junge Welt 6.8.99

PKK folgt dem Aufruf von Öcalan

Bewaffneter Kampf offenbar vor Einstellung

Die PKK will offensichtlich dem Aufruf ihres zum Tode verurteilten Vorsitzenden Abdullah Öcalan Folge leisten und ihren bewaffneten Kampf nach 15 Jahren einstellen. Die Führungsspitze der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) veröffentlichte am Donnerstag in Istanbul eine Erklärung, in der sie den Appell ihres Gründers unterstützte. Dazu gehört auch die Zusage, daß die PKK-Truppen Anfang September mit dem Rückzug aus der Türkei beginnen.

Trotz des Friedensappells besteht die türkische Generalstaatsanwaltschaft darauf, daß das Todesurteil gegen Abdullah Öcalan vollstreckt wird. Eine Entscheidung des Obersten Berufungsgerichts wird erst in einigen Wochen erwartet. Falls das Urteil bestätigt wird, müßte dann auch noch das Parlament einer Hinrichtung zustimmen. Möglich ist auch, daß die Todesstrafe in eine Gefängnisstrafe umgewandelt wird.

In der Erklärung des PKK-Führungsrates wurde Öcalans Aufruf als »Wendepunkt in der Geschichte der kurdischen und türkischen Völker« bezeichnet. Die PKK wolle eine »neue Haltung« einnehmen. Das Gremium, das nach Öcalans Gefangennahme im Februar gebildet worden war, forderte zugleich Reformen vom türkischen Staat. Ankara müsse eine »vernünftige, verantwortungsvolle und respektvolle« Haltung einnehmen. Der Appell des 50jährigen Rebellenchefs war am Dienstag von seinen Anwälten veröffentlicht worden. Öcalan sitzt gegenwärtig auf der Gefängnisinsel Imrali in Haft.

(AFP/jW)