Dorfschützer aus Çeltikli legen ihre Waffen nieder

In Çeltikli, einem Dorf in der Provinz Bedlis (Bitlis), haben Dorfschützer beschlossen ihre Waffen niederzulegen, damit ihre festgenommenen Familienangehörigen freigelassen werden. Am 18. Mai hatten Guerillakräfte der Volksverteidigungskräfte HPG in der nordkurdischen Provinz Bedlis bei Straßenkontrollen sechs Dorfschützer, darunter auch einen Bürgermeister, in Gewahrsam genommen. In dem Dorf, in dem die Dorfschützer festgenommen worden sind, haben am 23. März 15 Guerillakämpferinnen ihr Leben verloren. Für den Tod der HPG-Guerillas sind vor allem Dorfschützer verantwortlich gemacht worden.
Jetzt haben sich 42 Dorfschützer des Dorfes bereit erklärt, ihre Waffen für die Freilassung ihrer Angehörigen niederzulegen. Ein Familienangehöriger, der anonym bleiben will, hat in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ANF bekräftigt, dass man schon vor dreieinhalb Monaten die Waffen niederlegen wollte, weil sie gezwungen wurden, an militärischen Operationen gegen die HPG teilzunehmen. Der Gouverneur von Bedlis hatte ihnen auch versprochen, dass sie an keiner weiteren Operation teilnehmen müssten. Außerdem haben sie nach den Festnahmen ihrer Angehörigen das Militär mehrmals aufgefordert, etwas für dessen Freilassung zu unternehmen. Das Militär jedoch forderte auf Ruhe zu bewahren und sprach davon, dass man eine weitere Operation für das Auffinden der Festgenommenen starten würde. Aber alle Dorfschützer lehnten einstimmig die Teilnahme an einer weiteren Operation ab und gaben daraufhin ihre Dorfschützerpässe ab. Nicht Operationen, sondern Verhandlungen mit der HPG sind der einzige Weg für die Befreiung ihrer Angehörigen.
In den 90er Jahren wurden kurdische Dorfbewohner dazu gezwungen für den Staat als Dorfschützer zu dienen. Immer wieder kam es jedoch vor, dass sie die Waffen niederlegen wollten, sie jedoch durch das Militär daran gehindert wurden. Sie hätten öfters den Gouverneur darauf hingewiesen, dass sie nicht weiter an Operationen des Militärs teilnehmen wollten, sie jedoch gezwungen wurden, da das Militär sonst ihr Dorf zerstört hätte, so der Angehörige.
In der Hoffnung, dass ihre Familienangehörigen freigelassen werden, haben sie sich diesmal aber dazu entschlossen ihre Waffen niederzulegen und nicht weiter gegen ihre eigenen Brüder und Schwester zu kämpfen.

Quelle: ANF, diekurden.de, 21.05.2012, ISKU

ISKU | Informationsstelle Kurdistan