Proteste und Straßenschlachten wegen europäischen Angriff auf Roj TV

In vielen kurdischen Städten wie auch in Europa wurde wegen der Durchsuchung und Zerstörung von Büros und Sendeanlagen von Roj TV in Belgien, den Razzien gegen die Europavertretung der Partei für Frieden und Demokratie BDP und des Kurdischen Nationalkongressen KNK, protestiert. In einigen Orten kam es nach Polizeiangriffen zu heftigen Straßenschlachten mit mehreren schwer verletzten Aktivist_innen.
In Diyarbakır, Siirt, Viranşehir, Ceylanpınar und Şırnak nahmen jeweils mehrere hundert Personen an Demonstrationen gegen die Repression teil.

Straßenschlachten und Verletzte in Hakkari und Yüksekova
In Hakkari wurde ebenfalls eine Demonstration organisiert, an der viele hundert Menschen teilnahmen. Die Polizei griff die Demonstration mit Wasserwerfern und Gasgranaten an und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen, die sich im Laufe des Tages auf das ganze Stadtgebiet ausbreiteten.
Bei einer der nach den Auseinandersetzungen folgenden Hausdurchsuchungen wurde u.a. ein siebenjähriges Kind wegen Teilnahme an einer Protestaktion festgenommen.
In Yüksekova kam es ebenfalls zu heftigen Auseinandersetzungen nach einem Polizeiangriff auf die Demonstration. Ein Aktivist wurde durch eine Polizeikugel schwer verletzt, ein weiterer wurde durch ein Panzerfahrzeug, das ihn angefahren hatte, schwer verletzt wurde. 3 Menschen, darunter ein Kind erlitten Vergiftungen, nachdem eine Tränengasgranate durchs Fenster in ihre Wohnung geschossen worden war. Alle diese Personen befinden sich noch im Krankenhaus. Seit gestern sind alle Geschäfte in Yüksekova aus Protest gegen die Repression geschlossen. Mit neuen Auseinandersetzungen wird gerechnet.

Aktionen in Europa
Auch in vielen europäischen Städten gingen trotz Kurzfristigkeit der Mobilisierung Tausende Kurd_innen zusammen mit Internationalist_innen aus europäischen Ländern auf die Straße. In Deutschland gab es Demonstrationen unter Teilnahme von mehreren Hundert Menschen in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Hannover, Nürnberg und Hannover.
In Brüssel demonstrierten mehrere Tausend Menschen gegen diesen Angriff auf die kurdische Bewegung.
In Toulouse liefen ca. 1000 Demonstrant_innen aus Protest zum belgischen Konsulat. In Venedig versammelten sich Student_innen zusammen mit Metallarbeiter_innen von der Gewerkschaft FIOM vor einem Fernsehsender. Auch in etlichen anderen italienischen Städten kam es zu Protesten. Auch in London, Bern und Bordeaux kam es zu Demonstrationen.
In Hannover griff die Polizei eine Demonstration von ca. 600 Personen an. Dabei wurden mehrere Personen verletzt und festgenommen. Aus Protest dagegen und um die Freilassung zu fordern, besetzten daraufhin ca. 25 Personen das Polizeirevier und führten eine Sitzblockade durch. Als Journalist_innen die Situation im Polizeirevier dokumentieren wollten, griff die Polizei mit Fäusten und Knüppeln an.

Quelle: ANF, 07.03.2010, ISKU

Video zu Hakkari:
http://www.hakkarihabertv.com//haber/roj_tv_kapandi_olaylar_cigrindan_cikti.asp
Video zu Yüksekova:
http://www.yuksekovaguncel.com/haber_detay.php?id=10741

ISKU | Informationsstelle Kurdistan