| Was
machen deutsche Leopard Panzer in Südkurdistan (Nordirak)?
Die internationale Nachrichtenagentur
Reuters hat gestern mit einer Meldung im Rahmen der grenzüberschreitenden
Luftangriffe der türkischen Armee auf Ziele in Südkurdistan, die nunmehr
seit dem 17. August andauern, auf die ständigen Militärstützpunkte der
Türkei in Südkurdistan aufmerksam gemacht. Nach der Meldung der Agentur
sind etwa 1300 türkische Soldaten in Südkurdistan stationiert. Bei den
Luftangriffen auf südkurdisches Gebiet sind bisher mindestens sieben Zivilisten
ermordet worden.
Türkische Militäreinheiten
halten sich laut der Meldung seit den 90er Jahren unter anderem in dem
Ort Bamarne auf, der etwa 40 km entfernt von der türkischen Grenze liegt.
Diese „militärischen Vorposten” des türkischen Militärs sind laut Reuters
bombensichere Festungen, in denen Panzer, Lastwagen und gepanzerte Fahrzeuge
stationiert sind.
Allerdings wurde in der Meldung von Reuters bewusst oder unbewusst ein
wichtiges Detail, das für die deutsche Öffentlichkeit von Interesse sein
dürfte, ausgeblendet. Dieses Detail wurde von der Nachrichtenagentur Fırat
(ANF) bereits in einer Meldung vom 19. Mai 2010 veröffentlicht. In zwei
weiteren Stützpunkten des türkischen Militärs in den südkurdischen Ortschaften
Batufa und Kanimasi, sind etwa tausend türkische Soldaten und etwa 20
deutsche Leopard 1 Panzer stationiert. Die Ausblendung dieser Information
erscheint vor dem Hintergrund interessant, da in den letzten Monaten die
Entscheidung über den Verkauf von 200 Leopard Panzern des Typs 2A7+ durch
die Bundesregierung an Saudi Arabien breite Wellen in der deutschen Öffentlichkeit
geschlagen hat.
Die Leopard 1 Panzer wurden Anfang der 90er Jahre durch Deutschland an
die Türkei unter der Bedingung verkauft, dass sie nicht gegen die kurdische
Bevölkerung eingesetzt werden dürfen. Um die Zustimmung der deutschen
Öffentlichkeit zu erlangen, verkündete die damalige Bundesregierung, dass
diese Garantie von der Türkei gegeben worden sei. Allerdings stellt sich
vor dem Hintergrund, dass diese Panzer nun in Südkurdistan stationiert
sind, die Frage, was diese wohl dort zu suchen haben?
Die Nachrichtenagentur Fırat (ANF) hatte in der Vergangenheit bereits
mehrfach über die Militärstützpunkte der Türkei in Südkurdistan berichtet.
Demnach existieren die Stützpunkte in den Gebieten Batufa, Bamerni, Begova
und Kanimasi seit 1995. Die kurdische Regionalregierung in Südkurdistan
verlängerte seitdem jährlich die Erlaubnis für die Stationierung der türkischen
Armee um ein weiteres Jahr.
Neben den deutschen Leopard 1 Panzern in Batufa und Kanimasi sind etwa
zehn weitere türkische Militärpanzer in Bamerne in angriffsbereiter Position
stationiert. Auch im Norden der Stadt Amediye sind drei weitere türkische
Panzer stationiert.
Dass die Bundesregierung Deutschland die Türkei im Kampf gegen die Kurden
mit Waffen unterstützt, ist bekannt. Selbst in der Phase des schmutzigen
Krieges gegen die Kurden zwischen 1990 und 2000 hatte die Bundesregierung
ihren Verkauf von Leopard Panzern an die Türkei nicht gestoppt. Dies löste
damals vor allem bei der linken Opposition und zahlreichen zivilgesellschaftlichen
Organisationen Proteste aus. Allerdings hielt die Kohl Regierung und später
auch die rot-grüne Regierung an ihrem Kurs fest.
Quelle: ANF, 31.08.2011, ISKU
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