Redebeitrag zur Silvester-Demo "Radikal links ins Neue Jahr - Nichts bleibt,
wie es war"
31.12.1998 - 1.1.1999
Die Gleichberechtigung wird in der heutigen Zeit von den höchsten
staatlichen Stellen vorangetrieben. Das Bundesverwaltungsgericht entschied
am 05.06.1998, daß Menschen mit einer leichten Behinderung zur Bundeswehr
einberufen werden können. Die neue rot-grüne Regierung wird es
sich nicht nehmen lassen, die Forderung der frauenbewegten Zeitschrift
EMMA aufzugreifen, auch Frauen an die Waffen zu lassen.
Bei so viel Gleichberechtigung werden wir stutzig. Was als Erfolg einer
Antidiskrimierungspolitik ausgegeben wird, ist in Wirklichkeit die Integration
weiterer Bevölkerungsgruppen in die national-staatlichen Zwangssysteme.
Ein wesentlicher Teil davon ist die Wehrpflicht. Sie dient der Militarisierung
nach innen und außen, der ideologischen Beeinflussung der jungen
Rekruten und der Bereitstellung von Kanonenfutter für die Sache des
Vaterlandes. Als Belohnung für das sich Einfügen in die Wehrpflicht
gibt es das Versprechen, an dem verteidigten bzw. erorberten Reichtum und
der Herrschaft zu partizipieren. Alles im Sinne deutscher Großmachtpolitik.
Für die Förderung und Absicherung weltweiter politischer,
wirtschaftlicher, militärischer und und ökologischer Stabilität,
ziehen die Jungs in den Krieg. Die verteidigungspolitischen Richtlinien
benennen die Kriegsziele deutlich genug: (Zitat): "Aufrechterhaltung des
freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen
in aller Welt im Rahmen einer gerechten Weltwirtschaftsordnung." (Zitatende).
In der Öffentlichkeit versucht die Bundesregierung ihre Kriegseinsätze
natürlich immer mit Menschenrechtlichen Fragen zu legitimieren, inzwischen
gibt es ja dafür sogar einen Menschenrechtsbeauftragten der Regierung.
Für die, die sich die Hände und ihr Gewissen nicht blutig
machen wollen, gibt es den Zivildienst. So die landläufige Meinung.
Doch schon das gleiche Musterungsverfahren und das schikanöse Anerkennungsverfahren
als KDV'er machen klar, daß der Zivildienst nicht die Alternative
zum Kriegsdienst ist, sondern nur die andere Seite der Medaille. Zivildienst
ist Kriegsdienst - nur eben ohne Waffe. Zivildienstleistende wurden schon
zu NATO-Übungen herangezogen und können im sogenannten Ernstfall
zum Gräben ausheben, Lazarettdienst und zum Minen suchen verwendet
werden - dies ist sogar in den offiziellen Kommentaren zum Zivildienstgesetz
nachzulesen. Als Zivildienstleistender unterstützt Du aber schon jetzt
den Rekruten der Bundeswehr, der mit dem Wissen, daß du ja auch für
den Staat schuften mußt, brav seinen Dienst ableistet.
Nicht verwunderlich ist es also, daß jährlich etliche Leute
totalverweigern, d.h. sowohl Kriegs- als auch Zivildienst ablehnen. Da
diese mit ihren Aktionen eine tatsächliche Bedrohung für die
Wehrpflicht darstellen, greift gegen diese das Gesetz mit aller Härte
zu. Immer mehr Totalverweigerer werden zu Haftstrafen bis zu einem
Jahr verurteilt. Die verschärfte Repression gegen Totalverweigerer
in den letzten Jahren ist nur zu verstehen, wenn mensch bedenkt, daß
die BRD ihre außenpolitische Rolle neu definiert und immer selbstbewußter
militärisch agiert.
Jetzt aber noch eine gute Nachricht, um Euch die Stimmung heute Nacht
nicht zu verderben. Wehr- und Zivildienst läßt sich auch viel
einfacher vermeiden. Wer nicht gemustert ist, kann nicht gezogen werden.
Musterungsverweigerung ist ungefährlich, macht Spaß, ist cool
und sehr erfolgreich. Damit Ihr das Mörderhandwerk für's "Vaterland"
nicht lernen müßt, könnt Ihr Euch bei Interesse ja beraten
lassen.