Bericht des deutschen Arztes Wilhelm Lepsius an das deutsche Konsulat in der Türkei über die Deportationen von Armeniern im Jahre 1916. Hier nachträglich als Flugblatt veröffentlicht, das zur Spende für die armernischen Waisenkinder aufrufen soll. Der eigentliche grauenhafte Bericht durfte wegen der Kriegszensur und der am Massaker beteiligten Deutschen nicht veröffentlicht werden.

 

 

 

Der Weg des Grauens

Flugblatt (Potsdam 1920)

Aleppo, den 6. Februar 1916
Sehr geehrter Herr Konsul,

Ihrer Aufforderung entsprechend überreiche ich Ihnen im folgenden ergebenst eine schriftliche Aufzeichnung über die auf der Reise von Bagdad nach Aleppo erhaltenen Eindrücke, die ich während der Wagenfahrt mit halberstarrten Fingern in Schnellschrift in mein Notizbuch einkritzelte. Sie geben daher den an Ort und Stelle unmittelbar gewonnenen Eindruck wieder:

Auf dem Wege von Bagdad nach Aleppo berührt man folgende 21 Stationen: Bagdad, Abu Messir, Feludscha, Romedi, Hit, Bagdadi, Hadisse, Fahime, Ane, Nihije, Abu Kemal, Selahije, Mejadin, Der Sor, Tibni, Sabha, Hamam, Abu Hureire, Meskene, Der Hafir, Aleppo. Sie liegen etwa 60 km voneinander entfernt. Von einer zur andern fährt man im Wagen, Trab und Schritt abwechselnd, durchschnittlich 6 bis 8 Stunden, d.h. eine Tagesreise. Fußgänger dagegen dürften von einer Station bis zur nächsten wohl drei Tagesmärsche brauchen. Zwischen den einzelnen Stationen ist vollkommen unbewohntes Wüstenland, nur stellenweise mit niedrigem Gestrüpp bewachsen. Auf mehreren Stationen findet selbst der einzelne Reisende keine Lebensmittel und kein Brot. Der Weg führt zwar am Euphrat entlang, folgt aber nicht allen Windungen, sondern schneidet ab. Manche Stationen liegen meilenweit entfernt vom Flusse. Auf den Stationen meist Brunnen. Der Fußgänger aber, der von einer Station zur anderen drei Tage unterwegs ist, muß Wasser mitnehmen, wenn er nicht verdursten will.

Am 17. Januar d. Js. bin ich von Bagdad abgefahren. Am 23. Januar kam ich in Hadisse an. Dort sah ich den ersten Armeniertransport, etwa 50 Personen, fast nur Männer, sie trugen tür kische Bauernkleidung und schwarz-weiß gestreifte Jacken.

Am 24. Januar kam ich nach Ane. Unterwegs begegnete ich etwa 30 Armeniern, nur Männern, die unter Gendarmeriebedeckung in der Richtung auf Der Sor gingen. Unser Kutscher sagte, es sei gut, daß es so kaltes Wetter sei, denn sonst würde man es auf dem Wege nicht aushalten können vor dem Gestank der dort verwesenden Armenierleichen. Fast jeder dieser Armenier hatte ein oder zwei Lasttiere bei sich, die ausschließlich mit Lebensmitteln beladen sind. Der Kutscher sagt, solange der auf diesen Lasttieren untergebrachte Vorrat an Datteln reiche, gehe es den Armeniern gut. Sobald er aber zu Ende sei, müßten sie wohl verhungern, denn selbst wenn sich jemand bereit fände, einem Armenier irgend etwas zu fast unerschwinglichem Preise zu verkaufgen, so reichten die auf dem Wege tatsächlich vorhandenen Lebensmittelvorräte auch nicht für den zehnten Teil der Verschleppten aus.
Infolge der bitteren Kälte erkrankt der Kutscher während der Fahrt an Lungenentzündung. Ich kutschiere selbst. Auf der nächsten Station engagiere ich als Aushilfe einen Araberjungen.

Am 26. Januar überhole ich einen Armeniertransport von 50 Männern. In Abu Kemal, einer „größeren“ Station (die meisten andern bestehen nur aus zwei bis drei Häusern), bedient uns im Chan (Karawanserei) ein 16jähriger Armenierjunge Artin aus Zeitun. Im Chan und allen Stallungen sowie in der ganzen Ortschaft viele Armenier untergebracht. Auch einige Frauen und Kinder.

Am 28. Januar traf ich in Selahije vier deutsche nach Bagdad reisende Offiziere, die mir versicherten, daß sie im Kriege im Osten und Westen manches gesehen hätten, daß aber das, was sich auf dem Wege von Aleppo-Der Sor dem Auge darbiete, das Grauenvollste sei, was sie je gesehen hätten.

Am 29. Januar Mejadin. Im Chan, der eng mit Armeniern belegt ist, starker Fäulnisgestank. Der Kutscher des Gepäckwagens erkrankt an Fieber. Mein Diener kutschiert.

Am 30. Januar Der Sor. Die größte Ortschaft auf der Strecke. Hier zahlreiche Armenier, sicher über 2000. Alle Häuser und Chans sind mit ihnen belegt. Im Chan, in dem ich absteige, wieder derselbe Fäulnisgestank wie in Mejadin. Überfüllt mit Armeniern. Zahlreiche Frauen, die sich lausen. Auch viele junge Mädchen und kleine Kinder. Auf den Straßen der sauberen kleinen Stadt viele Armenier jeden Alters und beiderlei Geschlechts in türkischen Bauernkleidern, aber auch viele, offenbar besseren Ständen angehörende in europäischer Zivilkleidung. Junge Mädchen in gut sitzenden europäischen Kleidern. Ich treffe hier fünf deutsche Offiziere und einen deutschen Arzt, die nach Bagdad reisen. Sie erzählen, daß auf der Strecke Aleppo-Der Sor viele an Flecktyphus zu Grunde gegangen sind. Die Herren haben in 3 Stunden 64 Leichen, die am Wege lagen, gezählt. Auch eine Mutter mit ihrem dreijährigen Kinde liege am Wege, beide tot. Viele der Armenier kämen aus Konstantinopel.

Der Sor ist ein freundliches Städtchen mit geraden Straßen und Bürgersteigen. Die Armenier genießen vollkommene Freiheit, können tun und lassen, was sie wollen ... auch in bezug auf ihre Nahrung, die sie sich selbst kaufen müssen. Wer kein Geld hat, bekommt nichts. Andon aus Ankara verkauft mir seine goldene Uhr für 1 türkisches Pfund, Stepan aus Brussa ein Medaillon mit dem Muttergottesbild für 3 Medschidije (türkisches Talerstück). Als ich bei der Abfahrt ihnen diese Familienandenken wieder zustecken will, sind die beiden Armenier verschwunden und trotz Suchens nicht zu finden. Sie fürchten offenbar, daß ich den Kauf rückgängig machen will. Das Geld verlängert ihr Leben um einige Tage. - Ich habe beide Gegenstände dem Konsulat in Aleppo übergeben, für Rechnung der Eigentümer, unter Verzicht auf jeden Anspruch. - In der Gemeindelesehalle in Der Sor versammeln sich die vornehmeren Armenier, ein Arzt, zwei Geistliche und mehrere Kaufleute. Ein armenischer Gastwirt ist dort Ökonom. - Professor Külz, auf der Durchreise nach Bagdad, behandelt meinen an Lungenentzündung kranken Kutscher. Krisis bereits überwunden. Ich ziehe dem Kutscher drei wollene Hemden an, er muß wieder selbst kutschieren: der als Aushilfskutscher engagierte Araberjunge ist weggelaufen und spurlos verschwunden, und niemand in Der Sor ist bereit, mit uns zu fahren, ... denn hinter Der Sor beginnt der Weg des Grauens.

Es zerfiel für mich in zwei Teile: den ersten Teil von Der Sor bis Sabha, auf dem ich aus der Lage der Leichen, dem Zustande ihrer Zersetzung und Bekleidung, sowie aus den herumliegenden Wäschefetzen, Kleidungsstücken und Hausgerätteilen, mit denen die Straße besät ist, mir ein Bild machen konnte von dem, was sich hier abgespielt hat: wie die allein in der Wüste herumirrenden Nachzügler schließlich zusammengebrochen und mit vor Schmerz entstelltem und verzerrtem Gesicht in Verzweiflung verendet sind, und wie andere wieder, dank des heftigen Nachtfrostes schneller erlöst werden und friedlich entschlummert sind, wie einige durch arabische Räuber nackt ausgezogen worden sind, während andern die Kleider durch Hunde und Raubzeug in Fetzen vom Reibe gerissen wurden, wie andere nur die Schuhe und Oberkleidung verloren haben und andere schließlich vollkommen angezogen neben Sack und Pack liegend erst kürzlich zusammengebrochen sind ... wohl beim letzten Transport, während die blutigen und halbgebleichten Skelette an die vorhergehenden Transporte erinnern; und in den zweiten Teil von Sabha bis Meskene, wo ich das Elend nicht mehr erraten brauchte, sondern den Jammer mit eigenen Augen schauen mußte; ein großer Armeniertransport war hinter Sabha an mir vorbeigekommen, von der Gendarmeriebedeckung zu immer größerer Eile angetrieben, und nun entrollte sich mir in leibhaftiger Gestalt das Trauerspiel der Nachzügler. Ich sah am Wege Hungernde, Dürstende, Kranke, Sterbende, soeben Verstorbene, Trauernde neben den frischen Leichen; und wer sich nicht schnell von der Leiche des Angehörigen trennen konnte, setzte sein Leben aufs Spiel, denn die nächste Station oder Oase liegt für den Fußgänger drei Tagesmärsche entfernt. Von Hunger, Krankheit, Schmerz entkräftet taumeln sie weiter, stürzen, bleiben liegen. - Mein Vorrat an Brot, Wasser, Trinkbarem und Eßbarem ist bald erschöpft. Ich will einem Dürstenden Geld geben. Er holt selbst Geld heraus und bietet mir einen Medschidije, etwa 4 Mark, für ein Glas Wassen. Ich habe keinen Tropfen mehr.
Erst zwischen Meskene und Aleppo sieht man keine Armenier und keine Leichen mehr, denn die Transporte haben zum großen Teil Aleppo nicht berührt, sondern sind über Bab gegangen.

Am 31. Januar um 11 Uhr vormittags war ich von Der Sor abgefahren. Drei Stunden lang sehe ich keine einzige Leiche und ich hoffe schon, die Erzählungen möchten übertrieben sein.
Dann aber beginnt die grauenhafte Leichenparade:

1 Uhr nachmittags: Links am Wege liegt eine junge Frau. Nackt, nur braune Strümpfe an den Füßen. Rücken nach oben. Kopf in den verschränkten Armen vergraben.

1,30 Uhr nachmittags: Rechts am Wege in einem Graben ein Greis mit weißem Bart. Nackt. Auf dem Rücken liegend. 2 Schritte weiter ein Jüngling. Nackt. Rücken nach oben. Linkes Gesäß herausgerissen.

2 Uhr nachmittags: 5 frische Gräber. Rechts ein bekleideter Mann. Geschlechtsteil entblößt.

2,5 Uhr nachmittags: Rechts ein Mann, Unterleib und blutender Geschlechtsteil entblößt.

2,7 Uhr nachmittags: Rechts ein Mann in Verwesung.

2,8 Uhr nachmittags: Ein Mann, vollkommen bekleidet, auf dem Rücken, Mund weit aufgerissen, Kopf nach hinten gestemmt, schmerzentstelltes Gesicht.

2,10 Uhr nachmittags: Ein Mann, Unterkörper bekleidet, Oberkörper angefressen.

2,15 Uhr nachmittags: Spur einer Abkochstelle. Überall auf dem Wege Wäschefetzen.

2,25 Uhr nachmittags: Links am Wege eine Frau auf dem Rücken liegen, Oberkörper in einen um die Schulern genommenen Schal eingehüllt, Unterkörper angefressen, nur die blutigen Schenkelknochen ragen noch aus dem Tuch.

2,27 Uhr nachmittags: Viel Wäschefetzen.

2,45 Uhr nachmittags: Viel Wäschefetzen.

3,10 Uhr nachmittags: Spuren einer Abkochstelle und eines Lagerplatzes. Viel Wäschefetzen, Feuerstellen, ein Kohlenbecken, sechs Männerleichen, nur noch mit Hosen bedeckt, Oberkörper nackt, liegen um eine Feuerstelle.

3,22 Uhr nachmittags: 22 frische Gräber.

3,25 Uhr nachmittags: Rechts ein bekleideter Mann.

3,28 Uhr nachmittags: Links ein nackter Mann, angefressen.

3,45 Uhr nachmittags: Blutiges Skelett eines etwa zehnjährigen Mädchens, langes blondes Haar liegt mit weit geöffneten Armen und Beinen mitten auf dem Weg.

3,50 Uhr nachmittags: Viel Wäschefetzen.

3,55 Uhr nachmittags: Links vollkommen bekleideter Mann mit schwarzem Bart mitten auf dem Wege auf dem Rücken liegend, als sei er eben vom Felsblock, der links am Wege steht, abgestürzt.

4,3 Uhr nachmittags: Eine Frau, in ein Tuch eingehüllt, an sie gekauert ein etwa dreijähriges Kind in blauem Kattunkleidchen. Kind wohl neben der zusammengebrochenen Mutter verhungert.

4,10 Uhr nachmittags: 17 frische Gräber.

5,2 Uhr nachmittags: Ein Hund frißt an einem Menschenskelett.

5,3 Uhr nachmittags: Ankunft in der Station Tibni. Nur ein Chan, sonst keine Häuser. Keine Armenier.
 
                                      Armenische Bauern
 

 


1. Februar 1916:

8,2 Uhr vormittags: Abfahrt von Tibni. Ein neuer Junge als Aushilfskutscher angestellt.

8,33 Uhr vormittags: Links ein nackter Junge. Dicht daneben Spuren eines Lagerplatzes. Kinderschuhe, Frauenschuhe, Galoschen, Hosen, Wäschefetzen, die im fol genden nicht mehr einzeln erwähnt werden, da der ganze Weg damit besät ist.

9,4 Uhr vormittags: Links eine Leiche in Verwesung.

11 Uhr vormittags: Links ein blutiges Skelett.
 
11,3 Uhr vormittags: Links ein blutiges Skelett.
       
11,33 Uhr vormittags: Links ein blutiges Skelett.
       
12,5 Uhr nachmittags: Spuren eines Lagerplatzes, viel Kleidungsstücke, Blechbehälter, alte Steppdecken, eine Kinderhaube.
       
2,7 Uhr  nachmittags: Ein Skelett.
Wegen des eisigen Windes von rechts hatte ich auf einer Seite des Wagens die Vorhänge zugezogen, so daß ich die rechts am Wege liegenden Leichen an diesem Tage nicht gesehen habe.
       
4,30 Uhr nachmittags: Ankunft in Sabha. Das Dorf ist voll von armenischen Familien, die offenbar schon vor längerer Zeit hierhergekommen sind und sich hier kleine Steinhäuser gebaut haben. Alle Chane vollgestopft mit Armeniern. Ich fahre durch das Dorf durch, um außerhalb im Wagen zu schlafen, werde schließlich vom Mudir in der Schule untergebracht, wo ich ein gutes Zimmer bekommen. Im Dorfe auch einige junge Frauen und Mädchen, die anscheinend besseren Ständen angehören, die Kinder dieser Familien sind mit guten europäischen Wollsachen bekleidet. Die Steinhäuser des Dorfes sind von den besseren Familien bewohnt. Rings um das Dorf herum lagern die Ärmeren in Hütten und Zelten. Ein Zeltlager, dicht neben dem Dorf, etwa 150 Zelte. Die Hütten aus Kistenbrettern zusammengehämmert. - Der Türhüter der Schule klagt über die große Teuerung, die durch die Armenierverschleppung über das Dorf gekommen sei. Früher habe man sechs Eier für einen Metallik bekommen, jetzt koste ein einziges Ei drei bis vier Metallik. Die reicheren Armenier kauften die Nahrungsmittel zu jedem Preise auf, um das Dasein ihrer Familien sicher zu stellen, die ärmeren hungerten. Für die Häuser müßten sie an die Grundeigentümer Miete bezahlen.

 

2. Februar 1916:

9 Uhr vormittags: Abfahrt von Sabha.
     
9,45 Uhr vormittags: Links ein Menschenschädel. Dem als Aushilfskutscher angestellten Jungen gehen die Pferde mit dem Gepäckwagen durch, werden aber nach einigen Minuten abseits vom Wege wieder eingefangen.
       
1,55 Uhr nachmittags: Ein Armeniertransport. Über 20 Ochsenwagen mit Säcken und Hausgerät beladen. Darauf Frauen und Kinder. Außerdem viele Fußgänger mit Säcken auf dem Rücken. Der Transport hat gerade Halt gemacht. Auf einem Sack an der Erde liegt eine stöhnende Frau. Einige behaupten in ihrer Verzweiflung, sie seien persische Untertanen, weil sie mich wegen meiner Pelzmütze für einen persischen Beamten halten. Die mit Peitschen bewaffneten Gendarmen treiben zum Aufbruch an.
       
2,5 Uhr nachmittags: Ein Junge ist mit seinem Packen am Wege zusammmengebrochen, bewegt noch die Beine.
       
2,7 Uhr nachmittags: Eine alte Frau führt ein etwa 12jähriges Mädchen an der Hand, beide stark er- schöpft.
       
2,8 Uhr nachmittags: Ein Junge kommt vorbei mit Zeltstange und schwerem Gepäck auf dem Rücken. Hinter ihm ein alter Mann, eingehüllt in ein Kaffeetischtuch.
       
2,30 Uhr nachmittags: Ein kranker Armenier mit gerolltem Tuch um den Oberkörper bietet mir vergeblich Geld für einen Trunk Wasser. Ich habe keinen Tropfen mehr.
       
2,31 Uhr nachmittags: Ein führerloser Karren mit zwei Pferden. Mit Säcken beladen. Auf den Säcken eine stöhnende junge Frau mit geschlossenen Augen.
       
2,32 Uhr nachmittags: Eine weinende Greisin am Wege.
       
2,33 Uhr nachmittags: Zwei teilnahmslos vor sich hinstierende Männer sitzen am Wege.
       
2,34 Uhr nachmittags: Eine schluchzende Frau, etwa 25 Jahre alt, kauert neben einem etwa 30 Jahre alten Manne. Dieser nur mit Hemd und Hose bekleidet, soeben gestorben, lang ausgestreckt.
       
2,57 Uhr nachmittags: Ein Greis, nackt, dem linke Bein abgefressen ist.
       
3,30 Uhr nachmittags: Rechts ein kleiner Junge, nur mit Hemd bekleidet, neben ihm ein Hund; Rock liegt etwas weiter weg.
       
3,33 Uhr nachmittags: Links ein offenes Grab.
       
3,55 Uhr nachmittags: Rechts ein etwa 4jähriges Kind in blauem Hemde.
       
3,36 Uhr nachmittags: Links am Wege ein großes Lager von etwa 500 Zelten zu sehen. 20 frische Gräber. Eine Frau mit Säugling im Arm, beide tot.
       
3,37 Uhr nachmittags: Links 5 frische Gräber. Ein Mann tot.
       
3,38 Uhr nachmittags: Ankunft in Hamam. Besteht nur aus 2 Häusern: der Gendarmeriestation und dem Chan. Die Armenier, etwa 5000, sind in dem oben erwähnten Zeltlager untergebracht. Mitten in der "Ortschaft" eine angefangene Hütte. Daneben ein toter Mann. Das Kommando der Gendarmeriewache in Hamam haben zwei Kriegsfreiwillige übernommen, die seit 15 Tagen hier sind. Sie klagen über die Mißstände, denen sie ohnmächtig gegenüberstehen. Jeden Tag kämen neue Armenier an, die sie laut Befehl weiterschieben müßten. Es sei aber nichts zu essen da. Daher bleibe nichts anderes übrig, als die Hungernden sobald wie möglich weiterzuschicken, damit die Leichen wenigsten nicht in der Ortschaft lägen. Auf die Frage, warum die Armenier nicht wenigstens die dicht am Feldlager liegenden Toten beerdigten, wurde mir geantwortet, sie hätten keine Kraft mehr dazu, zumal der Boden jetzt hart gefroren sei. Die meisten von ihnen hätten den Flecktyphus. Das türkische Beerdigungskommando arbeite von früh bis in die Nacht, ohne die Arbeit bewältigen zu können. Ein alter Gendarm sagt, er sei seit 25 Tagen hier. Er gönne den Armeniern ihre Strafe, weil einige von ihnen gegen den Padischah gearbeitet hätten. Aber dann solle man sie verurteilen und erschießen und nicht langsam zu Tode martern. Er könne es nicht mehr aushalten und werde sicher den Verstand verlieren, wenn er diesen grenzenlosen Jammer noch länger mit ansehen müsse. Auf meine Frage an die beiden Kommandanten, warum sie nicht Bericht erstatteten, erfolgte die bezeichnende Antwort: "Effendim, hükümetin emri! Basch üstüne! (Mein Herr, Befehl der Regierung! Zu Befehl!)"

 3. Februar 1916:
 
8,20 Uhr vormittags: Abfahrt von Hamam. Eisige Kälte. Alle Pfützen gefroren. Drei Männer, die tags zuvor am Tor in der Sonne saßen, sind erfroren. Ich kaufe den gesamten noch vorhandenen Brotvorrat auf, d.h. 6 Laib Brot.
       
8,50 Uhr vormittags: Links eine Leiche in Verwesung.
       
9,1 Uhr vormittags: Ein Skelett mit Strümpfen.
       
9,40 Uhr vormittags: Eine bekleidete frische Leiche.
       
10,10 Uhr vormittags: Eine bekleidete frische Leiche, Gesicht schwarz.
       
10,20 Uhr vormittags: Bekleidete frische Leiche, Beine angefressen, Gesicht schwarz.
       
10,26 Uhr vormittags: Bekleidete frische Leiche, Kopf verhüllt.
       
10,30 Uhr vormittags: Rechts bekleidete frische Leiche, Gesicht schwarz.
       
10,31 Uhr vormittags: Links ein Pferd mit Sattel ohne Reiter am Wege stehend.
       
10,57 Uhr vormittags: Links eine Leiche mit Tuch zugedeckt.
       
11,48 Uhr vormittags: Eine junge Frau, ganz frisch. Blaue Pumphosen, schwarze Jacke. Friedlicher Gesichtsausdruck. Gesicht braun.
Der Kutscherjunge hat sich Steine gesammelt und bombardiert damit die Leichen der "Ungläubigen". Er bekommt von meinem persischen Diener eine Tracht Prügel.

12,5 Uhr nachmittags: Links eine zerrissene Leiche. Ein vollkommen bekleidetes Bein. Das andere, bis auf die Knochen abgenagt, etwas weiter weg. Ein offenes Grab daneben.
   
12,25 Uhr nachmittags: 10 frische Gräber.
       
12,35 Uhr nachmittags: Rechts ein nackter Junge. Kopf ohne Schädel.
Der Gepäckwagen stürzt um. Ein Pferd durch Beinbruch unbrauchbar geworden. Der kutschierende Araberjunge bekommt von mir selber eine Tracht Prügel und redet mich seitdem nicht mehr mit Effendi, sondern mit Bey an.
       
12,45 Uhr nachmittags: 6 Ochsenwagen mit armenischen Familien und Gepäck und viele Fußgänger kommen vorbei. Rechts am Wege zwei große Zeltlager, zusammen etwa 600 Zelte, 6000 Personen. Beide Lager beim Aufpacken. Kinder, Frauen, Tote, Kranke, alles durcheinander. Dazwischen viel Unrat. Keine Latrinen. Einige Männer machen einen Rundgang, stoßen jeden am Boden Liegenden mit dem Fuße an, um zu sehen, ob er tot. Die Aufbrechenden schleppen noch viel Hausgerät, Zelte, Decken usw. mit, während auf den entfernteren Strecken die Leute ihre Tiere und sich vorwiegend nur mit Lebensmitteln bepacken.
       
1 Uhr nachmittags: Ankunft in Abu Hureire. Am Euphrat. Armenier aus den Zeltlagern kommen mit Eimern und schöpfen Wasser am Euphrat. Ich gehe an den Fluß hinunter und fische zwei Eisplatten aus dem Euphrat. Dies mag beweisen, welche Kälte hier in der Nacht geherrscht hat. Zwei junge Mädchen kommen mit zwei Eimern. Sie sind gut gekleidet, tragen europäische dunkelblaue sogenannte Kostüme. Ihre Hände sind geschwollen und dunkelrot von der ungewohnten Arbeit im kalten Wasser. Drei Jungen von etwa, 6, 5, 4 Jahren begleiten sie. Die Mädchen sprechen außer türkisch etwas französisch, sind mißtrauisch, geben nicht an, woher sie kommen. Sie scheinen schon einige Tage mit ihrer Familie hier kampiert zu haben und die Leiden des Weges vergessen zu haben. Ihre Lebensmittel hätten bis heute gereicht, aber sie seien wohlhabende Leute und Papa wolle auf der nächsten Station wieder für einige Tage einkaufen. Bis Hamam, das von 6000 Personen bereits leer gegessen ist und wo es nichts mehr gibt, sind es für Fußgänger und die im Schritt gehenden Ochsengespanne aber zwei Tagesmärsche, und bis Sabha drei weitere Tage! Die nächste Station, in der man einkaufen kann, ist also für die Unglücklichen fünf Tagesmärsche entfernt, und vier Tage werden sie vielleicht hungern müssen! Ich habe noch 1 1/2 Laib Brot. Erst als ich ihnen erkläre, daß es auf der nächsten Station nichts gibt, nehmen sie die Gabe unter dem Vorbehalt an, sie an andere verteilen zu wollen, wenn es doch für Geld etwas zu kaufen gebe, und enfernten sich schnell mit kurzem Dank.
 
         Eine armenische 
Familie 
aus Erzurum 
 
 
 
       
1,52 Uhr nachmittags: Abfahrt von Abu Hureire.
       
2,27 Uhr nachmittags: Links eine Leiche in weißes Tuch eingewickelt.
       
2,30 Uhr nachmittags: Links drei Leichen, eine schon angefressen, eine frisch, Oberkörper nackt, eine schon verwesend.
       
2,35 Uhr nachmittags: Ein Mann mit Hemd und blauer Hose bekleidet, soeben gestorben. Zwei Mädchen sitzen weinend daneben.
       
2,36 Uhr nachmittags: Ein Mädchen mit rotblondem Haar, schwarzer Bluse und grauer Hose, auf dem Bauche liegend.
       
2,40 Uhr nachmittags: Eine verwesende Leiche, ein Geier darauf sitzend.
       
2,47 Uhr nachmittags: Leiche eines kleinen Mädchens, von Raubzeug zerfetzt. Schwarzes Haar. Knochen der Beine liegen überall herum. Fleischstücke herausgerissen. Ein Geier kreist darüber.
       
2,52 Uhr nachmittags: Eine Leiche im Tuch eingewickelt. Beine abgefressen.
       
2,53 Uhr nachmittags: Ein Junge liegt sterbend auf seinem Packen. Die Beine bewegen sich noch im Krampfe. Neben ihm weidet ein Hund eine Leiche aus.
       
2,55 Uhr nachmittags: Leiche eines noch vollständig bekleideten Knaben.
       
2,58 Uhr nachmittags: Zwei Menschenschädel und auseinandergerissene Skelettknochen.
       
2,59 Uhr nachmittags: Leiche eines Mannes, mit weißem Hemde und schwarzer Hose bekleidet. Rock daneben.
       
3 Uhr nachmittags: Ein dickgefressener, herumstreifender Hund. Fetzen von Steppdecken und Kleidungsstücken.
       
3,1 Uhr nachmittags: Rechts ein Greis. Wirbelsäule bloßgelegt, Beine abgefressen.
       
3,2 Uhr nachmittags: Mitten auf der Straße eine Wirbelsäule und ein Menschenschädel.
       
3,3 Uhr nachmittags: Eine Frau mit braunen Hosen, frisch. Zerrissene Steppdecke.
       
3,9 Uhr nachmittags: Eine Leiche. Kopf noch erhalten. Gesicht schwarz. Beine abgefressen. Bauch- und Brusthöhle geöffnet und ausgeweidet. Weißes Tuch um die Kinnbacken.
       
3,13 Uhr nachmittags: Großer weißer Hund, einer Leiche den Rock zerreißend und dann das Gesicht zerfleischend.
       
3,15 Uhr nachmittags: Skelett mit noch erhaltenem Brustfell. Beine vom Knie ab weg. Becken bloßgelegt. Von Oberschenkeln nur noch die Knochen vorhanden.
       
3,24 Uhr nachmittags: Ein bekleideter Mann. Eine Frau bekleidet, weißes Haar.
Mitten auf dem Wege etwa 15jähriges Mädchen, nackt, liegt wie schlafend da, beim Weiterfahren sieht man aber, daß der rechte Arm fehlt, der aus dem blutigen Kugelgelenk herausgerissen ist.
       
3,25 Uhr nachmittags: Zwei Männer bekleidet, Gesicht schwarz.
       
3,30 Uhr nachmittags: Eine Frau in blauem Kleide, nackte Beine, schwarze Strümpfe, ganz frisch. Rechts ein großer weißer Hund.
       
3,34 Uhr nachmittags: Gebleichter Schädel und Knochen inmitten von Wäsche- und Kleiderfetzen.
       
3,37 Uhr nachmittags: Ein Mann bekleidet, ganz schwarz.
       
3,43 Uhr nachmittags: Ein Kind mit rot- und weißgestreiften Hosen, zugedeckt mit einem braunen Männerrock. Halblinks ein dicker Hund.
       
3,45 Uhr nachmittags: 6 große armenische Zeltlager, etwa 600 Zelte, 6000 Personen. Armenier tragen Gestrüppholz zusammen.
       
3,53 Uhr nachmittags: Eine Leiche mit schwarzer Hose und gelbem Kittel, Gesicht schwarz.
       
3,59 Uhr nachmittags: Eine Leiche, Gesicht schwarz, weißes Hemd, weiße Unterhosen.
       
4,3 Uhr nachmittags: Ein Mann, barfuß, schwarzer Anzug, Rock in die Höhe gerissen.
       
4,4 Uhr nachmittags: Ein Gerippe auf dem Wege dicht neben den Rädern des Wagens. Zähne und Fleischteile der unteren Gesichtshälfte noch erhalten. Gesichtsausdruck daher ein breites Grinsen über gefletschten Zähnen. Beängstigender Anblick. Links auf einer kleinen Erhöhung, daher etwa in der Höhe der Augen des Reisenden, ein Kind von etwa 2 Jahren, nur mit rotem Hemdchen bekleidet, das heraufgezogen ist.
       
4,8 Uhr nachmittags: Links eine Frau, gelbe Hose, schwarze Strümpfe.
       
4,12 Uhr nachmittags: Ein kleiner Junge, weiße Hose. Schwarzes Gesicht, sonst ganz frisch.
       
4,13 Uhr nachmittags: Ein kleiner Junge mit verschränkten Armen, schwarzer Anzug, weiße Strümpfe.
       
4,23 Uhr nachmittags: Ein kleines Mädchen, karierte Hose, grauer Rock, braunes Haar.
       
4,24 Uhr nachmittags: Ein junger Mann, ganz frisch, vollkommen angezogen. Aus Sackleinen gefertigte Schuhe, Bänder um die Waden.
       
4,37 Uhr nachmittags: Eine Leiche, in weißes Laken und schwarze Decke gehüllt. Kopf schwarz.
       
4,50 Uhr nachmittags: Eine Frau, schwarze Hose, braune Jacke.
       
4,55 Uhr nachmittags: Eine Frau mitten auf dem Wege, schwarze Jacke, schwarzes Haar, Hand über die Augen gelegt.
       
6,10 Uhr nachmittags: Ankunft in Meskene.
Vor Meskene großes Zeltlager von über 2000 Zelten. Über 10 000 Personen. Eine vollkommene Zeltstadt. Anscheinend gar keine Latrinen. Um den Ort und das Zeltlager ein breiter Gürtel von Menschenkot und Unrat, durch den auch mein Wagen eine Zeit lang fahren muß. Ich übernachte im Wagen, denn im Ort, der vollkommen verstopft, ist nirgends Unterkunft zu finden. Das einzige Zimmer auf der Gendarmeriewache ist mit 6 türkischen Militärärzten belegt, die aus Konstantinopel kommen und nach Bagdad reisen. Sie erzählen, zwischen Aleppo und Meskene lägen keine Toten. - Ob sie über die Eindrücke, die sie von Meskene ab erhalten werden, nach Konstantinopel Bericht erstatten werden?

 

4. Februar 1916:

3 Uhr vormittags: Abfahrt von Meskene.
       
11 Uhr vormittags: Zwei Leichen männlichen Geschlechts, eine rechts, eine links vom Wege.
       
5,5 Uhr nachmittags: Ankunft in Aleppo.


5. Februar 1916: Regenwetter.
6. Februar 1916: Starker Schneefall.

Zusammenfassung: Ich habe mit eigenen Augen an die 100 Leichen und etwa ebensoviel frische Gräber gesehen auf der Strecke Der Sor-Meskene. Nicht mitgezählt die in den Ortschaften zu Friedhöfen vereinten Gräber. Ich habe unterwegs etwa 20 000 Armenier gesehen. Bei all meinen Zahlenangaben habe ich mich aber auf die Schätzung der wirklich von mir selbst Gesehenen beschränkt. Ich bin nie von der Straße abgewichen, habe auch z.B. in Der Sor nicht die entfernteren Viertel der Stadt aufgesucht. Die Zahl der auf diesem Wege wirklich Verschleppten muß daher bedeutend höher sein. Ferner habe ich nicht diejenigen gesehen, die sich noch auf dem linken Ufer des Euphrat befinden. Die Strecke, die ich befahren habe, soll nur ein Teilstrecke sein. Nördlich von Meskene in der Richtung auf Bab, und nördlich von Der Sor, in Richtung auf Raßul-Uin, sollen bedeutende Armenierlager ihrer Weiterschiebung harren. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, daß Reisende, die einige Wochen nach mir dieselbe Strecke befahren, dann zehnmal so viel Leichen zählen wie ich. - Überall, wo in der Türkei Wüstensand an bewohnte Gegenden grenzt, sollen sich in diesen Tagen ähnliche Trauerspiele abspielen mit Hunderttausenden von Mitwirkenden.
       
Die Armenier werden von den Türken nicht als Gefangene, sondern als „Auswanderer“ (Muhadschir) bezeichnet und so nennen sie sich auch selbst. - „Aussiedlung“ nennt der amtliche Bericht diese grausamste aller Todesarten! Offiziell ist alles in schönster Ordnung. Nicht ein Pfennig wird ihnen entwendet oder gewaltsam weggenommen; nicht den Lebenden. Sie können sich kaufen, was sie wollen ... wenn sie was finden! - Und niemand kann die eigentlichen Mörder so leicht feststellen.
       
"Was soll aus ihnen werden?“ habe ich unterwegs manchen Türken gefragt. "Sie werden sterben" lautete die Antwort.“
 
Sie werden sterben. Der blinde Gehorsam der regierungstreuen Gendarmen, denen noch nie der Gedanke aufgedämmert zu sein scheint, daß der Diensteid oft zu vorläufigem Ungehorsam und zur Bitte um Umänderung eines Befehls verpflichten kann, der eisige Frost des Winters, die unerträgliche Hitze des Sommers, der Flecktyphus, der Lebensmittelmangel bürgen dafür.
       
Die so am Wege starben und verkamen, waren ottomanische Staatsangehörige und Christen. Die Kapitulationen sind aufgehoben; wir Deutsche sind in der Türkei den ottomanischen Staatsangehörigen christlichen Glaubens gleichgestellt, wir haben nicht mehr als gleiche Behandlung zu beanspruchen!
       
Aber nicht alle werden umkommen. Übrig bleiben werden einige, die eine eiserne Gesundheit, eine abgefeimte Schlauheit und reiche Mittel besitzen. Sie werden dem Tode ins Auge gesehen, ihre Nerven gestählt und, wenn nicht irgend etwas geschieht, einen unversöhnlichen Haß gegen die Türkei und das Deutsche Reich in sich aufgespeichert haben.

Auf dem Wege Aleppo-Bagdad sieht man überall die Anfänge einer im Bau schon ziemlich vorgeschrittenen Kunststraße. Die Armenier würden mit Freuden diese Straße fertig bauen. Sie würden nicht einmal Tagelohn beanspruchen. Aber Brot, die Rettung vom Hungertode. Der fast durchweg bereits aufgeworfene Straßendamm, oft meilenweit bereits beschottert, die schon durchstochenen Hügelketten, die teils fertiggestellten, teils angefangenen Steinbrücken schreien geradezu nach Fertigstellung der Straße! Und an dieser gegebenen Aufgabe, an dieser ganzen Strecke entlang schon verteilt, sitzen über 20 000 bereite Arbeitskräfte und verhungern.!
        Man brauchte gar nicht den Weg nach dem ursprünglichen Plane als Kunststraße vollkommen auszubauen. Es würden schon jetzt einige Ausbesserungen an wenigen Stellen genügen, um binnen kurzer Zeit die Straße in solchen Zustand zu bringen, daß die Entfernung Aleppo-Bagdad mit Lastkraftwagen in fünf Tagen bequem zurückgelegt werden könnte, auf die man jetzt 20 Tage verwenden muß.
        In den Kreisen der Bagdadbahn hörte ich über Arbeitermangel klagen. 12 000 Arbeiter, die in nächster Zeit benötigt werden, sind schwer zu bekommen. Und in dem Dreieck Aleppo-Mosul-Bagdad liegen hunderttausende armenischer Arbeitskräfte brach!
        Mit der Versicherung, daß meine Angaben nach bestem Wissen gemacht sind, bin ich Ihr ergebendster


Wilhelm Lepsius
 

 

Adana 1909 

Armenische Flüchtlinge in einer 
französischen Missionstation



 Alle Fotos aus der niederländischen Webseite "Een Muur van Stilte" [Eine Mauer des Schweigens]