| FERDA
ÇETİN: Ein Spiel, indem die Götter als Schiedsrichter fungieren
Wir reden über den
Frieden. Nach so viel Kampf, Toten, Zerstörung, Tributen und Schmerz zu
einem natürlichen und notwendigen normalen Leben übergehen. Fein, schön,
aber wer hat diesen Krieg, der alsbald ein Ende finden sollte, überhaupt
und weshalb begonnen?
In Lateinamerika akzeptiert
die polytheistische Maya-Kultur die sozialen Beziehungen, die Kämpfe zwischen
Menschen und Gesellschaften als Sache der Götter. Gute und Böse Götter
sind immer im Clinch. Sowie Licht und Schatten, Leben und Tod nicht voneinander
unabhängig sind, so ist die Zukunft der Menschen von den Gefechten nicht
unabhängig.
Die Hethiter glauben, dass die Menschen die gleichen Attribute, wie die
Götter besitzen. Auch die Götter essen, trinken, feiern, lieben, hassen,
sind ambitioniert und wenn ihnen danach ist helfen sie einem oder drehen
einem den Rücken zu. Es gibt auch Götter, die in der Kriegskunst Experten
sind. Im Leben der Menschen sind die Götter ein fester Bestandteil und
auch die Eingriffe der Götter in dieses Leben sind offensichtlich. Daher
bringt der Hethiter König Mursili II. während der Pest in seinem Gebet
an die Götter seinen Ärger und Unmut wie folgt zum Ausdruck: „Falls ihr
es euch weiterhin anschaut, wie die Pest die ganze Heimat vernichtet und
das Hethiter Volk ausrottet, werden am Ende keine Menschen mehr übrig
bleiben, die man euch opfert kann und ihr werdet verdursten und verhungern.“1
Erkennen sie die Auflehnung und die Drohung? Evrim Alataş, die kurz vor
Ihrem Tod gefragt wurde, „wenn sie Gott treffen würden, was würden sie
ihm sagen?“, antworte genau wie König Mursili II. auf diese Frage: „Welch
ein Kummer hast du erlitten, dass du den Kurden so viel Unheil antun musstest?“
Am 28. Mai 585 v. Chr. haben sich die Meder und die Lyder in Westanatolien
auf einen erbitterten Krieg vorbereitet. Die Heere sind vorbereitet, die
Schwerter sind gezogen und genau in diesem Moment kommt eine Sonnenfinsternis
zustande. Die Parteien sehen das als Zeichen dafür, dass die Götter gegen
den Krieg sind und sie einigen sich daher nicht zu kämpfen.2
Die Zivilisationen, die wir „alt“ nennen, sind in der Mehrzahl der Ansicht,
dass der Krieg eine Sache der Götter ist. Wie konnte es passieren, dass
die Menschen nach tausenden von Jahren die Realität ihrer Ahnen vergessen
haben. Der Krieg wird so aufgefasst, als würden in unserer Zeit keine
Kriegsgötter existieren, als wäre der Krieg die Sache der einfachen Menschen
oder etwas, dass die einfachen Machthaber simpel verändern können. Die
großen Gottheiten setzen in Ländern, in denen eine Ungerechtigkeit herrscht,
die lokalen und schwachen Gottheiten ab und berufen anstelle derer ständig
im Namen von „Gerechtigkeit“ und „Demokratie“ eigens geschaffene kleine
Gottheiten.
Die herrschenden Machthaber verallgemeinern auch, wie jedes andere Problem,
dieses Problem, womit die ganze Gesellschaft Teil dessen wird und damit
auch bei Straftaten der Gottheiten ein Teil dessen sind, womit die Gottheiten
versuchen sich rein zu waschen. Es wird versucht zu zeigen, dass Kriege
und Gefechte per se und geplant funktionieren, sowie ein von Menschen
und Gesellschaften mit ketzerischem Gedankengut relativ einfach auszulösende
Ereignisse sind.
Vor diesem Hintergrund sind die, die jeden Krieg nach dem Motto „es gibt
im Krieg keinen gerechtfertigten oder ungerechtfertigten“ vereinheitlichen,
keine Humanisten, vielmehr dient diese Ansicht dazu, dass die Straftaten
der Herrschenden kollektiviert werden und die wirklichen Täter gedeckt
werden. Denn auch den Krieg gibt es in verschiedenen Formen: berechtigte
Kriege, unberechtigte Kriege, Besetzungs- und Annexionskriege, legitime
Verteidigung und Verteidigungskriege, Plünderungs- und Einnahmekrieg,
Verteidigung des Eigentums, Vernichtungs- und Ausrottungskriege, Krieg
zum Überleben …
Sind denn die Genozide und Einnahmekriege der Spanier und Portugiesen
gleich, wie die Verteidigungskriege der Einheimischen? Die Kolonialisierung
von Indien durch die Briten und der Freiheitskampf von Gandhi dagegen
können nicht die zwei Seiten eines Spiegels sein.
Was hat Frankreich in Tschad, Kamerun, Tunesien, Algerien, Senegal, Guinea,
Niger und Kongo gesucht? Eine Antwort auf diese Frage liefert die Bedeutung
von Burkina Faso in der einheimischen Sprache: „Land der glücklichen Menschen“.
Was hat die USA in Vietnam zu tun gehabt? Das sie dort verloren hat war
doch für die ganze Welt ein Segen oder? Was hat denn der Krieg, den sie
in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien und Iran führen mit der Freiheit
der Menschen in diesen Ländern zu tun? Wir wissen, dass die weltweiten
Erdöl-Reserven 2025 und die Erdgasvorkommen 2045 erschöpft sein werden.
Es wird lediglich noch Kohle übrigbleiben. Das Bemühen der USA, die Welt
so schnell wie möglich zu „demokratisieren“ kommt daher. Die Diktatoren
und anti-demokratischen Führungen in diesen Ländern legitimiert in keiner
Weise die Besatzung der Erdkugel durch die USA.
Die Teilung von Kurdistan durch die vier Besatzer, die Ablehnung der Kurden
unter der Drohung von Vernichtung und Völkermord zu leben, deshalb den
Freiheitskampf anzunehmen, kann das die Kriegsparteien, in den Jahrhunderten
andauern Krieg gleichstellen? Die Sache ist im Grunde relativ simpel,
es geht nur darum, dass der von den Bergen kommende, die in den Tälern
vertreiben will.
Andere Götter gibt es natürlich auch; wie die Vereinten Nationen, die
Europäische Union, die Weltbank oder den Internationalen Währungsfond.
Der größten darunter sind die Vereinten Nationen. Angeblich sind alle
Staaten an diese höhere Organisation gebunden und würden die Entscheidungen
von ihr befolgen. Wir erinnern uns aber bisher an keine einzige Auseinandersetzung
und an keinen Krieg, den die Vereinten Nationen beendet haben. Weil die
ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat der Vereinten aus den USA, Russland,
Frankreich, England und China bestehen, welche bei dem Ranking der verkauften
Waffen die ersten fünf Plätze belegen. Wenn man von den Vereinten Nationen
redet, dann redet man von denen. „Das alte Mädchen, die Vereinten Nationen,
hat die Anforderungen nicht erfüllt. Ihr Dienstgrad wurde herabgestuft.
Sie ist im Moment wie die Türsteherin der Welt. Sie wurde eingestellt,
um den Dreck der Menschen zu beseitigen. Bei Bedarf wird sie nach Belieben
ausgenutzt und belästigt.“3
Die Europäische Union hat vor ein paar Tagen hinsichtlich der Gespräche
zwischen dem türkischen Staat und der PKK ihre Zufriedenheit zum Ausdruck
gebracht und für das Fortschreiten der Gespräche Ihre volle Unterstützung
zugesagt. Diese Aussage ist weit von Glaubhaftigkeit entfernt, eine künstliche
und ohne Wert, wie der Geschwafel von einem mittelmäßigen Gott. Während
die 4.000 kurdischen Dörfer verbrannt, 17.000 zivile kurdischen Menschen
ermordet, die Kurden in Maßen in die Gefängnisse gesteckt wurden und das
Masssaker von Roboskî sich ereignete, war es dieser arrogante Gott der
den türkischen Staat mit Panzern, Flugzeugen, Bomben, Waffen und finanziell
unterstützt hat und obendrein hat er in diesem asymmetrischen Krieg die
kurdische Freiheitsbewegung, die versucht hat sich zu verteidigen, mit
Terror beschuldigt. Als der kurdischen Volksvertreter Öcalan mit der Hoffnung
einer politischen Lösung nach Europa gekommen ist, war es auch dieses
Europa, welches heute eine politische Lösung begrüßt, die ihm alle Toren
verschloss.
Einer der höchsten Führungspersonen des Internationalen Währungsfonds,
dem Finanzier und Diener der Kriegsgötter, der Afrikaner David Budho hat
in seinem Rücktrittsgesuch an dem Vorsitzenden die Verbindungen wie folgt
dargestellt: „Es gibt viel Blut, auch sie wissen es. Es fließt wie die
Flüsse. Mich hat es gänzlich beschmutzt. Manchmal, wenn ich etwas in euren
Namen gemacht habe und es dann reinigen soll, habe ich den Eindruck, dass
es dafür auf der Welt nicht genügend Seife gibt.“4
Kurz gefasst, früher und heute werden die Kriege von den Göttern gemacht.
Kleine und große Götter …
Ist der Krieg eine andere Form Politik zu betreiben, dann wird der Krieg
fortgeführt werden. Aber dieses Mal wird die Politik mit anderen Mitteln
geführt werden und das wird zu einem noch verheerenden Krieg führen. Der
neue Krieg wird um die Organisierung der Gesellschaft, die Schaffung von
Institutionen, die zur Lösung der eigenen Probleme dienen und um die Schaffung
einer Kapazität die Entscheidungen trifft. Eine Lebensart, in der die
Menschen es ablehnen ihre Angelegenheiten den Göttern zu überlassen, dies
zu ihrem Lebensmotto machen, in der weder Sieg noch Niederlage herrschenden
…
„Im Grunde bedeutet das, was wir den inneren Frieden nennen, das die eine
Art Krieg zu führen beendet und eine andere Art begonnen wird.“5
Kann es nach einem Krieg solch einen Krieg, in dem so viele „Götter“ Parteien
sind, überhaupt Frieden geben? Der türkische und kurdische Krieg hat dennoch
hohe Chancen auf einen Frieden. Weil der kurdische Volksvertreter, die
Guerillabewegung und das kurdische Volk nicht schwach und zornig sind.
Ihre Stärke und Organisierung sind am Gipfel angelangt. Sie weiß um die
Existenz und der Absichten der Götter. Das kurdische Volk ist über die
Ereignisse im Klaren und zweifelt nicht im grinsten an dem Aufbau einer
Zukunft. Das alles sind große Vorteile um einen Krieg zu beenden.
Wenn die anderen Völker sich gegen die Götter erheben würden, dann Würde
der Frieden sich noch mehr ausweiten.
Nach der Legende spricht Gott zu Zarathustra, der sich in den Zagros Bergen
aufhält: Wer bist du! Zarathustra antwortet der donnernden, drohenden,
unsichtbaren und befehlenden Stimme in der gleichen Weise: Wer bist du!
Seit dem dauert der Krieg an.
Das Geheimnis vom Frieden und gemeinsamen Leben liegt in dem Mut zu sagen:
„Wer bist du?“
Quelle: Yeni Özgürpolitika
PolitikArt, 14.04.2013 ISKU
Fußnoten:
1) Hitit Hukuku, Erdal Erdoğan, Fam Yayınları-2012, S.58.
2) Hitit Hukuku, Erdal Erdoğan, Fam Yayınları-2012, S.58.
3) Sokaktaki İnsanın İmparatorluk Rehberi, Arundhati Roy, Agora-2005,
S.72.
4) Biz Hayır Diyoruz, Eduardo Galeano, Metis-2008, S.70.
5) Çokluk, Michael Hardt-Antonio Negri, Ayrıntı Yay.-2004, S.29.
|