17 Jugendliche im Hungerstreik

Am 06.10.2011 wurden in Mersin 17 Jugendliche bei der Trauerfeier von Sadik Kaya (HPG-Mitglied) festgenommen. Seit 4 Monate sind sie im Gefängnis, ohne rechtskräftig verurteilt zu sein und ohne vor Gericht gestanden zu haben. Aus diesem Grund sind sie nun in einen Hungerstreik getreten. Vorgeworfen wird ihnen „Propaganda für eine Organisation“ betrieben zu haben, eine Anklageschrift liegt aber noch immer nicht vor.
Die Familien der einsitzenden Jugendlichen beschweren sich wegen der Situation ihrer Kinder und auch der Menschenrechtsaktivist und Anwalt Eyüp Sabri Öncel fordert, dass die Anklageschrift so schnell wie möglich vorzulegen sei, um den Jugendlichen nicht noch mehr Schaden zuzufügen.
Die Mutter des Gefangenen Jiyan O. (16) erklärte, dass sie jede Woche ihren Sohn im Gefängnis besucht kann, die Bedingungen jedoch miserabel sind. Sie erwartet, dass sich die Bedingungen ändern und die Jugendlichen sich vor Gericht verteidigen können. Dass nach mehr als vier Monaten sie noch immer ohne Urteil im Gefängnis einsitzen, ist nicht länger haltbar.
2011 wurden in Mersin 120 Jugendliche und Kinder wegen der „Teilnahme an Protestaktionen“ oder dem „Werfen von Steinen auf Polizisten“ festgenommen. Der Vorsitzende des Menschenrechtsvereins IHD von Mersin Ali Tanriverde räumte ein, dass es zuvor nie eine so große Anzahl von inhaftierten Jugendlichen und Kindern in Mersin gegeben hat und die Polizei sozusagen eine „Jagd“ auf kurdische Jugendliche und Kinder veranstaltet.
Tanriverdi wies darauf hin, dass der Grund der Festnahmen zumeist die Beteiligung an öffentlichen Presseerklärungen oder Protestaktionen ist. Dies aber sind demokratische Aktionsformen.
Außerdem würden wegen der schlechten Behandlung im Gefängnis viele Beschwerden beim Menschenrechtsverein eingehen, so der Menschenrechtsaktivist Ali Tanriverdi und fügte hinzu, dass die zunehmenden Festnahmen die Bevölkerung sehr beunruhigen.

Quelle: ANF, 25.01.2012, ISKU

ISKU | Informationsstelle Kurdistan