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Initiative Freiheit für Abdullah Öcalan - Frieden in Kurdistan
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10
Jahre Imrali, 10 Jahre Folter – Öcalan und das „europäische Guantanámo“
Zum zehnten Male jährt sich am 15. Februar die Verschleppung des Kurdenführers
Abdullah Öcalan aus Kenia in die Türkei. Vorausgegangen war war eine wochenlange
Odyssee zwischen zwischen Damaskus, Moskau, Athen, Rom und Amsterdam,
die am 15. Februar 1999 mit einem kriminellen Piratenakt ihr Ende fand
– unter maßgeblicher Beteiligung von CIA, MIT und Mossad, mit der Unterstützung
Russlands, Griechenlands und anderer europäischer Staaten.
Öcalan war nach Europa gekommen, um für eine friedliche Lösung des langjährigen
blutigen türkisch-kurdischen Konflikts zu werben. Die ausgestreckte Hand
zum Frieden wurde ausgeschlagen. Kein Land erklärte sich bereit, den Kurdenführer
aufzunehmen oder gar die Initiative in einem Vermittlungsprozess zwischen
den Konfliktparteien zu übernehmen. Die Würfel der Entscheidung waren
bereits gefallen, die Kurden standen, wie so oft, den geostrategischen
und wirtschaftlichen Interessen der führenden Mächte im Mittleren Osten
im Wege. Bewusst wurde eine weitere Eskalation des Krieges in der Türkei
in Kauf genommen, um aus den Folgen politisches Kapital zu schlagen. Die
Verschleppung Abdullah Öcalans sollte hierfür der Auftakt sein.
Doch immer noch beharren die Kurden auf ihre politischen und kulturellen
Rechte, weiterhin ist Öcalan im Denken der Kurden omnipräsent. Immer noch
versucht die Türkei, das Problem mit militärischen Mitteln in Griff zu
bekommen, auch heute sterben türkische Soldaten und kurdische Guerilleros.
Die Menschenrechtslage ist nach wie vor katastrophal. Die kurdische Frage
harrt auch nach zehn Jahren der Verschleppung Öcalans ihrer Lösung.
Der 15. Februar 1999 war auch ein Wendepunkt im türkisch-kurdischen Konflikt.
Öcalan intensivierte seine Friedensbemühungen, statt auf Eskalation zu
setzen. Er rief die kurdischen Rebellen zur einseitigen Beendigung des
Krieges auf. Gleichzeitig verband er dies mit der Forderung nach Anerkennung
kultureller und sprachlicher Rechte für die Kurden, wonach die Lösung
der kurdischen Frage im Rahmen der Demokratisierung der Türkei erreichbar
schien. Mit dem Rückzug der kurdischen Guerilleros auf Territorien außerhalb
der Türkei entspannte sich die Situation. Regierung und Militärs ließen
die Gelegenheit zum Frieden ungenutzt verstreichen. Das kurdische Friedensangebot
wurde als Schwäche ausgelegt.
Die anfänglichen Reformbemühungen der Türkei im Rahmen des EU-Annäherungsprozess
unter der Erdogan-Regierung, welche auch den Kurden auf dem Papier einige
Rechte zugestanden haben, sind erlahmt. Nach den jüngsten Ausfällen Erdogans
in Davos kommen selbst seinen hartnäckigsten Befürwortern Zweifel daran,
ob der türkische Regierungschef nicht doch ein Wolf im Schafspelz sein
könnte, der despotisch danach strebt, die Türkei nach seinem islamistischen
Weltbild auszurichten. Dies aber wäre nicht mit den Wunschvorstellungen
einiger westlicher Sicherheitsstrategen in Einklang zu bringen, die die
These vom gemäßigten Islam als Brücke zur muslimischen Welt vehement verteidigen.
Der Machtkampf zwischen dem säkularen und islamistischen Lager bestimmt
die Innenpolitik, selbst die als unantastbar geltende Armee kann sich
nicht mehr sicher sein. Menschenrechte, demokratische Reformbemühungen
oder eine Lösung der kurdischen Frage bleiben auf der Strecke. Immer noch
halten die systematischen Menschenrechtsverletzungen an der kurdischen
Zivilbevölkerung an. Weiterhin werden Oppositionelle repressiv verfolgt.
Extralegale Hinrichtungen nehmen wieder zu. Friedlichen Protesten der
Zivilbevölkerung wird wieder mit Waffengewalt begegnet. Die alarmierenden
Berichte von Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch, Amnesty
International und dem Menschenrechtsverein IHD über fortgesetzte Folter
oder Tötungen in türkischen Polizeiwachen und Gefängnissen sprechen eine
klare Sprache.
So spiegeln die Haftbedingungen in den türkischen Gefängnissen, insbesondere
aber auf Imrali, exemplarisch die Gesamtsituation des Landes wieder. Sie
zeigen, wie weit die Türkei noch von wirklicher Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
in Europa entfernt ist. Seit zehn Jahren wird Abdullah Öcalan auf der
türkischen Gefängnisinsel Imrali unter menschenunwürdigen Isolationshaftbedingungen
gefangen gehalten. Sein Gesundheitszustand ist stark angegriffen, Besuche
seiner Rechtsanwälte und Angehörigen werden immer wieder willkürlich verweigert.
Seine Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten sind äußerst beschränkt.
Viele seiner Rechtsanwälte werden kriminalisiert oder sind mit Berufsverbot
belegt worden. Die Haftbedingungen entziehen sich jeglicher demokratischen
Kontrolle. Imrali ist ein rechtsfreier Raum.
Das Antifolterkomitee des Europarates (CPT) fordert die Aufhebung der
Isolationshaft von Abdullah Öcalan, doch der der Europarat unternimmt
keine wirklichen Schritte, um die Forderung einer seiner Institutionen
Nachdruck zu verleihen. Schweigend werden die offensichtlichen Rechtsbrüche
eines Mitgliedslandes hingenommen oder gar als marginal erachtet. Imrali
ist aber auch ein Symbol für die Janusköpfigkeit europäischer Menschrechtspolitik.
Während die unerträglichen Verhältnisse auf Guantanámo kritisiert wurden,
schweigen die Kritiker zu den unhaltbaren Zuständen auf Imrali, wo ein
ähnlich rechtsfreier Raum herrscht wie in dem amerikanischen Gefangenenlager.
Unter dem neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama ist die Schließung
von Guantanámo nur eine Frage der Zeit. Das „europäische Guantanámo“ besteht
weiter. Die Forderung nach der Schließung von Imrali ist jedoch nötig,
wenn europäische Menschenrechtspolitik hinsichtlich der Türkei glaubwürdig
sein will.
So sehr auch kurdische Emanzipationsbestrebungen als „terroristisch“ diffamiert
werden, lassen sie sich dennoch nicht unterdrücken. Die einseitige Parteinahme
europäischer und amerikanischer Politik im türkisch-kurdischen Konflikt
hat alles andere als zu einer friedlichen Lösung beigetragen. Der Konflikt
kann jedoch nur im Dialog gelöst werden. Die kurdische Seite hat mehrfach
eindrucksvoll deutlich gemacht, dass sie für solch einen Prozess bereit
ist. Es ist an der Türkei, konstruktive Schritte zur Aussöhnung mit der
eigenen kurdischen Bevölkerung zu unternehmen. Die Einstellung der militärischen
Repression wäre der entscheidende Schritt, aus dem eine dauerhafte Lösung
erwachsen kann. Die Aufhebung der Isolationshaftbedingungen des Kurdenführers
Öcalan, wie dies auch das Antifolterkomitee des Europarates (CPT) fordert,
wäre ein erster Schritt.
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