Der Völkermord an den Armeniern

- Eine Lektion in Nationalismus -

Vielleicht hat der eine oder die andere in der letzten Zeit verwundert registriert,
welchen Amoklauf die türkische Regierung unternimmt, um eine Verurteilung
des nun achtzig Jahre zurückliegenden Völkermordes an den Armeniern durch
das französische, das italienische oder das englische Parlament zu verhindern.
Da werden wütende Demonstrationen organisiert, zu Brief-, Fax- und eMail-
Kampagnen an Abgeordnete aufgerufen und Wirtschaftssanktionen angedroht.

Vielleicht sollten wir uns nicht gar so sehr verwundern und uns lieber die Dis-
kussionen der letzten Monate um die Ausstellung „Die Verbrechen der Wehr-
macht“ in Erinnerung rufen. Sowieso scheint es mancherlei aufschlußreiche
Parallelen zwischen der Verarbeitung des Völkermordes an den Armeniern in
der Türkei und der hiesigen Verarbeitung der deutschen Geschichte dieses
Jahrhunderts zu geben.

Kein Anlaß also, um von hoher Warte aus anklagend mit dem Finger auf andere
zu deuten - schon gar nicht gegen die Türken beziehungsweise die Kurden, zu-
mal nicht wenige Schriftsteller und Verleger in der Türkei im Gefängnis sitzen
oder zu beträchtlichen Geldstrafen verurteilt wurden, gerade weil sie sich um
eine Aufarbeitung dieses Verbrechens bemühen. Diesem Risiko war hierzulande
niemand ausgesetzt.

Deutsch-kurdische Gesellschaft Kassel und Umgebung
Oktober 1998

Wir haben für diese Webseite ganz unterschiedliche Beiträge ausgewählt:

 

Editorial: Was ist Armenien? (frei nach Geworg Emins)

Wilhelm LEPSIUS, Der Weg des Grauens (1916)

Ein drastischer Augenzeugenbericht des deutschen Arztes an das deutsche Konsulat über die Deportationen von Armeniern, der seinerzeit der deutschen Kriegszensur anheimfiel.

Taner AKÇAM, Der Völkermord an den Armeniern und das Schweigen der Türken (1995)

Die Auseinandersetzung des türkischen Historiker mit der 'Sichtweise der Täter' ist nicht nur im Hinblick auf die Besonderheiten des türkischen Nationalismus hochaktuell, diskussionswürdig sind auch die Bezüge und Parallelen zur deutschen Geschichte.

Wolf-Dieter HÜTTEROTH, Bergnomaden und Yaylabauern im mittleren kurdischen Taurus (1959)

Auszüge dieser Doktorarbeit im Fachgebiet Geographie vermitteln einen Eindruck, welch tiefgreifende Veränderung die ursprünglich vielfältige kurdische Nomaden- und Bauerngesellschaft durch die Vernichtung des christlichen Teils ihrer Bevölkerung erfahren hat.

Hellmut CHRISTOFF, Kurden und Armenier, Eine Untersuchung über die Abhängigkeit ihrer Lebensformen und Charakterentwicklung von der Landschaft (1935) (noch nicht fertiggestellt)

Auszüge aus dieser wissenschaftlichen Schrift dokumentieren, wie sich armenische und kurdische Bevölkerung - in der Zeit vor dem Völkermord - in ihrer Lebens- und Wirtschaftsweise gegenseitig ergänzten und wie sehr sie aufeinander angewiesen waren.

Kartenmaterial

Schließlich führen wir noch einen anonymen Beitrag (in englischer Sprache) auf
- nicht wegen der sogenannten 'Ausgewogenheit', sondern um darzustellen, wie
die nationalistische türkische Seite argumentiert:

The Armenian Issue in Nine Questions and Answers


Presseartikel