| Das
Massaker hat begonnen
Das türkische
Militär hat bei seinen Luftangriffen auf das Kandil-Gebiet zwei zivile
Fahrzeuge getroffen. Hierbei kamen sieben Menschen ums Leben, darunter
vier Kinder und eine Frau. Die Körper der Opfer wurden durch den Angriff
in Stücke gerissen.
Mit den letzten Angriffen auf
Südkurdistan hat der türkische Staat unter Beweis gestellt, dass er bei
seinen langgeplanten Angriffsplänen bereit ist jedes Mittel des schmutzigen
Krieges anzuwenden. Während die Bombardierungen in Südkurdistan anhalten,
werden zeitgleich breitangelegte militärische Operationen in Sêrt (Siirt)
und Dersim durchgeführt.
Durch die Angriffe, die mit der Kenntnis und der Erlaubnis des Irans,
des Iraks, der südkurdischen Regionalregierung und der USA durchgeführt
werden, wird beabsichtigt, die Zivilbevölkerung zur Auswanderung zu zwingen.
Aus diesem Grund werden zivile Opfer billigend in Kauf genommen. Die Bevölkerung
soll soweit verunsichert und in Angst versetzt werden, dass ihnen keine
andere Wahl bleibt als ihre Dörfer zu verlassen. Endgültiges Ziel dessen
ist, dass nach dem Verlassen der Zivilbevölkerung ein „problemloser“ Bereich
für die anschließende Nutzung von chemischen Waffen entsteht. Dutzende
Dorfbewohner haben bereits mit dem Verlassen ihrer Ortschaften begonnen.
Dabei wurden heute durch Luftangriffe der türkischen Armee sieben Zivilisten,
darunter Kinder und Frauen, massakriert.
Die Luftangriffe auf die Meder-Verteidigungsgebiete in Südkurdistan und
die breit angelegten militärischen Operationen in Nordkurdistan/Türkei
werden von medialer Propaganda begleitet, im Rahmen der psychologischen
Kriegsführung. Den Protesten gegen die Luftangriffe hingegen wird mit
brachialer Gewalt der Sicherheitskräfte begegnet.
Die irakische Regierung in Bagdad stellte ihre Unterstützung für die Pläne
des türkischen Staates, welche selbst für ihr neues Angriffskonzept ‚das
Modell Sri Lankas‘ als Vorbild sieht, offenkundig unter Beweis. So soll
die irakische Regierung jedem Zivilisten, der bereit ist sein Zuhause
im Kandil-Gebiet zu verlassen, ein größeres Geldangebot von 30 Millionen
Dinar, etwa 17.600 Euro, gemacht haben. Die südkurdische Regionalregierung
begnügt sich demgegenüber bisher lediglich damit, dass sie ihren Unmut
gegenüber den Luftangriffen kundtat.
Die Luftangriffe gehen auch am fünften Tag weiter. Gestern und heute wurde
die Gebiete um Kandil, Zap, Haftanin, Metina, Xinerê und Xakurkê zum Ziel
der Angriffe. Allein bei den Angriffen in Kandil waren mindestens zehn
Kriegsflugzeuge beteiligt.
Bei dem Luftangriff auf Kandil
wurden zwei Autos von Zivilisten in Höhe des Dorfes Gollê getroffen. Hierbei
wurden sieben Familienmitglieder getötet (Bilder der zerstückelten Leichname
liegen der Zeitung vor):
Hasan Mustafa Hasan (Vater), Mer Haci Mam (Mutter), Solin Şemal Hasan
(6 Monate), Sonya Şemal Hasan (4 Jahre), Oskar Hüseyin (10 Jahre), Zana
Hüseyin Mustafa (11 Jahre) und Rezan Hüseyin Mustafa (34 Jahre)
Der Bürgermeister von Zergele, ebenfalls Ziel der Luftangriffe, berichtete
gegenüber ROJ TV, dass alle Opfer aus einer Familie stammen. „Wir haben
bereits die chemischen Angriffe Saddams miterlebt. Und jetzt erleben wir
die Luftangriffe der Türken und den Raketenbeschuss der Iraner“, so der
Bürgermeister weiter.
Das türkische Militär erklärte am dritten Tag der Luftangriffe, am 19.
August, dass sie in den Gebieten Kandil, Haftanin, Xakurkê und Gara insgesamt
20 Ziele getroffen hätten.
In der Stellungnahme der HPG hieß es, dass vom 18. bis zum 20. August
insgesamt acht Gebiete bombardiert worden sind. Hierbei wurden auch zivile
Einrichtungen zum Ziel der Angriffe. Zeitgleich mit den Angriffen des
türkischen Militärs nahm die iranische Regierung das Gebiet Xakurkê unter
Raketenbeschuss. Zudem öffnete die iranische Regierung ihren Luftraum
für die Militärflugzeuge aus der Türkei.
170 Dörfer
in und um das Kandil-Gebiet sollen geräumt werden
Die irakische Zentralregierung fasste den Beschluss, die türkische Regierung
bei der Entvölkerung der Meder-Verteidigungsgebiete, zu unterstützen.
So sollen insgesamt 170 Dörfer in und um das Kandilgebiet geräumt werden.
Diejenigen Familien, die ihr Dorf freiwillig verlassen, sollen mit einem
Geldbetrag von 30 Millionen Dinar, etwa 17.600 Euro, entschädigt werden.
Einige Bewohner haben bereits wegen der Luftangriffe begonnen ihre Dörfer
zu verlassen.
Die gemeinsame Politik der irakischen Regierung und der Türkei nähren
die Befürchtungen der Bevölkerung, dass nach der Entvölkerung des Gebiets
der Einsatz chemischer Waffen gegen die PKK folgen könnte.
Parallel zu den Luftangriffen der Türkei findet eine weitere Verlegung
von Militäreinheiten an die Grenze zu Südkurdistan statt. So werden seit
Tagen militärisches Gerät sowie und Waffen und Soldaten nach Çelê (Çukurca)
gebracht.
Quelle: Yeni Özgür
Politika, 22.08.2011, ISKU
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