DTP ruft zu Waffenstillstand auf

Der DTP-Vorsitzende Ahmet Türk hat den Kongra Gel zu einem Waffenstillstand aufgerufen, um eine Lösung der kurdischen Frage über einen demokratischen Dialog zu ermöglichen. Auf einer Presseerklärung in Diyarbakir erklärte Türk am Montag: „Wir hoffen, dass der Kongra Gel unseren Aufruf beantwortet und glauben an eine positive Antwort.“

Es werde versucht, den Konflikt um die kurdische Frage so anzuspitzen, dass eine Lösung immer unmöglicher gemacht werde. „Mit der nationalistisch-chauvinistischen Welle, die bereits jetzt die kurdisch-türkische Einheit sprengt, erhält der Wille zu einem Zusammenleben einen Schlag, wie es ihn in den vergangenen tausend Jahren nicht gegeben hat.“ Türk verwies auf die Lynchversuche an Kurden in der Westtürkei in den vergangenen Tagen und sagte, es sei vor allem politischen Kreisen, dem Staat und den zivilgesellschaftlichen Organisationen zuzuschreiben, dass man in dieser Problematik an diesen Punkt gekommen sei.

„Damit kein einziger weiterer Mensch mehr sein Leben verliert, damit unsere Völker sich nicht gegenseitig erwürgen, damit eine würdevolle, freie und gleiche türkisch-kurdische Einheit enstehen kann, damit der in jüngster Zeit künstlich angeheizte türkisch-kurdische Konflikt und die Provokationen nationalistisch-chauvinistischer Kräfte ins Leere laufen, für wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung, für die Vorbereitung einer friedlichen, demokratischen und auf einem Dialog basierenden Lösung der kurdischen Frage, damit jeder in diesem Land mit seiner eigenen Sprache, Identität und Farbe würdevoll leben kann, um den kommenden Generationen die Chance auf Frieden, Liebe, Toleranz und Glück statt Schmerz und Tränen zu geben – dafür rufen wir zu einem Waffenstillstand auf.“

Auf die Frage, warum sich der Aufruf lediglich an den Kongra Gel richte, erklärte Türk, „um der von der Parteibasis kommenden Stimme ein Ohr zu geben“. Die Gesellschaft leide unter dem Krieg, ein Waffenstillstand als wichtiger Schritt für eine Lösung des Problems werde zu einer Entspannung in der Bevölkerung beitragen.

Auf einer weiteren Pressekonferenz in Ankara am Dienstag antworte Ahmed Türk auf die Frage, ob bereits eine Reaktion auf den Aufruf erfolgt sei: „Wir haben bereits erklärt, dass wir daran glauben, dass unser Aufruf gewertet werden wird. Es besteht Bedarf nach einem neuen Entwicklungsprozess. Die Türkei muss die Dinge überdenken, die Vergangenheit noch einmal betrachten. Mein Aufruf richtet sich an alle. Ich glaube daran, dass ein positiver Punkt erreicht werden kann. In der Vergangenheit hat es bereits Aufrufe von Intellektuellen gegeben. Ich schätze, dass es neue ähnliche Aufrufe geben wird. Die Demokratische Friedensinitiative hat einen solchen Aufruf gemacht. Wichtig ist es, den Ruf nach Frieden überall, in allen Kreisen zu entwickeln.“

Zu einer Frage zu dem am Mittwoch bevorstehenden Treffen der neu ernannten „PKK-Koordinatoren“ der USA und der Türkei, bei dem die türkische Seite erneut die Auslieferung von PKK-Führungskadern fordern wird, erklärte Türk, es müssten endlich Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden: „Realismus ist gefordert. Wir wollen einen friedlichen Prozess und ein entsprechendes Programm, damit die Türkei zur Ruhe kommt und das Leid ein Ende findet. Öcalan wurde ausgeliefert, und hat damit die kurdische Frage aufgehört zu existieren, ist das Problem gelöst worden? Wird das Problem ein Ende finden, wenn morgen weitere ausgeliefert werden? Nein. Wir wollen, dass eine Logik in den Vordergrund tritt, nach der das Problem grundlegend angegangen wird, die Geschwisterlichkeit der Völker gepflegt und ein Zusammenleben ermöglicht wird. Das Problem kann nicht mit der Auslieferung einiger gelöst werden. Schaut in die Geschichte, der Staat selbst spricht von 29 kurdischen Aufständen. Und was haben Unterdrückung und Vernichtung genützt? Wird die kurdische Frage aufhören zu existieren, wenn die PKK vernichtet wird?“

Quelle: ANF, 11./12.09.2006, ISKU

Übersetzung aus dem Türkischen
ISKU | Informationsstelle Kurdistan