien ihre Leserin- nen und Leser auf, mit einem Massenprotest |
die Abgeordneten
im französischen Parlament zu zwingen, gegen die Gesetzesinitiative zu stimmen. Parallel dazu versuchten die türki- schen Unternehmer, Verbände und Organisa- tionen mit ganzseitigen Anzeigen in den gro- ßen französischen Zeitungen den Druck zu erhöhen. Wiederum initiiert von der türkischen Regierung, entsandte das türkische Parla- ment eine Parlamentarierdelegation nach Pa- ris, um mit einflussreichen französischen Par- lamentariern Gespräche zu führen und sie im Sinne der türkischen Seite zu überzeugen. |
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| Alle Versuche
und Drohungen haben das fran- zösische Parlament nicht überzeugen können. 14 Tage nach der Entscheidung des französi- schen Parlamentes hat Präsident Chirac das |
Gesetz
unterzeichnet. So hat noch ein Staat innerhalb der EU und NATO den Völkermord an Armeniern anerkannt. |
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Reaktionen
der türkischen Seite
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Nach dem es der türkischen
Seite nicht ge- |
und alles
Französische zu boykottieren. Einen Tag nach der Entscheidung in Frankreich de- monstrierten mehrere Hundert Menschen vor der französischen Botschaft in Ankara. Sie leg- ten einen schwarzen Kranz nieder und riefen Slogans wie "Kenne Deine Grenzen, Frank- reich". Auch vor dem französischen Kultur- institut in Istanbul gab es Demonstrationen. (Quelle: afp, dpa, Hürriyet, Sabah 18.1.01, 19.1.01) |
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| Während
der tagelang andauernden Proteste gingen hauptsächlich nationalistisch-rassis- tisch gesonnene MHP-Anhänger, kemalisti- sche Organisationen sowie Kriegsveteranen- verbände auf die Straße. Mit einer Überschrift 'Hassregen' schrieb die Zeitung Sabah am 28.Januar, dass wie in anderen Städten der Türkei auch in Manisa die zivilen gesellschaft- liche Organisationen gegen das französische |
Parlament
protestiert haben. Auch in EU-Mit- gliedsstaaten wie in Deutschland, Frankreich und Belgien riefen die türkischen Migranten- organisationen und Wirtschaftsverbände ihre türkischstämmigen Mitbürger auf, an den De- monstrationen gegen Frankreich teilzunehmen, die von den türkischen Auslandsvertretungen unterstützt wurden. (Quelle: Sabah, Hürriyet, 4.2.2001) |
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| "Boykottiert alles Französische" | ||
| Die Hürriyet
rief - als Stimme der Nation - wie- der einmal zum Boykott auf. Einer der größten chauvinistischen Kolumnisten dieses Blattes, Fatih Altayli, veröffentlichte in seiner Kolumne |
eine Liste
französischer Waren, die der gute Türke künftig nicht mehr kaufen sollte. Der ein- geleitete Boykott des Französischen hat zahl- reiche Facetten: |
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| a) Sprachverbot | ||
| Hochschulprofessoren
diskutieren über das Verbot der französischen Sprache an den Schulen und Hochschulen. Französisch wird als Schulfach gestrichen. Hürriyet meldete in ihrer Ausgabe vom 21. Januar 2001 auf der er- sten Seite: "Mit Beschluss des Senats der Universität Ankara wurde nicht nur Franzö- sisch als Fremdsprache gestrichen, sondern auch sämtliche wissenschaftliche Kontakte zu Frankreich gekappt". So kann die Welt- |
sprache
Französisch z.B. auch an der Univer- sität von Kars, das nahe der Grenze zu Arme- nien und Iran liegt, nicht mehr erlernt werden. Reihenweise haben türkische Kultureinrichtun- gen und Universitäten ihre Kontakte zu franzö- sischen Partnern abgebrochen. Auch die staat- liche Radio- und Fernsehanstalt TRT brach ihre Zusammenarbeit mit Canal France International CFE einseitig ab. (Sabah, 23.1.2001) |
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| Während
die meisten Hochschulprofessoren für das Verbot sind, sprechen sich zahlreiche Wissenschaftler und Kolumnisten gegen das Verbot der französischen Sprache und gegen den Abbruch der Kontakte zu wissenschaftli- chen Konferenzen aus. So argumentieren bei- spielsweise Prof. Dr. Yildizhan Yayla, Prof. Dr. Erdogan Tezic und Prof. Dr. Yasar Sütbeyaz, dass "Französisch eine Weltsprache sei und mit dem Boykott gegen Frankreich insofern nichts tun habe. Proteste dürfen unsere Inter- essen nicht schaden. Eine Fremdsprache wird |
nicht
gelehrt, um ein Land zufrieden zu stellen sondern um den Generationen das Fenster zur Welt stärker zu öffnen. Sollte in naher Zukunft ein ähnliches Gesetz in den USA verabschie- det werden, werden wir als Reaktion die engli- sche Sprache verbieten?" (Quelle Sabah, 23.1.2001) Dieser Argumentation schlossen sich einige türkische Kommentatoren an und forderten auf, "die Sache nicht zu übertreiben". Am Wochen- ende verbrannten Demonstranten vor der fran- zösischen Botschaft Fahnen. |
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| Auch die
Kolumnistin von der Tageszeitung SABAH, Gülay Göktürk, warnte in ihrer Kolum- ne vom 23. Januar vor einem "Lumpennationa- lismus". Sie schrieb, einige Wissenschaftler hätten bei ihren Protesten ein Transparent ge- tragen, auf dem "Weltfranzose - der unver- schämte von Europa" gestanden habe. Weiter schrieb sie: "Wie kommt es dazu, dass ange- fangen von Hochschuldozenten als Wissen- schaftler bis zu den Händlern eine ganze Ge- sellschaft sich plötzlich wie eine Anhänger- schaft einer Fußballmannschaft verhält, die ein Fußballspiel verloren hat? Wir erkennen plötz- lich keine Grenzen, es gelten auch keine Re- geln des Anstandes und der Achtung. Wir ver- lassen all diese Regeln und werden zu Lumpen. |
Wenn Sie
sich daran erinnern, haben wir das gleiche Verhalten gegenüber Italien zu Tage ge- legt. Tagelang haben wir italienische Flaggen zertreten und ihre Waren verbrannt, gegen das italienische Volk erniedrigende Slogans ausge- sprochen und herausgeschrien. Wenn es so weiter geht, werden wir möglicherweise bald auch gegen Großbritannien so verfahren. Wenn man den Nachrichten glaubt, wird nach Frank- reich bald auch die britische Regierung das Thema 'Völkermord an Armeniern' auf die Ta- gesordnung setzen. Falls es in diesem Jahr auch zu einem Beschluss kommt, müssen wir dann nicht nur die englische Sprache, sondern auch alles was Englisch ist verbieten?" |
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| b) Waren- und Reiseboykott | ||
| Händler
warfen französische Äpfel auf die Stra- ße. Das Ministerium für Landwirtschaft und Nahrung hat den Import für unzählige Lebens- mittelsorten aus Frankreich per Dekret ge- stoppt. Betroffen sind jährliche Importe aus |
Frankreich
in Höhe von ca. 3 Milliarden US- Dollar. Es gab Aufrufe, Elf- und Total-Tank- stellen zu meiden und Reisen nach Frank- reich zu stornieren. (Sabah, 27.1.2001) |
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| c) Ausschluss der französischen Firmen von Verteidigungsprojekten |
| Auf der
Liste stehen an erster Stelle Verteidi- gungsprojekte der Türkei, aus denen Frank- reich ausgeschlossen werden soll. Dazu zäh- len die Produktion von 1000 Panzern in Wert von 7 Milliarden Dollar, ein Raketenabwehrsys- tem für Hubschrauber, Herstellung der Anti- panzerrakete Erix in Höhe von 500 Millionen |
Francs,
das elektronische Kampfsystem für F-16- Kampfflugzeuge im Wert von ca. 200 Mio. US- Dollar, ein Verteidigungssatellit in Höhe von ca. 200 Mio. US-Dollar, ein Unterwasser- Abwehrsystem im Wert von 300 Mio. US-Dol- lar. (Sabah, 23.1.2001) |
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| d) Boykott von französischen Produktionen in der Türkei |
| Betroffen
sind auch Jointventure Verträge so- wie Produktionen französischer Firmen in der Türkei. Dazu zählen die Automobilindustrie, |
der Maschinenbau,
die Elektronik sowie Pro- duktionen im Bereich der Chemie, Arzneimit- tel, Optik und Stahl. |
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| Gegen
diese Boykottmaßnahmen wandten sich einige Großunternehmer der Türkei. Sie betonten, dass durch solche unüberlegten Maßnahmen mittelfristig nicht Frankreich, sondern die Türkei und türkische Firmen die |
Verlierer
sein würden. Denn solche Maßnah- men würden zu zahlreichen Firmenzusammen- brüchen in der Türkei führen und Zehntausende Menschen würden ihre Arbeit verlieren. (Quelle: Sabah, 23.01.2001) |
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Politische Stellungnahmen und Kommentare
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Die türkische Regierung
äußerte ihr Befrem- Am 23.Januar kündigte
Verteidigungsminister |
te,
Frankreich von dem geplanten Panzerge-
schäft auszuschließen. |
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| Der im
Westen als 'demokratiefreundlich' und 'offen' geltende türkische Außenminister Is- mail Cem legte diesbezüglich das größte Ei. Er bezeichnete das französische Vorgehen als 'postmodernen Faschismus'. Nach der Un- terzeichnung des Gesetzes durch Staatsprä- sidenten Chirac gab Cem gegenüber türki- schen Zeitungen eine Stellungnahme ab. Da- rin sagte er, dass "der postmoderne Faschis- mus sich in den westeuropäischen Staaten, hauptsächlich in Österreich, Belgien, Däne- mark, Deutschland und Frankreich breit ma- che." Er versuchte seine Aussage vom post- |
modernen
Faschismus zu untermauern: Die- ses Vorgehen sei ein Zeichen für Fremden-, Türken- und Islamfeindlichkeit. Der französi- sche Präsident habe dieses Gesetz aus fol- genden Gründen unterzeichnet: Falls er das Verfassungsgericht eingeschaltet hätte, wäre dieses Gesetz für verfassungswidrig erklärt worden. Chirac habe nicht gewollt, dass die französische Barbarei in Algerien in der Öf- fentlichkeit diskutiert wird. Die reichen Arme- nier, die ihren Reichtum im Nahen Osten ge- stohlen hätte, würden mit diesem Geld Druck auf die Politiker ausüben. |
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Ministerpräsident
Ecevit übte nach der Unter- |
benund
sagte "daher prüfen wir nicht nur unse- re politische, sondern auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Frankreich." (Quelle: Sabah, 31.01.2001) |
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| b)
Reaktionen des Staatspräsidenten Sezer und vom Präsidenten des Kassationsgerichtshofes Sami Selcuk |
| Zu den
Protestierenden gesellten sich auch die als 'Demokraten' und 'Liberale' geltenden Sezer und Selcuk. Selcuk protestierte gegen die Unterzeichnung des Gesetzes durch |
Staatspräsidenten
Chirac und schrieb ihm, das Thema den Historikern zu überlassen. (Quelle: Hürriyet, Sabah, 20. und 30.1.2001) |
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| c) Einige türkische Stimmen im Ausland | ||
| Interessant
ist die Herangehensweise der tür- kischen Intellektuellen und Persönlichkeiten. Fast keiner von ihnen machte sich die Mühe, sich mit dieser Materie auseinander zu setzen und zu hinterfragen, was zwischen 1876 und |
1918 sowohl
mit den Armeniern als auch mit den Assyrern und Kurden passiert ist. Auch sie weisen die Schuldfrage der Osmanen bzw. Jungtürken gemäß der offiziellen Staatspolitik der Türkei weit von sich. |
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| Prof.
Hakki Keskin, Vorsitzender der Türki- schen Gemeinde in Deutschland, protestier- te gegen den Beschluss der französischen Nationalversammlung und unterstrich: "Bei einem Thema, das historisch noch nicht ge- nügend untersucht und deren Wahrheitsge- halt per Dokumente nicht bewiesen wurde, aus kommunalwahltaktischen Gründen einen |
solchen
Beschluss zu fassen, finde ich äußerst bedauerlich und ich protestiere einen solchen Beschluss." Ähnlich urteilte auch der Vorsitzen- de des Verbandes der Kemalistischen Gedan- ken und Ideen (AADD) in Deutschland, Dursun Atilgan, und der Vorsitzende der Türk-Födera- tion in Deutschland, Cemal Cetin. (Sabah, 21.1.2001) |
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d) Der Generalstab
der Die tatsächlichen
Herrscher der Türkei, der Nach Meinung des
Generalstabs "gab es im |
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Die Armenier hätten
während des ersten Welt- |
mit hätten
sie als Volk 'Verrat an der Heimat geübt'. Bewaffnete armenische Banden hätten schon zu Beginn des ersten Weltkrieges die türkischen Dörfer überfallen und der Zivilbevöl- kerung großen Schaden zugefügt. |
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| Trotz
des großen Entgegenkommens und der Toleranz der Osmanischen Regierung gegen- über Armeniern, hätten sich die Ereignisse auf der Seite der Armenier sprunghaft entwickelt, die türkischen Frauen und Kinder seien Opfer der bewaffneten Angriffe geworden. Da die Ar- mee an mehreren Fronten kämpfte, hätten im Hinterland Maßnahmen ergriffen werden müs- |
sen, um
die Ausweitung der regionalen Auf- stände unter Kontrolle zu bringen und deren Entwicklung zum nationalen Verrat zu ver- hindern. Aus diesem Grunde, nämlich 'wegen Aktivitäten gegen den Staat', seien am 24.Ap- ril 1915 die Armenischen Komitees verboten und 2345 Führungspersönlichkeiten verhaftet worden. |
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| Das Verbot
der Komitees und die Verhaftung ihrer Führung und mancher Terroristen habe die gespannte Situation noch verschärft. Um vorzubeugen, verabschiedete die osmanische Regierung als letzte humanitäre Handlung am 25.Mai 1915 ein Gesetz mit dem Namen 'Sevk ve Iskan' (Deportation und Siedlung).Gemäß |
diesem
Gesetz sollte sich die im Kriegsge- biet aufhaltende Bevölkerung und diejenigen, die sich durch Spionage und Verrat am Staat schuldig gemacht haben, Einzeln oder in Ge- meinschaft in Gebiete, die sich außerhalb der Kriegszone befanden, transportiert und dort angesiedelt werden. |
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| Nach den
Statistiken der osmanischen Regie- rung von 1914 lebten 1.234.671 Armenier auf osmanischem Staatsgebiet. Gemäß den An- gaben des armenischen Patriarchats waren es 2,5 Millionen und die armenische Delegation an der Lausanner Konferenz nannte die Zahl 2,2 Millionen. Demnach seien maximal |
700.000
Armenier von der Deportation betroffen und nicht, wie die armenische Seite behauptet, 2 bis 3 Millionen, die umgebracht wurden. Un- abhängig davon, wenn der osmanische Staat seine armenischen Untertanen loswerden woll- te, hätte er dies durch Assimilation erreichen können ..." |
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| Nach der
These des Generalstabes der Türkei "haben die armenische Bevölkerungsgruppen in verschiedenen Staaten ab Mitte der sechzi- ger Jahren systematisch eine Kampagne ge- gen die Türkei eingeleitet, um die sogenannte Armenierfrage zu lancieren, die sich ab 1973 zu einem 'blutigen armenischen Terrorismus' entwickelte. Ab diesem Datum seien die ar- menischen Aktivitäten im Rahmen eines ' vier T-Plans' organisiert und entwickelt worden. Ge- mäß dieses Plans sollte durch TERROR welt- |
weit die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Armenierfrage gelenkt werden, der auch den Völkermord ins Bewusstsein rufen sollte. Danach sollte die TÜRKEI durch internationa- len Druck den sogenannten Völkermord aner- kennen und Entschädigung an Armenier zah- len (im Türkischen wird die Entschädigung mit TAZMINAT beschrieben). Als nächster Schritt sollte Gebietsansprüche der Armenier in Dias- pora an die TÜRKEI folgen." |
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| Der Generalstab
versucht mit einer solchen 'Analyse' die Tatsachen bzw. die Rolle der da- maligen osmanischen Armeen zu vertuschen. Die Führung hatten damals die jungtürkischen Offiziere, insbesondere Enver Pascha und Ta- lat Pascha. Beide waren Führer der pantura- |
nistischen
Partei Ittihad-Terakki (Partei für Ein- heit und Fortschritt), die ab 1908 die Macht in Istanbul übernommen und eine nationalistisch- rassistische Ideologie gegenüber anderen Völ- kern im Osmanischen Reich vertreten haben. |
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| Gerade
diese Partei und deren Offiziere waren die Hauptverantwortlichen des Genozids. Un- ter der Führung von Talat Pascha wurde der Deportations- bzw. Vernichtungsplan ausge- arbeitet und die dazu notwendigen Gesetze sowie Erlasse verabschiedet. Die Armeen führ- ten unter den jungtürkischen Offizieren den Vernichtungsfeldzug gegen die Armenier und |
andere
Völker in Kleinasien. Die
Offiziere der Ittihad-Terakki-Partei , wie Mustafa Kemal (Atatürk), Ismet Inönü, Kazim Karabekir, und der letzte Marschall der türkischen Streitkräfte in der Republikzeit, Fevzi Cakmak, waren auch die Gründer der Republik Türkei. Ihre Devise "eine Nation - ein Staat" gilt noch heute. |
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Einige
'kritische Stimmen'
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| In diesem
ganzen Chaos gibt es in der türki- schen Öffentlichkeit einige kritische Stimmen, die die Haltung des Staates gegenüber dieser Frage kritisieren. Ihre Kritik richtet sich gegen den Staat, nicht, weil sie den Genozid an Ar- meniern nicht anerkennen, sondern weil der Staat die riesigen osmanischen Archive für die |
inländischen
und ausländischen Wissenschaft- ler und Historiker nicht freigibt. Ihrer Überzeu- gung nach würde im Falle einer Freigabe dieser Archiven die 'Völkermord-These' in sich zusam- menstürzen, weil sie ähnlich wie der General- stab argumentieren. |
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| Auch ihrer
Meinung nach hat das Osmanische Reich das Notwendige getan und zur Beruhi- gung der Situation Hunderttausende oder Mil- lionen von Armeniern in die arabische Wüste deportiert. Während dieser Deportationen sei- en eben mehrere Hunderttausend Armenier ums Leben gekommen. Dabei brauchen sie lediglich den Roman von Franz Werfel, Vierzig |
Tage
Musa Dag, zu lesen, der auf der Grund- lage von authentischen Berichten geschrieben wurde. Danach wurde eine systematische Ver- nichtung der armenischen Bevölkerung in Klein- asien planmäßig betrieben und zu Ende ge- führt, und zwar mit Wissen der westlichen im- perialen Mächten wie Frankreich, Großbritan- nien und Deutschland sowie von Russland. |
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| Die Türkei
hat bisher nicht einmal ein Drittel des osmanischen Archivs zur wissenschaftli- chen Untersuchung freigegeben. Mehrere na- tionalistische Wissenschaftler wie Prof. Dr. Ilber Oltayli und Prof. Dr. Halil Inalcik sind der Überzeugung, wenn der Staat diese Archive freigeben würde, dann würden die Völkermord- thesen wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Sie beschreiben die Handhabung der Archive folgendermaßen: "100 Millionen Dokumente der Osmanen sind noch nicht nach Themen archiviert worden und das meiste davon ist nicht zugänglich. Die Prozedur für den Zugang zum Archiv ist sehr langwierig. Nach einem |
formellen
Antrag und Vorlage des Ausweises oder des Passes kann der Antragsteller erst nach einem Tag die Erlaubnis zum Zugang zu den Archive erhalten, und zwar an den Werk- tagen zwischen 8.30 und 16.00 Uhr. Während dieser Zeit hat er die Möglichkeit die Dokumen- te einzusehen. Allerdings kann der Antragstel- ler auf Grund eines Erlasses des Ministerrates von 1989 lediglich ein Drittel des Archivordners zur Durchsicht bzw. zum Studium erhalten." Dies bedeutet, dass der Wissenschaftler oder Historiker keine Möglichkeit besitzt, an alle Do- kumente heranzukommen. |
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Fand
ein Genozid
Das Vorgehen der
Jungtürken gegen das ar- |
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| Auch nach
unserer Überzeugung hat der größ- te Völkermord am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts an dem armenischen Volk statt- gefunden, und zwar mit Hilfe und Instrumenta- lisierung der Kurden. Dabei ist es nicht wich- tig, ob 300.000 oder eine Million Armenier ver- nichtet wurden oder über 700.000 oder 1,5 Mi- llionen aus ihrer angestammten Heimat in die arabische Wüste deportiert wurden, ohne einen Neuansiedlungsplan und ohne Entschädigung von Hunderttausenden Menschen. Die wahre |
Absicht,
die christlichen Armenien aus Klein- asien zu Zwangsdeportieren bzw. vollständig auszusiedeln, hätte naturgemäß nicht ohne den Widerstand der Betroffenen stattfinden können. Der gegen die nichtmuslimischen Minderheiten, insbesondere gegen die damals am besten organisierten Armenier aufgesta- chelte Mob auf den Straßen der Großstädte plünderte Häuser und Geschäfte der Armenier, tötete jeden, den er erwischen konnte. |
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| Die Absicht
der osmanischen Regierung, das Armenierproblem endgültig zu lösen, wird
durch die Aussage des heutigen Generalstabs bestätigt. Sie wollte die Armenier loswerden, weil dieses Volk motiviert durch andere christ- lich-nationale Bewegungen auf dem Balkan seine Freiheit erlangen und losgelöst vom zer- |
fallenden
Osmanischen Reich einen eigenen Staat gründen wollte. Auch die Weigerung des heutigen türkischen Staates die osmanischen Archive für die Wissenschaft zu öffnen, macht die Angst des Regimes deutlich, dass die The- se des Völkermordes durch diese Archive be- stätigt werden könnte. |
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| Im dritten
Quartal des 19.Jahrhunderts war das Osmanische Reich einerseits durch Kriege und Befreiungsbewegungen auf dem Balkan geschwächt andererseits machte die jungtürkische Nationalbewegung Sultan Ab- dulhamit die Macht streitig. Um den Zerfall des Reiches zu verhindern und seine Macht zu sichern entwickelte Sultan Abdulhamid die panislamistische These gegen die christ- |
lichen
bzw. nichtmuslimischen Untertanen im Reich. Gemäß dieser These sollten alle isla- mistischen Bevölkerungsteile, gleichgültig zu welcher Nationalität sie angehörten (Türken, Kurden, Araber), das Land gegen die christli- chen Bevölkerungsgruppen, die ihre Unabhän- gigkeit anstrebten, schützen. Geblieben waren im Reich armenische, griechische, arabische und assyrische sowie jüdische Minderheiten. |
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| Die Gefahr
eines Auseinanderfallens des Reiches bestand nicht nur auf der Seite der armenischen Bevölkerung sondern auch auf der Seite der Kurden und der Araber. Daher die Entwicklung der panislamischen These, um einerseits den Zerfall des Reiches zu ver- hindern und andererseits sowohl die Einigung der Kurden untereinander als der Araber zu verhindern. Gemäß dieser These sah der Sul- tan in der in Stämme und Clans zersplitterten |
kurdischen
Bevölkerung seine große Chance, vor allem, weil die Kurden und die Armenier seit Jahrtausenden in diesem Gebiet zusammenleb- ten. Er versuchte die kurdischen Fürsten bzw. Stammesführer zu überzeugen, dass die christ- lichen Armenier mit Hilfe anderer imperialen Staaten wie Russland, England und Frankreich "das Osmanische Reich zerstören und auf dem Gebiet Kurdistans einen christlich-armenischen Staat errichten wollten." |
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| Es sollte
also nicht nur eine Front des isla- mischen Völkerbundes innerhalb des Reiches geschaffen werden, sondern besonders eine Front der kurdischen Stämme gegen die Be- strebungen der Armenier, einen Staat 'West- armenien' im mehrheitlich von Kurden bewohn- |
ten Kurdistan
ins Leben zu rufen. Deswegen ließ der Sultan 1891 die sogenannten 'Beritte- nen Hamidiye Regimenter' (Hamidiye Alaylari) bilden. Der Name Hamidiye ist vom Namen des Sultans abgeleitet. Die Regimenter sollten direkt ihm unterstellt werden. |
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| Für die
Söhne der kurdischen Stammesführer ließ der Sultan in Istanbul eine Offizierschule errichten. In den kurdischen Städten wurden Militärschulen für die Angehörigen der Stäm- me errichtet. Trotz der Weigerung der meisten |
der 51
kurdischen Stämme im Osmanischen Reich gelang es dem Abdulhamid-Regime, 13 Stämme zu überzeugen, diese Regimenter zu bilden, und zwar hauptsächlich im Gebiet Ser- had. |
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| Die Dokumente
des Osmanischen Reiches und die Berichte der damaligen Vertretun- gen der europäischen Mächte sowie von Russland belegen, welche Rolle diese Regi- menter nicht nur beim Völkermord an Arme- niern gespielt haben. Auch die aufsässigen kurdischen Stämme sowie die assyrische |
Minderheit
und dieYezidi-Kurden wurden von ihnen verfolgt. Sultan Abdulhamid wollte mit der Bildung der Hamidiye-Regimenter nicht nur die armenische Nationalbewegung im kurdischen Gebiet zerschlagen, sondern auch die Bildung einer kurdischen Nationalbewegung verhindern. |
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| Neben
den regulären Armee-Einheiten setzte also das Abdulhamid-Regime auch diese Re- gimenter gegen die aufständischen Armenier in der mehrheitlich von den Kurden bewohnten Regionen ein. Diese Regimenter standen bis 1908 unter der Befehlsführung der kurdischen Offiziere, die in Istanbul ausgebildet wurden. Mancher dieser Offiziere waren gleichzeitig auch Stammesführer und wandten sich in den kurdischen Regionen, je nach ihrer Interessen- |
lage,
auch gegen die Befehle des Sultans und seiner Generäle. So weigerten sie sich, an Mi- litäroperationen teilzunehmen und Plünderun- gen vorzunehmen. Deshalb wurde ihnen die Führung der Regimenter entzogen und an türki- sche Offiziere gegeben. Diese Offiziere waren hauptsächlich Mitglieder der Jungtürkischen Be- wegung, die in dieser Zeit die Macht in Istanbul übernommen hatten. |
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| Die Jungtürken
strebten im Gegensatz zu Sul- tan Abdulhamid nicht einen panislamistischen osmanischen Rumpfstaat, sondern einen pan- turanistischen (pantürkischen) Staat von Klein- asien bis zu Mittelasien. Diese nationalistisch- rassistische These, aus dem Nichts eine groß- türkische Nation hervorzubringen, schloss gleichzeitig die Realität eines Vielvölkerstaates |
auf dem
verbliebenen Gebiet des Osmanischen Reiches aus. Die Jungtürken gingen gegen die nichtmuslimischen Minderheiten viel brutaler vor als das Abdulhamid-Regime. Der Deportations- bzw. Vernichtungsplan gegen die Armenier wur- de von der jungtürkischen Führung ausgearbei- tet und umgesetzt. |
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| Ein Motto
der damaligen türkischen Offiziere ist heute noch unter der kurdischen Bevölke- rung bekannt. "Bei der Hinfahrt werden wir die Lolos (Armenier) und auf der Rückfahrt die Zo- zos (Kurden) erledigen". Gemäß dieses Mottos |
haben
die Jungtürken während des ersten Welt- krieges nicht nur ein Völkermord an den Arme- niern begangen. Hunderttausende Kurden, ins- besondere Yezidi-Kurden, und Assyrer wurden Opfer dieser barbarischen Politik. |
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| Heute
noch ist in der Türkei die Diskussion dieses Themas Tabu. Jeder, der es wagt, we- gen dieses Völkermordes Kritik an dem da- maligen Regime zu üben, muss mit der Härte der türkischen Justiz rechnen. Die angebliche Aussage des Priesters der syrisch-orthodoxen Kirche in Diyarbakir gegenüber einigen Touri- sten, "ein Völkermord hat damals nicht nur |
gegen
die Armenier stattgefunden sondern auch gegen die Assyrer" hat ihm einen Pro- zess vor dem Staatssicherheitsgericht in Di- yarbakir beschert. Am 23. April wird bei der nächsten Verhandlung dieses Falles mit einer Strafe gerechnet. Auch Journalisten oder Schrift- steller, die diese Tragödie thematisiert haben, wurden zu mehrjährigen Strafen verurteilt. |
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| Das hartnäckige
Leugnen des Völkermordes und die Behauptung, in den westanatolischen Regionen nicht gegen die armenische Bevöl- kerung vorgegangen zu sein und keine Depor- tationen vorgenommen zu haben, wird auch durch die Erklärung des heutigen General- stabs widerlegt. Denn nicht nur die Führung der Armenischen Komitees war für das Sul- tanat gefährlich, sondern die gesamte arme- |
nische
Bevölkerung, die vielerorts mit dieser Führung im Einklang stand. Das Regime ver- haftete nicht nur diese Führung, sondern auch armenische Offiziere, Beamte und Händler, die im Dienste des Staates standen. Die Deporta- tions- und Vernichtungsstrategie der jungtürki- schen Führung in Istanbul wurde durch das Ge- setz 'Sevk ve Iskan' planmäßig umgesetzt. |
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| Durch
Aufstacheln der islamischen Bevölke- rung wurde also eine Hetzjagd gegen die Ar- menier betrieben. Geschäfte und Häuser von den armenischen Untertanen wurden in Brand gesteckt, ihr Hab und Gut beschlagnahmt. Um |
armenischen
Persönlichkeiten 'den Verrat nach- zuweisen', wurden fingierte Anklagen bzw. Be- schuldigungen erhoben. Die Armenier wurden in die Massenlager gesteckt, um sie dann plan- mäßig zu deportieren. |
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| Es begann
ein Exodusversuch der armeni- schen Bevölkerung im gesamten Kleinasien, um sich vor den regulären Armee-Einheiten, den kurdischen Hamidiye-Regimenter und dem wild gewordenen Mob zu retten. Die |
Tragödie
dieses Exodusversuches wird in dem Roman von Franz Werfel, 40 Tage Musa Dag, verdeutlicht. Dieser Roman ist heute noch in der Türkei verboten. |
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| Hierbei
sind viele Fragen zu klären. Wie viel haben die armenischen Komitees und neuge- gründeten Parteien wie Taschnaks zu dieser Entwicklung beigetragen? Wieso konnte es zu einer Beteiligung bzw. Vereinnahmung der Kurden an diesem Völkermord kommen? Wa- rum sind zwei Völker, die Jahrtausende lang |
ohne große
Auseinandersetzungen zusammen- gelebt haben, zu Gegnern geworden? Welche Rolle haben die imperialistischen europäischen Staaten und Russland, die das Osmanische Reich unter sich aufteilen wollten, damals tat- sächlich gespielt und wie haben sie zu diesem Völkermord beigetragen? |
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Fazit
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| Durch
hartnäckige Weigerung der türkischen Seite, das Unrecht anzuerkennen und sich bei den Armeniern zumindest für diese Tragö- die zu entschuldigen, und durch Druck und Drohungen gegenüber anderen Staaten wird sich die Türkei zusehends isolieren. Schon alleine durch den Handelsboykott gegen Frank- reich isoliert sich die Türkei selbst. Denn auch die Parlamente der EU, Italiens, Griechenlands und Russlands hatten ähnliche Armenier-Re- solutionen verabschiedet. Im US-Präsident- |
schaftswahlkampf
forderten die Republikaner, Schulen zu verpflichten, über den Genozid an den Armeniern zu informieren. In Israel gab es eine Debatte, neben dem Holocaust auch des Völkermords an den Armeniern zu gedenken. Bald werden das britische Unterhaus und an- dere europäische Parlamente darüber debattie- ren, was den Armeniern im Osmanischen Reich Ende des 19. und Beginn des 20. Jahr- hunderts angetan wurde. |
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| In der
Türkei stößt dies bis in die Reihen der kritischen Intelligenz auf Unverständnis. "Die sollen doch erst einmal zugeben, was sie in Algerien angestellt haben", heißt es im Falle Frankreichs. Die Deportation, Vertreibung und Ermordung hunderttausender Armenier zwi- schen 1915 und 1920 sind aus offizieller Sicht Teil des Krieges, den das Osmanische Reich damals an der Seite Deutschlands und Öster- reichs gegen Russland führte. Man habe ar- menische Aufständische im Grenzbereich zu Russland eben deportieren müssen - da könne doch von Völkermord keine Rede sein. Eine |
Überprüfung
dieser These will die Türkei nicht zulassen. Für Historiker, die der offiziellen Po- sition kritisch gegenüberstehen, sind die os- manischen Archive de facto geschlossen. Und wer von Völkermord spricht, wird strafrechtlich verfolgt. Statt dessen klagt Ankara lieber über die einflussreiche armenische Lobby. Die finde überall dort, wo man gegen eine Annäherung der Türkei an die EU sei, offene Ohren. Nur wenige Politiker und Publizisten schlagen vor, endlich die Aussöhnung mit den armenischen Nachbarn einzuleiten. (Quellen: Hürriyet, 23.- 25.1.01; taz, 24.1.01) |
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| Die türkische
Bevölkerung und die Politik wer- den in Zukunft noch so lange mit dieser histo- rischen Frage konfrontiert werden, wie sich die Türkei einer offenen Auseinandersetzung mit dieser Tragödie verweigert. Türken sowie Kur- den, und zwar jedes Volk für sich, müssen sich |
mit ihrer
Vergangenheit nicht nur auseinander- setzen sondern sie auch verarbeiten. Gerade die Türkei muss diese historische Schuld an- erkennen und sich beim armenischen Volk ent- schuldigen. |
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| Abubekir
Saydam, Büroleiter Bonn, 19.2.2001 |