| Bonn (dpa/AP) - Die Bundeswehr muß nach Ansicht von CDU/CSU,
FDP und SPD weiter die Möglichkeit zu öffentlichen Gelöbnissen
Wehrpflichtiger behalten. Damit werde die Verankerung der Streitkräfte
im Gemeinwesen bekräftigt und den Bürgern die Möglichkeit
demokratischer Kontrolle gegeben, hieß es am Donnerstag in einer
von den Liberalen beantragten Aktuellen Stunde des Bundestages über
die Auseinandersetzungen bei dem Gelöbnis vor zwei Wochen in Berlin.
Redner der SPD hoben aber auch den gleichrangigen Schutz des Grundrechts auf Demonstrationsfreiheit hervor. Auch sei bei der Wahl des Orts von Gelöbnisfeiern Fingerspitzengefühl nötig. Gerald Hafner (Bündnis 90/Grüne) sagte, die Bundeswehr gehöre in die Öffentlichkeit. Dazu bedarf es aber keiner “Weiheveranstaltungen“ wie in Berlin. Manfred Müller (PDS) erklärte das Eintreten für Gelöbnisse sei Ausdruck eines „archaisch-feudalen“ Politikverständnisses. Der Parlamentarische Staatssekretär Bernd Wilz vom Verteidigungsministerium erklärte, man wolle “keine Bunker-Mentalität, sondern eine bürgernahe, transparente Armee in unserer Mitte“. Die Demonstranten würden sich zwar Pazifisten nennen, seien aber in Wahrheit „verbale Gewalttäter und Rufmörder“. Die Abgeordnete Verena Wohlleben (SPD) sagte, es sei eine Frage des politischen Gespürs, wie oft und wo öffentliche Gelöbnisse stattfänden. |
Es ist eine der Marotten der politisch Verantwortlichen in der BRD seit1989 “historische Ereignisse“ zu zelebrieren. Seit Abschluß der 2+4 Verträge und dem folgenden Anschluß der DDR werden nicht einfach deutsche Interessen durchgesetzt, sondern es wird auch immer noch ein großes Tam-Tam drumherum veranstaltet. So geschehen bei den offiziellen Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der faschistischen Wehrmacht. Mit viel Pomp wurde dort die Geschichte zu Grabe getragen. Natürlich mit der nötigen Nachdenklichkeit, die die Vertreterlnnen eines Kulturvolkes den vielen Opfern insbesondere unter den eigenen Volksgenossen schulden. Nachdenklich ja, aber in der Sache hart wurde ein Schlu8strich gezogen. Spätestens 1996 bewies sich, daß diese Staatsereignisse nur einen Zweck hatten, die Rückkehr in die deutsche Normalität.

| Während der Demo gegen die öffentliche Gelöbnisfeier der Bundeswehr am Charlottenburger Schloß in Berlin am 30. Mai wurden mehrere Leute verhaftet, weil sie eine Polizeisperre mißachtet hatten. Unter ihnen waren einige Leute aus Leipzig, junge Männer und Frauen, die sich gegen die fortschreitende Militarisierung der Gesellschaft zur Wehr setzen wollen. Eine von ihnen schreibt hier. |
erschienen in: Klarofix 7/1996