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12.Dezember
2001
Das Recht auf freie Meinungsäußerung
Antwort
auf einen Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger
Anlässlich
des Internationalen Tages der Menschenrechte, protestierten am 08.12.,
ca. 5000 Menschen in Köln gegen den Krieg in Afghanistan. An dem
Demo-Bündnis beteiligten sich zahlreiche Einzelpersonen und Organisationen,
so auch das kurdische Frauenbüro für Frieden e.V. und YEK-KOM
(Föderation kurdischerVereine in Deutschland) aus Düsseldorf.
Ursprünglich hatte das kurdische Frauenbüro für Frieden
e.V. am gleichen Tag eine Frauendemonstration in Frankfurt geplant, die
jedoch kurzfristig umgestellt wurde zu Gunsten einer Beteiligung an der
Kölner Demonstration. Auf den Vorbereitungstreffen des Bündnisses
wurde abgesprochen, dass das kurdische Frauenbüro für Frieden
e.V. sowie YEK-KOM jeweils eine Rede von 5 Minuten halten sollten. Eine
weitere Absprache bestand darin, dass alle TeilnehmerInnen in verschiedenen
Blöcken auftreten sollten, die Frauen des kurdischen Frauenbüros
z. B. als dritter Block nach dem Bündnis und den Afghanischen Student(inn)en,
welche aber nicht erschienen waren. Die Kurden, die seitens YEK-KOM mobilisiert
waren, sollten als fünfter Block nach den SchülerInnen gehen.
Dies waren die einzigen Absprachen, die getroffen wurden.
Herr
Stephan Kahl schreibt in einem Artikel im Kölner Stadtanzeiger vom
10.12.01, dass die "kurdischen TeilnehmerInnen diese Demonstration
"für ihre eigenen Ziele ausgenutzt" hätten. Des weiteren
war laut Aussagen der Sprecherin des Studentischen Friedensbündnisses
der Universität zu Köln (SFB), Frau Ingrid Holzmayer, zu lesen:
"Wir hatten mehreren Kurden-Gruppen erlaubt, sich an den Protesten
zu beteiligen. Allerdings nur, wenn sie sich mit unserer Sache identifizieren
können. Dass sie für die Freilassung Öcalans protestieren
wollen, wussten wir nicht. Öcalan ist kein Pazifist". Außerdem
wird in dem Artikel den Kurd(inn)en vorgeworfen, sich an keine Absprache
gehalten zu haben. So sei geplant gewesen, dass die Kurd(inn)en am Ende
des Zuges gehen. Sie hätten sich jedoch an die Spitze der Demonstration
gesetzt. Dies ist eine Unterstellung. Die Kurd(inn)en haben sich weder
an die Spitze des Zuges gesetzt noch gegen irgendeine Absprache im Rahmen
der Vorbereitungstreffen verstoßen.
Wir
möchten klarstellen, dass sowohl das Kurdische Frauenbüro für
Frieden e.V. als auch YEK-KOM am Aktionsbündnis beteiligt waren,
was bedeutet, dass diese beiden Organisationen Mitveranstalter gewesen
sind. Warum also wird den KurdInnen "erlaubt", an der Demonstration
teilzunehmen? Den Kurd(inn)en wurde des weiteren vorgeworfen, vorwiegend
die Parole "Freiheit für Öcalan" gerufen zu haben.
Warum fragt sich jedoch niemand, WARUM sie das tun. Tatsache ist, dass
sich der größte Teil des kurdischen Volkes mit dem Vorsitzenden
der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, identifiziert.
Mit seiner Freilassung hängt Frieden und Freiheit nicht nur für
die Menschen in Kurdistan und der Türkei, sondern auf der ganzen
Welt, ab. Seit mehreren Jahren setzt sich das kurdische Volk aktiv für
die Friedens- und Demokratisierungsentwicklung in der Türkei und
in Kurdistan ein. Alle Demonstrationen und Kundgebungen der letzten Jahre
wurden ausschließlich für die Anerkennung der eigenen Identität
und für die Demokratisierung der Türkei geführt. Warum
wird in dem Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers diese Demonstration
vom 8. Dezember als "Kurden Demo" bewertet? Etwa deswegen, weil
nur ca. 300 Nicht-Kurd(inn)en teilgenommen haben? Was können die
KurdI(inn)en denn dafür, wenn nur so wenige Deutsche zu dieser Demonstration
mobilisiert werden konnten? Hätten 10.000 Deutsche und 5000 Kurd(inn)en
an dem Zug teilgenommen, hätte sicherlich niemand gesagt, dass es
sich um eine "Kurden Demo" gehandelt habe. Wäre das Ziel
der Kurd(inn)en gewesen, die Demonstration "für ihre eigenen
politischen Ziele" zu nutzen, hätte das kurdische Frauenbüro
für Frieden e.V. ihre Demo wie geplant in Frankfurt durchgeführt,
und das mit sicher viel mehr kurdischen Teilnehmerinnen. Aber das Ziel
war ja, den internationalen Hintergrund der Demonstration in Köln
in den Vordergrund zu stellen. Die Kurd(inn)en wollten ausdrücklich
gemeinsam mit anderen gegen den Krieg und für Frieden demonstrieren.
War diese Demonstration ausschließlich nur gegen die Bombardierung
von Afghanistan? Nein, zugleich auch gegen die Kriege in anderen Ländern
und gegen jene, die bedroht sind, angegriffen zu werden. Auch in Kurdistan
herrscht Krieg! Die Kurd(inn)en wissen sehr gut, was es heißt unterdrückt,
gefoltert, umgebracht und aus den eigenen Dörfern vertrieben zu werden.
Frau Ingrid Holzmayer mag vielleicht die Sprecherin des SFB sein. Sie
war jedoch nicht die Sprecherin des Aktionsbündnisses. Ihre Aussagen
gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger geben nicht die Meinung
des Aktionsbündnisses wieder, was auf einem Nachbereitungstreffen
am 11.12.01 von vielen Mitgliedern auch so bewertet und kritisiert wurde.
Sicher,
die kurdischen TeilnehmerInnen hätten verschiedene deutsche Parolen
gegen den Krieg und für den Frieden rufen sollen. Dennoch möchten
wir betonen, dass auf den Vorbereitungstreffen keine gemeinsamen Parolen
besprochen und entschieden wurden. Auch das kurdische Volk hat ein Recht
auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht wird es auch in Zukunft
weiter nutzen, um seinen Wunsch nach Demokratie, Frieden und Freiheit
auf der ganzen Welt bekannt zu machen und somit Toleranz und Solidarität
der Völker zu schaffen.
12.12.2001
Gülbahar Aslan, Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V.
Ayten Kaplan, Yek-Kom (Föderation kurdischer Vereine in Deutschland)
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