| Die
Gefängnisse bluten ...
Der kurdische minderjährige
Gefangene M. L. B., welcher vor einem Monat aus dem L-Typ Gefängnis von
Antalya entlassen wurde, und S. Ö., der vom Pozanti-Gefängnis nach Antalya
verlegt wurde, haben erklärt, dass die inhaftierten kurdischen Minderjährigen
systematischer Folter und Vergewaltigung von Gefängniswärtern und Mithäftlingen
ausgesetzt waren. Eine Abgeordnetendelegation der Republikanischen Volkspartei
(CHP), bestehend aus Veli Ağbaba, Nurettin Demir und Özgür Özel haben
mit den betroffenen Minderjährigen im Gefängnis von Antalya gesprochen.
Im Report der Delegation wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Folter
und sexuelle Belästigung unter der Aufsicht der Gefängnisleitung geschieht.
Zudem wird festgestellt, dass beide Minderjährige aufgrund der Erlebnisse
im Gefängnis psychische Störungen erlitten hätten.
Ein minderjähriges Vergewaltigungs- und Folteropfer erzählt, dass es in
seinem dreimonatigen Aufenthalt in der Krankenstation in Antalya keine
Sonne gesehen und mit niemandem gesprochen habe. Seine Verlegung in die
Krankenstation wurde dazu genutzt, die Vergewaltigungsfälle unter den
Teppich zu kehren und ihn vor der Öffentlichkeit abzuschotten. Zudem erklärte
der Minderjährige, dass das Gutachten des Arztes nicht die Tatsachen widerspiegelt.
Im Report der CHP-Delegation wird betont, dass die Umstände im L-Typ-Gefängnis
von Antalya den Pozanti-Skandal übertreffen. Es hätte brutalere und grausamere
Folter und Vergewaltigungen gegen die inhaftierten Minderjährigen gegeben.
Sie seien starkem Druck ausgesetzt gewesen damit sie schweigen und befänden
sich in einer hilflosen Situation. Abschließend wird im Report festgestellt,
dass die minderjährigen Opfer sofort in ein anderes Gefängnis verlegt
werden müssten und das Justizministerium Untersuchungen einleiten müsse.
Kürkcü: Die Kinder sind Grausamkeiten
ausgesetzt
Das Mitglied der parlamentarischen Menschenrechtskommission und der BDP-Abgeordnete
von Mersin, Ertuğrul Kürkçü, war Teil in einer Delegation des CHD (Zeitgenössischer
Anwaltsverein), die das Kinder- und Jugendgefängnis Şakran in Aliaga (Izmir)
besucht hat. Die inhaftierten Minderjährigen seien dort mit Folter und
unmenschlichen erniedrigenden Praktiken seitens des Gefängnispersonals
konfrontiert. Nach dem Besuch hielt Kürkcü vor dem Gefängnisse eine Erklärung
ab in der er betonte, dass er mit dem verantwortlichen Staatsanwalt und
mit ca. 40 Minderjährigen gesprochen habe.
„Traurig muss ich sagen, dass unsere gestrige Erklärung zu den Vorfällen
nur die Spitze des Eisbergs war. Wir stehen einem noch viel tiefergehendem
und schwerem Problem gegenüber (...). Die Kinder sind sowohl seitens der
Gefängnisleitung als auch seitens der Krankenstationsangestellten sowie
der Jandarma Gewalt ausgesetzt“, erklärte Kürkcü. Er kritisierte auch
die Erklärung des Justizministeriums, in der alle „Anschuldigungen als
realitätsfern“ bezeichnet worden sind: „Ich denke, dass das Justizministerium
ein realitätsfernes Ministerium ist.(...) Wir haben zusammen mit den Anwälten
des CHD an verschiedenen Orten mit vielen Minderjährigen gesprochen. Ich
bin mir sicher, dass das Justizministerium eine weitere Erklärung dazu
abgeben wird, angesichts der Überschneidungen unserer Ergebnisse.''
IHD: Kindergefängnisse müssen
geschlossen werden
Der Menschenrechtsverein der Türkei IHD hat angesichts der Folter, Vergewaltigung
und sexueller Belästigung von minderjährigen Gefangenen im Gefängnis von
Şakran und dem Gefängnis von Antalya gefordert, dass alle Kindergefängnisse
geschlossen werden sollen.
Laut der offiziellen Statistik des türkischen Justizministeriums vom 15.
Mai 2013 sind in den türkischen Gefängnissen 1.763 Minderjährige inhaftiert,
davon 1.343 in Untersuchungshaft. Alleine diese Statistik zeige, wie ernst
die Situation sei. Der IHD machte zudem darauf aufmerksam, dass die meisten
der inhaftierten Minderjährigen kurdischer Herkunft seien. Mit der langen
Haftstrafe von Minderjährigen werde ihnen zudem das Recht auf Bildung
verwehrt.
TUHAD-FED: Freiheit
für alle kranken Gefangenen
Der Verband der Vereinigungen der Rechtshilfe und Solidarität für Familien
von Gefangenen (TUHAD-FED) hat in einer Presseerklärung die Freiheit aller
kranken Gefangen gefordert. In der Erklärung wurde darauf aufmerksam gemacht,
dass sich immer noch 411 kranke Gefangenen, an der Schwelle zum Tode befänden.
Sie erhalten noch immer keine ihnen entsprechende Behandlung. Diese schwerkranken
Gefangenen werden zudem mit Handschellen zum Arzt gebracht. Auch der TUHAD-FED
machte darauf aufmerksam, dass die meisten der Betroffenen kurdischer
Herkunft seien.
Quelle: YÖP, 30.05.2013,
ISKU
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