Reportage mit der ersten Gruppe, die Kandil erreicht hat

Der Journalist Hasan Cemal hat mit der ersten Guerillaeinheit die Kandil erreicht hat gesprochen. Die Reportage wurde am 16.05.2013 in der unabhängigen Internetzeitung T24 veröffentlicht.
In einem PKK-Camp im Metina-Gebiet. Wir befinden uns an einem hohen Berghang, sehr nahe der Grenze. Es ist stockdunkel. Es ist bereits nach Mitternacht. Ich versuche mit einem kleinen Nickerchen im Schlafsack meine Müdigkeit zu stoppen. Ich beginne die Kälte an meinem Rücken zu spüren.
Endlich hat der Regen aufgehört. Der Nebel hat sich aufgelöst. (...)
Die erste sich zurückziehende Guerillagruppe wird ankommen ...
Eine aufgeregt Stimme aus der Dunkelheit: „Sie kommen! Sie kommen!“
Es ist der 14. Mai 2013, ein Dienstag.
Die Guerillas tauchen einzeln aus der Dunkelheit hervor, Frauen- und Männer. In ihren Händen und an ihren Schultern tragen sie ihre Waffen, an ihren Taillen Handgranaten. Sie tragen wirklich eine schwere Last.
Seit einer Woche waren sie auf dem Marsch. Sie kommen aus der Gegend um Wan. Mit den Worten der PKK: der demokratische Lösungsmarsch ...
Die Müdigkeit ist ihren Gesichtern anzusehen.
„Mein Name ist Merwan, ich bin 25 Jahre alt und bin in Amed (Diyarbakir) geboren. 2008 bin ich in die Berge gegangen“, sagt einer. Ein anderer erklärt: „Mein Name ist Bahoz. Ich bin 23 Jahre alt.“ Er ist von Colemêrg (Hakkari) vor drei Jahren in die Berge gegangen.
Beide ist sehen der Phase zuversichtlich entgegen, denn sie Vertrauen ihrem Vorsitzenden und seinem Engagement für den Frieden. Dem Staat vertrauen sie nicht, erklären beide.
Savuşka, so heißt die 22-jährige Guerillakämpferin. Sie spricht gut türkisch. Vor vier Jahren ist sie in die Berge gegangen. Warum? „Wegen der Unterdückung unseres Volkes und der Leugung unserer Identität ...”, so Savuşka
Ihre Familie war in den 1990er Jahren gezwungen von Sêrt (Siirt) nach Mersin zu ziehen. Savuşka hat dann ihre Schule geschmissen und ist der Guerilla beigetreten. Sie sagt zu mir: “Mit dir rede ich später gerne weiter.”
Ihr Name ist Hira, sie ist auch Mitglied der Frauenguerilla.
Sie kommt aus Hewler und ist 23 Jahre alt. Vor 10 Jahren, als sie mit 13 Jahren Apo und die PKK kennenlernte, habe sie sich der Guerilla angeschlossen.
Zelal ist auch bei der Frauenguerilla, aus Elih (Batman). Sie ist 25 Jahre alt und seit 11 Jahren bei der Guerilla. „Für unser Volk und unseren Vorsitzenden“, sagt sie mir. (...)
In der sechszehnköpfigen Guerillagruppe gibt es auch welche aus Iran, Irak und Syrien. Ganz Kurdistan bzw. alle Teile Kurdistans sind in der Gruppe vertreten. Eine interessante Symbolik. Oder ist das eine bewusste Entscheidung für die erste Guerillagruppe?“, frage ich. Ein Guerilla verneint: „Das ist die PKK. (...)''
Ich suche Savuşka. Sie ruht sich an einem Felsen aus. Ich setzte mich neben sie. Ich wende mich an einen Guerilla und frage, ihn ob er ein Foto von „mir und der Dame“ machen könne. Savuşka ist von meiner Wortwahl nicht begeistert: „Nicht Dame, sondern Frauenguerilla!“
Auf die Frage, warum sie sich mit 18 Jahren der Guerilla angeschlossen hat antwortet sie: „Aufgrund der Leugnung der kurdischen Sprache, der kurdischen Identität ... der drückenden Luft die ich in der Schule einatmen musste ... Besonders in den 1990er die gewaltsame Vertreibung der Kurden und Kurdinnen aus ihren Dörfern, ihrer Heimat.“
Ich frage sie, ob sie zuversichtlich ist, was den Friedensprozess angeht?
Darauf antwortet sie: „Ich bin nicht besonders zuversichtlich. Ich bin hoffnungsvoll wegen unseren Vorsitzenden, ich vertraue ihm.“
Ich frage: ,,Fällt Ihnen der Rückzug schwer?''
Darauf Savuşka: „Ob man will oder nicht, es ist etwas schweres ... Die Leiden aus den letzten Jahren, die Mäyrtrer ... Jetzt verlässt man wieder seine Heimat, seinen Boden ... Aber warum? ... Man erinnert sich an 1999. Der Glaube an unseren Vorsitzenden und unsere Partei aber ist undendlich.“
Ich: „Bis wo hin?“
Savuşka: „Bis zum Sieg.“
Ich: „Was heißt Sieg?“
Savuşka: „Die Gleichheit und Freiheit der Kurden und Kurdinnen. Die Grundlage dafür ist die Demokratische Moderne. Schauen Sie, der Rückzug bedeutet nicht das Herabsteigen von den Bergen. Wegen des Friedensprozesses ist der Krieg gestoppt.“
Ich: „Wie wird es sicher einen Frieden geben?“
Savuşka: „ Wenn Voraussetzungen geschaffen werden ... Wenn die Rahmenbedingungen, die unser Vorsitzende skizziert hat verwirklicht werden, in Freiheit und Gleichheit wird es einen wahren Frieden geben.“

Quelle: t24.com, 17.05.2013, ISKU
http://t24.com.tr/yazi/kadin-gerilla-savuskanin-cekilmeden-dolayi-hissettigi-burukluk/6708

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