| Abschlussresolution
der Konferenz für Demokratie und Frieden
ANKARA - Die Abschlussresolution
der Konferenz für Demokratie und Frieden, die vom 25. bis 26. Mai in Ankara
stattgefunden hat, ist nun veröffentlicht worden. Der Zweck der Versammlung
der Konferenz für Demokratie und Frieden war eine Analyse über die notwendigen
Schritte während des Verhandlungsprozesses zur Lösung der Kurdenfrage.
Dazu kamen unterschiedliche Gruppierungen zusammenkamen die in der Abschlussresolution
unterstrichen haben, dass „zur erfolgreichen Fortführung und Entwicklung
der Verhandlungen die Voraussetzungen für die Gesundheit, Sicherheit und
Freiheit von Herrn Abdullah Öcalan, der sich in dieser Phase nur sehr
eingeschränkt bewegen kann, sichergestellt werden müssen sowie Kommunikationsmöglichkeiten
unterschiedlicher Gruppierungen ermöglicht werden müssen“.
Neben der Proklamation
der Konferenz, dass die Verhandlungen ununterbrochen weitergeführt werden
müssen und man dazu Entschlossenheit und Anstrengungen aufwenden werde,
wurde folgende Resolution verkündet:
„Wir Alewiten, Armenier,
Aramäer, Kurden, Türken, Sunniten, Araber, Roma, mit anderen Worten, die
unterschiedlichen Völker und Glaubensgruppen, Atheisten, Intelektuelle,
Akademiker, junge Menschen, Frauen, LGBTler, Werktätige, Gewerkschafter,
politische Parteien und Gruppen haben uns, zur Hinführung der begonnenen
Verhandlungen in die richtige Richtung, zum Aufbau eines bleibenden Friedens,
zur Schaffung einer demokratischen, alle Rechte und Freiheiten umfassenden,
gleichberechtigten und gemeinsamen Zukunft, dazu entschlossen, gemeinsam
zu agieren, eine Lösungsinitiative zu entwickeln und eine kollektive Friedensbewegung
zu errichten.
Wir, die auf dieser Konferenz zusammengekommen sind, sind uns bewusst,
dass sich die Türkei heute beim Lösungs- und Friedensprozess in einer
wichtigen Phase befindet. Wir glauben daran, dass es notwendig ist, diesen
Prozess der Gespräche zur Lösung der Kurdenfrage zu unterstützen und weiterzuentwickeln.
Wir erklären, dass unsere Konferenz zur ununterbrochenen Weiterführung
des Verhandlungsprozesses eine entschiedene Haltung und Aktivität einnimmt.
Wir betonen, dass es zur Erlangung eines bleibenden Friedens unabdingbar
ist, eine pluralistische, gleichberechtigte und freiheitliche Demokratie,
die alle Institutionen umfasst, zu aktivieren. Erneut stellen wir fest,
dass Demokratie und Frieden in Relation zueinander stehen und Schritte
hin zur Demokratie auch den Friedensprozess vorwärts bringen werden.
Wir beobachten, dass einige aktuelle Ansätze sich als Probleme darstellen,
den Friedens- und Demokratisierungsprozess in gegenseitigem Vertrauen
fortzuführen. Wir betonen, dass die AKP-Regierung mit ihrem hegemonialen
und autoritären Politikverständnis dem Verlauf eines erfolgreichen Lösungsprozesses
keine Probleme bereiten darf. Wir laden die Regierung dazu ein, Schritte
dahingehend zu tun, Problembereiche nicht einzuengen, damit die Schaffung
von Vertrauen nicht nur einer Seite auferlegt wird, das gegenseitige Vertrauen
und so der Lösungs- und Friedensprozess gestärkt wird.
Wir heben die Notwendigkeit hervor, dass zur erfolgreichen Fortführung
und Entwicklung der Verhandlungen die Voraussetzungen für die Gesundheit,
Sicherheit und Freiheit von Herrn Abdullah Öcalan sichergestellt werden
müssen und Kontaktmöglichkeiten zwischen ihm und Delegationen verschiedener
gesellschaftlicher Gruppen geschaffen werden sollten. Momentan sind seine
Möglichkeiten sehr stark eingeschränkt. Wir betonen die Wichtigkeit einer
friedensschaffenden und nicht hasserfüllten Sprache, gegenseitigem Verständnis,
was überlebenswichtig für einen positiven Verlauf dieses Prozess ist.
Zur Vergesellschaftung eines friedvollen Umfelds und der Verhandlungen
erinnern wir an die Wichtigkeit der Aufhebung von Behinderungen gegenüber
der demokratischen Bewegung. Die Meinungs-, Organisierungs- und Versammlungsfreiheit
darf nicht eingeschränkt werden.
Wir fordern ohne Verzug gesetzliche Regelungen zur Freilassung der politischen
Gefangenen, insbesondere der erkrankten und der minderjährigen Gefangenen.
Wir heben auch erneut hervor, dass das Recht auf Sprache, Kultur, Glaube
und Identität der Völker universell ist und nicht verhandelbar sein kann.
Dieses Recht ist eine Notwendigkeit für eine gleichberechtigte Staatsbürgerschaft.
Wir glauben zudem daran, dass in jeder Phase des Lösungs- und Demokratisierungsprozesses
Schritte zur Gewährleistung des Rechts zur Gleichstellung zwischen den
Geschlechtern und der sexuellen Neigung und die Gleichberechtigung zwischen
Frau und Mann sichergestellt werden müssen, um so einen dauerhaft und
wirklichen Frieden zu erreichen.
Wir, die Teilnehmer dieser Konferenz, haben uns selbst damit beauftragt,
den Prozess der Verhandlungen und des Friedens zu beobachten.
Wir betonen die Notwendigkeit, nie wieder zur [bisherigen] Sicherheitspolitik
zurückzukehren, den Prozess nicht zum Abbruch zu bringen sondern auszuweiten
und erklären daher unsere Entschiedenheit darin, alle erdenkliche Bemühungen
dafür aufzuwenden. Einstimmig betonen wir, dass zur Schaffung eines wirklichen
Friedens die Notwendigkeit zur Konfrontation mit allen Massakern, Opfern
unbekannter Täter, Verschwundenen, Völkermorden, von der Vergangenheit
bis heute besteht und dass wir alles erdenkliche tun, um alle Verbrechen
gegen die Menschlichkeit, ohne ein Recht auf Verjährung, aufzudecken und
Gerechtigkeit zu schaffen.
Wir appellieren an alle politischen Parteien im Parlament, da wir der
Einschätzung sind, dass eine Lösung allein durch einseitige Opferbereitschaft
nicht erreichbar ist. Unsere Forderung an Regierung und Opposition besteht
darin, Schritte zu gesetzlichen Reformen und zur Demokratisierung zu beschleunigen,
die Erarbeitung einer neuen Verfassung vor den Wahlen zu beenden, ein
dem Lösungsprozess entsprechendes Arbeitstempo einzulegen und Verhalten
und die Sprache innerhalb des Parlaments anzupassen.
Wir weisen darauf hin, dass das Ziel des gemeinsamen Kampfes der Konferenzteilnehmer
nicht nur die Realisierung des Friedens in der Türkei, sondern auch dem
im Mittleren Osten und Syrien ist und unterstreichen, dass das Massaker
von Reyhanlı aufzeigt, wie dringend notwendig der Frieden ist.
Als Teilnehmer der Konferenz geben wir kund, dass wir in der Lösung der
Kurdenfrage, dem Frieden und der Demokratisierung gemeinsame Forderungen
und Ansätze verfolgen und zur Umsetzung dessen, den Kampf gemeinsam führen
werden.
Wir appellieren als Teilnehmer dieser Konferenz an alle Personen und Institutionen,
die für den Frieden, die Demokratie und die Rechte der Werktätigkeiten
sind, den Kampf für Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Demokratie in
der Türkei gemeinsam zu führen und am Lösungs- und Friedensprozess teilzunehmen.
Wir sind offen für unterschiedliche Stimmen, Meinungen, Arten und weisen
darauf hin, dass sich alle in Bewegung setzen müssen. Auf dieser Konferenz,
die sehr unterschiedliche Gruppen der Gesellschaft zusammengebracht hat,
hat sich ein Wille zur Lösung, zum Frieden und zur Demokratisierung herausgebildet.
Wir sind entschieden darin, unsere weiteren Aktivitäten als ‚Wahrheits-,
Konfrontations- und Gerechtigkeitskommission‘, als ‚Rechts-, Bereinigungs-
und Neuverfassungskommission‘, als ‚Kollektive Verhandlungs- und Demokratische
Politikkommission‘ und deren Koordination weiterzuführen.
Voller Bewegungsdrang rufen wir, die Teilnehmer dieser Konferenz, aus,
dass wir gemeinsam und mit starken Willen für die Erweiterung und Entwicklung
der Kollektivierung des Friedens und der Verhandlungen und der Gleichberechtigung,
Freiheit, die Rechte der Werktätigen, die ökologische Gerechtigkeit in
die Demokratie führen wollen.
Aus diesem Grund betrachten wir als vorrangige Aufgaben die Organisierung
einer Friedensbewegung von unten, um einen dauerhaften Frieden zu schaffen.
Unabhängig von den Belastungen und der erwünschten Politik der AKP ist
es unsere Aufgabe, die Friedensbewegung zu stärken, den Verhandlungsprozess
aus nächster Nähe zu beobachten und an der Seite des kurdischen Volkes
zu stehen.
Das Vorlegen von Informationen und Berichten der ’Kommission der Weisen‘
nur an die Regierung ist unvereinbar mit dem Verhandlungsprozess. Unsere
Konferenz sieht es als notwendig an, die Ergebnisse mit allen Parteien
und mit der Bevölkerung zu teilen und weist darauf hin, dass der Verhandlungsprozess
transparent geführt werden muss.
Unsere Konferenz betrachtet den Widerstand gegen Interventionen, Okkupationen,
gegen Massakern wie in Reyhanlı und gegen Krieg als menschliche Haltung
und sieht einen, isoliert von der Region und dem Mittleren Osten geführten
Verhandlungs- und Friedensprozess als unmöglich an.
Der Frieden wird in dieser Hinsicht nur durch den Widerstand unter Einbindung
der unterdrückten Völker gewonnen werden. Die Ansicht, dass auf der einen
Seite des Tisches der Staat und auf der anderen nur die Kurden sitzen,
ist nicht richtig. Die gemeinsame Feststellung unserer Konferenz ist,
dass die Verhandlungen nicht nur zwischen Staat und Kurden, sondern zwischen
Staat und allen Unterdrückten notwendig ist und dadurch eine gemeinsame
Position der Unterdrückten erreicht werden muss. Dieser Phase liegt die
Vergesellschaftung der Verhandlungen zugrunde. Die gesellschaftlichen
Stützpfeiler der Friedensbewegung müssen erweitert werden. Die Wünsche
der Völker jeder Nation, jeder Sprache, jedes Glaubens und jeder Kultur
der Türkei und ein Ende der bewaffneten Auseinandersetzungen in der Kurdenfrage
müssen garantiert werden und mit einem demokratischen und dauerhaften
Frieden vollendet werden.
Ausgehend von diesen Erkenntnissen haben wir aus der Versammlung als erste
Stufe zur Koordinierung unserer Aktivitäten, zur noch aktiveren Teilnahme
am Friedensprozess und zur Weiterführung und Entwicklung weiterer Aufgaben
und Schritte, intern eine Kommission bestimmt.
Diese Kommission beobachtet nach Wünschen der Beteiligten den Prozess
und wird, falls dieser ins Stocken gerät, mit allen Seiten Gespräche führen,
um Probleme zu überwinden. Gleichzeitig wird sie mit dem Ziel einer Vergesellschaftung
des Friedens regionale Konferenzen oder ähnliches an Aktivitäten organisieren.“
Quelle: ANF, 27.05.2013, ISKU
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