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Editorial
Was ist Armenien? Europa
sagt: Ihr seid die westlichsten Asiaten.
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Geworg Emins fragt in seiner "Armenischen Sinfonie"
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Wer bist Du? Ich
bin der, dessen Qualen Jahrhunderte dauerten, das Leben aber nur Jahrzehnte. Wo ist Dein Land? Mein
ist das Land, das am Fuße des biblischen Ararat liegt. Dort, wo
sich einst das Paradies befunden haben soll, wo aber das Leben jahrhundertelang
einer Hölle glich. Hast Du denn keinen Namen - wie heißt Du? Mein
Name? Ich
heiße HAJK. Ich bin der Recke HAJK. Ich
bin MESROP MASCHTOZ. Ich
bin ANANIA von Schirak. Mein
Name ist ABOWJAN. Ich
bin NALBANDJAN: Ich
bin KOMITAS - Ich
bin der armenische Mönch MECHITAR, Ich
bin Alexander TAMANJAN, Ich
bin der Maler SARJAN, Ich bin der Bauer, der die Weinrebe gezüchtet hat. Ihr Wein ist bitter wie unsere Vergangenheit und süß wie unser Traum von der Zukunft. Ich bin der junge Armenier, dessen Vater sich noch vor einem Zug fürchtete. Heute arbeiten die von mir hergestellten Präzisionsgeräte im Kosmos. Ich bin einer von jenen in der Welt verstreuten Armeniern, die das Leiden gelernt hat, sich selbst immer treu zu bleiben. Heute bin ich ein Pilger - morgen aber schon ein Bürger meines Armenien. Ich bin der Vertriebene, der sein Haus in der ganzen Welt gebaut hat und es trotzdem verließ - um nur hier am Fuße des Ararat sein wirkliches Heim zu finden. Wer bist Du schließlich, Wanderer? Ich bin Armenien, ich bin das Volk Armeniens - ein Weggefährte der Ewigkeit, der aus der Tiefe gekommen ist un der Zukunft entgegenschreitet. |
(frei nach Geworg Emins)
Editorial aus: VERTRAUEN,
Kulturpolitisches Journal für Deutsch-Sowjetische Zusammenarbeit, Oktober
1989
Bild: Umschlag der gleichen Zeitschrift