| Aufruf
der Hungerstreikenden in Straßburg
Die 15 Hungerstreikenden
in Straßburg haben in einem gemeinsamer Erklärung den Europarat dazu aufgefordert
endlich zu handeln. Zugleich haben sie auch an die Bevölkerung appelliert
weiter ergebnisorientiertere demokratische Aktionen durchzuführen.
Am 48.Tag ihres Hungerstreiks
gaben die AktivistInnen folgende Erklärung ab:
„Unser unbefristeter Hungerstreik, den wir am 1.März in Straßburg aufgenommen
haben, befindet sich im 48. Tag. Es muss an dieser Stelle nicht weiter
drauf eingegangen werden, dass sich unser Gesundheitszustand tagtäglich
ein wenig weiter verschlechtert. Der Gesundheitszustand einiger Freunde
hat bereits einen kritischen Zustand erreicht.
Das Ziel unserer Aktion ist, nicht weiter zuzulassen, dass die Würde der
Menschen angegriffen wird. Die Würde und der Repräsentant des kurdischen
Volkes ist der Vorsitzende Apo [Abdullah Öcalan] und unsere Aktion zielt
auf die Freiheit des Vorsitzenden ab. […]
Mit dieser Phase, die wir initiiert haben, wollen wir den Europarat und
andere europäische Institutionen dazu bewegen, ihrer Verantwortung gerecht
zu werden und ihre Aufgaben zu erfüllen. Der Europarat sollte nicht bloß
im Hinblick auf seine politischen und wirtschaftlichen Vorteile agieren.
Er ist gewissermaßen eine übernationale und überstaatliche Organisation
und sollte deshalb seine Unabhängigkeit wahren.
Auch die Aufgabe des CPT, das an den Europarat angebunden ist, ist mehr
als klar. Ihre Aufgabe ist die Unterbindung von Folter sowie die Verfolgung
und Unterbindung von Gewalt- und Foltervorfällen in den Gefängnissen.
Wir erinnern diese Institutionen an ihre Aufgaben. Wir machen ihnen deutlich,
dass in der Türkei jegliche Menschenrechte missachtet werden, die demokratischen
und freiheitlichen Forderungen der Bevölkerung mit Gewalt negiert werden
und an dem kurdischen Volk ein kultureller, politischer und militärischer
Genozid vollzogen wird. Wir sagen ihnen gegenüber: ‚Seit 8 Monaten bekommen
wir kein Lebenszeichen von Öcalan, wir wissen nichts über seine Sicherheit
auf der Gefängnisinsel Imrali und seinen Gesundheitszustand. Leiten Sie
diesbezüglich die notwendigen Schritte ein!‘ Kann es eine selbstverständlichere
Forderung geben. Wir machen ihnen deutlich, dass, wenn auch sie für ein
Ende des Blutvergießens sind und den Frieden fordern, die Freiheit Öcalans
unabdingbar ist. Es müssen Bedingungen geschaffen werden, unter denen
er aktiver Part im politischen Prozess sein kann.
Unsere Forderungen sind mehr als gerechtfertigt und sie passen in jegliches
internationales Normengefüge. Wir fordern Gerechtigkeit für die Kurden,
was allein durch die Anerkennung ihrer Status gewährleistet werden kann.
Und wir fordern die Freiheit von Abdullah Öcalan, dem Repräsentanten des
kurdischen Volkes. Aus diesen Gründen haben wir mit dem Hungerstreik angefangen.
In dieser kritischen Phase muss unsere Bevölkerung noch aktiver werden
und durch demokratische Aktionen in der Lage sein, die Gegenseite noch
besser zu überzeugen.
Quelle: ANF, 17.04.2012,
ISKU
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