| Verhaftungen:
Im Rahmen der „KCK-Operationen“ sind nun die kurdischen Arbeitgeber an
der Reihe
Das Ziel der aktuellen Operationen
der AKP-Regierung, die unter dem Begriff „KCK-Operationen“ die Kurden
und Kurdinnen zur Zielscheibe gemacht hat, sind dieses Mal die kurdischen
Arbeitgeber. Einheiten der Finanzsicherheitsabteilung Ankara haben in
Gewer (Yüksekova) 42 Betriebe gestürmt und mindestens 19 kurdische Arbeitgeber
festgenommen.
Die türkische Regierung, die
der kurdischen Opposition die in 30 Jahren gewonnenen demokratischen Errungenschaften
entreißen will, hat den Startschuss für die seit einiger Zeit vorbereitete
Unterdrückung kurdischer Arbeitgeber gegeben. Die AKP-Regierung, die den
Gesetzentwurf „Vorbeugung der Finanzierung von Terrorismus" vorbereitet
hat, traf sich zu Operationsvorbereitungen in Istanbul.
Am 27. April kam es dann in Gewer (Yüksekova) zu den ersten Festnahmen.
Die Einheiten der Finanzsicherheitsabteilung Ankara haben die Operationen
und Festnahmen in Gewer durchgeführt. 42 Betriebe wurden im Landkreis
Gewer gestürmt. Zeitgleich sind auch die Wohnungen der kurdischen Arbeitgeber
gestürmt worden. Es wurde bekannt, dass bei den Hausdurchsuchungen in
den Dörfern Hıs (Yaylacık), Şekitan (Suüstü), Heleyis (Akocak) und Kerpil
(Köprücük) mindestens 19 Personen festgenommen wurden.
Die kurdischen Arbeitgeber sollen nach Ankara gebracht werden. Weiter
wird befürchtet, dass es zu weiteren Festnahmen kommen wird.
Der Startschuss für die Festnahmen
ist in Gewer gefallen
Der Vorsitzende der Handels- und Handwerkskammer Gewer (Yüksekova), Irfan
Sarı, nannte die Operationen besorgniserregend. Er sprach von annähernd
20 Beschuldigungen gegen die festgenommen kurdischen Arbeitgeber. „Nach
Informationen der AnwältInnen, sind Beschuldigungen wie gefälschte Rechnungen,
illegale Gewinne und finanzielle Unterstützung der Organisation darunter",
so Sarı.
Gesetzliches Standbein für
Operationen
Eigentlich ist im Rahmen dieser Massenoperationen schon länger ein Übergriff
auf kurdische Arbeitgeber erwartet worden. Die AKP-Regierung hatte als
Vorbereitung dieser Operationen den Gesetzentwurf zur „Vorbeugung der
Finanzierung von Terrorismus“ dem Parlamentsvorstand vorgestellt. Die
AKP bereitet mit diesem Entwurf ein System zur willkürlichen Einfrierung
von Besitztümern von Personen und Institutionen vor. Dem Entwurf nach,
kann eine Kommission aus bürokratischen Sicherheitseinheiten ohne Abwarten
des Rechtsweges und ohne zeitliche Begrenzung die Besitztümer realer und
juristischer Personen einfrieren. Die Entscheidung zur Einfrierung der
Besitztümer trifft die Kommission, die sich aus dem Vorsitzenden der Einheit
gegen Finanzdelikte (MASAK), dem Generaldirektor der Sicherheitseinheit
des Ministerpräsidenten, dem stellvertretenden Staatssekretär des Geheimdienstes
(MIT), dem stellvertretenden Staatssekretär des Innenministeriums, dem
Generaldirektor für Strafsachen des Justizministeriums, dem Generaldirektor
der Untersuchungs- und Geheimdienstes des Außenministeriums und dem Generaldirektor
des Staatssekretärs des Schatzamtes und der Devisen zusammensetzt.
Bis zu 15 Jahren Haft können
gefordert werden
Mit diesem Gesetzentwurf können, ohne die Einleitung von Untersuchungen
und nur auf Polizei- und Geheimdiensthinweise hin, Personen, die für „Terrororganisationen
oder Terroristen“ Mittel beschaffen oder sammeln, bei Nichtvorliegen von
anderweitigen Vergehen, die eine höheres Strafmaß verlangt, mit Gefängnisstrafen
zwischen 5 und 10 Jahren bestraft werden. Diese Vergehen können bei Bediensteten
des öffentlichen Dienstes um die Hälfte steigen, heißt von 7,5 bis 15
Jahren steigen. Die parlamentarische Rechtskommission hatte den Gesetzentwurf
im März an die Unterkommission übertragen. Es wird erwartet, dass die
AKP den Gesetzentwurf in Kürze bei der parlamentarischen Hauptversammlung
einreicht und als Gesetz durchbringt.
Liste der zu verhaftenden Arbeitgeber
ist aufgetaucht
Es war erwartet worden, dass mit diesem Gesetz insbesondere die kurdischen
Arbeitgeber zum Ziel werden, die von den BDP-Kommunen Ausschreibungen
erhielten. In den Medien war im Januar zu hören, dass die AKP-Regierung,
ähnlich der Liste aus der Zeit Tansu Çiller's über „die PKK unterstützende
Geschäftsmänner“, eine „Liste der zu verhaftenden Arbeitgeber“ zusammengestellt
hat. Es wurde erklärt, dass zunächst eine Liste von 60 „zu Verhaftende“
zusammengestellt wurde, darunter Arbeitgeber, die mit BDP-Kommunen zusammenarbeiten
und sowohl in Süd- als auch in Nordkurdistan Investitionen tätigen.
Entscheidung zu Operationen
auf Gipfel gefallen
Die Operationen gegen kurdische Geschäftskreise wurden bei einem in Istanbul
im Januar stattfindenden, geheimen Gipfeltreffen unter dem Vorsitz des
Generaldirektors des Antiterrordienstes im Amt für Sicherheit auf den
Tisch gebracht. An dem Gipfel nahmen die Gebietsleiter der Antiterrordienste
von 15 Provinzen, darunter Ankara, Izmir, Hakkari, Diyarbakır und Mersin
teil, außerdem Verantwortliche der Einheit gegen Finanzdelikte (MASAK)
und Richter und Staatsanwälte des Justizministeriums. Von der Versammlung
wurden nicht bewiesene, geheime Behauptungen, die den Operationen gegen
kurdische Arbeitgeber den passenden Rahmen bieten sollten, aufgestellt
und folgende Entschlüsse wurden bekannt:
- Operationen werden verstärkt,
um das Einsammeln von Schutzgeldern von an Ausschreibungen im Osten und
Südosten teilnehmenden Geschäftsmännern zuvorzukommen. Wenn nötig sollen
die Geschäftsmänner und ihre Familien Sicherheitsschutz bekommen.
- Die MASAK wird die Kontenbewegungen von Terrormitgliedern, bei denen
das Sammeln von Schutzgeldern oder Spenden vermutet wird, durchleuchten
und die inländischen und ausländischen Verbindungen untersuchen. Konten
von denen der PKK Gelder überwiesen werden, werden den Sicherheitskräften
mitgeteilt.
- Grenzposten werden verstärkt, um die Einfuhr von Schmuggelzigaretten,
Alkohol, Treibstoffen und Elektrogeräten in die Türkei, die zu den wichtigsten
Einnahmequellen der PKK gehören, zu verhindern.
- Um die ausländischen Finanzierung der PKK zu unterbinden, werden Interpol
und das Außenministerium informiert werden.
- Durch Interpol soll gegen die als Schatzmeister der PKK bekannten Personen
ein internationaler Haftbefehl erlassen werden.
- Es sollen Maßnahmen erlassen werden, die es den Richtern und Staatsanwälte
ermöglichen, effektiver und schneller gegen die Gelder, die der PKK zufließen,
vorgehen zu können.
- Gegen Betriebe, bei denen aktive Tätigkeiten in den Gebieten und Geldübertragungen
an die PKK bekannt geworden sind, sollen innerhalb kurzer Zeit alle rechtlichen
Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Die Konten der genannten Betriebe
sollen durchleuchtet werden und bei Bedarf beschlagnahmt werden.
Quelle: Yeni Özgür Politika,
28.04.2012, ISKU
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