| Notizen
zum Rückzug der Guerilla
Zwei Guerillaeinheiten
aus Nordkurdistan haben zwischen dem 14. und 15. Mai Kandil in Südkurdistan
erreicht. Was haben diese Gruppen während ihrem Rückzug erlebt, was haben
sie gefühlt als die Nachricht zum Rückzug das erste Mal gehört haben und
wie waren ihre ersten Reaktionen?
Die Gemeinschaft
der Gesellschaften Kurdistans (KCK) hatte am 12. Mai in einer Erklärung,
Pressevertreter für den 13. Mai in die Meder-Verteidigungsgebiete eingeladen,
damit diese, die sich zurückziehenden Guerillaeinheiten beobachten können.
Am nächsten Tag erschien trotz des Dauerregens die erste Guerillaeinheit
um 6:30 Uhr. Es gibt keinen Zweifel, dass die wichtigsten Akteure in dieser
Phase die sich zurückziehenden Guerillas sind. Diese nennen den Rückzug:
demokratischer Lösungsmarsch.
Die erste Guerillaeinheit die Kandil erreichte bestand aus sechs weiblichen
und neun männlichen Mitgliedern der Guerilla. Sie kamen aus der Provinz
Wan und sie waren sieben Tage unterwegs. Der Kommandant der ersten Guerillaeinheit
Cigerxwin Fırat erklärte, wie sie zum ersten Mal vom Rückzug gehört haben:
,,Wir haben dies zum ersten Mail im TRT-Radio gehört. Wir waren offen
gesagt auf solch eine Entscheidung nicht vorbereitet und waren überrascht.
Wir haben dies zuerst als psychologische Kriegspropaganda bewertet. Es
gab viele Diskussionen darüber. Denn wir hatten uns für den im 2012 begonnen
Revolutionären Volkskampf vorbereitet. Wir hatten den Winter über die
Praktiken des vergangenen Jahres reflektiert und intensive Schulungen
für eine Verstärkung des Kampfes im Jahr 2013 erhalten. Niemand von uns
hatte so etwas vorhergesehen.''
Der Exekutivratsvorsitzende der KCK Murat Karayilan hatte in einer vergangen
Reportage erklärt, dass es nicht leicht gewesen sei, die GuerillakämpferInnen
vom „Rückzug“ zu überzeugen. Savuşka Siirt, eine Guerillakommandantin,
erklärte zum Beginn des aktuellen Prozesses: „Wir waren nicht auf solch
einen Prozess vorbereitet. Als wir es zum ersten Mal hörten, haben wir
es nicht ganz verstanden. Es gab viele FreundInnen, die nicht mitkommen
wollten. Wir haben hier dutzende FreundInnen verloren. Solch eine Entscheidung
schockierte uns, denn wir dachten daran, den Kampf 2013 zu verstärken.
Wir waren erst überzeugt, als die Bewegung uns später mitteilte, dass
es wirklich zum Rückzug kommen werde.“
Ohne Zweifel war der PKK-Vorsitzende Abdullah Öcalan ein wichtiger Faktor
für die Reifung des Prozesses. Sowohl die erste als auch die zweite Gruppe
unterstrichen gemeinsam: „Hätte es nicht die Entscheidung des Vorsitzenden
und den Befehl der Partei gegeben, wäre es nicht zum Rückzug gekommen.“
Öcalans Aussage, dass in der neuen Phase in Nordkurdistan und der Türkei
eine demokratische Politik ohne Waffen entwickelt werden müsse, wurde
intensiv bei der Guerilla diskutiert. Der Verlauf des Prozesses wurde
über Funk und über andere Möglichkeiten von der Parteiführung nach Nordkurdistan
weitergeleitet. Berwar Şervan von der ersten Gruppe erzählte folgendes
zu den Diskussionen: „Natürlich dachten wir als wir das erste Mal davon
hörten, dass es Vereinbarungen gebe. Später verstanden wir, dass es keine
Vereinbarung gab. Wir fragten, warum wir uns zurückziehen sollen. Es gab
auch 1999 einen Rückzug und der türkische Staat hatte überhaupt keinen
Schritt getan. Wir fragten: ‚Wegen was ziehen wir uns in dieser Phase
zurück‘. Wir hatten keine großen Möglichkeiten aufgrund der weiten Entfernung
und den Winter- und Kriegsbedingungen die Entwicklungen nah zu verfolgen.
Wir verlangten von der Organisation daher Antworten auf unsere Fragen.
Auch wenn wir nicht viel über die Details des Prozesses erfahren konnten,
ist es für uns essenziell, die Entscheidung der Partei und den Befehl
des Vorsitzenden in die Tat umzusetzen. Wir haben uns in diesem Rahmen
bewegt. Zudem vertrauen wir unserer Organisation, unserem Vorsitzenden
und uns selbst.“
Die beiden Guerillagruppen machten auf die anhaltenden Aufklärungsflüge
der türkischen Armee mit Drohnen aufmerksam und erzählten in gleicher
Weise ihre Gefühle beim Verlassen Nordkurdistans: „Der Norden ist in Bezug
auf unseren Widerstand ein sehr wichtiger Ort. Es ist das Gebiet, indem
der Kampf begann. Wir haben unsere ersten großen Kommandanten dort verloren.
Es gibt starke Bindungen mit der Bevölkerung. Auch sie fragten uns warum
wir gehen, auch sie hatten große Bedenken. Sie waren überzeugt als wir
ihnen erklärten, dass dies die Entscheidung des Vorsitzenden ist. Trotz
dessen war diese Trennung sehr schwer.“
Der Kommandant der ersten Gruppe Cigerxwin Fırat erklärte in Bezug auf
die endgültige Niederlegung der Waffen: „Solange unser Vorsitzende und
das das kurdische Volk nicht frei sind, wird es dies niemals geben. Als
HPG (Volksverteidigungskräfte) sind wir die Verteidigungskraft eines Volkes.
Das kurdische Volk leistet immer noch seinen Widerstand für die Freiheit.“
Quelle: ANF, 22.05.2013,
ISKU
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