Dersim: Frieden für die Türkei dringlich und notwendig

Bawer Dersim, Mitglied des Kommandantenrates der Volksverteidigungskräfte HPG, erklärte, dass bald die ersten sich zurückziehenden Guerillaeinheiten die Meder-Verteidigungsgebiete erreichen werden. Dies werde durch die Medien und Beobachtungsdelegationen verfolgt werden. Dersim betonte, dass die Guerilla unter Waffen in der Verteidigungsstellung stehen werde.

In einem Interview mit dem Fernsehsender Nuce TV äußerte sich Bawer Dersim zu dem aktuellen Friedensprozess und dem Rückzug der Guerillakräfte.

Was sagen Sie zum Anschlag in Reyhanli in Bezug zum demokratischen Friedensprozess?
Dieses Ereignis hat gezeigt, dass Frieden für die Region, für die Türkei äußerst dringlich und notwendig ist. Es wurde wieder einmal bewiesen, wie richtig der von unserem Vorsitzenden begonnene Lösungsprozess ist.
Am 8. Mai begann der Rückzug. Gibt es irgendwelche Schwierigkeiten?
Wir stehen in Kontakt mit all unseren Kräften. Wir haben Verbindungen zu unseren Kräften von Amanos bis zum Schwarzen Meer, von Dersim bis nach Serhat. Gegenwärtig gibt es kein ernstes Hemmnis des Lösungsprozesses. Die Öffentlichkeit muss auch verstehen, dass das Erreichen der Meder-Verteidigungsgebiete eine gewisse Zeit beansprucht.
Können Sie ein Datum nennen?
In Kürze werden die ersten Gruppen eintreffen. Die anderen Gruppen sind alle auf dem Weg. Das werden wir der gesamten Öffentlichkeit präsentieren. Die Presse kann kommen und unsere ersten Gruppen beobachten. Der Prozess läuft von unserer Seite her transparent.
Wann ist diese Phase beendet?
Wir wollen als HPG so schnell wie nur möglich die erste Etappe abschließen. Durch die Naturbedingungen und den Bewegungen der Armee des türkischen Staates kann es zu Verzögerungen kommen.
Vor einiger Zeit haben Sie im Namen der HPG auf die Staudämme und den Aufbau von Polizeistationen aufmerksam gemacht. Dies wurde von Ankara als Drohung aufgefasst. Haben Sie Ankara gedroht?
Wir haben es nicht nötig jemanden zu bedrohen, noch war dies unsere Absicht. Wir machen nur auf die Punkte aufmerksam, die diese Phase behindern könnten. Während eines begonnenen demokratischen Lösungsprozesses neue Polizeistationen aufzubauen und den Bau von militärstrategischen Staudämmen zu erlauben, weckt Zweifel. Dies alles schadet dem Prozess. Wir wollen dies nicht. Das ist unser Hauptanliegen. Wir haben zu einer konkreten Situation eine Analyse und verschiedene Warnungen ausgegeben.
Gelten diese Warnungen immer noch?
Natürlich. Im Schatten des oben beschriebenen kann man keine demokratische Politik machen. Es muss die Anzahl der Polizeistationen verringert werden.
Es gibt Stimmen, die das Zusammenziehen der Guerilla in den Meder-Verteidigungsgebieten als Drohung ansehen. Was sagen Sie dazu?
Wir sehen den Rückzug als Voraussetzung. Es gibt keinen Grund, dies als Drohung auffassen. Wir werden unsere Waffen nicht gegen die Türkei, den Iran, Syrien oder gegen ein anderes Land richten. Wir haben keine Absicht unsere Waffen gegen jemanden zu richten, der uns nicht angreift. Wir werden nur zur Selbstverteidigung mit unseren Waffen weiter in den Meder-Verteidigungsgebieten bleiben.
Delegationen und Beobachter wollen die Phase verfolgen. Was denken Sie als HPG darüber?
Wir sind darüber nicht beunruhigt, dass unabhängige Kreise und zivilgesellschaftliche Organisationen den Prozess beobachten wollen. Im Gegenteil finden wir für einen guten Verlauf ohne Provokationen diese Initiativen zur Beobachtung positiv.
Quelle: YÖP, 14.05.2013, ISKU

ISKU | Informationsstelle Kurdistan