Die Familien der Kinder von Pozanti sollen bestraft werden

Die Regierung, die die kurdischen Kinder im Gefängnis von Pozanti durch Vergewaltigung zu „erziehen“ versucht, will die Eltern der Kinder mit Geldstrafen einschüchtern. 30 Familien, deren Kinder Opfer des TMK (Anti-Terrorgesetz) wurden, sollen insgesamt eine Geldstrafe in Höhe von 500.000 TL (etwa 230.000 €) zahlen.
Die Familien, deren Kinder, die zu verschiedenen Zeitpunkten in Mersin und Adana festgenommen worden sind und in den Gefängnissen schon Misshandlungen, Vergewaltigungen und Folter ausgesetzt waren oder sind, werden mit einer weiteren Repression belegt. Sie wurden zu einer Geldzahlung von 500.000 TL verurteilt. Dies wurde von dem Menschenrechtsverein IHD, den die Familien kontaktierten, aufgedeckt. Nach Angaben des IHD kann die Zahl der betroffenen Familien noch um ein weiteres höher liegen.
Der Vorsitzende des IHD-Mersin, Ali Tanrıverdi, bewertete den Fall wie folgt: „Die Gräueltaten von Pozanti wurden mit seinem ganzen Ausmaß an die Öffentlichkeit getragen. Nun wurde nach einer Aufforderung des Innenministeriums an das Gouvernement von Mersin, gegen die Familien der Kinder mit der Behauptung, sie hätten ‚staatliches Eigentum beschädigt‘, sehr hohe Geldstrafen gefordert. Falls die Familien den Zahlungen nicht nachkommen sollten, wird ihnen mit dem Vollzug durch das Gericht gedroht. Dies ist den Kindern und deren Familien gegenüber eine weitere große Grausamkeit. Dabei wurden einige dieser Kinder in den Prozessen freigesprochen, andere Prozesse dauern noch an. Schon im Voraus werden die Kinder als schuldig betrachtet. Mit dieser Politik, mit dieser Repression, mit diesen hohen Geldstrafen, die die Familien nicht aufbringen können, werden sie weiter unterdrückt. Die Geldstrafe in Höhe von 500.000 TL ist rechtswidrig. Aus diesem Grunde haben uns bis heute 30 Familien konsultiert. Wir glauben jedoch, dass die Zahl weitaus höher liegt, wenn sämtliche Familien, deren Kinder festgenommen wurden oder deren Kinder inhaftiert sind, zu solch astronomischen Geldstrafen verurteilt worden sind. Wir glauben zudem, dass es sich hierbei um eine neue Unterdrückungspolitik der AKP-Regierung handelt. Aus ökonomischer Sicht sind die Familien sowieso schon extrem benachteiligt. Der Schaden durch solch hohe Geldstrafen, die sie nicht aufbringen werden können, wird so weiter erhöht.“
Reşit K., Vater von M. K. wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 TL verurteilt. K. der angibt, dass er diese Summe niemals wird aufbringen können, stellte in Richtung Regierung folgenden Frage: „Mein Sohn hat noch nicht einmal eine Strafe erhalten. Wie kann dann eine solch hohe Geldstrafe gegen uns verhängt werden?“

Quelle: Özgür Gündem, 25.04.2012, ISKU

ISKU | Informationsstelle Kurdistan